Waschbär will's wieder wissen

Sly Cooper - Jagd durch die Zeit Test

Christoph Vent 21. März 2013 - 14:30 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Die Bosskämpfe gehören zu den Highlights des Spiels. Um zu bestehen, müsst ihr euer Gegenüber genau studieren.
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Langwierige MinispieleAllerdings übertreibt es das neue Sly Cooper mit seinen Minispielen, insbesondere dann, wenn sie den Hauptteil einer Mission darstellen. Mit Slys Vorfahren Bob müsst ihr etwa an einer Urzeit-Olympiade teilnehmen, die aus sechs einfachen Übungen besteht. Die Simpel-Aufgaben der Marke „Schlage im richtigen Moment zu“ oder „Halte das Gleichgewicht“ dauern jedoch viel zu lange. Habt ihr jede der einzelnen Disziplinen erfolgreich abgeschlossen, müsst ihr euer Können zudem noch mal in einem Gesamttest beweisen. Mit Murray legt ihr an anderer Stelle einen witzigen Tanz hin, in dem ihr in einem Rhythmus-Spielchen a la Guitar Hero im richtigen Moment die richtige Taste drückt. Lachten wir anfangs noch über die witzige Art, in der die Showeinlage präsentiert wird, waren wir später schon wieder genervt, weil das Lied einfach nicht enden wollte und das Tastendrücken an sich keine Herausforderung darstellt. Darüber hinaus wird das Rhythmus-Spiel auch noch in einem der ansonsten sehr guten Bosskämpfe wiederverwertet.

Die entscheidenden Kämpfe gegen den jeweiligen Oberfiesling laufen stets über mehrere Phasen, sind angenehm fordernd und spannend inszeniert. Die wenigsten von ihnen werdet ihr gleich im ersten Versuch packen – stattdessen heißt es, den Gegner genau zu beobachten und seine Vorgehensweise einzustudieren. Zudem müsst ihr in den Bosskämpfen regelmäßig eines eurer Spezialkostüme einsetzen. Die wiederum erhaltet ihr storybedingt im Laufe eines Kapitels. Mit der Fußfessel des Sträflings-Outfits löst ihr kleinere Schiebekisten-Puzzles im Wilden Westen, mit dem Säbelzahntiger-Kostüm stellt ihr euch zunächst tot, um nachfolgend einen Gegner mit einer Sprungattacke zu erledigen.

Schöne, aber dumme Gegner
Minispiele wie dieses sind meist witzig inszeniert, sind aber spielerisch anspruchslos und dauern zu lange.
Gut gefallen hat uns das Gegnerdesign: Zwar gibt es nur wenige Grundtypen, etwa leichte, mittlere und schwere Wachen, doch sehen sie je nach Epoche anders aus. Habt ihr es im Wilden Westen vorrangig mit riesigen Bullen oder Füchsen zu tun, patrouillieren im England des Mittelalters Eulen. Grund zur Klage bietet jedoch die KI der putzigen Feinde: Die schweren Brocken tragen beispielsweise eine kleine Lampe vor sich her, deren Lichtkegel ihren Sichtbereich verdeutlicht. Dieser umfasst allerdings nur wenige Meter; bewegen wir uns nur wenige Zentimeter an ihm vorbei, droht uns keine Gefahr. Da die Kapitel zu einem großen Teil bei Tageslicht und nur selten des Nachts spielen, wirkt die fehlende Reaktion der Wachen noch absurder. Durchqueren wir dennoch mal ihr Sichtfeld, genügt es meist schon, im Sprint um die nächste Ecke zu laufen – die Widersacher geben die Verfolgung auf, sobald ihr weit genug entkommen seid.

Zwischen den Missionen verbringt ihr eure Zeit im Unterschlupf der jeweiligen Zeitzone. Hier könnt ihr zum Beispiel eine Partie Tischtennis spielen oder bereits absolvierte Missionen erneut auswählen. Auch habt ihr in eurem Lager Zugriff auf das Thiefnet, bei dem es sich um einen virtuellen Onlineshop handelt, in dem ihr eure ergaunerten Taler gegen spezielle Gegenstände wie einen Paraglider oder neue Kampftechniken eintauscht.

Sowohl die Kulissen als auch die Gegner sind schön gestaltet und fangen die jeweilige Epoche gekonnt ein.

Zickige Kamera und stimmige Grafik
Alternativen
Solltet ihr die ursprüngliche Trilogie von Sly Cooper für die PS2 noch nicht kennen, legen wir euch diese ans Herz. Mit The Sly Trilogy ist zudem vor wenigen Jahren ein Remake für die PS3 erschienen, dessen Grafiken an die HD-Auflösung der aktuellen Konsolengeneration angepasst wurden.

Ein weiterer PS3-Exklusivtitel ist die Ratchet & Clank-Serie. Hier empfehlen wir euch den Ableger All 4 One (GG-Test: 7.5). Solltet ihr hingegen mehrere Konsolen besitzen und Wert auf ein echtes 3D-Jump-and-run legen, führt kein Weg an Super Mario Galaxy 2 (GG-Test: 10.0) für die Wii vorbei.
Ein Ärgernis in Sly Cooper – Jagd durch die Zeit stellt die Steuerung dar. Eure Charaktere kontrolliert ihr serientypisch aus der Verfolgerperspektive, was an sich funktioniert. Umständlich wird es erst, wenn ihr etwa mit Bentley Bomben werfen oder mit Sly unter Tischen hindurch krabbeln möchtet. Denn anstatt wie in jedem anderen Spiel mit dem rechten Stick zu zielen, geschieht dies hier mit dem linken. Leicht zickig reagieren Steuerung beziehungsweise Kollisionserkennung an Kanten, die ihr eigentlich ohne Probleme mit dem Doppelsprung erreichen solltet. Unnötig kompliziert sind auch einige der vielen Sprungabschnitte. Ab und an lässt sich die Entfernung nicht richtig abschätzen, sodass ihr mehr oder weniger ins Ungewisse hüpft – einen kleinen Hinweis gibt euch lediglich euer Schatten. Verstärkt werden die ungenauen Sprungabschnitte auch noch durch die zickige Kamera. Seid ihr zu nah an Levelgrenzen wie einer Hauswand, lässt sie sich nicht mehr frei drehen. Ein Glück, dass das Spiel regelmäßig Checkpoints anlegt, sodass wir innerhalb weniger Sekunden den nächsten Versuch wagen können.

Die Grafik von Jagd durch die Zeit orientiert sich mit ihrem Cel-Shading-Look an ihren Vorgängern. Die Gestaltung der Umgebungen fängt die einzelnen Epochen eurer Zeitreise sehr gut ein. Auf NPCs trefft ihr in den Levels allerdings nicht – bis auf die Wachen und einige kleinere Tierchen sind die Straßen wie leergefegt. Hier und da hätten wir uns auch ein paar Details mehr am Wegesrand gewünscht. Umso weniger verständlich, dass das Spiel in den späteren Kapiteln beim Durchqueren der Hublevels hin und wieder ruckelt – die eigentlichen Missionen laufen aber flüssig. Negativ fallen die langen Wartezeiten auf, die gerade beim erstmaligen Laden eines Kapitels bis zu eine Minute in Anspruch nehmen. Eine Möglichkeit zur Installation konnten wir nicht finden. Alles in allem gut gelungen ist die deutsche Version des Spiels: Besonders den Hauptcharakteren wurden passende Stimmen spendiert, Fehler in der Betonung sind zudem selten.

Autor: Christoph Vent / Redaktion: Jörg Langer (GamersGlobal)

Christoph Vent
Anfangs hatte ich mit Sly Cooper – Jagd durch die Zeit viel Freude. Ich begann sogar zu hoffen, dass es sich um eine unverhoffte Perle handeln könnte. Schon in den ersten Kapiteln gibt es sehr viel zu tun, und der ständige Wechsel zwischen den Charakteren sorgt dafür, dass mir dabei nie langweilig wird. Auch das Missionsdesign hat eine lobende Erwähnung verdient, denn anstatt mich immer wieder von A nach B zu schicken und unterwegs einige Gegner umhauen zu lassen, glänzt es mit ordentlich Abwechslung. So verzieh ich dem Spiel zu Beginn auch einige Ungereimtheiten bei der Steuerung und der Kamera.
 
Je weiter ich aber in der schön erzählten Geschichte fortschritt, desto mehr zog sich das Spiel in die Länge. Sind die anspruchslosen Minispiele anfangs noch sehr kurz, nehmen sie später ganze Teile einer Mission ein. Auch die anderen Missionen ziehen sich schon mal in die Länge: So werde ich kreuz und quer durch die Levels geschickt, um einige kleine Gegenstände einzusammeln. Da ist es fast schon von Vorteil, dass die Wachen äußerst leicht zu umgehen sind und lediglich beweglichen Hindernissen gleichen. Für einige vergnügliche Stunden zwischendurch eignet sich der neue Sly dennoch sehr gut, was nicht zuletzt an seinem gelungenen (kinderkompatiblen, aber das stört mich nicht) Humor liegt.

 Sly Cooper - Jagd durch die Zeit
Einstieg/Bedienung
  • Prolog dient als Tutorial
  • Missionsziel lässt sich in der Spielgrafik einblenden
  • Hin und wieder zickige Kamera
  • Entfernungen für Sprünge lassen sich nicht gut abschätzen
Spieltiefe/Balance
  • Sechs umfangreiche Kapitel mit etwa zwöf Stunden Spielzeit
  • Abwechslungsreiches Missionsdesign
  • Viele spielbare Charaktere sowie Kostüme mit speziellen Eigenschaften
  • Schön inszenierte Bosskämpfe
  • Gelungener Humor
  • Schwache Gegner-KI
  • Anspruchslose Minispiele
  • Einige Missionen unnötig in die Länge gezogen
  • Abseits der Bosskämpfe zu leicht
Grafik/Technik
  • Stimmiger Cel-Shading-Look
  • Schönes Gegnerdesign
  • Teils sehr lange Ladezeiten
  • Seltenes Ruckeln in den Hublevels
Sound/Sprache
  • Gelungene deutsche Sprachausgabe
  • Passende Soundeffekte
  • Seltene Betonungsfehler
Multiplayer
Nicht vorhanden  
Partner-Angebote
Amazon.de Aktuelle Preise (€): 99,99 (), 89,95 (PlayStation Vita)
Userwertung
7.3
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3D-Actionadventure
7
Sanzaru Games
27.03.2013
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PS3PSVita
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Christoph Vent 21. März 2013 - 14:30 — vor 7 Jahren aktualisiert
Christoph Vent Unendliches Abo - 175057 - 21. März 2013 - 14:30 #

Viel Spaß beim Lesen!

Freylis 20 Gold-Gamer - 23126 - 21. März 2013 - 14:52 #

Sly Cooper is back, sweet! :)
Danke fuer den Test. Die Sly-Serie gehoert immer noch zu meinen alten PS2-Favoriten.

DerMilchmann 11 Forenversteher - 557 - 21. März 2013 - 14:59 #

[Die Wertung, Edit: Christoph Vent] scheint mir, verglichen mit dem was du bemängelst und positiv hervorhebst, dann doch ein wenig niedrig zu sein. Hängt wohl davon ab wie sehr einem das Grundspiel Spaß macht und wie sehr einen die Negativpunkte stören.

Wie würdest du "Thieves in Time" verglichen mit der alten Sly Trilogie sehen? Was hat sich verschlechtert oder verbessert (mal abseits der Grafik? Ich hab derzeit mit der HD-Collection der alten Trilogie sehr viel Spaß (bin derzeit bei Teil 2) und würde deshalb gern wissen, ob ich mir "Thieves in Time" holen soll oder nicht.

LG, DerMilchmann

jguillemont 22 AAA-Gamer - P - 36651 - 21. März 2013 - 21:48 #

;-) Über die Wertung habe ich bspw. im Vergleich zur Wertung von SimCity auch gegrübelt; meine Interpretation ist dann eben, dass man das zum einen nicht vergleichen kann und vor allem, dass Sly zu früh die Luft ausgeht.

Sorry für den Wertungsspoiler.

Christoph Vent Unendliches Abo - 175057 - 21. März 2013 - 15:42 #

Wenn du mit den ersten drei Teilen deinen Spaß hattest, wirst du auch an Teil 4 Gefallen finden. Auch, weil es ein Wiedersehen mit einigen Bekannten gibt. Es ist halt mehr vom gleichen. Wenn du mit den Negativpunkten, insbesondere den langgezogenen Simpelmissionen, leben kannst, solltest du Jagd durch die Zeit eine Chance geben.

DerMilchmann 11 Forenversteher - 557 - 21. März 2013 - 15:59 #

Passt ;-) Danke für die schnelle Antwort. Wird wohl stark davon abhängen wie viel Spaß mir die genannten "Minispiele" machen. Aber ich denke ich werds mir holen.

jguillemont 22 AAA-Gamer - P - 36651 - 21. März 2013 - 15:03 #

Danke für den Test!

Cohen 16 Übertalent - 4754 - 21. März 2013 - 15:30 #

Die Demo hat mir auf jeden Fall schon sehr viel Spaß gemacht. Und bei 30 € für das PS3/Vita-Bundle im PSN konnte ich nicht nein sagen.

Guldan 17 Shapeshifter - 8554 - 21. März 2013 - 19:04 #

Noch keinen Teil bishe gespielt, vlt sollte ich mal die HD Collection holen, reizen würde es mich ja schon allein vom Stil.

Green Yoshi 22 AAA-Gamer - P - 31051 - 23. März 2013 - 23:44 #

Ich finde man hätte im Test stärker auf die Versionsunterschiede eingehen können. Lohnt sich das Spiel auch, wenn man es hauptsächlich unterwegs zocken will oder hinkt die Vita-Version der PS3-Version zu sehr hinterher?

Cohen 16 Übertalent - 4754 - 24. März 2013 - 22:37 #

Zumindest den beiden Demos nach sind mir keine großartigen Unterschiede aufgefallen.

Christoph Vent Unendliches Abo - 175057 - 25. März 2013 - 12:27 #

Zum Test lag uns nur die PS3-Version vor.