Groß, offen, kernig

Risen 3 - Titan Lords Test

Mit dem Schwerpunkt auf Piraten machte sich Piranha Bytes im letzten Serienteil nicht nur Freunde. Im dritten Ableger legt der Essener Entwickler das Freibeutersetting nicht komplett beiseite, gibt sich jedoch traditioneller und liefert mit seinem verfeinerten RPG-Rezept den besten Teil der Reihe ab.
Benjamin Braun 12. August 2014 - 15:00 — vor 4 Jahren aktualisiert
Risen 3 - Titan Lords ab 19,99 € bei Green Man Gaming kaufen.
Risen 3 - Titan Lords ab 14,99 € bei Amazon.de kaufen.
Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Piranha Bytes muss sich seit jeher von Kritikern anhören, sie würden in all ihren Spielen immer nur dasselbe machen. Speziell vom letzten Teil ihrer aktuellen Rollenspielreihe, Risen 2 - Dark Waters (GG-Test: 8.5) konnte man das indes nicht behaupten. Das kleine Entwicklerstudio aus dem Ruhrpott erprobte eine Reihe neuer Ansätze, fügte den Schwertkämpfen eine umfangreiche Schusswaffenmechanik hinzu und zollte nicht nur damit dem frischen Südsee-Szenario Tribut. Das gefiel nicht jedem, so wie etwa die „schmutzigen Tricks“, bei denen wir unseren Feinden einen Papagei auf den Hals hetzten oder Sand in die Augen streuten.

Die Kritik aus den Reihen der Fans ist bei den Piranhas angekommen. In Risen 3 - Titan Lords sind die Piraten nur noch ein Teilaspekt der Fantasy-Welt, auch der Hauptdarsteller der ersten beiden Teile wurde in Rente geschickt. Während der letzte Teil der Risen-Reihe den Fokus stark auf den Piratenaspekt legte, haben die Piranhas in Risen 3 eine bessere Mischung gefunden. Zwar spielt die Freibeuter-Thematik mit Schatzsuchen, Rumsaufen und Co. immer noch eine wichtige Rolle. Das Gesamtbild rückt aber deutlich stärker in Richtung der Gothic-Serie. In begrenztem Maße gibt es sogar Anteile, die etwas „mittelalterlich Europäisches“ haben.
 
Ein namenloser Pirat
Ein solcher Schattenlord hat dem neuen Helden die Seele geraubt. Nun muss er nicht nur sich, sondern auch noch die ganze Welt vor den Schergen der Unterwelt retten.
In Risen 3 - Titan Lords werdet ihr mit dem namenlosen Helden der ersten beiden Teile nur im Rahmen einer Nebenquest in Berührung kommen. Stattdessen übernehmt ihr die Rolle von Kapitän Stahlbarts Sohn, der zu Beginn des Spiels gemeinsam mit seiner Schwester Patty die Krabbenküste erkundet. Eigentlich wollen die beiden nur einem anderen Piratenkapitän dessen Reichtümer abjagen. Die Suche mündet jedoch in der Begegnung mit einem düsteren Schattenlord, der dem Helden kurzerhand die Seele raubt. Schwester und Crew halten den Namenlosen für tot und begraben ihn am Strand. Aber etwas Leben ist noch in seinen Knochen, als ihn der mysteriöse Bones wieder ins Land der Lebenden zurückholt.

Bones warnt euch allerdings: Wenn es euch nicht gelingt, euren Körper und eure Seele wieder zu vereinen, werdet ihr über kurz oder lang im Schattenreich landen. Und wir merken schnell, was er meint. Denn fortan plagen uns rätselhafte Alpträume, die uns immer wieder den eigentlich erholsamen Schlaf verwehren. Na, wenn das mal keine ausreichende Motivation ist, aus der ganzen Misere wieder herauszukommen! Blöd nur, dass wir unser Ziel nur erreichen können, wenn wir die in der Südsee grassierende Invasion aus der Unterwelt stoppen...
 
Zerstückelte SpielweltObwohl ihr ein ehemaliger Piratenkapitän seid, müsst ihr nicht zwingend mit Papagei auf der Schulter rumlaufen oder eine Augenklappe anlegen. Es bleibt eure Entscheidung, ob ihr euch den Dämonenjägern auf Calador anschließt, die Magier unterstützt oder euer Glück mit den Eingeborenen auf Kila versucht. Wo ihr eure Reise beginnt, bleibt nach dem etwa einstündigen ersten Kapitel ebenfalls euch überlassen. Ähnlich wie in Risen 2 bekommt ihr es nicht mit einer großen, zusammenhängenden Welt zu tun, sondern saust mit eurem Boot per Schnellreise von einem Eiland zum Nächsten. Ihr habt die Wahl zwischen acht Inseln, auf die Serienkenner im Vorgänger teils schon ihren Fuß gesetzt haben. So kehrt ihr beispielsweise auf die von Gnomen bewohnte Insel der Diebe zurück, besucht die Piratenbucht von Antigua oder setzt euch auf Kila mit den Ureinwohnern auseinander. Während sich all diese Inseln in vielerlei Hinsicht auch architektonisch verändert haben, gibt es natürlich auch ein paar neue. Auf der Donnerinsel Taranis trefft ihr beispielsweise auf die Kristallmagier und ihre Wächter-Soldaten.
 
Die Eilande unterscheiden sich in Flora, Fauna und Baustil merklich voneinander. So sind manche vom Dschungel geprägt, andere zeichnen sich durch mediterran anmutende Wälder aus. Calador ist felsig geraten, und die erst später betretbare Totenkopfinsel ist von alten Ruinen und Vulkanen gekennzeichnet. Bestimmte Tiere wie Scavenger gibt es fast überall, andere sind inselspezifisch. Auf Kila gibt es vor allem diverse Arten von Spinnen, a
Anzeige
ber auch zahlreiche Affen. In Seen lauern Krokodile, auf der Hochebene der Nebelinsel warten Snapper, Panther und andere Raubtiere auf euch.
 
Trotz der in den meisten Fällen überschaubaren Größe der Inseln sind sie komplex aufgebaut, anfangs verläuft man sich schnell. Da es reichlich individuelle Orientierungspunkte gibt, die vielen ähnlich gelagerten Rollenspielen abgehen, ändert sich das nach einer Weile aber von selbst. Wie von Piranha gewohnt, ist auch die Sorgfalt beim Verteilen von Objekten, Truhen und ähnlichem enorm. Schade finden wir allerdings, dass die generischen und nicht interaktiven Objekte in der Spielwelt zugenommen haben. Während selbst in Risen 2 noch quasi jedes sichtbare Buch auch les- oder aufnehmbar war, treffen wir in Risen 3 immer wieder auf dieselben Regal- oder Schrankkonstellationen, die nur zum Anschauen da sind. Immerhin: Die NPCs haben wie gewohnt ihre individuellen Tagesabläufe. Tagsüber trainieren die Wächter auf dem Vorplatz des Tempels, abends kippen sich manche davon in der Kneipe einen hinter die Binde oder liefern sich Duelle im Armdrücken. Und irgendwann geht es natürlich auch in die Falle.
Die Spielwelt von Risen 3 überzeugt mit ihrer ausgefeilten Levelarchitektur und lässt euch enorme Freiheiten beim Erkunden der ersten acht Inseln. Hier sind wir als Angehöriger der Dämonenjäger auf der Eingeboreneninsel Kila unterwegs.

Kommentare nicht sichtbar (388)