Brutale Grafikbombe

Ryse - Son of Rome Test

Benjamin Braun 21. November 2013 - 12:00 — vor 5 Jahren aktualisiert
Ryse sieht richtig klasse aus, ganz besonders in diesem Spielabschnitt in der Nähe eines Aquädukts. Dass das Spiel nativ nur in 900p läuft, hätten wir Cryteks Actionspiel in Anbetracht seiner Grafikqualität  jedenfalls nicht angesehen.
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Auch in 900p starkManch böse Zunge unterstellt Crytek seit dem ersten Far Cry, das Frankfurter Spielestudio veröffentliche keine Spiele, sondern Grafikdemos. Natürlich stimmt das nicht, aber dass die Grafikqualität auf höchster Prioritätsstufe bei Crytek steht, ist genauso wenig zu bestreiten. Und genau in diesem Bereich kann Ryse - Son of Rome erwartungsgemäß viele Punkte sammeln. Und das, obwohl es nativ "nur" in 900p auf der Xbox One läuft (unsere Screenshots sind aus technischen Gründen nur mit 720p aufgelöst, die Grafik ist also in Wahrheit etwas detaillierter und schärfer). Insbesondere die Charaktere zeigen gestochen scharfe Texturen, und der Detailgrad der Umgebung lässt bei der Qualität der Texturen kaum Raum zum Meckern. Das sieht in den dunkleren Abschnitten wie etwa einem Barbarenlager irgendwo mitten im Sherwood Forest zwar etwas anders aus, da Vieles im Grau der Szenerie untergeht. Aber selbst dort kann Ryse mit schönen Grafikeffekten wie etwa beim Feuer glänzen.

Besonders gut sieht das Gemetzel allerdings in den Städten aus. Marmorsäulen zeigen feinste Oberflächendetails und reflektieren realistisch das Licht, bei Stützbalken ist die Maserung des Holzes zu erkennen. Zur wahren Augenweide wird Ryse schließlich in einem Waldstück nahe eines Aquädukts. Wie sich dort das Licht in den Blättern der Bäume und Sträucher bricht, gibt zumindest schon mal einen Vorgeschmack auf das, was in den kommenden Jahren auf der Xbox One noch alles möglich sein wird. In einem Nachfolger reagieren dann vielleicht auch die Pflanzen auf unsere Berührung. Aktuell wiegen sie sich nämlich nur vorberechnet im Wind.
Die Mimik der Charaktere kommt vielleicht nicht an die in L.A. Noire oder Beyond heran, ist aber immer noch erstklassig.

Eine Hand reicht
Prügeln müsst ihr euch überall wie hier oben auf einem Aquädukt, das Marius selbstredend allein freikämpft.
Auch bei den Animationen zeigt Crytek eine hohe Qualität. Besonders gut gefallen hat uns Marius Bewegung beim Erklimmen von Leitern. Da er mit Schild und Schwert unterwegs ist, hopst er sie regelrecht hoch, verlagert dabei aber so glaubwürdig sein Gewicht, dass es nicht lächerlich wirkt. Auch die Kampfanimationen können sich mehr als sehen lassen, wenngleich häufiger Sprünge in den Bewegungen zu erkennen sind – und nicht selten ein Gegner nach einem tödlichen Schlag auch mal "in" ein Umgebungsobjekt fällt. Bei den vorberechneten Kampfanimationen der Finisher treten diese Probleme ebenfalls ab und zu auf, meistens bei den Umgebungsfinishern. Da "springt" der Barbar gerne einen Meter zur Seite, damit Marius ihn an einem speerbewehrten Schutzwall aufspießen kann.

Richtig klasse sind Crytek die Gesichtsanimationen gelungen, die vorwiegend in den vorgerenderten Zwischensequenzen zum Einsatz kommen. Die mögen noch weit von der herausragenden Qualität eines Beyond - Two Souls (GG-Test: 8.0) entfernt sein, haben uns aber dennoch mit synchronen Lippenbewegungen zur (englischen) Sprachausgabe und feinen Bewegungen von Wangen und Augen überzeugt. Technische Schwächen gibt es aber auch. Besonders ärgerlich ist, dass Ryse nicht immer ganz flüssig läuft. Das passiert allerdings fast ausschließlich dort, wo das Spiel kurz vor einer "Wegbiegung" schon den nächsten Bereich lädt. Lags gab es bei uns allerdings öfters auch beim Aufpoppen von Achievements. Die wurden unserem Eindruck nach aber durch einen ersten Patch in einigen Fällen beseitigt.

Schaut her, wie gut ich bin!
Alternativen
Freunde weniger zimperlicher Actionspiele sollten sich unbedingt die God of War-Serie anschauen, die in Ascension (GG-Test: 8.5) ihren vorläufigen Endpunkt erreichte. Wenn es etwas mehr Rollenspiel sein darf, könnte Darksiders 2 (GG-Test: 9.0) für euch interessant sein. Deutlich familienfreundlicher geht es in der The Legend of Zelda-Reihe zu, die ihre durchweg hohe Qualität auch im aktuellen Handheldableger A Link between Worlds (GG-Test: 8.5) untermauert. Reizt euch hingegen das Setting mit Römern, Barbaren und Co. müsst ihr zwingend das Genre wechseln und in Rome 2 - Total War (GG-Test: 7.5) Germanen, Briten oder Karthagern zeigen, wo der Strategie-Hammer begraben ist.
Ryse macht umfangreich von der Game-DVR-Funktion der Xbox One Gebrauch, die ihr bekanntlich auch nutzen könnt, um Videoclips aufzunehmen und über die Cloud mit euren Freunden zu teilen. Während das Speichern der Aufnahmen in den meisten Spielen nur manuell geschieht, geschieht das in Ryse auch ohne euer Zutun. Laut Crytek soll Ryse dabei sowohl den "Highlight-Charakter" der Spielszenen als auch die Leistung des Spielers berücksichtigen. Bei uns zeichnete Ryse etwa mehrere Szenen in normalen Kämpfen auf, in denen wir einen besonders hohen Kombozähler oder besonders viele perfekte Finisher landeten. Auch die Abwehrschlachten hinter Pfeilgeschützen waren mehrfach vertreten.

Grundsätzlich scheint Ryse Teile der Bosskämpfe aufzunehmen, wobei auch diese Clips grundsätzlich maximal 30 Sekunden umfassen. Wir finden die Idee an sich gar nicht verkehrt, denn im Eifer des Gefechts vergisst manch ein Spieler vielleicht einfach, die Aufnahme per Kinect-Sprachbefehl zu aktivieren. Andererseits fanden wir auch keines der Videos so spannend, dass wir es unbedingt noch mal ansehen müssten oder gar mit Freunden teilen wollten. Uns beschäftigt aber nicht zuletzt die Frage, weshalb diese Funktion einfach aktiviert ist, ohne den Spieler zu fragen. Wer sie nicht will, kann sich nicht dagegen entscheiden. Einfach so mit anderen geteilt wird allerdings nichts.

Wie viele andere Spiele nutzt Ryse auch die bereits für Xbox One verfügbare Smartglass-App, um Tablets oder Smartphones als Companion Device im Spiel zu verwenden. Ausprobieren konnten wir die Funktionen allerdings noch nicht, da sie in Ryse noch nicht aktiviert ist. Ebenso war der Multiplayer-Part (von dem wir allerdings keine wesentliche Spielspaß-Steigerung erwarten) noch nicht testfähig.

Autor: Benjamin Braun / Redaktion: Jörg Langer (GamersGlobal)

Benjamin Braun
Nach den gut eineinhalb Spielstunden auf dem Pre-Launchevent von Microsoft vor einigen Tagen war ich guter Hoffnung, dass Ryse in den späteren Spielabschnitten noch einiges bezüglich Gegnervielfalt und Abwechslung zu bieten hätte.

Die Realität beim Testen war dann eine andere: Nach den ersten Spielstunden hatte ich schon so gut wie alles gesehen, was Ryse zu bieten hat. Deshalb stellte sich auch schnell Langeweile ein. Alles wiederholt sich und wird so zum Ausdruck der Eintönigkeit. Es ist schon enttäuschend, dass in einem gerade mal sechsstündigen Spiel nur eine so begrenzte Spielmechanik steckt. Dass die Grafik wirklich schick und die Inszenierung hochwertig ist, hilft wenig, zumal die Story nicht viel taugt. Letzteres hatte ich allerdings auch nicht anders erwartet.

Immerhin ist Ryse kein Spiel für Buttonmasher geworden: Wer sich nicht an die Regeln hält, verliert – und auf den höchsten Schwierigkeitsgraden kann es ziemlich happig werden. Ob Ryse aber so brutal sein musste, weiß ich nicht. In Naughty Dogs The Last of Us wird zwar auch brutalste Gewalt gegen Menschen ausgeübt, aber dort ist sie eben Teil der Spielwelt, die die Gnadenlosigkeit des Überlebenskampfs untermauert. In Ryse fällt sie dann doch eher in die Kategorie Effekthascherei. So oder so: Zu einem besseren Spiel macht Ryse der enorme Grad der Gewaltdarstellung eh nicht. Weniger zartbesaiteten Actionfans kann man Ryse für zwischendrin durchaus noch empfehlen. Zu mehr als zum (schicken!) Lückenfüller taugt es nicht.
Christoph Vent
Auf den ersten Blick hat mich Ryse sehr positiv überrascht: Erwartet hatte ich nicht mehr als einen Buttonmasher im alten Rom. Doch die ersten ein bis zwei Stunden mit dem Spiel machten mir dann doch sehr viel Spaß. Das Kampf- und Kombosystem ist schnell erlernt und spielt sich flott und flüssig. Auch die Inszenierung überzeugt mich: Zwar handelt es sich meist um Skriptsequenzen, diese sind aber sehr gut ins Spiel integriert. Auch der Beginn der Story motiviert mich, weiterzuspielen.

Doch mal abgesehen davon dass sich diese bald als wenig einfallsreich erweist: Bereits im dritten der acht Levels habe ich das Gefühl, schon alles von Ryse gesehen zu haben. Die Barbaren sind zum Beispiel immer die gleichen, auch wenn dann halt noch stärker gepanzerte kommen.
 
Trotz seiner Kürze von nur sechs Stunden bietet Ryse kaum Abwechslung und ist im Prinzip ein einziges Gemetzel. Das anfangs interessante Kampfsystem entpuppt sich zudem als kleine Enttäuschung, da auch hier keine neuen Attacken oder dergleichen hinzukommen. Darüber hinaus finde ich die Finisher in ihrer Gewaltdarstellung übertrieben, zumal sie sich dauernd wiederholen und unnötig lange dauern. Ryse macht trotzdem Laune, allerdings möchte ich es nicht an einem Stück, sondern in kleinere Häppchen aufgeteilt spielen. Loben möchte ich zum Schluss aber noch die Grafik: Crytek wird auch hier seinem Ruf gerecht und liefert trotz nur 900p eine fantastische Arbeit ab.

 Ryse - Son of Rome
Einstieg/Bedienung
  • Gutes Tutorial
  • Vier Schwierigkeitsgrade (davon drei von Beginn an frei wählbar)
  • Zwischensequenzen erst ab dem zweiten Durchgang überspringbar
Spieltiefe/Balance
  • Überraschend anspruchsvolles Kampfsystem…
  • Nett gemachtes Vorrücken in „Schildkrötenformation“
  • Filmreife Inszenierung
  • Oft packendes Mittendringefühl
  • … das relativ schnell ausgereizt ist und unter seiner geringen Vielfalt leidet
  • Gewaltdarstellung oft übertrieben
  • Dämliche Story
  • Zwischensequenzen oft zu ausladend
  • Nach sechs Stunden ist alles vorbei (davon eine Stunde Cutscenes!)
Grafik/Technik
  • Allgemein starke Grafik
  • Hoher Detailgrad der Umgebungen
  • Feine Mimik
  • Gute Effekte
  • Gelegentliche Ruckler und Lags
  • Ab und zu Sprünge in den Animationen
Sound/Sprache
  • Gute deutsche und englische Sprachausgabe
  • Heroischer Soundtrack
  • Passende Soundeffekte
  • Deutsche Sprachausgabe nicht lippensynchron
Multiplayer
Nicht getestet  
Partner-Angebote
Amazon.de Aktuelle Preise (€): 68,99 (Xbox One)
Userwertung
7.4
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3D-Actionadventure
ab 18
18
Crytek
22.11.2013
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PCXOne
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Benjamin Braun 21. November 2013 - 12:00 — vor 5 Jahren aktualisiert
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