Alleingang mit Präzisionsgewehr

Sniper Elite 3 Test

Überlegtes Vorgehen statt Dauer-Action: In diesem Zweiter-Weltkrieg-Shooter sollt ihr als britischer Geheimagent in Nordafrika einen mysteriösen Plan der Deutschen sabotieren. Wie sich die Kämpfe auf Distanz, aber auch die Stealth-Abschnitte in den offenen Gebieten spielen, analysieren wir in unserem Test.
Christoph Vent 26. Juni 2014 - 17:54 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Aus der Deckung eines Scharfschützennetzes blicken wir von einer kleinen Anhöhe aus durchs Zielfernrohr unseres M1 Garand. Nur wenige hundert Meter von uns entfernt befindet sich unser Zielobjekt, ein fieser Nazigeneral. Wir atmen ein letztes Mal tief ein. Nun noch ausatmen und den Moment abwarten, in dem unsere Lunge komplett geleert ist. Dann den Abzug ziehen, die Kugel macht sich auf den Weg – sag Lebewohl, Nazischerge! Zu lange genießen dürfen wir unseren Triumph aber nicht, denn wir müssen uns schnell aus dem Staub machen: Die Wachen wurden durch den Schuss aufgeschreckt und suchen bereits nach uns.

In Sniper Elite 3 seid ihr anders als in den Vorgängern nicht in Berlin zur Zeit des Zweiten Weltkriegs unterwegs, sondern in Nordafrika. Erneut schlüpft ihr in die Rolle des OSS-Agenten Karl Fairburne. Zunächst sollt ihr lediglich herausfinden, was die Deutschen und Italiener im Afrikafeldzug als nächstes aushecken. Doch schon bald kommt ihr einem viel größeren Plan namens "Projekt Seuche" auf die Schliche. Die Story ist leider früh durchschaut und weitgehend überraschungslos. Dennoch ist uns innerhalb der rund zehnstündigen Kampagne nie langweilig geworden.

Offene LevelarealeDer Name ist Programm: In Sniper Elite 3 werdet ihr sehr häufig durch das Zielfernrohr eines Scharfschützengewehrs schauen. Dennoch kommt ihr immer wieder in Situationen, in denen sich das Ausweichen auf Pistole oder Schnellfeuergewehr anbietet. Mit einem Call of Duty lässt sich das Geschehen aber nicht vergleichen. Das liegt unter anderem daran, dass die Spielgebiete in Sniper Elite 3 um einiges größer ausfallen und Levelschläuche, die euch im Akkord von einer Cutscene zur nächsten hetzen, komplett fehlen.

Eine typische Perspektive in Sniper Elite 3. Viel Zeit werdet ihr damit verbringen, durch das Zielfernrohr zu schauen.
Nicht selten müsst ihr in den offenen Gebieten zwischen zwei Missionszielen gleich mehrere hundert Meter Distanz überwinden. Wie ihr das macht – ob ihr euch direkt durch die Mitte oder aber auf leisen Sohlen über Schleichwege bewegt – bleibt euch überlassen. Empfehlen würden wir euch aber dringend die zweite Variante, da ihr schon auf dem normalen Schwierigkeitsgrad leicht verwundbar seid und nur wenige Treffer aushaltet.

Snipern will gelernt seinDas Snipern erlernt ihr gleich zu Beginn der ersten Mission. Die libysche Stadt Tobruk wird von den Achsenmächten angegriffen, und wir sollen einige ihrer Aufklärer ausschalten. Doch ist es nicht damit getan, durch das Visier zu schauen, das Fadenkreuz auszurichten und zu schießen. Vielmehr gilt es unter anderem, die korrekte Flugkurve zu berechnen – je weiter euer Feind entfernt ist, desto höher müsst ihr zielen. Um das Zittern eurer Hände auszugleichen, müsst ihr vor dem Schuss eure Lunge entleeren, um euch besser konzentrieren zu können. Praktischerweise zeigt euch ein kleines rotes Viereck an, wo genau das Projektil unter Berechnung der Ballistik einschlagen wird. Jedoch darf euer Herzschlag hierfür nicht mehr als 80 Schläge pro Minute betragen, was besonders dann eine interessante Komponente darstellt, wenn ihr gerade vor einem feindlichen Heckenschützen flüchtet. Nach einem Spurt mal schnell hinlegen, das Gewehr ansetzen und dem Gegenüber
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das Lichtlein ausknipsen? Fehlanzeige! Stattdessen müsst ihr euch hinter einer Deckung erst ein paar Sekunden Ruhe gönnen, um euren Puls zu beruhigen.

Über die vier Schwierigkeitsgrade lässt sich Sniper Elite 3 gut an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Wobei wir uns noch einen weiteren zwischen der ersten und der zweiten Stufe gewünscht hätten: Während wir auf Leicht wild ballernd durch die meisten Areale laufen können, wird das Spiel auf Normal an einigen Stellen schon zur echten Herausforderung. Die Warnung, dass sich die oberste Stufe vor allem an Masochisten richtet, darf übrigens wörtlich genommen werden: Hier müsst ihr auf alle Zielhilfen sowie die Herzfrequenz-Anzeige verzichten. Zudem spielt nun auch der Wind eine wichtige Rolle, den ihr durch die Beobachtung herumfliegender Partikel in die Flugbahnberechnung einbeziehen müsst. Die größte Hürde ist aber, dass ihr hier innerhalb einer Mission nicht speichern dürft. Wer will, stellt sich optional einen eigenen Schwierigkeitsgrad zusammen. So legt ihr das Können der KI, die Ballistik inklusive Wind sowie taktische Hilfen wie Minimap und Gesundheitsstand unabhängig voneinander fest.
Kommen euch Feinde einmal so nahe, solltet ihr euer Snipergewehr schnell gegen eine andere Waffe tauschen.
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