Test: Metzel- & Rätsel-Tristesse

Saw Test

Spiele zu Filmen genießen nicht den besten Ruf, und selbst ein vermeintlicher AAA-Titel wie Avatar erweist sich im GamersGlobal-Test als biedere Hausmannskost mit diversen Mängeln. Aber es geht noch schlimmer -- wenn nämlich auch die Filmreihe selbst nach zig Fortsetzungen ein Schatten ihrer selbst ist. Und damit wären wir bei... Saw.
Alex Hassel 2. Dezember 2009 - 22:50 — vor 10 Jahren aktualisiert
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Als die beiden Filmstudenten James Wan und Leigh Whannell 2004 den Billigstreifen Saw auf einem Filmfestival vorführten, ahnte noch niemand, welche Konsequenzen dieser Film nach sich ziehen würde. Mit einem zwar für den Privatmann beachtlichen, im Filmbereich aber geringen Budget von gerade einmal 1,2 Millionen Dollar wurde der Film in 18 Tagen gedreht und kam im Herbst 2004 in die Kinos. Rasend schnell entwickelte sich der Horrostreifen zum Kassenhit und spielte über 100 Millionen Dollar ein. Und auch der Nachfolger Saw II (2005) wurde binnen kürzester Zeit zum Kassenschlager. Ein lukratives Franchise ward geboren,  und wird bis zum heutigen Tag regelmäßig mit Nachschub versorgt.
 
Die Filmreihe handelt von einem psychopathischen "Jigsaw-Killer", der seine Opfer mit brutalen Geräten foltert. Seit gestern geht die Reihe mit dem neuesten Teil in die sechste Kinorunde. Trotz zuletzt schwächelnder Einspielergebnisse sollen noch bis zum Jahr 2012 weitere Saw-Filme gedreht werden. Nach dem neunten (!) Teil aber soll dann aber endgültig Schluss sein. Zeitgleich zum Kinostart von Saw VI erscheint hierzulande nun auch das erste Spiel zur Filmreihe. Moment mal, ein Lizenzspiel? Nachdem erst diese Spielart erst von Harald Fränkel in seinem Report kritisch beäugt wurde, und nachdem gerade eben Jörg Langer Avatar auseinandergenommen hat? Ob das mal gut geht...

Filmkennern bekannt: Die Puppe Billy ist eine Art Maskottchen des Jigsaw-Killers.

Ich möchte ein Spiel spielen
 
Mit den obigen harmlosen und dennoch unheilvollen Worten kündigt sich in der Welt von Saw einer der Hauptcharaktere an, Jigsaw. Diese düstere Figur, in den Filmen stets von Schauspieler Tobin Bell dargestellt, wird auch im Spiel von diesem gesprochen. Jigsaw hat allerdings recht morbide Vorstellungen von einem Spiel. Er spielt es mit gekidnapten Personen, die in ihrer Vergangenheit gesündigt haben. Um die Freiheit wieder zu erlangen, müssen sie erst einen von Jigsaws brutalen Tests überstehen. Diese laufen dabei nach einem bestimmten Muster ab: das Opfer muss große Qualen und Verletzungen über sich ergehen lassen, um sich aus einer Folterapparatur befreien zu können. Gelingt es dem Opfer nicht, stirbt es in den grausamen Maschinen.
 
Im ersten Teil der Saw-Filme war die Gewalt dabei fast nur ein dezentes Stilmittel. Im Vordergrund stand vielmehr subtiler Horror und der Nervenkitzel, Menschen in auswegslos erscheinenden Situationen zu beobachten. Dieses Prinzip wurde dann mit den Fortsetzungen mehr und mehr verworfen, fortan standen möglichst ausgefallene Foltermaschinen im Vordergrund. Anflüge von Logik wurden mit jedem weiteren Kinofilm noch entschiedener reduziert. Leider, soviel wollen wir bereits verraten, orientiert sich das Spiel Saw nicht am ersten Film...
 
Gegner mit Metallkasten reagieren auf Geräusche, lassen sich aber problemlos mit den Fäusten besiegen.

 I`ve got the key, I`ve got the secret
 
Das Spiel ist zeitlich unmittelbar nach Ende des ersten Films angesiedelt und verzichtet glücklicherweise auf Details der Rahmenhandlung der fünf Nachfolger. Wir spielen die Figur des Detective David Tapp (im Film von Danny Glover dargestellt), wobei wir uns gleich mal in einer prekären Lage wiederfinden. Jigsaw hat uns eine seiner Nussknacker-Fallen auf den Kopf geschraubt, aus der wir nur durch die richtige Tastenkombination und Analogstick-Bewegung entkommen. Gelingt uns die Befreiung, eröffnet uns Jigsaw mittels einer seiner charakteristischen Videobotschaften sein Vorhaben.
 
Detective Tapp soll dafür büßen, dass er so fanatisch auf die Ergreifung des Jigsaw fixiert war -- im Rahmen der Ermittlungen starb sogar Tapps Partner. Als Bestrafung hat uns Jigsaw kurzerhand in ein verlassenes Sanatorium gesperrt, das erstens mit zahlreichen Fallen präpariert und zweitens gar nicht verlassen ist. In jedem der sechs Kaiptel des Spiels müssen wir eine Person retten, die in einer bestimmten Form mit Tapp und den Mordfällen in Verbindung steht.  Als besonders gemeines Schmankerl ist es dem Jigsaw auch noch gelungen, dutzende brutale Schläger in die Anstalt zu verschleppen. Deren einzige Möglichkeit zur Flucht ist ein Schlüssel – eingenäht in unseren Brustkorb.

 Die Handlung des Spiels ist einer der wenigen Lichtblicke: Durchaus interessant wird die Story von Detective Tapp weitergesponnen, der am Ende des ersten Filmes verwundet wurde und in den nachfolgenden Teilen bereits verstorben war. Das Spiel füllt diese Handlungslücke, zudem haben weitere Figuren aus der Reihe kurze Auftritte. Am Ende entscheiden wir sogar über zwei Lösungswege, wie die Geschichte für Tapp ausgeht. 

Wer in diesem Spiel eine Waffe benutzt, verringert dadurch seine Chancen, den Kampf zu gewinnen.

Die Faust ist mächtiger als das Schwert
 
Wir sind in der Rolle des Detective Tapp glücklicherweise nicht wehrlos gegen die wütenden Schläger, die nur liebend gerne unseren Oberkörper auf links drehen würden, um an den rettenden Schlüssel zu gelangen. Theoretisch haben wir Zugriff auf ein umfangreiches Waffenarsenal, welches wir jederzeit aufnehmen und verwenden könnten. Theoretisch. In der Praxis nämlich präsentiert uns Saw eines der schlechtesten Kampfsysteme, die wir in den letzten Jahren erlebt haben.
 
Mit Ausnahme des Revolvers ist jeder Gegenstand, den man aufsammelt und als Waffe verwendet, nutzlos. Egal ob Baseballschläger, Krücke, Besenstiel, Lampe, Skalpell oder der Arm einer Kleiderpuppe – keine dieser provisorischen Waffen eignet sich für den Kampfeinsatz. Grund ist eine nicht nachvollziehbare Verzögerung, wenn man zum Schlag ausholt. Unser Charakter agiert behäbig und langsam, als würde er sich unter Wasser bewegen. Die Gegner haben diese Verzögerung nicht und schlagen fleißig und agil auf uns ein. Sind wir erst einmal getroffen, beginnt eine Endlosschleife: der Gegner attackiert uns, wir können uns aber nicht wehren, weil unsere Animation zum Schlagen viel länger dauert als die unseres Kontrahenten. Erinnerungen an unbesiegbare Wildschweine mit ihrer gefürchteten "Kettenattacke" aus Gothic 3 werden wach.
 
Theoretisch könnten wir versuchen, die Angriffe zu blocken. In der Praxis hat dies in unserem Test aber nicht ein einziges Mal funktioniert. Wie also das Spiel meistern, wenn die Waffen unbrauchbar sind? Die Antwort ist simpel: man benutzt einfach keine Waffen. Mit stupidem Dauerdrücken der Taste für leichte Schläge kommt ihr selber in eine Art Loop und bezwingt so jeden Gegner mühelos mit der Faust.

Um sich von seinem Maulkorb zu befreien, benötigt dieser Schläger den Schlüssel aus eurem Brustkorb.
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