Kopfnüsse beim Terraforming

Semblance Test+

Christoph Vent 27. Juli 2018 - 11:36 — vor 3 Jahren aktualisiert
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Erst wenn wir den Energiestrahl umlenken, können wir den Boden so verformen, dass wir weiterkommen.
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Sprechertext zu Semblance

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Hallo, hier ist Christoph Vent von GamersGlobal mit dem Test zu Semblance. In dem 2D-Puzzle-Plattformer von Nyamakop seid ihr als kleiner Orb in einer abstrakten und zugleich minimalistischen Welt unterwegs und müsst Energiekugeln sammeln, um infizierte Bäume zu heilen. Während die Story aber selbst mit gutem Willen schon auf einem halben Bierdeckel Platz findet, steht in Semblance vor allem die Spielmechanik im Vordergrund. Getreu dem Motto „Was nicht passt, wird passend gemacht“ dürft und müsst ihr hier nämlich mit eurem Spielcharakter Plattformen und Wände in der Umgebung verformen, um zu eurem Ziel zu kommen.

Zu Beginn von Semblance ist das alles noch ganz leicht: Euer Held kann sich zunächst lediglich seitlich bewegen und hüpfen. Außerdem erlernt ihr schon in den ersten Minuten einen Dash, mit dem ihr entweder höher springt, mit Wucht auf den Boden knallt oder kleinere Abgründe überwindet. Die zentralste Spielmechanik von Semblance ist aber das Terraforming. Bestimmte Plattformen – sie sind daran zu erkennen, dass sie einfarbig sind und keinerlei Muster aufweisen – lassen sich nämlich ausbeulen oder verschieben.

Hüpft ihr mit dem Dash beispielsweise von unten gegen einen schwebenden Boden, baut ihr euch damit einen entsprechenden Hügel. Den wiederum könnt ihr als erhöhte Absprungplattform nutzen, um jetzt auch eine Stachelfalle zu überwinden, die vorher noch ein unüberwindbares Hindernis darstellte. Auf dieselbe Art und Weise könnt ihr natürlich auch von der Seite in entsprechende Wände hineinpreschen und dort kleine Kuhlen entstehen lassen, in denen ihr euch mit eurem Blob eine kurze Pause gönnt. Mit nur minimaler Übung könnt ihr so auch senkrechte Wände bis nach ganz oben hüpfen.

Die Rätsel von Semblance werden durch immer mehr Elemente erweitert . Hier kommen Laser hinzu, die euch bei Kontakt sofort töten, dort bekommt ihr es mit grünen Partikelfeldern zu tun, die euch zwar nichts anhaben, aber euren Dash blockieren. Später folgen Energiestrahlen, die das Terraforming verhindern, und so weiter und so fort.

Nach dem Tutorial gibt euch Semblance im Übrigen keinerlei Hilfestellungen. Das ist allerdings kein bisschen tragisch. Durch die in der Regel aufeinander aufbauenden Rätsel fühle ich mich stets gut gefordert und motiviert. Und da es keine echten Gegner gibt und ich nach einem Tod durch einen Laser quasi direkt wieder an derselben Stelle weitermachen darf, fühle ich mich nie unter Druck gesetzt. Im Gegenteil: Komme ich an einer Stelle mal partout nicht weiter, kann ich einfach bei der nächsten Energiekugel weitermachen und irgendwann später noch mal zurückkommen.

Semblance hatte damit in der allermeisten Zeit eine entspannende Wirkung auf mich, was auch mit der ungewöhnlichen und auf jeweils eine Grundfarbe reduzierten Grafikstil sowie der gelungenen Soundkulisse zu tun hat. Im grün gehaltenen Dschungel hört ihr etwa Vogelzwitschern im Hintergrund.

So gut mir die meisten Rätsel in Semblance aber auch gefallen, liegt ausgerechnet hier auch die größte Schwäche des Spiels. Bei einigen Puzzles weiß ich nämlich nicht genau, ob ich mich gerade auf dem richtigen Weg befinde, weil das Ausbeulen der Umgebung an einigen Stellen einer Millimeterarbeit gleicht. Bastel ich mir beispielsweise einen kleinen Berg, kann es eine Rolle spiele, ob ich die Plattform von einem Zentimeter weiter links oder rechts anhebe. Ein wenig mehr Toleranz bei Hüpfeinlagen oder dem Ausrichten von Energiestrahlen hätte dem Spiel hier gutgetan. Hinzu kommt eine etwas ungenaue Steuerung, die mir in Verbindung mit Stacheln oder Lasern so einige Male zum Verhängnis wurde.

Kommen wir damit zu meinem Fazit: Ich mag Puzzle-Plattformer ja sehr gerne und habe auch kein Problem damit, mich an etwas größeren Kopfnüssen festzubeißen. Aus diesem Grund stört es mich auch nicht, dass ich in Semblance nach dem kurzen Tutorial komplett auf mich allein gestellt bin. Der Schwierigkeitsgrad zieht zwar relativ rasant an. Da ich aber jederzeit ein Puzzle überspringen und später erneut angehen kann, bleibt Stress weitestgehend aus.

Die grundsätzliche Spielmechanik sagt mir ebenfalls zu. Die Spielwelt mit meinem Charakter in gewissem Maße so anpassen zu können, dass ich an die nächste Energiekugel gelange, ist mal etwas anderes. Außerdem gefallen mir einige Ideen – insbesondere die „Katapulttechnik“, durch die ich auch an hochgelegene Ziele komme, hat es mir angetan. Wären da nicht das oft zu millimetergenau Level- und Rätseldesign sowie die teils ungenaue Steuerung. Wenn ich eigentlich die richtige Lösung habe, irgendwann aber daran zweifle, weil es an einer nur leicht falsch ausgerichteten Plattform liegt, und dann nach anderen Wegen suche, ist das nicht nur ärgerlich, sondern wäre auch leicht vermeidbar gewesen. Aus diesen Gründen bekommt Semblance von mir eine 6.0.
Solche Hüpfeinlagen werden durch die zu sensible Steuerung erschwert.
Christoph Vent 27. Juli 2018 - 11:36 — vor 3 Jahren aktualisiert
Christoph Vent Unendliches Abo - 175105 - 27. Juli 2018 - 11:48 #

Viel Spaß beim Anschauen, Anhören und/oder Lesen!

xan 18 Doppel-Voter - P - 11294 - 27. Juli 2018 - 12:37 #

Schöne Sache, kann deine Kritik aber völlig nachvollziehen und das disqualifiziert das Spiel leider für meinen Berg der Freude.

Xalloc 15 Kenner - 3798 - 27. Juli 2018 - 14:31 #

Beim Trailer dachte ich noch: "Das sieht ja toll und interessant aus!", aber jetzt ist meine Motivation irgendwie dahin. Aber auch nicht schlimm, ich habe ja noch Splasher für die Switch auf dem MoJ.

Alain 19 Megatalent - P - 16777 - 27. Juli 2018 - 14:54 #

Oha.

Gestern gekauft, noch nicht gespielt und nun hagelt es (nicht nur hier) mäßige Kritiken...

Ich hoffe noch aufs beste.

Ganon 24 Trolljäger - - 66346 - 27. Juli 2018 - 19:27 #

Deswegen liest man erst die Tests und überlegt dann, ob man kauft. ;-)

Alain 19 Megatalent - P - 16777 - 28. Juli 2018 - 12:43 #

Die Previews haben mich angemacht. So teuer ist es auch nicht und die aktuellen Metacritic Wertungen machen auch wiede Hoffnung... Jetzt müsste ich nur noch zum spielen kommen.

Alain 19 Megatalent - P - 16777 - 29. Juli 2018 - 14:28 #

So. Nach den ersten Stunden muss ich sagen, ich bereue nichts. Alle Kritikpunkte aus dem Test sind berechtigt, aber so sehr haben sie mich nicht gestört. Ich empfehle es weiter. Ist aber sicherlich kein must have Meisterwerk.

vgamer85 20 Gold-Gamer - - 26464 - 27. Juli 2018 - 19:40 #

Hab am Anfang Aladan gelesen..lel, das wäre Aladan ja gar net passiert :-) Bei so einem unbekannten Spiel hätte ich mich auch erst informiert und dann entschieden es mir zu kaufen oder nicht.

Aladan 24 Trolljäger - P - 55218 - 30. Juli 2018 - 5:54 #

Zumindest hast du deinen Fehler erkannt. ;-)

Evoli 17 Shapeshifter - 8857 - 27. Juli 2018 - 20:31 #

Okay, das Spiel kann man sich wohl sparen...

Noodles 24 Trolljäger - P - 66364 - 30. Juli 2018 - 16:44 #

Danke für den Test. Spiele zwar sehr gern Puzzle-Plattformer, aber dieser hier spricht mich nicht so an.