Test: Brachiale Rennpower

Shift 2 Unleashed Test

Der 2. Teil des Renn-Spinoffs verbannt die Marke Need for Speed in den Untertitel. Das ist konsequent, denn schon der Vorgänger zeigte, dass Shift das Zeug zu einer eigenständigen, simulationslastigen Serie hat. Was sich seit dem Vorgänger getan hat, erfahrt ihr in unserem Test, für den wir Shift 2 mehrere Wochen lang gespielt haben.
Jörg Langer 30. März 2011 - 0:02 — vor 9 Jahren aktualisiert
PC 360 PS3
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Alle Screenshots in diesem Artikel sind von uns selbst erstellt, wie bei fast allen Tests und vielen Previews.
Unser First15-Video zu Shift 2 Unleashed zeigt euch die ersten 15 Minuten des Spiels. Viel Spaß! 

von Bernd Wener

Flirrende Hitze liegt über der Rennbahn und lässt die Sicht auf unsere Kontrahenten verschwimmen. Die Fahrer spielen nervös am Gaspedal, während um unseren Wagen herum noch eine ganze Meute an Technikern und leicht bekleideten Damen steht. Doch für die kurzen Röcke haben wir keinen Blick übrig: Angespannt kleben unsere Augen an den roten Lichtern der Ampel, die uns beinahe hämisch anzugrinsen scheinen. Noch müssen wir uns ein paar Kamera-Einstellungen lang gedulden. Das sieht schick aus, doch schürt es unsere Ungeduld nur noch mehr. "Grünes Licht! Viel Glück und pass auf dich auf!" schreit uns unser Mentor übers Mikrofon in den Helm und wir brettern los. Wir entfesseln die 550 PS unseres Ford GT durch beherzten Druck aufs Gaspedal. Bereits in der ersten Kurve verbremst sich unser Vordermann und wir schieben uns einen Platz nach vorne. Was für ein Hochgefühl!

Bis ihr einen Ford GT euer Eigen nennen dürft, vergehen nicht wenige Spielstunden.
 
120 bis ins Detail simulierte Boliden
 
Schon im Vorgänger ging es nicht mehr um arcadelastige Action à la "Gier nach Tempo", sondern um eine beinharte Rennsimulation. Shift 2 Unleashed bewegt sich auf Augenhöhe mit den beiden Konsolengrößen Gran Turismo 5 und Forza Motorsport 3, wenn auch mit einer deutlich geringeren Anzahl an verfügbaren Boliden. Während Forza mit über 400, und Gran Turismo gar mit 1.000 Autos auf schiere Masse setzen, begnügt sich Entwickler Slightly Mad mit immer noch ordentlichen 120 fahrbaren Untersätzen, die dafür alle exzellent und bis ins kleinste Detail modelliert sind. Das gilt vor allem für die beeindruckenden, voll animierten Cockpits.
 
Auf gut 120 Strecken (mit bis zu vier unterschiedlichen Layouts pro Kurs) in 35 Umgebungen gilt es, euren Fahrerlevel zu erhöhen. Das Fernziel ist es, die GT1-Meisterschaft zu erreichen und zu gewinnen. Ihr habt richtig gelesen: Das Levelsystem ist wieder mit dabei, wenn auch die Unterscheidung in Präzisions- und Aggressivitätspunkte entfallen ist. Erfahrungspunkte erhaltet ihr unter anderem für sauberes Überholen, Fahren auf der Ideallinie oder gelungene Drifts. Alle zwei Fahrerstufen schaltet ihr eine neue Rennklasse frei. Alternativ könnt ihr auch durch Gewinnen eines besonders knackigen Einladungsrennens in die nächst höhere Klasse aufsteigen, ohne das zugehörige Fahrerlevel erreicht zu haben. Neben den Erfahrungspunkten scheffelt ihr in den Rennen natürlich auch ordentlich Geld, das ihr in Upgrades und neue Wagen investieren dürft.
 
Dichte Atmosphäre
Echte Profifahrer wie Darren McNamara erklären euch in eingespielten Videos einzelne Rennkategorien.

Ein großes Atmosphäre-Plus von Shift bestand darin, dass ihr schon zu Beginn durch eine Stimme aus dem Off sehr gut ins Spiel hineingezogen wurdet. Beim Nachfolger geht das Entwicklerstudio Slightly Mad noch einen Schritt weiter. Echte Fahrer wie Vaughn Gittin Jr. oder Darren McNamara führen euch durch kleine Videos an die unterschiedlichen Rennkategorien heran. Dabei wurde vorbildlich auf lippensynchrone und glaubwürdige Sprecher in der deutschen Version geachtet. Zu Beginn eines Rennens erhaltet ihr von den Profis sogar Tipps zu besonders schwierigen Abschnitten des gerade anstehenden Kurses.
 
Die Menüs sind hingegen eine Enttäuschung. Im Vergleich hat Codemasters mit seinen organisch in die Rennumgebung eingebetteten Auswahlbildschirmen (Dirt 2, F1 2010) die Nase glasklar vorn. Teilweise sind die Unterpunkte in Shift 2 Unleashed zudem arg verschachtelt. Immerhin könnt ihr aber im Gegensatz zum Vorgänger alle Optionen auch per Maussteuerung erreichen. Die Navigation per Tastatur ist dagegen nicht optimal gelöst. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau, denn schließlich geht es hier ja nicht um Bürosoftware, sondern um knallharte Autorennen.
 
Spannende Renn-Varianten
 
Neben normalen Rennen kämpft ihr euch durch zwei Varianten von Zeitprüfungen. Während ihr in der Hotlap genannten Spielart allein gegen die Uhr antretet und bestimmte Zeitvorgaben erreichen müsst, fahrt ihr in den Zeitrennen mehrere Minuten gegen ein komplettes Fahrerfeld. Gewinner ist nicht, wer am Ende als Erster im Ziel ist, sondern derjenige, der die schnellste Rundenzeit vorweisen kann. Pikantes Detail: Kürzt ihr beispielsweise an einer Schikane ab, indem ihr übers Kiesbett brettert, wird eure Rundenzeit nicht gewertet. In normalen Rennen werdet ihr bei zu häufigem Abkürzungen sogar komplett disqualifiziert.
 
Fahrschule: Auf diesem alten Industriegelände werden euch die Grundlagen des Driftens beigebracht.
Besonders spannend und seit jeher ein Garant für spannende Zweikämpfe sind die Eliminator-Wettkämpfe: Wer nach Ablauf eines Timers auf dem letzten Platz liegt, fliegt gnadenlos raus. Viel Zeit und noch mehr Konzentration müsst ihr hingegen bei den Ausdauer-Rennen mitbringen. Die über 20 Runden langen Kämpfe fordern das Letzte von Hobbypiloten. In den Retro-Events fahrt ihr hingegen mit alten Klassikern. Ein Fest für Autoliebhaber! Auch wieder mit von der Partie sind die bockschweren Drift-Herausforderungen. Diese erfordern viel Gespür im Gasfuß und hin und wieder den beherzten Einsatz der Handbremse. Konservative Bleifüße dürfen diese Rennen aber ignorieren, ohne Nachteile im Spiel zu erfahren. 
 
Einige Rennklassen bieten zusätzlich zu den normalen Events spezielle Meisterschaften, wie zum Beispiel die Drift- oder Retro-Meisterschaft, die wiederum erst freigespielt werden müssen. In diesen Turnieren fahrt ihr unter anderem gegen die prominenten Fahrer aus den erwähnten Einführungsvideos. Gewinnt ihr ein solches Turnier, gehört euch ab sofort auch der Wagen des jeweiligen Promis. Leider nur im Spiel...

Das Schadensmodell in Aktion: Scheiben splittern, Spoiler und Motorhaube machen sich selbständig.
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