Test: Jump-and-Run von Epic

Shadow Complex Test

Was passiert wenn die Gears-of-War-Macher gerne einen 2D-Titel á la Super Metroid machen würden, aber keine Zeit dafür haben? Sie kaufen ein kleines Entwicklerstudio namens Chair Entertainment, das mal eben eines der besten Xbox-Arcade-Games überhaupt entwickelt. Mit etwas mehr Feinschliff wäre sogar noch mehr möglich gewesen.
Jörg Langer 18. August 2009 - 13:55 — vor 10 Jahren aktualisiert
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Das neue Werk von Epic nennt sich Shadow Complex und ist ein 2D-Action-Jump-and-run, das die Weite des Klassikers Turican mit dem typischen Aufgabengebiet einer gewissen Lara Croft verknüpft. Das Spiel weckt euren Entdeckerdrang, ihr werdet die weiten Levels bis auf den letzten Winkel erkunden wollen, um wertvolle Gegenstände zu Tage zu fördern. Dazu hüpft, taucht und ballert ihr euch durch die riesigen Umgebungen. Anstatt im Laden zu stehen, gibt es Shadow Complex für relativ kleines Geld (1200 Microsoft Points, etwa 15 Euro) in Xbox Live Arcade zum Download, als Teil des "Summer of Arcade".

Jasons Freundin Claire wird bei einem Höhlenausflug von Soldaten in eine unterirdische Basis verschleppt.


Verwirrendes Tutorial

Der Einstieg in Shadow Complex ist sehr verwirrend, dafür aber umso actionreicher: In klassischem 2D-Shooter-Manier rennen wir von links nach rechts und ballern in Persona eines Supersoldaten auf irgendwelche unbekannten Terroristen. Die greifen nämlich gerade die Wagenkolonne des US-Vizepräsidenten an, und die Secret-Service-Agenten liegen am Boden. Also springen wir ein und helfen mit MG-Salven, Raketen und einer Vereisungskanone aus. Moment, eine Vereisungskanone? Richtig gelesen, mit dieser Waffe verwandeln wir unsere Feinde in Kristallklumpen, die mit einem beherzten Granatenwurf noch in kleine Stücke gesprengt werden. Das klingt schlimmer, als es optisch dargestellt wird. Blut fließt keines.

Unser Charakter ist Special Agent Dallas, der während der hetzigen Einführung nebenher die Steuerung erklärt bekommt: Mit der B-Taste aktivieren wir das Jetpack, mit den Schultertasten schicken wir Granaten und Raketen auf ihre Reise, und auf dem Digi-Pad schalten wir zwischen unseren Spezialwaffen hin und her. Mit diesen Basics vernichten wir Feind um Feind und bringen den Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten in Sicherheit. Doch gerade als wir uns auf die Schulter klopfen wollen, erschüttert eine Explosion den Bildschirm: Die gepanzerte Limousine löst sich in einem Partikelfeuerwerk auf, Dallas wird plötzlich von einem Stromschlag lahm gelegt. Was ist hier eigentlich los?


Fühlt sich an wie Super Metroid: Die weitläufigen, frei bespringbaren, schönen Areale haben uns begeistert.


Fang mich – Versteckspiele für Erwachsene


Nach dem Stromschlag färbt sich der Bildschirm schwarz, zwei Figuren tauchen auf. Dabei handelt es sich um den Protagonisten Jason und seine Freundin Claire. Die beiden stehen vor einer Berghöhle, die Claire scheinbar noch aus ihrer Kindheit kennt. Dann wird sie von übel gesinnten Elitesoldaten entführt und in eine riesige unterirdische Basis geschleppt. Dieselbe Typ Soldat stürmt gleich darauf das Weiße Haus und tötet den Präsidenten. All diese Geschehnisse sollen parallel zu Orson Scott Cards Bestseller Empire spielen, trotzdem ist die Story das schwächste Glied von Shadow Complex. Ansonsten aber ist Shadow Complex ein sehr gutes Spiel, das an vergangene Zeiten erinnert: Eine Mischung aus Contra, Castlevania und Super Metroid. Hier gibt es flotte Action, eine wunderschöne, detailverliebte Welt und viele versteckte Items.

Wer die frühen Metroids oder GBA-/DS-Castlevanias gespielt hat, der kennt das Spielprinzip: Zu Beginn verfügt ihr über keine spezielle Gegenstände und müsst zunächst eine wenig spektakuläre Kletterausrüstung finden. Mit der könnt ihr euch kurzfristig an Felswänden festhalten, blitzschnell umdrehen und mit Schwung auf die andere Seite hechten – Lara Croft wäre stolz, so agil bewegt sich Jason, der uns übrigens extrem an Nathan Drake, den Abenteurer aus dem Playstation-3-Spektakel Uncharted, erinnert. Und genau wie Nathan hat auch Jason seinen Waffenrucksack vergessen; an seinem Gürtel findet sich weder ein M4-Sturmgewehr noch ein Raketenwerfer. Dafür haben wir zu Beginn eine Taschenlampe, die ein bisschen Licht ins Dunkel bringt, aber nur schlechte Batterien hat.

Gerade die Taschenlampe ist es, die Shadow Complex zu einem wunderschönem Spiel macht. Die Areale sind ohnehin mit viel Liebe zum Detail gestaltet, aber das Licht- und Schattenspiel macht daraus etwas Besonderes. Stecken wir die Funzel an den Gürtel, ohne sie auszumachen, pendelt der Lichtschein hin und her. Trifft der Lichtstrahl auf eine Wasseroberfläche, sieht das sehr realistisch aus. Die nachfolgende Generation der XBLA-Games muss schon einiges bieten, um diesen grafischen Leckerbissen zu übertreffen. Und wie wir bereits zu Beginn kurz angerissen haben, überzeugt nicht nur die Unreal-Technik, sondern vor allem das Gameplay.


Je länger wir spielen und die Levels erkunden, desto mehr Items freuen sich auf ihren Einsatz. Da gibt es beispielsweise die Atemmaske, mit der wir weite Strecken unter Wasser zurück legen können. Hier gibt es immer wieder Geheimgänge zu entdecken, die oft besonders wertvolle Ausrüstungsgegenstände zu Tage fördern, wie etwa Teile eines Bionikanzugs. Dieser steigert Schrittweise unsere Lebensenergie von 100 auf maximal 1000. Besonders clever und motivierend: Weder der „Ironman-Anzug“ noch das Gesundheits-Upgrade liegen einfach so herum, sondern wollen erst gefunden werden. Praktischerweise werden alle Fundorte Metroid-typisch auf einer digitalen Karte verzeichnet, die Spielern ohne Orientierungssinn mit einem dicken blauen Balken das nächste Missionsziel anzeigt. Wann wir das angehen, ist uns überlassen. Während des Tests sind wir beispielsweise öfter mal Tauchen gegangen oder haben so manches geheimnisvolle Tor etwas weniger geheimnisvoll gemacht. Diese Tore gibt es in verschiedenen Ausführungen, die sich mehr oder weniger leicht öffnen lassen: So reichen ein paar Pistolenschüsse, um ein orangnes Gitter zu umgehen, während wir seltenen Explosivschaum benötigen, um an anderer Stelle mit lila Kennzeichnung weiterzukommen. Die genannten Farben seht ihr übrigens nur an euren Hindernissen, wenn ihr mit eurer Taschenlampe darauf leuchtet, daher müsst ihr immer auf eure Batteriezeit achten.

Später greifen nicht nur Soldaten an, sondern auch Elite-Ninja-Kämpfer, die wir mit einem Takedown zu Boden bringen.

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