Test: Spiel mit Raum und Zeit

Singularity Test

Man nehme eine typische Shooter-Backmischung, gebe ausgelöste Teile von Cryostasis und Timeshift dazu, streue einen Esslöffel Bioshock darüber, vermische es mit der Unreal Engine 3. Und dann lässt man die Masse zwei Jahre bei Raven Software reifen. Der fertige Kuchen heißt Singularity und ist überraschend wohlschmeckend geworden.
Christoph Licht 30. Juni 2010 - 12:28 — vor 9 Jahren aktualisiert
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Hallo, Parallelwelt-Geschichte: Von amerikanischen Kernwaffen bedroht, machen sich die Russen nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Suche nach Uran. Doch statt U92 finden sie auf einer kleinen Insel etwas ganz anderes. Nämlich das bislang unbekannte Element E99 – die ab sofort mächtigste Energiequelle auf Erden. Russen-Diktator Stalin setzt nun alles daran, damit die Weltherrschaft an sich zu reißen, und stellt unbegrenzte Forschungsmittel bereit. Doch nach Stalins Tod wird die Forschung von seinem Nachfolger viel zu schnell vorangetrieben, was zur Katastrophe führt: Auf der Katorga-12 getauften Insel passiert 1955 ein schreckliches Unglück, die "Singularität" entsteht, die meisten Einwohner des Eilands sterben. Die Welt im Ganzen aber hat noch einmal Glück gehabt – oder doch nicht?

Auf Katorga-12 ist etwas Schreckliches passiert; die Überreste Getöteter sind stille Zeugen des Unglücks.

Zeitsprung. Wir schreiben das Jahr 2010, ein amerikanischer Aufklärungssatellit fängt radioaktive Strahlung über der Insel auf. Aus Angst vor einem zweiten Tschernobyl wird das Black-Ops-Team Spartan 21 losgeschickt, um der Sache auf den Grund zu gehen. Dass die Mission bereits wenige Sekunden nach Spielstart scheitert, dürfte euch nicht verwundern. So bleibt es im Ego-Shooter Singularity an euch, die Geheimnisse der Insel zu ergründen und am Ende sogar die Welt zu retten. Um euren Aufenthalt so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten, hat sich Raven Software stark von Titeln wie Cryostasis, Bioshock und Timeshift inspirieren lassen: Es erwarten euch nicht nur Horden von russischen Soldaten und in der Nationalität nicht zuordbaren Monstern, sondern dank eures Zeitmanipulationsgeräts (ZMG) auch allerlei spaßiger Schabernack mit Raum und Zeit.

Aus Alt mach Neu und umgekehrt



Das ZMG im Einsatz: Erst lassen wir die Kiste altern (oben), schieben sie dann unter dem Rolltor durch (Mitte) und erneuern sie schließlich wieder.
Nathaniel Renko, euer Alter Ego, und seine Begleiterin Kathryn haben ein Problem: ein Aufzug klemmt und muss repariert werden. Während wir darauf warten, nähert sich rund ein Dutzend Zek-Monster unserer Position. Zwischen uns und ihnen befindet sich nur ein kaputter Elektrozaun. Fröhlich beginnen die muskulösen, blauhäutigen Fieslinge, daran empor zu klettern. Leider sind die Schalter für den Zaun allesamt total verrostet. Keine Chance, ihn wieder einzuschalten – wäre da nicht das ZMG an unserer linken Hand! Während Kathryn aus allen Rohren ballert, zielen wir auf einen Schalter und werden Zeuge, wie er sich auf wundersame Weise von selbst repariert. Der Strom springt an, die Zek werden geröstet.

Es geht aber auch anders herum: Ein kaputtes Rolltor versperrt uns den Weg? Keine Chance, es irgendwie wieder in Gang zu bringen? Kein Problem für das ZMG. Wir nehmen eine herumstehende, wie neu aussehende Kiste und lassen sie schlagartig altern. Aufgrund der Materialschwäche fällt sie in sich zusammen und passt nun wunderbar in den Spalt unter dem Rolltor. Ein weiterer Knopfdruck, der Transportbehälter setzt sich wieder zusammen und drückt dabei das Tor weit genug auf, damit wir durch schlüpfen können. Ein interessantes Prinzip, das ihr im Laufe des Spiels auch sehr oft einsetzen dürft. Was leider auch dazu führt, dass einige dieser kleineren Rätsel stark aufgesetzt wirken.

Das ZMG als Waffe

Mit Kisten spielen und kleine Rätsel lösen ist schön und gut, sein wirkliches Potential entfaltet das ZMG aber im Kampf. Ein russischer Soldat versteckt sich hinter einer Mauer? Wir lassen sie soweit altern, dass sie in sich zusammenfällt. Oder wir zielen gleich direkt auf den armen Mann. Statt durch Kugeln, stirbt er an Altersschwäche. Später können wir feindliche Soldaten in "Wiederkehrer" verwandeln, die kurzzeitig für uns kämpfen. Die sind erfreulicherweise sehr langsam und zudem schwerhörig, was euch erlaubt, an ihnen vorbei zu schleichen. Eine empfehlenswerte Taktik, da die Suppe, die sie ausspeien, unangenehmen Flächenschaden verursacht. Übermächtig ist das ZMB auch deshalb nicht, weil einige Soldaten entsprechende Rüstungen besitzen, die sie immun dagegen machen.

Manche Monster verlangsamt das ZMG,  andere lässt es zeitverzögert explodieren. Kommt euch hingegen eine Horde Phasenzecken zu nahe, oder habt ihr generell vor lauter Gegnern Platzangst, ist es Zeit für den Impuls – eine Schockwelle, die eure Gegner zurück schleudert und gleichzeitig schädigt. Die letzte nützliche Funktion des ZMG ist die Barriere. Auf Knopfdruck erzeugt ihr eine Kugel aus reiner Energie, die ihr überall hin schleudern könnt. Vorteil: Innerhalb der Barriere steht die Zeit still. Egal ob Gegner, Kugeln oder Ventilatoren – alles wird eingefroren und lädt geradezu ein, mit den bösen Buben ein wenig zu spielen.

Kleine Gegnerkunde

Auf Katorga-12 wollen euch nicht nur russische Soldaten, sondern auch allerhand Monster an den Kragen. Wir stellen euch eine kleine Auswahl an Gegnern vor: 1 Die Phasenzecke tritt immer im Rudel auf und ist sehr, sehr tödlich. 2 Dieser russische Soldat trägt eine Spezialrüstung, die ihn immun gegen das ZMG macht. 3 Das ist ein Radion, das einzige Monster mit Fernkampfattacke. 4 Diesem Riesenkerl haben wir schon den linken Arm abgeschossen. Das stört ihn gerade nicht, weil er zudem dank der Barriere "gefroren" ist. 5 Dieser russische Soldat von 1955 wurde tatsächlich eingefroren und wird nie wieder aufwachen. 6 Den Wiederkehrer links haben wir gerade erst erschaffen. Er wird sich gleich auf den Zek rechts stürzen.

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