Sniper Elite VR Test+

Ab ins virtuelle besetzte Italien

Hagen Gehritz / 8. Juli 2021 - 13:40 — vor 11 Wochen aktualisiert
Steckbrief
PCPS4
Action
Egoshooter
Rebellion
08.07.2021
Link
GMG (€): 59,99 (STEAM)

Teaser

Rebellion spendiert seiner erfolgreichen Stealth-Action-Reihe ein VR-Spinoff. Gelingt auf dem PC ein Volltreffer ins Spielspaßzentrum oder wird es nur ein oberflächlicher Streifschuss?
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Alle Screenshots und Videoszenen stammen von GamersGlobal

Zuletzt schickte euch Rebellion in Sniper Elite 4 (im Test, Note 7.5) mit US-Scharfschützenkönig Karl Fairburne nach Italien, um still und heimlich Nazi-Größen auszuschalten. Im Koop-Zombie-Spinoff Zombie Army 4 (im Test, Note 8.0) musstet ihr dieselben Landstriche erneut säubern, nachdem Hitler und Konsorten dreist als Zombies von den Toten auferstanden sind. Nun folgt mit Sniper Elite VR die Virtual-Reality-Premiere der Stealth-Action-Reihe und wieder hat man sich für den bunten und sonnigen Mittelmeerkriegsschauplatz entschieden.

Diesmal schlüpft ihr allerdings in die Haut eines namenlosen lokalen Partisanenkämpfers, der gegen die Übermacht der Wehrmacht aushält, bis die Alliierten zur Hilfe eilen. Dafür wählten die Entwickler eine nette Metapher: Der gealterte Held blättert im Menü durch sein altes Tagebuch und auf dessen Seiten steuert ihr die achtzehn Missionen oder das Hauptquartier an. In letzterem findet ihr Schießplätze zum Üben mit den vielen Bleispritzen und einen Schuppen, in dem ihr aus allen gefundenen Waffen drei Sets an Startausrüstung mit je drei Schießprügeln zusammenstellen könnt. Ob die Besonderheiten der Serie gut in VR transportiert wurden und wo der Scharfschützenspaß mit Ladehemmungen zu kämpfen hat, verrät dieser Text und das oben eingebundene Testvideo. Getestet wurde die PC Version mit HTC Vive Pro und Oculus Rift S. Daneben erscheint Sniper Elite VR auch für Oculus Quest und PSVR.
Über das Tagebuch steuert ihr die Missionen an. Highscores, Herausforderungen und Sammelgegenstände bieten Wiederspielwert.


Waffenhandling mit Licht und Schatten

Grundsätzlich bietet Sniper Elite VR ein angenehmens Waffenhandling. Die Hauptwaffen holt ihr mit Griff über die linke oder rechte Schulter hervor. Lasst ihr sie fallen, könnt ihr sie dennoch komfortablerweise einfach wieder vom Rücken ziehen, statt sie am Boden suchen zu müssen. Das Nachladen ist schön haptisch und ihr müsst nicht nur die Scharfschützengewehre mit beiden Händen halten (dafür lasst ihr die Grip-Tasten gedrückt), sondern solltet das auch bei Maschinengewehren tun, damit die beim Feuern nicht arg verreißen.

Auch fühlt es sich nach etwas Eingewöhnungszeit organisch an, die Hände so vor das Gesicht zu heben, dass ihr auch etwas durch das Zielfernrohr des Scharfschützengewehrs erkennt. Bald vergesst ihr, dass ihr gar nichts in den Händen haltet. Durch betätigen des linken Triggers löst ihr das aus der Hauptserie bekannte Luftanhalten aus, wodurch euch (außer auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad) ein roter Zielmarker verrät, wo die Kugel entsprechend der Balistik-Simulation landet.

Allerdings gibt es ausgerechnet bei dem Nachladen der Scharfschützen-Repetiergewehre eine Nervigkeit, die immer mal wieder auf den Spielspaß drückt. Für mein Gefühl ist der Interaktionspunkt für die Nachladevorrichtung zu nah am Interaktionspunkt für den Abzug. So kam es zu oft vor, dass ich in hektischeren Momenten versehentlich wieder den Stift betätigte und keine Kugel im Lauf hatte, bis ich die Nachladebewegung wieder komplett ausgeführt hatte. Das merke ich zwar schnell, weil ohne Kugel im Lauf kein Luftanhalten auslösbar ist, aber gerade bei diesen zentralen Gewehren sollte das Nachladen zuverlässiger klappen, wenn ich nicht extra hinsehe, was meine Hände tun.
Der Feind dringt mit einem Laster ins Lager ein. Per Schuss auf den Tank jage ich ihn samt Insassen in die Luft und es hagelt Punkte.


Teilzeit-Rambo

Die Missionen setzen auf zwei Grund-Szenarien. Entweder ihr schleicht durch ein überschaubares Areal und versucht die Gegner auf dem Weg zum Zielpunkt einzeln auszuschalten oder ihr seid auf einem Turm und wehrt (teils mit Hilfe von NPCs am Boden) angreifende Feinde ab. Beim Schleichen sind die Gebiete nicht so ausladend wie in der Hauptserie, was aber auch besser für VR geeignet ist. Das geht aber auch damit einher, dass ihr weniger Raum zum Experimentieren und Freiheiten habt. So könnt ihr zwar wieder laute Geräuschquellen nutzen, um den Krach eurer Schüsse zu verbergen, aber es gibt keine Unterschallmunition oder Gadgets wie Minen, um Leichen zu präparieren.

Nicht nur bei den Abwehrmissionen, sondern auch durch per Skript ausgelöste Feuergefechte in den anderen Levels fühlt sich Sniper Elite VR stärker nach einem Schießbuden-Shooter an. Dazu erzeugt ein gewisser Fokus auf hohe Punktzahlen durch effektives Spielen gelungenes Arcade-Feeling. Dank dem grundsätzlich befriedigenden Anlegen und Feuern macht das Shooter-Gameplay Spaß. Auch wenn die KI sehr selbstmörderisch agiert und teils weiter entfernte Gegner eure Spur verlieren, während der vorn stehende Kamerad noch auf euch feuert.

Da ihr nur an Radio-Checkpoints speichert, aber schnell im Kreuzfeuer sterbt, kommt Spannung auf. Wenn ihr aber taktisch spielt, wird der Titel nicht zu frustrierend. Lasst euch also oft zurückfallen, nutzt explosive Objekte im Level und bleibt stets in Deckung (ihr müsst dafür nicht zwingend die Knie strapazieren, es tut auch ein Druck auf einen der Sticks). Allerdings vermisste ich die Funktion, Gegner per Fernglas zu markieren. So musste ich manches mal abwarten, bis der Feind feuert, damit ich überhaupt erkenne, von woher noch Schüsse auf mich einprasseln. Für den ersten Anlauf in den Missionen werdet ihr in der Regel zwischen 10 und 20 Minuten brauchen.
Unterschiedliche Waffenmodelle bieten jeweils andere Boni bei der Punktejagd.
 

Die Kill-Cam

Wieder mit an Bord ist die berüchtigte Kill-Cam, die der Kugel folgt und im überzeichneten Röngtenblick zelebriert, was das eigene Geschoss so anrichtet, wenn es sich die Feinde durch den Kopf gehen lassen (oder andere verwundbare Stellen). Ganz abgesehen davon, ob man das Feature unterhaltsam überzogen oder geschmacklos findet: Es ist in Sniper Elite VR genau so umgesetzt, wie sonst in der Serie. Die Kamera blendet also um, zeigt die Kugel, wie sie auf den Feind zufliegt und dann nach einer weiteren Blende das anatomische Zeitlupen-Schaubild. Das halte ich für konzeptionell misslungen für ein VR-Spiel. Der plötzliche Wechsel irrtiert beim ersten Mal und auch später lasse ich teils unbewusst die Waffe los. Hier wäre eine Alternative wie eine halbtransparente Einblendung auf der einen Bildhälfte sinnvoller gewesen. Doch die Kill-Cam könnt ihr immerhin ausstellen oder in der Häufigkeit reduzieren. Dazu kommen viele weitere mögliche Komfortanpassungen.

Grafisch reißt Sniper Elite VR keine Bäume aus, aber die Umgebungen punkten mit vielen Details. Zum Genießen laden die Landschaftspanoramen durch die geringe Auflösung aber weniger ein. Dazu gibt es abseits der Flaschen und anderer Objekte zum Ablenken von Wachen wenig in der Umgebung, dass auf eure Hände reagiert. Soundtechnisch überzeugt der satte Waffensound und die englische Vertonung des Protagonisten. Die Sprüche der Wehrmachtssoldaten dagegen sind so überzogen und hölzern vorgetragen, dass ich darüber nur lachen konnte.

Redaktion: Hagen Gehritz (GamersGlobal)

 
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Meinung: Hagen Gehritz

Sniper Elite VR dampft die Formel der Serie nachvollziehbarerweise herunter und die Kill-Cam irritiert in VR , doch die Ballerei macht Laune! Ich kann genüsslich mit etlichen Scharfschützengewehren Feinde aufs Korn nehmen oder im Akimbo-Style die Wehrmacht über den Haufen schießen (letzteres am besten mit Pistolen und nicht MGs, wenn ich auch was treffen möchte). Die rund zehnminütigen Missionen bieten eine gute Mischung aus geradliniger Ballerei und Stealth-Abschnitten. Gerade bei den schleichlastigeren Aufgaben dauert es aber länger, bis ihr die Situation ausgekundschaftet habt und nicht direkt Alarm auslöst und im Kugelhagel draufgeht.

Die KI bekleckert sich dabei jedoch nicht mit Ruhm. Besonders irritierend ist es, wenn nahe Gegner auf euch feuern und weiter entfernte schon anfangen, euch aus den Augen zu verlieren. Umso ärgerlicher ist es, wenn ich einen Raum säubere und im Hinterzimmer direkt vorm Speicherpunkt sterbe, weil in besagtem Raum überraschend noch ein Gegner hockt, der schlicht nicht vom Kugelhagel nebenan aufgeschreckt wurde. Dazu fehlt ein nützliches Feature der Hauptreihe: Die Markierung der Feinde. So habe ich immer mal wieder suchen müssen, aus welcher Richtung nun noch jemand auf mich ballert. Nicht zuletzt kam es ab und an vor, dass ich genervt den Karabiner wegwarf, wenn die Gestenerkennung beim sonst so schön umgesetzten Nachladen zickt. Diese Nervigkeiten drücken auf die Stärken der launigen Ballerbude.
SNIPER ELITE VR PC
Einstieg/Bedienung
  • Tutorial und Übungsgelände
  • Überwiegend gelungene Haptik der Waffen
  • Viele Komforteinstellungen
  • Drei Schwierigkeitsgrade mit Auswirkung auf Hilfsfunktion bei Schüssen aus Entfernung
  • Ducken alternativ mit Tastendruck, statt selbst in die Knie zu gehen
  • Fummelei durch unpräzise Gestenerkennung beim Nachladen der Repetiergewehre
Spieltiefe/Balance
  • Spaßiges Snipern und Ballern
  • Abwechslung durch Verteidigungs- und Schleichmissionen
  • Umgebung nutzen, um Feinde abzulenken oder Schussgeräusch zu verbergen
  • Highscore-Jagd, Herausforderungen und Sammelgegenstände
  • Vielzahl an Waffen mit unterschiedlichen Bonuspunkt-Modifikatoren
  • Im Vergleich zur Hauptserie eingeschränkte Handlungsoptionen
  • Keine Markierung von Feinden und schwierige Ortung, woher Beschuss kommt
  • Relativ lineare Levels
  • Sehr dämliche KI
  • Kill-Cam reißt aus VR-Immersion
Grafik/Technik
  • Gutaussehende Waffenmodelle
  • Umgebung mit vielen Details
  • Maue Auflösung von Häusern und Landschaft
  • Bewegen in Missionsauswahl führt zu glitchen durch Wände
Sound/Sprache
  • Trash-Synchro der Feinde für manche lustig...
  • Krachende Explosionen, donnernde Schüsse
  • Ordentlicher Sprecher für den Protagonisten
  • ... für andere einfach nur schlecht
Multiplayer

Ihr seid die einsame Elite
 
7.0
Userwertung0.0
Mikrotransaktionen
Hardware-Info
Minimum: Win 10, i5-4590/ Ryzen 5 1500X, 8 GB RAM, GTX 1060/ RX480, 14 GB HDD
Maximum: Win 10, i7-8700k/ Ryzen 7 1800X,     16 GB RAM, GTX 1070/ Vega 56, 14 GB HDD
 
Eingabegeräte
  • Maus/Tastatur
  • Gamepad
  • Lenkrad
  • Anderes
Virtual Reality
  • Oculus Rift
  • HTC Vive
  • Playstation VR
  • Anderes
Kopierschutz
  • Steam (bzw. andere VR-Stores)
  • Kopierschutzlose GoG-Version
  • Epic Games Store
  • uPlay
  • Origin
  • Hersteller-Kontoanbindung
  • Ständige Internetverbindung
  • Internetverbindung beim Start




 
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Green Man Gaming Aktuelle Preise (€): 59,99 (STEAM)
Hagen Gehritz 8. Juli 2021 - 13:40 — vor 11 Wochen aktualisiert
Hagen Gehritz Redakteur - P - 72578 - 8. Juli 2021 - 13:41 #

Viel Spaß mit dem Test zu einem doch etwas weniger pelzigem Titel!

Green Yoshi 22 AAA-Gamer - - 31427 - 8. Juli 2021 - 13:43 #

Bekommt ihr auch ein Testmuster für PS4? Insbesondere die Steuerung mit dem Aim Controller würde mich interessieren.

Hagen Gehritz Redakteur - P - 72578 - 8. Juli 2021 - 13:46 #

In dem Fall bleibt es beim PC-Test.

direx 20 Gold-Gamer - - 25634 - 8. Juli 2021 - 15:33 #

Die Steuerung mit dem Aim gleicht in etwa dem, was man mit einem Controller hätte. Es gibt keine frei beweglichen Hände. Nachladen funktioniert per Knopfdruck. Es dürfte also weniger hpaptisch wirken. Auf der anderen Seite ist das Zielen und das Gefühl wirklich einen Karabiner in der Hand zu halten mit dem Aim einfach unschlagbar. Außerdem gibt es die Fehlinterptretationen der Gestensteuerung nicht, die hier im Test erwähnt wurde ...

LukeTheDuke 10 Kommunikator - P - 441 - 8. Juli 2021 - 13:53 #

Danke für den Test, klingt ja jetzt erst einmal nicht so schlecht. Einige Punkte kann Rebellion noch durch Updates verbessern. Frage ist nur ob ich mir die PC oder Quest Version hole....

Tasmanius 20 Gold-Gamer - - 26535 - 8. Juli 2021 - 14:00 #

Ich weiß, ich schreibe das unter jeden Sniper Elite Test, aber es gibt kaum eine Spiele-Serie, die mich derart anekelt.

Harry67 20 Gold-Gamer - - 20314 - 8. Juli 2021 - 14:16 #

Sniper Elite 4 war super. Gutes Leveldesign, sehr viele spannende Situationen... hätte bei mir noch eine ganze Note oben drauf bekommen. Allerdings war der Hauptcharakter tendenziell etwas unsympathisch. Aber auf den beziehst du dich ja wohl nicht ... ;)

Tasmanius 20 Gold-Gamer - - 26535 - 8. Juli 2021 - 20:16 #

Nein, ich beziehe mich auf den, wie Noodles es nennt, abschaltbaren Ekelkram. Der Hauptcharakter ist ja nicht abschaltbar :-).

Noodles 24 Trolljäger - P - 66068 - 8. Juli 2021 - 19:01 #

Kannst den Ekelkram ja deaktivieren. ;)

Tasmanius 20 Gold-Gamer - - 26535 - 8. Juli 2021 - 20:16 #

Ja ich weiß :-)

Gorkon 19 Megatalent - P - 13836 - 8. Juli 2021 - 20:43 #

Dann schalte ihn doch ab. ;-)

direx 20 Gold-Gamer - - 25634 - 8. Juli 2021 - 19:58 #

Man kann übrigens auch in der PC Version das manuelle Laden abschalten. Damit dürfte das Problem der Gestenerkennung etwas minimiert sein ...

Hagen Gehritz Redakteur - P - 72578 - 10. Juli 2021 - 11:47 #

Wobei das Deaktivieren eines für das Mittendrin-Gefühl so wichtigen Features (dass ansonsten gut umgesetzt ist) nun auch keine zufriedenstellende Lösung ist.

thoohl 18 Doppel-Voter - - 9742 - 8. Juli 2021 - 21:02 #

Das Spiel mag ich leider gar nicht.

JensJuchzer 20 Gold-Gamer - P - 24471 - 8. Juli 2021 - 22:29 #

Wenn die vielen kleinen Kritikpunkte pulverisiert sind könnte das ein schönes Titel sein und so wie es sich anhört ist dsa über Bugfixes sehr gut möglich. Hoffen wir mal dass sie es tun, aber ich glaube nicht dran, denn es ist zu offensichltich und vermutlich musste Geld her. Ausserdem kann man in VR nicht wirklcih viel verdienen.

Green Yoshi 22 AAA-Gamer - - 31427 - 8. Juli 2021 - 23:37 #

Das Spiel wurde bereits im März 2019 angekündigt, die Entwicklungszeit dürfte also eigentlich lang genug gewesen sein.

TheRaffer 21 Motivator - P - 30327 - 10. Juli 2021 - 10:10 #

Also, wenn die diese ganzen Nervigkeiten noch in den Griff bekämen, wäre das ein durchaus interessanter Titel. Erfordert nicht soviel rumrennen...