Grauen auf und vor dem Schirm

Saw 2 - Flesh & Blood Test

Das Spiel Saw schaffte es 2009 auf Anhieb in unsere Liste der größten Flops des Jahres. Wir haben damals die Hoffnung geäußert, von weiteren Machwerken dieses Kalibers verschont zu bleiben. Leider vergebens, denn Konami schickt nun ohne Rücksicht auf Verluste Saw 2 hinterher. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes grausam...
Alex Hassel 23. November 2010 - 0:28 — vor 9 Jahren aktualisiert
360 PS3
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Saw war ein nach allen Maßstäben durch und durch schlechtes Spiel. Eine veraltete Technik, Design-Monotonie und furchtbares Gameplay ließen den Horrortitel allenfalls noch für die hartgesottensten Fans der Filmreihe interessant erscheinen. Warum Konami dennoch ein nahezu gleichsam miserables Spiel nur ein Jahr später auf den Markt wirft, entzieht sich unserer Kenntnis. Die Vermutung liegt zumindest nahe, dass man noch eilig versuchte, im Zuge des letztens Films Saw 3D das Spiel als Lizenzprodukt irgendwie an den Mann bringen zu können. Mit diesem Werbeeffekt ist es in Zukunft vorbei, denn es werden keine weiteren Filme mehr produziert. Die eigentlich geplanten Teile 8 und 9 wurden, wohl auch wegen den immer schlechteren Einspielergebnissen der Reihe, verworfen. Ein Schicksal, das wohl auch den Spielen droht, sollte sich dort bei eventuellen Nachfolgern keine deutlichen Verbesserungen einstellen.

Subtil ist anders: Saw 2 schreckt auch vor solchen drastischen Szenen in Großaufnahme nicht zurück. 

Schau mir in mein Auge, Kleines!

Wenn der Vorgänger überhaupt ein besonderes Merkmal für sich verbuchen konnte, dann die stellenweise übertriebene Gewaltdarstellung, die oft in die Geschmacklosigkeit abdriftete (das Wühlen in den Körpern von Toten nach einem Schlüssel sei nur als ein Beispiel genannt). Frohe Kunde für diejenigen, die sich ein Spiel wie Saw überhaupt nur wegen diesem Aspekt zulegen möchten: Der Nachfolger setzt die Tradition der Unappetitlichkeiten stolz fort. Schon in der allerersten Szene von Saw 2 - Flesh & Blood seid ihr mit der Aufgabe konfrontiert, einen Schlüssel zu ergreifen, den der Jigsaw-Killer unter euren Augapfel eingenäht hat. In Großaufnahme schneidet ihr langsam mit einem Skalpell die Nähte an eurem Lid auf und nehmt schließlich den Schlüssel an euch.

In Sachen Schock und Ekel bleibt diese Passage aber gewissermaßen der Höhepunkt. Alles was im Laufe des Spiels danach noch folgt, ist zwar nicht besonders angenehm anzuschauen, aber auch nicht drastischer oder brutaler als in anderen Titeln dieses Genres. Vieles ist auch schon aus dem Vorgänger bekannt oder fand seinen Einsatz schon in den Filme. Dazu gehören die umgedrehte Bärenfalle auf dem Kopf oder eine pendelnde Klinge. Dazwischen finden wir Quälmaschinen mit automatischen Schraubstöcken und einen Aufzug, der in die Tiefe stürzt und sein Opfer in zwei Teile reißt. Bis hierhin bleibt also alles beim Alten im Saw-Universum.

Schwache Story und Charaktere
Schon Michaels Vater musste sich Jigsaw stellen.  

Wie schon im Vorgänger ist die Prämisse folgende: Ihr befindet euch als Michael Tapp (der Sohn von Polizist David Tapp, Charakter im ersten Spiel und Film) in einem riesigen Komplex und folgt den Anweisungen des Jigsaw-Killers. Zwar schlüpft ihr für die ersten 20 Minuten in die Rolle eines anderen Opfers von Jigsaw und trefft dabei eine Entscheidung, die auch Einfluss auf das Ende des Spiels hat, aber den überwiegenden Teil verbringt ihr mit derselben Figur im abgedunkelten Komplex und macht das, was ihr schon im ersten Spiel die ganze Zeit gemacht habt: durch dunkle Räume laufen, Fallen ausweichen, Gegner erschlagen und Rätsel lösen. Die Rahmenhandlung ist dabei voll und ganz auf Fans der Filmreihe zugeschnitten. Soll heißen: Ihr interagiert mit Personen, die schon mal in einem der Filme eine Rolle gespielt haben, deren Hintergründe aber im Spiel nicht weiter erläutert werden. Auch Fall-Akten, die man als Bonusgegenstände einsammeln kann, bringen nur wenig Licht ins Dunkle.

In der Rolle des Reporters Michael trefft ihr auf Feinde, die einst von eurem Vater verhaftet wurden und nun an euch Rache üben wollen. Damit steht das dürftige Gerüst, warum jeder NPC im Spiel sofort nach eurem Leben trachtet. Selbst dann, wenn ihr diesem nur Minuten vorher noch aus einer tödlichen Maschine des Jigsaw befreit habt. Der Sinn dahinter? Wir vermögen ihn nicht zu erkennen. Allzu spannend ist es jedenfalls nicht, denn was in mittelmäßigen Filmen noch als Plot-Twist funktionieren mag, verliert sich in Sinnlosigkeit, wenn es sich jede Stunde wiederholt. Im Gegenteil, wir waren während des Tests eher demotiviert, überhaupt eine Figur aus den Apparaten zu befreien, wohl wissend, dass sie sich bereits in der nächsten Cutscene gegen uns wenden wird.

Wieder von Tobin Bell gesprochen: Jigsaw, der schon euren Vater quälte und nun euch als Opfer auserkoren hat.
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