Jörg Langer 11. Januar 2014 - 1:12 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Auf unsere (nicht vollständig ruhmreiche) Test-Geschichte zu Rome 2 haben wir zuletzt im Flops des Jahres-Report hingewiesen, dort oder auch beim Originaltest (folge dem weißen Hasen) findet ihr die nötigen Infos. Dieser Nachtest entstand in rund 50 Stunden Spielzeit mit der Version 1.8 von Rome 2, was auf acht größere (und einige kleinere Patches) hinweist. Wir wollen nun aber nicht einen elaborierten Patch-Report abliefern, sondern einzig und allein die Frage klären: Macht Rome 2 in der jetzigen Fassung mehr Spaß als noch im Oktober, was sind aktuell die größten Stärken und Schwächen? Muss man es jetzt in seine Sammlung aufnehmen als Stratege?
 
Eine allgemeine Spiel- und Feature-Beschreibung entnehmt ihr bitte ebenfalls dem Originaltext, es geht uns hier auch nicht um kleine Content-Erweiterungen à la "es sind neue Völker dazugekommen". Unsere Testpartie entstand ganz klassisch mit einer römischen Fraktion, im Schwierigkeitsgrad "Schwer" (der aber in Wahrheit der mittlere von fünf Schwierigkeitsgraden ist, ohne "Legendär" mitzurechnen). Und ein letzter Vorab-Hinweis: Wir verzichteten auf sämtliche Mods, die es zuhauf gibt. Beispielsweise würden wir privat lieber mit zwei Runden pro Jahr spielen (die Generäle sterben sonst einfach viel zu schnell eines natürlichen Todes) und mit verringerter Bewegungsgeschwindigkeit der Einheiten auf dem Schlachtfeld.

Stärken auf dem SchlachtfeldEs ist ja modern geworden, sich vor allem über die Unzulänglichkeiten großer Spieleproduktionen zu ärgern, während man ihre guten Aspekte als selbstverständlich nimmt. Deshalb sei hier noch einmal darauf verwiesen, dass die Schlachtfeld-KI von Rome 2 im Großen und Ganzen (und durch die Patches mehr als früher) kompetent agiert. Das macht sich schon beim anfänglichen Betreten von Hilfsarmeen des Gegners bemerkbar: Immer versucht die KI, diese erst zusammenzuziehen, um eine starke Gesamtstreitmacht zu zimmern. Die Positionierung der Truppentypen erfolgt dabei ebenso kompetent wie die Terrainwahl. Riechen wir den Braten (oder starten wir unfairerweise die Schlacht erneut), können wir zwar oft einzelne Verbände vor der anfänglichen Vereinigung abfangen – aber das wäre "in echt" ebenfalls möglich, und ist oft die einzige Chance, gegen eine Übermacht zu gewinnen. Hat die KI ihre Angriffsformation komplett, beginnt sie den Vormarsch – nur einmal erlebten wir es, dass ein KI-Angreifer komplett hinten stehenblieb, weil er unsere Position auf einem Hügel als zu stark einschätzte (erstaunlicherweise wurde dann die Schlacht als Sieg für ihn gewertet, weil bei unserem Versuch, ihn anzulocken, ein Dutzend leichte Auxiliarreiter starben).
 
Großartige Flankenmanöver oder Hinterhalte dürft ihr in der Schlacht nicht von der KI erwarten, in der Regel marschiert sie schnurstracks auf euch zu. Aber: Sie ärgert euch durchaus mit Kavallerie, die schwächere Einheiten weiter hinten angreift oder auch mal durch eine lose Frontlinie hindurchstößt. Das taktische Klein-klein, also welcher Verband gegen welchen kämpft, beherrscht sie ziemlich gut, und dank Multitasking teils besser als ein geübter Spieler, sofern der nicht alle paar Sekunden in den Pausenmodus wechselt, um die Befehle neu zu justieren. Die KI lässt sich nicht mehr so leicht in Fallen locken, und der Versuch, mal eben kurz mit einer Reiterei einige Plänkler niederzureiten, endet oft damit, dass man in die Speere einer sofort anstürmenden Infanterieeinheit gerät. Dadurch sind die Kämpfe gegen die KI erstaunlich herausfordernd – sofern die Computertruppen in der Zahl um mindestens das Doppelte überlegen oder aber hochwertiger sind. Letzteres erlebt man als Römer jedoch selten.
 
Die eigentliche Kampfmechanik finden wir richtig gut, etwa die Effektivität bestimmter Formationen (Gegner von zwei Seiten zu packen, hat spürbare Auswirkungen), das Vorhandensein von Friendly Fire oder die Auswirkungen von Moral sowie Erschöpfung. Man merkt, dass Creative Assembly seit bald 20 Jahren an diesen Schlachten feilt – auch wenn einem manche Details durchaus nicht passen können, etwa die zu hohe Bewegungsgeschwindigkeit. Mancher Spieler erwartet aber auch Dinge vom Verhalten der Kämpfer, die mit der Realität oder der Historie eher nicht viel gemein haben, etwa, dass die Soldaten generell in Reih und Glied bleiben im Gefecht, oder dass sich Verbände komplett abschlachten lassen, statt bei etwa 60 Prozent Verlusten zu fliehen.

 
Schwächen auf dem SchlachtfeldEs bleiben diverse Schwächen: Beim Angriff auf Städte, insbesondere die ummauerten Hauptstädte, stellt sich die KI dämlich an. Sie nutzt oft nur einen Bruchteil ihrer Streitkräfte, lässt sich von Türmen zusammenschießen, vergisst, dass sie Leitern an die Mauern gestellt hat, und so weiter. Bei Landungsangriffen koordiniert sie die Ankunft der Schiffe nicht oder segelt seelenruhig in einen schwer bewachten Hafen hinein, wo die herausströmenden Soldaten sofort zusammengeschossen und -gehackt werden. Ein deutlich überlegener KI-Angreifer wird zwar gegen Garnisonstruppen so gut wie immer gewinnen, aber wenn wir auch nur eine mittelgroße Legion in der Stadt stehen haben, können wir fast jeden Angriff abwehren. Auch im offenen Feld kommt es vor, dass die KI manche Verbände einfach vergisst und sie nicht mehr bewegt. Aber Achtung: Es macht durchaus Spaß, aufgrund solcher Schwächen teils auch nicht-gewinnbare Verteidigungskämpfe doch zu gewinnen, und es ist dann meist eine echte Leistung. Wer jedoch realistische Gefechte erwartet, dürfte sich daran sehr stören. Angeblich soll Patch 1.81 Abhilfe schaffen bei den Belagerungen.
 
Typische Automatikschlacht, ausnahmsweise zu unseren Gunsten: Die karthagische Elefanten-Einheit zählt kaum.
Nach wie vor schützt der KI-Taktiker seine Generäle zu schlecht, er betrachtet sie vor allem als sehr effektive Kampfeinheiten. Sie sind zwar längst nicht mehr so selbstmordgefährdet wie noch bei Shogun 2 (eine der wenigen echten Verbesserungen zu Shogun 2!) oder früheren Serienteilen, aber man trifft und tötet sie nach wie vor häufig an vorderster Front. Es kommt auch vor, dass sich eine Infanterieeinheit nicht zu wehren weiß, wenn sie von zwei oder drei Seiten von Plänklern eingedeckt wird, sondern mal nach links und mal nach rechts läuft, bis sie aufgerieben wird. Dennoch sind, von dem erwähnten "Vergessen" von Einheiten abgesehen, die echten Aussetzer erstaunlich selten, zumindest bei den Landschlachten.
 
Ärgernis: Automatik-Schlacht
Als echtes Ärgernis empfinden wir auch in Rome 2 Version 1.8 das automatische Auswürfeln von Schlachten. Einmal davon abgesehen, dass dabei grundsätzlich besonders die Elite-Verbände zu Schaden kommen, selbst wenn man deutlich gewinnt (ein Spieler hingegen wird seine besten Truppen immer sch
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onen), sind sie schlicht zu unbalanciert: Selbst wenn wir das Gefecht von Hand mit Sicherheit gewinnen, wird uns beim Auswürfeln häufig eine negative Prognose gegeben, die dann auch in 100 Prozent der Fälle eintritt. Und wenn wir leicht überlegen sind, bei eigenhändigem Spielen zwar durchaus achtgeben müssten, am Ende aber mit eher leichten Verlusten gewinnen würden, ist nach einem Automatikkampf in so einem Fall die komplette Armee ein Fall fürs Lazarett – blöd für die oft folgenden Gegenangriffe.
 
Das führt dazu, dass man auch nach 100 oder mehr Runden selbst relativ unwichtige und vor allem unspannende Schlachten noch von Hand spielen muss, was jedes Mal ein Zeitaufwand von fünf bis 15 Minuten und teils mehr ist. Verweigert man sich dem, hat man den Zeitverlust an anderer Stelle, nämlich beim Neu-Aufrüsten respektive Wiedererobern. Das hat uns mit zunehmender Spielzeit massiv gestört, zumal die Autokämpfe in Shogun 2 deutlich besser funktioniert haben, obwohl sie auch dort zu schlechteren Ergebnissen geführt haben als eigenhändiges Spielen der Gefechte. Ebenso sind die automatischen Seeschlachten nach wie vor nicht nachvollziehbar.
Schlacht gegen die Breuci
Die große Stärke von Rome 2 ist das Zelebrieren riesiger Schlachten mit bis zu 80 beteiligten Verbänden (mit wiederum bis zu rund 200 Soldaten pro Verband). 1 Hier bekommen wir es als römische Fraktion mit einem Großaufgebot der Breuci zu tun, es stehen 2.600 Legionäre gegen 4.000 "Barbaren". Laut Automatik-Kampf hätten wir keine Chance. 2 Wild sehen sie ja schon aus, die heranströmenden Barbaren. Zunächst aber bilden sie aus drei Einzelarmeen (siehe Bild 1) auf dem Schlachtfeld eine zusammenhängende Armee. 3 Wir haben uns in eine Ecke des Schlachtfelds platziert und ziehen dort zwei bewusst schiefe Hauptlinien. Vornweg haben wir einen Lockvogeltrupp aus diversen Milizen, die den Gegner in die Mitte ziehen sollen. Der Angriff beginnt... 4 Der Kampf tobt, hier aus der Perspektive unseres Generals. Diese Sicht werdet ihr im wirklichen Spiel nur selten nutzen, eigentlich schade für die ganze Arbeit der Grafiker... 5 Die Schlacht neigt sich langsam zu unseren Gunsten, aber die gegnerischen Plänkler richten aus der zweiten Reihe beträchtlichen Schaden an. 6 Der Sieg ist so gut wie unser, in Kürze wird sich die verbliebene Streitkraft des Feindes zur Flucht wenden. Dann werden wir versuchen, so viele Fliehende wie möglich niederzumachen.
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