Test: Ballern bis der Arzt kommt

Serious Sam HD Test

Das Gehirn ausschalten und die Waffe auf Dauerfeuer stellen -- kann das Spaß machen? GamersGlobal hat sich für die Antwort durch unzählige Monsterhorden gekämpft und auch den größten Bossgegner nicht gefürchtet: Ja, es kann! Zumindest für kurze Zeit. Dummerweise sind die Erwartungen an Spiele seit 2001 nicht stehen geblieben.
GG-Redaktion 29. November 2009 - 21:48 — vor 6 Jahren aktualisiert
PC 360
Wir schreiben das 22. Jahrhundert. Die Menschheit befindet sich in einem verzweifelten Kampf gegen das intergalaktische Böse. Und was macht man, wenn sich die Welt am Rande des Abgrunds befindet? Genau: Man sucht sich einen Helden, der hart genug ist, um es mit allen Gefahren aufzunehmen. Alleine natürlich! Und man schickt ihn in die Vergangenheit, ins Jahr 1000 v. Chr., nach Ägypten. Das erscheint euch alles irgendwie unlogisch? Macht nichts, denn die Story von Serious Sam war schon immer hahnebüchen und tut eigentlich auch nichts zur Sache. Es geht ums pure, spaßerfüllte, von Nachdenken ungestörte Ballern.

HD = High Definition?Serious Sam HD - The First Encounter ist der neueste Shooter des Entwicklers Croteam. Obwohl: "Neu" ist vielleicht nicht die zutreffendste Bezeichnung für ein Werk, das im Kern so bereits 2001 erschienen ist. Es handelt sich also um ein Remake des Klassikers. Jeden Level, jedes Skript und jeden Gegner habt ihr so bereits im ersten Serious Sam gesehen. Das "HD" im Namen soll lediglich auf die erheblich bessere Grafik hindeuten. Und tatsächlich: Im direkten Vergleich lassen sich deutliche Unterschiede zwischen dem veralteten Original und dem aktuellen Teil feststellen. Alles andere wäre aber auch höchst erstaunlich.

Basierend auf der neuen Serious Engine 3 unterstützt Serious Sam HD nun moderne Grafiktechnologien wie Shader-Effekte. Dank dynamischer Beleuchtung, knackscharfer Texturen, satter Explosionen und einer deutlich erhöhten Polygonanzahl der Gegner wirken die altbekannten Levels deutlich stimmungsvoller. Gerade auf Distanz überzeugen die schroffen Felsformationen, und auch der stets bewölkte Himmel sieht beinahe fotorealistisch aus. Der folgende Bildvergleich zeigt die beiden Versionen direkt nebeneinander.

Der gleiche Level, die gleiche Szene: Links seht ihr das Original von 2001, rechts Serious Sam HD von 2009.

Allerdings merkt man dem Spiel trotz augenscheinlich besserer Grafik sein wahres Alter schnell an: Räume etwa sind äußerst kantig designt und fast ohne Details. Das gilt auch für die Außenlevels: Zusätzliche Vegetation in einem weitläufigen Tal? Fehlanzeige. Amphoren, Vasen oder Sarkophage in den ägyptischen Grabkammern? Gibt's nicht. Tiere auf den saftig grünen Wiesen? Okay, die gibt es, aber sie zählen dann zum Feindsortiment und greifen euch an. Neutrale Weltenbewohner werdet ihr nicht antreffen.

Durch simple Erweiterungen und zusätzliche Level-Elemente wäre es den Designern ohne weiteres möglich gewesen, für mehr Atmosphäre zu sorgen. Im Eifer des Gefechts macht sich dies nicht durchweg negativ bemerkbar, aber gerade im Vergleich zu anderen aktuellen Shootern -- beispielsweise Call of Duty - Modern Warfare 2, in dem über weite Strecken ebenfalls "nur" geballert wird -- fällt Serious Sam HD optisch und atmosphärisch deutlich ab. Das hätte sich mit etwas mehr gestalterischem Einsatz zumindest abschwächen lassen, ohne den beabsichtigten Nostalgie-Faktor im geringsten zu schmälern.

Wesentlich besser sieht es beim Sound aus. Je nach Spielsituation wechselt die Musikuntermalung von langsamen unauffälligen Melodien hin zu basswummernden, treibenden Anheiz-Klangteppichen. Wir werden also akustisch darauf vorbereitet, wenn sich eine neue Gegnerwelle auf uns zubewegt. Feinde lassen sich zudem perfekt orten: Schon mit einem Stereo-Soundsystem ist stets klar, aus welcher Richtung die nächste Gefahr droht. Noch besser lässt sich dies mit einer Surround-Anlage feststellen, denn dann entsteht ein richtiges Mittendrin-Gefühl. Gelegentlich kommentiert Sam auch seine eigene Situation: Auf ein nach einem Kampf überhebliches "Ist das alles, was ihr zu bieten habt?" reagiert das Spiel beispielsweise dadurch, dass es Sam noch ein paar zusätzliche Feindwellen entgegenschickt. Dieser wird dann ganz kleinlaut und bringt nur noch ein zaghaftes "Oh, oh..." hervor. Klasse!

Tumbe Gegner, kuriose Waffen

Als Sam kämpft ihr euch in der Ego-Perspektive durch riesige schlauchartige Levels und noch riesigere Gegnermassen. Das zugrunde liegende Spielprinzip ist dabei fast immer das gleiche: Ihr betretet einen großen leeren Raum, in dessen Mitte sich eine neue Waffe, Munition oder Rüstungsenergie befindet. Sobald ihr diese aufsammelt, stürmen aus allen Richtungen Feine auf euch ein, die ihr sodann in bester Schießbudenmanier erledigen müsst. Erst wenn der letzte Gegner eliminiert worden ist, öffnet sich eine Tür und ihr könnt euren Weg fortsetzen. Gelegentlich müsst ihr Schalter finden oder Schlüssel einsammeln, um weiterzukommen. Das heißt aber nicht, dass in Serious Sam HD anspruchsvolle Rätsel- oder Sprungeinlagen zu absolvieren wären: In Wahrheit reicht es aus, dass ihr irgendwo in der Nähe einen entsprechenden Schalter drückt -- woraufhin natürlich wieder Wellen um Wellen an Feinden auf euch einstürmen, die ausgeschaltet werden müssen. Sich bewegende Plattformen sind die Ausnahme.

Die explizite Darstellung lässt sich auch abschalten.
Die Gegner im Spiel besitzen quasi keine KI, sodass sie immer blindlings auf euch zurennen, sofern sie als Fernkämpfer nicht aus der Distanz angreifen. Ihr müsst also ständig in Bewegung bleiben und ausweichen, damit ihr ein möglichst schlechtes Ziel abgebt. Dass hierbei trotzdem Spaß aufkommt, verdankt das Spiel vor allem seinen Waffen. Zwar handelt es sich ganz überwiegend um Standardschießprügel -- von Pistolen über die Schrotflinte bis hin zum Raketenwerfer ist alles dabei --, aber mitunter lässt sich im späteren Spielverlauf auch Kurioses auftreiben. So dürft ihr mit riesigen Kanonenkugeln unter euren Widersachern aufräumen. Das sorgt für erheiternde Momente, wenn sich das gewaltige Stahlgeschoss regelrecht durch die Gegnermassen "pflügt" und am Ende in einer mächtigen Explosion auch noch den letzten Feind ins Jenseits befördert. Auch sonst hat der Realismus Urlaub: Ob ihr lauft, ob ihr stillsteht, ob ihr auf größte Entfernung feuert, immer sind eure Waffen gleich präzise. Nachladen müsst ihr ebenfalls nicht, eine Schrotflinte hält also, sofern ihr genügend von der reichlich herumliegenden Munition einsammelt, nonstop mehrere hundert Schuss bereit.

Netricsa
Eurer Taschencomputer gibt euch ausführliche Auskunft über die diversen Feinde und ihre Eigenschaften.

Net... was!? So unaussprechlich sein Name, so nützlich ist euer Taschencomputer, der ständig die Umgebung scannt. Trefft ihr auf einen neuen Gegnertyp, wird er in eine Datenbank eingetragen. Fortan könnt ihr nützliche Informationen abrufen, etwa, ob es sich um einen besonders gefährlichen Feind handelt und wie ihr ihn am besten bekämpfen solltet. Netricsa kann euch auch sagen, wie ihr eine bestimmte Tür aufbekommt, wenn die sich partout nicht öffnen will, obwohl ihr bereits alle Feinde in der Umgebung erledigt habt. (Meist müsst ihr euch dann auf die Suche nach einem Schalter oder speziellen Schlüsseln machen.) Und wer wissen möchte, ob die doppelläufige Schrotflinte mehr Schaden als der Laserblaster anrichtet oder ob vielleicht doch der Granatwerfer die geeignetere Waffe ist, findet auch diese Informationen bei Netricsa. So kommt im Laufe des Spiels eine beachtliche Datenbank zustande, die zwar nicht übermäßig spannend, aber doch hin und wieder einen Blick wert ist.

Wenn Gegnermassen auf euch einstürmen, ist manchmal auch defensives Zurückweichen ein probates Mittel.
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