Saga Frontier Remastered Test

Kein Nachholbedarf

Michael Hengst / 14. April 2021 - 16:01 — vor 22 Wochen aktualisiert

Teaser

Im Jahr 1997 wurde Saga Frontier in Japan veröffentlicht, nach Europa schaffte es der Titel von Square aber nie. Nun ist das hochgelobte JRPG neu aufgelegt worden – lohnt sich der nachträgliche Trip?
Dieser Inhalt wäre ohne die Premium-User nicht finanzierbar. Doch wir brauchen dringend mehr Unterstützer: Hilf auch du mit!
Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Für viele Genre-Fans dürften die 1990er Jahre als die goldene JRPG-Zeit zählen. Square Enix, damals noch Square Co., Ltd., feierte bei Spielern und Kritikern einen Erfolg nach dem anderen. So konnte sich das Unternehmen einen Ruf als Experte für gehaltvolle Rollenspiel- und Taktikkost aufbauen.

In dieser Zeit legte Square auch den Grundstein für ein paar der wichtigsten Spieleserien des Genres, von denen viele europäischen Spielern allerdings verwehrt geblieben sind. Chrono Trigger wurde 1995 veröffentlicht, ebenso wie der erste Teil der Front Mission-Serie, Super Mario RPG kam 1996 raus. In früheren Jahren erschienen Romancing SaGa (1992) und Secret of Mana (1993). 1997 brachte Square die beiden Klassiker Final Fantasy Tactics und das Sony-Vorzeigespiel Final Fantasy 7 heraus. Im gleichen Jahr veröffentlichte das japanische Unternehmen zudem Saga Frontier.

Dabei handelte es sich um den mittlerweile siebten Teil einer Reihe, die schon 1989 unter dem Namen The Final Fantasy Legend (nie offiziell in Europa) startete. Die Saga-Rollenspiele gelten als spiritueller Enkel von Final Fantasy 2, was auch kein Wunder ist: Der Schöpfer der Reihe, Designer Akitoshi Kawazu, arbeitete ebenfalls an dem ersten und zweiten Teil der Final Fantasy-Serie mit. Die Saga-Spiele unterscheiden sich aber deutlich vom Großvater und statt eines übergreifenden und epischen Gesamt-Narrativs legt Kawazu Wert auf eine offenere Welt und eine vergleichsweise "lose" Spielstruktur. Anstelle einer engen Spielerführung gibt es einen nicht-linearen Story-Verlauf und Charakter-Progression, die nicht dem klassischen Erfahrungspunkte-/Level-Schema folgt. Zusammengefasst wird diese Mixtur als "Free Scenario System" bezeichnet. Diese ungewohnte Freiheit schmeckte allerdings nicht jedem Spieler, in Japan mauserte sich Saga Frontier aber mit einer Million verkaufter Einheiten zum Verkaufsschlager.

Jetzt können sich auch neue Generationen selbst ein Bild von der spielerischen Freiheit machen: Square Enix veröffentlicht den Klassiker als Saga Frontier Remastered neu. Im Gegensatz zu Trials of Mana (im Test, Note: 8.5) fand aber keine Generalüberholung statt, die Neuerungen sind punktuell und dezent gehalten.
Die optischen Effekte sind sehr hübsch anzusehen. Spezialattacken oder Zaubersprüche füllen oftmals den ganzen Bildschirm.
 

Etwas Kosmetik, viel Mechanik

Am offensichtlichsten neu bei Saga Frontier Remastered sind zahlreiche optische Verschönerungen, wie verbesserte Animationen, ein "Ausgangszeiger" in der Spielwelt und ganz allgemein die HD-Grafik. Dazu gibt es noch ein paar wenige neue Komfortfunktionen. Die wohl einschneidendsten Veränderungen verbergen sich aber unter der Haube. So sind beim Original zahlreiche Locations, Story-Teile und sogar ein komplettes Kapitel nebst einem weiteren spielbaren Protagonisten dem Termindruck zum Opfer gefallen. Bei der Neuauflage dürft ihr euch über diese zusätzlichen Inhalte freuen.

Trotz der zahlreichen Änderungen bleibt der Kern des "Free Scenario"-Systems weitestgehend unangetastet. Zu Spielbeginn stehen sieben Protagonisten zur Auswahl. Jeder hat eine individuelle Hintergrundgeschichte, Motive und natürlich (mindestens) ein eigenes Ende. Je nach gewähltem Helden ändert sich der Anfang des Spiels, und auch einige der rund 40 Orte und Dungeons brauchen oder können im Spielverlauf erst gar nicht besucht werden. Für welchen Charakter ihr euch entscheidet, bestimmt auch über den gefühlten Schwierigkeitsgrad – einige Figuren sind deutlich einfacher zu spielen als andere.

Kleiner Tipp von mir: Die Figur Red gilt gemeinhin als einfachster Charakter für Neueinsteiger. Er hat die beste und auch umfangreichste Story und folgt am Anfang noch einem recht linearen Pfad, was die ersten Schritte erleichtert. Einsteiger sollten von Lute die Finger lassen, ganz besonders aber von Riki. Letzterer, ein  Vogelmensch, spielt sich komplett anders als normale Figuren und so ist der Schwierigkeitsgrad schon vom Start weg entsprechend hoch.
Es gibt über 30 spielbare Figuren, von denen sich – je nach eurem Haupthelden – euch einige anschließen werden.
 

Kampfsystem mit Lernfunktion

Aber egal für welchen Helden ihr euch entscheidet, Saga Frontier folgt in einigen Punkten ganz anderen Regeln als traditionelle JRPGs. Besonders bemerkbar macht sich dies im rundenbasierten Kampfsystem. Wie schon erwähnt, gibt es weder Levels noch Erfahrungspunkte. Charaktere erhalten nach einem Kampf individuelle Punkte, je nachdem, welche Aktionen sie ausgeführt haben oder was mit ihnen geschehen ist. Mussten sie beispielsweise einiges an Schaden einstecken, bekommen sie mehr Lebenspunkte. Hat ein Held einen Zauberspruch eingesetzt, gibt es Magiepunkte. Es ist ein bisschen wie das Talentsystem bei Skyrim.

Zudem gibt es keine festen Klassen, (fast) jede der bis zu 14 Figuren, die sich euch im Spielverlauf anschließen, kann alles erlernen. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Umgang mit Schusswaffen, Schlagtechniken, Schwertkünste oder knackige Zaubersprüche. Letztere könnt ihr entweder finden oder müsst sie kaufen. Ob ihr also einen reinen Schwert- oder Faustkämpfer, einen Magier oder einen Hybriden aus dem Charakter macht, ist am Ende euch überlassen. Mir hat die Erfahrung gezeigt, dass es sinnvoller ist, die Charaktere auf eine Klasse zu spezialisieren. Zusätzliche Fähigkeiten werden durch neue Gegenstände freigeschaltet oder im Kampf – je nach Waffentyp – erlernt. Genau wie spezielle Kombos aus Kampftechniken, die ihr zwar nicht selbst auswählen und aktivieren könnt, die aber besonders viel Schaden anrichten.

Eine Ausnahme bilden Figuren der Monsterklasse, die nach dem Kampf Fähigkeiten von besiegten Gegnern assimilieren können, und Roboter, die Fertigkeiten nur durch neue Ausrüstung erhalten. Nach einem Kampf gibt es für die Blechkameraden überhaupt keine Boni. Apropos Kampf: Über Zufallsbegegnungen müsst ihr euch in Saga Frontier Remastered keine Gedanken machen. Jeder Gegner ist auf dem Spielfeld zu sehen. Allerdings sind einige Monster so schnell, das ein Ausweichen praktisch unmöglich ist und es gibt auch keine Möglichkeit, schnell aus Dungeons zu fliehen. Die Gegner respawnen zudem in jedem Raum, den ihr verlassen habt.
Anzeige
Kämpfe finden rundenweise statt, ihr könnt also in Ruhe die nächste Aktion planen.
Dennis Hilla Redakteur - P - 142010 - 14. April 2021 - 16:01 #

Viel Spaß beim Lesen!

Patorikku 16 Übertalent - P - 5030 - 14. April 2021 - 16:22 #

Sieht schick aus, die Kritikpunkte von Michael sollten mich nicht sonderlich stören. Warte wohl auf die PC- bzw. ggf. Xbox-Version.

paschalis 28 Endgamer - - 179258 - 14. April 2021 - 18:20 #

Für den PC gibt es Saga Frontier Remastered ab morgen schon, eine Version für Xbox scheint hingegen nicht geplant zu sein.

TheronInc 14 Komm-Experte - P - 1828 - 14. April 2021 - 18:24 #

Klingt für mich nicht abschreckend genug, ich werd's ab morgen zocken. Dann eben mit Guide, aber das passt für mich ganz gut zum PS1-RPG-Feeling dazu, in dem ich mich suhlen möchte. :)

Danke für den Test!

Sven Gellersen 23 Langzeituser - - 40464 - 15. April 2021 - 1:05 #

Danke für den Test, ich werde wohl die Finger von lassen. Die Idee mit den individuellen Stories der Charaktere gefällt mir, aber der Rest ist mir zu abschreckend.

StefanH 21 Motivator - - 25706 - 15. April 2021 - 8:11 #

Schade, ich hatte mir eigentlich mehr erhofft. Aber das liest sich schon ein wenig ernüchternd. Danke jedenfalls für den wie immer sehr gut geschriebenen Test.

Gorkon 19 Megatalent - P - 13827 - 15. April 2021 - 8:33 #

Danke für den Test. Schön, dass hier auch sowas nieschiges besprochen wird. Die Freiheit im Spiel scheint jetzt nicht so durchdacht zu sein, wenn Ereignisse nicht triggern, weil man sich nicht an den unsichtbaren Pfad hält. Bei aller Liebe zu JRPGs lassen ich hier mal die Finger von.

Jürgen 25 Platin-Gamer - P - 62327 - 15. April 2021 - 9:38 #

Die Optik gefällt mir. Der Rest des Tests sagt aber laut und deutlich "Jürgen, das ist nicht für dich gemacht!"

CBR 20 Gold-Gamer - P - 24756 - 15. April 2021 - 10:01 #

Sehr schöner Test. Michael schreibt mir manchmal etwas zu sperrig. Das liegt vermutlich an den vielen Referenzen auf JRPGs, die ich bei Weitem nicht alle kenne. Da war dies hier angenehm leicht zu lesen.

Cpt. Metal 17 Shapeshifter - P - 6297 - 15. April 2021 - 11:11 #

Danke für den Test und die Warnung (en). Darauf werde ich mit Sicherheit keine Lebenszeit verschwenden. Krass, dass die Nische groß genug zu sein scheint, entsprechend viele Käufer anzulocken.

Tand 16 Übertalent - P - 5166 - 15. April 2021 - 12:45 #

Lieber Michael Hengst,
hättest du nicht Mal Lust eine Liste deiner Lieblings-JRPGs zu machen?

Patorikku 16 Übertalent - P - 5030 - 15. April 2021 - 13:52 #

Finde das wäre mal'n gutes Thema für die Hengstchroniken, spiel grad selber Dragon Quest XI auf Michaels Empfehlung im Gamepass und bin völlig hin und weg, auf genau so ein Spiel habe ich unbewusst all die Jahre gewartet...

Michael Hengst 16 Übertalent - P - 5334 - 15. April 2021 - 16:12 #

Lust schon. Aber gerade keine Zeit :-D.