Test: Abgewertet

Rome 2 - Total War Test

Rüdiger Steidle 2. September 2013 - 15:01 — vor 5 Jahren aktualisiert
before
after
Rechts kommen die hohen Details zur Geltung. Die Wiese ist von hunderten Grasbüscheln übersät, die Schilde haben ihre eigenen Muster, und die Kämpfer wirken durch die bessere Beleuchtung plastischer.
Anzeige
 
Theoretisch drei Siegtypen
Eroberung ist nicht der einzige Weg, die Kampagne zu gewinnen. Ihr könnt auch auf wirtschaftlichem Gebiet oder kulturell Dominanz erlangen, wobei realistischerweise die letzten beiden Ziele ohne gleichzeitige militärische Stärke (um nicht zu sagen: Vormacht) kaum zu erreichen sind. Die Bedingungen sehen für jede Nation etwas anders aus. Als Gallier müsst ihr beispielsweise für einen wirtschaftlichen Sieg 60 Siedlungen kontrollieren und Handelsbeziehungen mit 20 Partnern aufrecht halten. Für einen militärischen Abschluss braucht ihr dagegen 110 Siedlungen und müsst 180 Einheiten unterhalten. Die Makedonier benötigen für einen Kultursieg nur sechs Provinzen, müssen aber 30 Technologien erforschen und besonders teure Gebäude errichten. Wie fordernd euer Feldzug ausfällt, hängt einerseits vom Schwierigkeitsgrad ab (beim fünften und höchsten, „legendär“, dürft ihr nicht mehr manuell speichern und keine Schlachten-Befehle im Pausenmodus geben), andererseits aber natürlich auch von der gewählten Nation. Die Römer haben es vergleichsweise leicht, die Karthager relativ schwer.

Neben den Fernzielen gibt es übrigens immer wieder dynamisch generierte Minimissionen, die euch beispielsweise auftragen, eine neue Flotte zu bilden, eine bestimmte Stadt zu erobern oder einen Spion auf die dritte Erfahrungsstufe zu hieven. Ach ja, das hätten wir fast vergessen: Einheiten und Persönlichkeiten lernen im Spielverlauf dazu und bauen ihre Fähigkeiten aus. Bei Generälen, Spionen, Würdenträgern und Meistern steigen dadurch die Erfolgschancen bei ihren Aufträgen. Einheiten bekommen dagegen Boni im Kampf verliehen, etwa stärkere Panzerung oder höhere Reichweite.

Teilweise wirken sich diese Erfahrungsgewinne auch auf die gesamte Armee aus: In zehn Leveln steigt jede Armee auf, und jedes Mal dürft ihr eine weitere sogenannte Tradition für sie wählen. Diese bleiben auch dann bestehen, wenn einzelne Formationen komplett aufgerieben werden oder ihr eine Armee freiwillig auflöst. So könnt ihr euch im Spielverlauf beispielsweise Belagerungsspezialisten oder schnelle Reiterarmeen heranzüchten. Dass die Armee oder Legion X dadurch aber zu so etwas wie einem „Charakter“ wird, wie es im Vorfeld hieß, können wir nicht bestätigen. Auch die Begrenzung der Armeezahl (mit zunehmender Reichsgröße respektive "Imperium" habt ihr auch mehr Armeen sowie Flotten zur Verfügung) ist aus unserer Testerfahrung eher ein theoretisch wichtiges Element, das sich in der Praxis nicht groß auswirkt. Insbesondere verhindert es entgegen unserer früheren Hoffnung nicht die Eigenart der KI, Miniarmeen (teils mit Eliteeinheiten) durch die Welt zu schicken, die dann meist chancenlos sind.

Technik und TutorialsZur Technik gibt es viel Gutes zu erzählen. Die Musik reicht von epischen Schlachthymnen bis hin zu sphärischer Untermalung in friedlichen Spielabschnitten. Auf dem Schlachtfeld erschallen Schreie, Waffengeklirr und Umgebungseffekte, daneben kommentieren knurrige Kommandanten eure Befehle oder halten vor dem Gefecht motivierende Reden für die Untergebenen – herrlich atmosphärisch! Nur der Akzent der Sprecher der Barbarenstämme wirkt in der deutschen Version etwas aufgesetzt.

Neben der freien Kampagne toben wir uns in historischen Schlachten und einem umfangreichen Skirmish-Modus aus.
Grafisch überzeugt Total War: Rome 2 mit abwechslungsreichen Schlachtfeldern (Wüsten, Wälder, Hügellandschaften), hervorragend detaillierten und bewegten Einheiten (auch wenn ihr die Kamera der Übersicht zuliebe selten nah heranfahren werdet und auch die neue „Schulterkamera“ nur selten einsetzen werdet), landestypischen Gebäuden und einer wunderschönen Übersichtskarte, die dank zahlreicher Animationen richtig lebendig wirkt. Einzig die wabernden Schatten sind uns in der höchsten Qualitätsstufe negativ aufgefallen, die wirken bei mittleren Details seltsamerweise realistischer. Überraschenderweise stellt Rome 2 trotz der gelungenen Optik keine allzu hohen Anforderungen an eure Hardware; mit einem Mittelklassesystem seid ihr bestens gerüstet. Unsere Testversion plagte noch ein Mikroruckeln bei längerer Spieldauer, das aber noch behoben werden soll.

Einstieg und Tutorials sind ebenfalls vorbildlich gelöst. Wenn ihr noch nie einen Titel aus der Total-War-Reihe gespielt habt, solltet ihr euch vor dem großen Feldzug am Prolog versuchen, der euch in einer Handvoll Story-verknüpfter Schlachten sowie einem eingeschränkten offenen Kampagnenspiel (anhand des Kriegs der Römer gegen die Samniten, siehe Preview) die Grundregeln mit einfachen Sprachnachrichten und Hinweisen beibringt. Außerdem gibt es, ähnlich wie bei Civilization, eine umfangreiche Enzyklopädie, die zu wirklich allen Spielbestandteilen noch detailliertere Informationen bereithält: Truppentypen, Diplomatie, Wirtschaftssystem und so weiter. Dabei werden die wichtigsten Abschnitte nicht nur textlich dargelegt, sondern auch noch von kurzen Videos illustriert. Komfortabler kann man Neulinge an ein so komplexes Spiel kaum heranführen.

Ausgeklammert: Der Mehrspielermodus
Alternativen
Die Mischung aus globaler Strategie und taktischen Echtzeit-Schlachten von Rome 2 ist ziemlich einzigartig, am ähnlichsten sind natürlich die Vorgänger. So profitierte Shogun 2 (GG-Test: 9.0) in Sachen strategischer KI von der relativ überschaubaren Karte und dem simpleren Belagerungssystem, hatte aber bei weitem nicht die Vielfalt an Fraktionen und Truppen zu bieten wie Rome 2. Das Groß-Addon Fall of the Samurai enttäuschte uns jedoch mit seiner miesen Kampf-KI und schaffte erst nach Patch eine bessere Note (GG-Test: 8.0). Entfernt vergleichbare Globalstrategiespiele sind etwa Civilization 5 mit mehr Forschung und Planung, aber weniger Kampf (GG-Test des neuesten Addons: 9.0), und die Paradox-Titel wie Europa Universalis 4 (GG-Test: 7.5).
Einen Bereich haben wir in unserem Test bislang ausgelassen: den Mehrspielermodus. Das liegt einerseits daran, dass wir Rome 2 hauptsächlich als klassischen Solotitel ansehen. Andererseits aber auch daran, dass wir es in der Kürze der Zeit schlicht nicht geschafft haben, neben dem zeitintensiven freien Feldzug (eine Partie dauert gut 30 Stunden) auch noch die umfangreichen Multiplayer-Optionen aussagekräftig zu bewerten. Es gibt nämlich nicht nur Einzelgefechte für bis zu vier Teilnehmer mit frei zusammenstellbaren Armeen (sind auch solo spielbar) und eine Handvoll historischer Schlachten, sondern auch die Möglichkeit, die Kampagne zu zweit gegeneinander oder gegen den Computer zu spielen. Aus der Erfahrung mit früheren Vertretern der Serie wissen wir, dass insbesondere letztere Option trotz des hohen Zeitaufwands verdammt viel Spaß macht, allerdings auch buggeplagt ist (Synchronisationsprobleme). Ob sich dies mit Rome 2 merklich verbessert hat, und wie viel Spaß der Skirmish-Modus und die Ranglisten machen, können wir aktuell noch nicht sagen.

Autor: Rüdiger Steidle
Redaktion: Jörg Langer (GamersGlobal)


Rüdiger Steidle
Rome 2 ist für mich, bei all seiner beeindruckenden Vielfalt und Opulenz, genau wie die Vorgänger ein „Trotzdem-Spiel“. Trotzdem, weil es mich eben trotz seiner drei eklatanten Schwächen (KI, KI und KI) wieder sofort in den Bann zieht. Und weil ich mich, ähnlich wie bei Civilization, von einer Runde zur nächsten weiterklicke, ohne zu merken, wie die Zeit verstreicht. Hier noch ein neues Aquädukt in Auftrag geben, dort noch mit meinen Spionen eine Siedlung sabotieren, eben noch diese Entscheidungsschlacht gewinnen, nur noch die Flotte verstärken – und schon ist es wieder drei Uhr morgens.

Ich muss allerdings zugeben, dass ich bei jedem neuen Total-War-Teil weniger Geduld habe, mich mit meinen doofen Einheiten im Taktik-Teil herumzuschlagen und immer öfter den Computer den Ausgang der Gefechte berechnen lasse. Ich konzentriere mich dann nur noch auf die wirklich wichtigen Schlachten in Unterzahl oder auf die seltenen Belagerungen. Es ist mir schon bewusst, dass es schwierig bis unmöglich ist, einen fordernden KI-General zu programmieren – aber wenigstens meine eigenen Truppen dürften gerne etwas mehr Grips zeigen!
 
So muss ich mir meine Herausforderung eben selber suchen. Sei es, indem ich den Schwierigkeitsgrad hochschraube (wobei mir der höchste, „Legendär“, ohne Pausenbefehle nicht liegt), sei es, indem ich mich eben nicht den allzu mächtigen Römern anschließe, sondern etwa den britischen Underdogs. Von den Verbesserungen und neuen Features, die Rome 2 einführt, hat es mir neben dem Einer-gegen-viele-Gefechtssystem vor allem die vereinfachte Verwaltung der Provinzen und Armeen angetan. Die Runden nehmen nun spürbar weniger Zeit in Anspruch (dafür dauert allerdings die Berechnung des Computerzugs subjektiv umso länger).

Das Spielgefühl aber ist im Wesentlichen gleich geblieben, und das ist gut so. Dass es Creative Assembly aber wieder nicht geschafft hat, die Schlachten-KI merklich aufzupolieren (immerhin: die strategische ist etwas besser geworden, wenngleich sie zu aggressiv vorgeht), gibt mir wirklich zu denken. Das erhoffte Superspiel ist Rome 2 deshalb auch leider nicht geworden, wohl aber gehobene Kost für Strategen, die sowohl planen als auch kämpfen wollen.

Aber jetzt bitte ich um Entschuldigung, ich muss noch diesen hartnäckigen Spartanern zeigen, warum meine afrikanischen Kriegselefanten so gefürchtet sind...
Jörg Langer
Was hatte ich mich auf Rome 2 gefreut, und dann konnte ich es nicht testen oder auch nur spielen (Abonnenten kennen die ganze Geschichte aus dem aktuellen Magazin-Editorial...). Mittlerweile bin ich aber dazu gekommen, einige Stündchen in meine Julier zu stecken, und siehe da: Ich kann mich an vielen historischen Details, einer Wagenladung Völkern und Truppentypen sowie sinnvollen Spielmechanik- und Komfort-Neuerungen erfreuen, deren Highlight für mich aber nicht etwa der bessere Nahkampf (mehrere Soldaten gegen einen möglich) ist, sondern die strategische Übersichtskarte, auf der wichtige Dinge wie Bündnisse oder Armeen oder Handelsgüter sofort ablesbar sind, und die auch in der Diplomatie zur direkten Anwahl von Gesprächspartnern dient.

Über andere Neuerungen muss ich mich ärgern: Wer um alles in der Welt darauf gekommen ist, die schönen Einheiten- und Gebäude-Bildchen von früher durch Icons zu ersetzen, die vielleicht beim Hacker-Adventure Uplink oder Windows 11 passen würden, möge bitte nie wieder Hand an ein historisches Strategiespiel legen! Und dann erst diese hässlichen zufallsgenerierten 3D-Generalsköpfe statt schöner Porträts! Die neue Provinzverwaltung hingegen hat Stärken und Schwächen: Einerseits lässt sich vieles jetzt wirklich komfortabler regeln, gerade das Rekrutieren von Truppen erfordert wesentlich weniger Mikromanagement. Auf der anderen Seite fehlt mir eine gescheite Übersicht der Provinzen, und der einheitliche Steuersatz fürs ganze Reich ist historischer und spielerischer Unfug.

Ich habe Rome 2 erst zwei Nachmittage lang gespielt, doch bereits allerlei Haarsträubendes erlebt. Mein Feind, die Etruskische Liga, lässt ihre Städte leer und erlaubt es mir zweimal, eine Armee auf See einfach zu versenken. Karthago greift eine Hauptstadt mit einer einzigen Einheit aus 40 Elite-Kavalleristen an. Ich habe zwar auch kaum Truppen in der Stadt, aber mein Siliziumgegner (und übrigens auch die Automatik-Schlacht-Funktion) scheint nicht zu kapieren, dass dazu noch die "kostenlose" Miliz kommt, die bei größeren Städten beträchtlich ist, sowie eine dicke Mauer mit schießenden Türmen. Außerdem zeigte mir diese Aktion, dass trotz der (meiner Meinung nach viel zu großzügigen) Armee-Limitierung dem Computer das Bewegen von Ministacks immer noch nicht bei Todesstrafe verboten worden ist. In den Schlachten selbst spüre ich keine großen Verbesserungen, wie üblich kann man der KI Trichter-Fallen stellen, in die sie gerne tappt. Und Feindgeneräle denken nach wie vor, sie würden mit ihrem Heldentod ihre Leute motivieren. Einmal erlebte ich, wie überlegene Invasoren in einer meiner Städte als Pulk vor einem Abwehrturm kreisten, bis sie vernichtet waren – dabei hätten sie nur die quasi leeren Siegpunkte besetzen müssen, ich hatte praktisch keine Truppen mehr. Ebenfalls ein Ärgernis für mich: die viel zu hohe Bewegungsgeschwindigkeit der Soldaten auf dem Schlachtfeld – meine Reiter flitzen wie flüchtende Gazellen umher.

Versteht mich nicht falsch: Rome 2 stellt einen dicken Batzen Strategiekost dar, in den ich sicher noch viele Stunden stecken werde in den nächsten Monaten. Und es ist trotz der KI-Mängel kein Zuckerschlecken, zumal die KI im Großen und Ganzen ihren Job passabel erledigt. Aber Rome 2 fühlt sich keinesfalls rund an (habe ich die unbeholfene deutsche Übersetzung erwähnt?). Und meine Hoffnung, dass Creative Assembly irgendwann erkennen könnte, wie sie aus ihrer guten bis sehr guten Serie eine epochale machen kann, begrabe ich hiermit ganz offiziell.

 Rome 2 - Total War
Einstieg/Bedienung
  • Spannende Lernkampagne
  • Automatisch erscheinende Erklärungstexte
  • Zahlreiche Video-Tutorials
  • Riesige Spiel-Enzyklopädie mit detaillierten Beschreibungen
  • Beraterhinweise helfen bei Problemen
  • Gelungenes, aber hässliches Interface
  • Viele nützliche Tastaturkommandos
  • Keine Warnung bei „tatenlosen“ Spezialisten (aber bei fehlenden Beförderungen)
  • Für Einsteiger trotz Tutorial schwer zu erfassen, was wichtig ist
Spieltiefe/Balance
  • 9 spielbare Fraktionen (17 durch DLC), gut 700 Truppentypen, vier "Hauptkulturen" mit acht Subkulturen
  • Fünf gut abgestufte Schwierigkeitsgrade, dazu der fordernde „Legendär“-Modus
  • Insgesamt kompetente, wenngleich zu Aussetzern neigende Taktik-KI
  • Strategische KI kompetent, verteidigt mittlerweile auch Städte besser, neigt aber immer noch zu großer Aggressivität
  • Clevere Computerdiplomaten
  • Gewaltige Einheitenfülle
  • Erfahrungsgewinn für Einheiten, Armeen und Figuren
  • Gute Balance aus Eroberung und Verwaltung
  • Computer setzt Spezialisten sehr durchdacht ein
  • Komplexer Stadtausbau
  • Beschränkte Einheiten-Intelligenz
  • KI berücksichtigt Handelswege kaum
  • Ausgewürfelte Schlachten legen zu viel Wert auf Mannstärke (so werden Transportschiffe voll eingerechnet und Elite-Einheiten zu wenig)
  • Vereinzelte Bugs in den Taktikschlachten
  • Computer hat offensichtlich starke Vorteile bei Armeezahl, Agentenzahl, Unterhaltskosten
  • Fragwürde Regelmechaniken, unter anderem bei Seekämpfen sowie beim gegenseitigen Unterstützen von Armeen
Grafik/Technik
  • Detaillierte und flüssig animierte Einheiten
  • „Lebendige“ Weltkarte
  • Schicke Wettereffekte
  • Kulturelle Unterschiede (Bauwerke, Truppen)
  • Abwechslungsreiche Landschaften
  • Wabernde Schatten bei hohen Details
  • Wasser wirkt nicht sehr überzeugend
  • Lange Ladezeiten (Laden, Schlachten)
  • Computerzüge zwar viel schneller als in der Release-Version, doch durch manuell ausgespielte Angriffe der Computergegner können sie sich über halbe oder ganze Stunden hinziehen.
Sound/Sprache
  • Sehr viel Sprachausgabe
  • Atmosphärische Soundeffekte
  • Abwechslungsreicher Soundtrack
  • Tolle Schlachtgeräusche nebst Rufen
  • Die zirka drei Sprecher für vier Kulturen und 50 Fraktionen nerven nach wenigen Zügen
Multiplayer
Nicht getestet  
Partner-Angebote
Amazon.de Aktuelle Preise (€): 199,95 (PC), 89,96 ()
Userwertung
7.2
Registriere dich, um Spiele zu bewerten.
Strategie
Globalstrategie
16
Sega
03.09.2013
Link
LinuxMacOSPC
Screenshots
Videos
Mehr zum Thema
Artikel
News
Rüdiger Steidle 2. September 2013 - 15:01 — vor 5 Jahren aktualisiert

Kommentare nicht sichtbar (456)