Test: Tony Hawk, go home!

Skate 3 Test

Mister G hat ja eigentlich nicht nicht die nötige Disziplin, um eine Extremsportart wie Skateboarden zu lernen. Aber als cleverer Gamer weiß er sich zu helfen, schnappt sich einen Controller und spielt sich ganz gemütlich vom Sofa aus in die allererste Skating-Liga. Im Test zu Skate 3 erzählt er euch vom Aufstieg in den Skating-Olymp.
Mister G 11. Mai 2010 - 23:02 — vor 9 Jahren aktualisiert
360 PS3
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Es ist das simpelste Konzept der Welt: „Never change a working system“. Man könnte auch sagen: „Was nicht kaputt ist, muss auch nicht repariert werden.“ Die Sportexperten von EA Black Box scheinen dieses Konzept verinnerlicht zu haben und übernehmen für Skate 3 die brillant-intuitive Flick-it-Steuerung aus dem Vorgänger. Spieleredakteure rufen in einem solchen Fall gerne nach mehr Innovation – das machen wir auch noch, aber an anderer Stelle, denn jetzt gibt’s erst mal Beifall: Skate 3 fühlt sich nämlich einfach großartig an!

Wer Skate 2 gespielt hat, legt das Handbuch zur Seite, schnappt sich das Pad und legt gleich ein paar schicke Three-Sixties und Hand Plants hin, grindet an Treppengeländern runter und landet Grabs, indem er das Board hochreißt. Oder ihr probiert euch direkt an den neuen Darkslides – Board im Sprung umdrehen, kurz auf der Rückseite in der Luft stehen, Board rumschnalzen und landen wie ein Profi. Wie jetzt, ihr versteht bei diesen ganzen englischen Begriffen gerade nur Bahnhof? Keine Angst: denn auch absolute Neulinge sind in Skate 3 sehr gut aufgehoben.

Einsteiger (auch Skate-Neulinge) erlernen Schritt für Schritt die Grundlagen - vom ersten Grind bis zum Kickflip.


Eine Tüte Skater-Deutsch

Wer beim Begriff Flick-it-Steuerung an Nähmaschinen denkt, der sollte zunächst mal das erstklassige Tutorial namens Skate-School absolvieren. Hier wartet auch schon die erste Überraschung: Statt einem langweiligen
Sportlehrer mit dicker Hornbrille und verschwitztem Trainingsanzug begrüßt euch Jason Lee im Skatepark. Die meisten werden Lee nicht als ehemaligen Skateboard-Profi, sondern, wenn überhaupt, aus der US-Comedy-Serie My Name is Earl kennen. Dort mimt Jason den vertrottelten Kleinganoven Earl J. Hickey. Wer die Serie mag, wird seinen Humor lieben. Hier mal eine Kostprobe: „Ein blinder Maulwurf bremst schneller als du grindest.“ Diese ständigen Sprüche sind Geschmackssache, greifen teils arg tief in die "Eastcoast-Westcoast"-Klischeekiste des Hip Hop, lockern aber die Atmosphäre deutlich auf. 

Während des Tutorials werden euch auch all die Feinheiten der Flick-it-Steuerung beigebracht. Anstatt das Board und eure Moves über einen einzigen Stick und wildes Kombinieren von Tasten zu steuern, setzt Skate 3 in erster Linie auf eine Kombination aus beiden Sticks. Die Tasten A und X dienen zum Anschieben mit dem linken respektive rechten Bein. Der linke Stick kontrolliert die Körperhaltung, legt den Skater in die Kurve und dient der direkten Beinarbeit. Und mit den Bewegungen des rechten Sticks werden Sprünge eingeleitet sowie fast alle Tricks ausgeführt. Um etwa einen Kickflip aufs Parkett zu legen, bewegt ihr den rechten Stick erst nach hinten und lasst ihn kurz darauf wieder nach vorne schnellen.

Komfortabel: Wer einen Trick vergessen hat, geht kurz ins Pausenmenü und lässt sich anhand einer Grafik anzeigen, wie er den Stick führen und mit Buttons kombinieren muss, um ein bestimmtes Manöver auszuführen. Grinds sind schon etwas schwieriger, denn hier muss der Aufsprungwinkel zum Geländer stimmen. Bei den ersten Versuchen küssen Einsteiger also öfter mal den Boden. Aber lasst euch nicht entmutigen, denn schon ein wenig Übung wird mit extrem coolen Tricks belohnt. In diesem Zusammenhang clever und spielerfreundlich: EA Black Box hat eine Art Rückspulfunktion implementiert. Bevor ihr zu einem besonders fiesen Grind oder schwerem Sprung ansetzt, könnt ihr an eurem Startpunkt eine Markierung setzen, die sich das Programm merkt. Wenn ihr dann kurz darauf stürzt, müsst ihr nicht erst wieder mühselig auf euer Board steigen und dann  zum Ausgangspunkt zurückfahren, sondern werdet durch einen einzigen Tastendruck bequem zu eurer Markierung zurückgebeamt.

Boden, Board und Schwerkraft

1.185 Punkte haben wir gesammelt. Schon solche verhältnismäßig kleinen Erfolge fühlen sich sehr gut an.
Die Zusammenhänge zwischen dem Boden und eurem Board, eurem Sportler und der Schwerkraft sind aufgrund der überzeugenden Physiksimulation prima nachvollziehbar. Klar, das ist im Gegensatz zur Skate-Realität alles etwas vereinfacht, und die extrem hohen oder weiten Sprünge wirken schon etwas überzogen. Aber die Grundprinzipien stimmen. Der Schlüssel zum Erfolg ist es, schnell und zugleich präzise mit dem rechten Stick zu arbeiten. Dieses System lässt euch förmlich mit eurem Board verschmelzen, nach kurzer Zeit gehen alle Bewegungsabläufe ins Blut über – hier hat Skate 3 der Konkurrenz von Tony Hawk (die sich mit mit dem Experiment Tony Hawk RIDE zuletzt nicht unbedingt mit Ruhm bekleckerte) einiges voraus. An den zur Verfügung stehenden Tricks in Skate 3 werdet ihr euch außerdem so schnell nicht satt sehen. Grabs (bei denen ihr das Board in zig Varianten im Sprung mit mit euren Händen berührt) und Airs (prinzipiell alle Sprünge mit einer Drehung) sind nur der Anfang der Fahnenstange.

Abseits davon gibt es als Neuzugänge unter anderem die Underflips und Darkslides. Vor allem die Darkslides fühlen sich einfach super an, wenn ihr sie erst mal verinnerlicht habt. Im Grunde müsst ihr auf eine Mauer springen, das Board im Sprung drehen, sicher auf der Rückseite landen, einen Grind ziehen und dann das Board von der Mauer wegschnippen lassen und schließlich wieder auf der Vorderseite landen. Klar, dass solche Moves nicht beim ersten Mal gelingen, aber sie sind der Grund, warum sich der Kauf von Skate 3 auch für Skate 2-Veteranen lohnen kann. Hier das richtige Timing zu erwischen, das Board perfekt zu kontrollieren, die Schultertasten im richtigen Moment zu drücken und mit dem Stick die richtigen Bewegungen zu machen, ist eine Herausforderung. Und außerdem wäre da ja noch der 900, einer der schwersten Tricks im Skateboarding. Wenn euch dieses Meisterstück gelingt, bekommt direkt ein Achievement – und dürft euch wie Tony Hawk fühlen, dem der Trick im Jahr 1999 als erstem Skater überhaupt gelang.


Deathrace: Dieser Modus ist wörtlich zu nehmen. Es geht auf Zeit, und Kollateralschäden sind eingeplant.
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