Mit Piraten, ohne Holzbein

Risen 2 (360/PS3) Test

Die Portierung des ersten Risen auf Xbox 360 war – gelinde ausgedrückt – eine Katastrophe. Risen 2 - Dark Waters wurde nun vom selben Studio, Wizarbox, auf Xbox 360 und PS3 portiert. Diesmal allerdings müssen reine Konsolenspieler Piranha Bytes' Piraten-RPG nicht meiden. Wobei 360er Fans im Vorteil sind.
Benjamin Braun 31. Juli 2012 - 8:00 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal.

Um Ausreden sind Publisher und Entwickler selten verlegen. Vor allem, wenn eine Umsetzung nicht mal ansatzweise der Qualität entspricht, die man von einem Vollpreisspiel erwarten darf. Als Risen 2009 parallel zur PC-Version für die Xbox 360 erschien, war das Entsetzen von Konsolen-Rollenspielern groß – wenngleich Publisher Koch Media die Schuld für die erschreckend schwache Umsetzung auf die eigene Kappe nahm. Die Xbox-360-Version sei, so hieß es damals, erst beschlossen worden, als die Entwicklung an Risen schon weit vorangeschritten war. Entwickler Piranha Bytes habe deshalb keine Rücksicht mehr auf den geringen Arbeitsspeicher der Microsoft-Konsole nehmen können. Das Ergebnis: Grobe Texturen, geringe Sichtweite und spät wie Minen aufpoppende Details. Damals für die Portierung verantwortlich war der französische Entwickler Wizarbox. Diesmal aber hat Koch für die Portierung von Risen 2 ... wieder dasselbe Studio engagiert! Die Franzosen haben das Rollenspiel sowohl für Xbox 360 als auch für Playstation 3 umgesetzt. In unserem Test wollen wir der Frage auf den Grund gehen, ob Risen 2 auf beiden Konsolen genauso viel Spaß macht wie auf PC. Wenn euch Story und Spielmechanik-Details interessieren, so lest bitte den PC-Test von Risen 2.

Die Schönheit der KaribikDie Spielwelt ihrer RPGs war schon immer eine der größten Stärken von Piranha Bytes. Daran hat sich auch mit Risen 2 nichts verändert, wenngleich sich die Welt diesmal gleichmäßig auf mehrere getrennte Areale aufteilt. Der Grund für diese Entscheidung dürfte auch in den Portierungen auf Konsole begründet sein. Dass diese Aufteilung offenbar der entscheidende Kniff war, ist den Versionen für Xbox 360 und PS3 sofort anzusehen. Denn wenigstens ohne direkten Vergleich vor Augen wirken die Texturen auf Konsole nicht wesentlich gröber als in der PC-Vorlage. Auf den späteren Inseln ergibt sich ein ähnliches Bild: Die Palmen am Strand erstrahlen auch auf Konsole mit üppiger Krone in saftigem Grün. Stimmungsvoll bricht sich die Mittagssonne im Dorf von Puerto Sacarico. Und auch bei sämtlichen Zwischensequenzen ist kein allzu deutlicher Unterschied zu sehen. Sogar bei Objekt- und NPC-Sichtweite sind die Unterschiede minimal. Lediglich wenn ihr die eher angedeuteten Berge ganz weit in der Ferne erspähen wollt, schafft ihr das nur auf PC.
Von der katastrophalen Umsetzung des ersten Teils ist die Xbox-Version von  Risen 2 meilenweit entfernt. Pflanzen wie diese poppen nicht erst fünf Meter vor euch aus dem Boden, und allgemein könnt ihr weiter in die Ferne schauen als bei der Xbox-Fassung des Vorgängers.

Der Gärtner ist wieder da
Im direkten Grafikvergleich von Risen 2 zeigen sich allerdings ein paar deutliche Unterschiede: So wirkt das Bild der Konsolenfassungen grobkörniger als in der PC-Version, wodurch insbesondere feinere Details im Hintergrund verschluckt werden. Gerade die Schatten von NPCS, Gebäuden und Pflanzen sind nicht so akkurat ausgearbeitet. In Höhlen und anderen, weniger prominenten Ecken schont Wizarbox den Konsolenspeicher besonders deutlich, aber auch die Charaktertexturen wirken im Vergleich verschwommen. Einfarbige Texturen, wie es sie teilweise im Vorgänger gab, sind uns aber kaum begegnet. Gerade in den Dialogszenen, wenn wir die Charaktere aus der Nähe sehen, fällt die fehlende Kantenglättung ins Gewicht.

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An manchen Stellen poppen Objekte auch mal etwas auffälliger ins Bild, als es in der PC-Version der Fall ist. Das fällt besonders an Stellen auf, die eine höhere Weitsicht zulassen. Zumeist sind die Pop-ups dank der cleveren Levelarchitektur aber unauffällig – wir empfanden sie nie als wirklichen Störfaktor. Unschön finden wir jedoch ein paar Fehler in der Beleuchtung. Die ist schon in der PC-Fassung von Risen 2 nicht immer optimal. Wenn ihr allerdings auf Xbox 360 des Nachts herumlauft, kommt es ständig vor, dass die Umgebung für einen Moment unnatürlich aufleuchtet und dann wieder in tiefster Nacht versinkt. Offenbar aber nur, wenn wir ohne Fackel auf Streifzug gehen. Sehr auffällig, aber für Kenner der PC-Version gar nicht mal unerfreulich, ist eine Änderung bei den Pflanzen der Inselwelt. Während nämlich in der PC-Fassung das sonderbare "Live-Wachstum" von Sträuchern oder Baumlaub zu beobachten war, das sich in unmittelbarer Nähe vor uns aufblähte, fällt dieser Effekt bei den Konsolen weg. Das bedeutet zwar auch, dass das Blattwerk nicht ganz so dicht ist wie auf PC, dafür bleibt uns die unfreiwillig komische Wirkung des "Instant-Wachstums" erspart.
before
after
...als in der Playstation-3-Fassung, die ihr auf dem rechten Bild seht. Auch die Beleuchtung der Umgebung, wenngleich nicht exakt dieselbe Tageszeit vorliegt, scheint weniger komplex, wie die Pflanzen rechts vorm Schiff zeigen.
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