Klassischer Horror, Teil 2

Resident Evil - Revelations 2 Test

Während der letzte Teil der Kernreihe überwiegend als Enttäuschung wahrgenommen wurde, war der direkte Vorgänger dieses Spiels bereits in der 3DS-Version für viele ein Lichtblick. Nun schickt uns Capcom mit Moira Burton und Claire Redfield in die Fortsetzung des Zombie-Abenteuers, und das erstmals in Episodenform.
Benjamin Braun 24. Februar 2015 - 18:46 — vor 4 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Test-Update vom 3. März: Auf der letzten Seite finden ihr nun unseren Bericht zu Episode 2 sowie aktualisierte Fassungen von Meinungs- und Wertungskasten.

Capcom spendierte 3DS-Besitzern Anfang 2012 mit Resident Evil - Revelations (GG-Test: 7.0) guten Survival-Horror – vorausgesetzt, ihr konntet es dank eines Circle Pad Pro auch ordentlich steuern. Die Erzählung des etwas mehr als ein Jahr später auch für die großen Konsolen und PC umgesetzten Revelations war bereits sehr stark episodisch angehaucht und fasste zu Beginn eines jeden Kapitels noch einmal kurz zusammen, was ihr zuvor erlebt hattet. Während das erste Revelations aber stets als Komplettpaket veröffentlicht wurde, erscheint Resident Evil - Revelations 2 nun zunächst in vier einzelnen Episoden, bevor es schließlich Ende März auch als Boxversion im Handel steht. In unserem Episodentest verraten wir euch, wie uns Folge 1 gefällt und ob wir uns auf die Fortsetzung des Abenteuers freuen.

Spannende ErzählstrukturResident Evil - Revelations 2 ist zeitlich zwischen den Ereignissen von Resident Evil 5 (GG-Test: 8.0) und Resident Evil 6 (GG-Test: 6.0) angesiedelt. Claire Redfield arbeitet für eine Organisation namens Terra Save, die den Bioterroristen den Kampf angesagt hat. Bevor sie mit Moira Burton auf einer schicken Abendveranstaltung ein paar Worte wechseln kann, stürmt eine Spezialeinheit das Gebäude und verschleppt die beiden Frauen. Sie erwachen in einer Gefängniszelle in einer Art Bunker. Der Ausbruch aus der Zelle fällt nicht sonderlich schwer, immerhin öffnet euch irgendjemand die Türen. Doch lässt sich bereits erahnen, dass diese unbekannte Person nichts Gutes mit euch vorhat. Wo ihr euch genau befindet, erfahrt ihr jedoch erst viel später – bis dahin haben Claire und Moira aber ohnehin genügend mit den ganzen Infizierten und Fallen zu tun, die sie auf ihrem Weg nach draußen aufhalten.

Der Storyansatz klingt vertraut und bietet damit in den ersten beiden Episoden relativ wenig Überraschendes. Der Aufbau der Geschichte allerdings sorgt dafür, dass unser Interesse dauerhaft gewahrt bleibt. Neben der Flucht von Moira und Claire im ersten Kapitel schlüpft ihr in der zweiten Hälfte von Episode 1 nämlich in die Rolle von Moiras Vater Barry, der die Anlage sechs Monate später erkundet. Auch die Charaktere selbst wecken Interesse und geben im Rahmen von kleinen Ambient-Dialogen immer wieder Details über sich preis. Ein paar der Sprüche insbesondere in den Kämpfen sind zwar äußerst platt, aber alles in allem gelingt eine gute Balance zwischen Ernsthaftigkeit und dem für Resident Evil üblichen Trash. Schon das Intro des Spiels, das mit einem Werbefilm der Firma Terra Save beginnt, verdeutlicht das.

Zwischensequenzen gibt es einige. Wem es nur ums Spiel geht, darf sie jedoch jederzeit überspringen. Einziger Nachteil: Revelations 2 lädt erst und startet dann die Cutscene, ein bruchloses Abenteuer gelingt also nicht. Schade ist auch, dass große Teile des Schauplatzes bereits in der ersten Episode wiederverwendet werden. Die Story bedingt das zweifellos, aber in den rund 140 Minuten wäre etwas mehr visuelle Abwechslung nicht verkehrt gewesen.

Horror am Rande
Wohin sind Claire (im Bild) und Moira da nur entführt worden?
Resident Evil - Revelations 2 gelingt zwar über weite Strecken eine spannende Grundstimmung, allerdings bleibt der Horror-Aspekt in der Auftakt-Episode eher eine Randerscheinung. Gerade in den ersten Minuten gibt es zwar ein paar sehr intensive Skriptsequenzen, die verlieren sich mit der Zeit allerdings zunehmend. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es zu oft zu vorhersehbar ist, wann die Höllenkreaturen plötzlich über uns herfallen und sie aufgrund der tumben KI nur begrenzt zur echten Gefahr werden. Zudem ist es während der Erkundung möglich, die Karte quasi komplett von Gegnern zu räumen, weshalb wir uns zu schnell sicher fühlen. Neue Feinde spawnen nur, wenn wir bestimmte Ziele erreichen, wie etwa nach der Inbetriebnahme eines Zahnradmechanismus. In diesen Situationen kann es dann allerdings haarig werden.

Wo wir ansonsten dank ausreichend vorhandener Munition (oder notfalls Heilmitteln beziehungsweise der Wiederbelebung durch den Partner)  leichtes Spiel haben, werden wir hier von den Monstern regelrecht überfahren und aus nächster Nähe attackiert. Aber auch wenn Capcom Panikmomente wie diese großzügiger hätte verteilen können, funktioniert das Wechselspiel zwischen Ruhephasen, Action und Zwischensequenzen alles in allem sehr ordentlich und erheblich besser als im bleibohnenlastigen Resident Evil 6. Eine große Gegnervielfalt gibt es allerdings nicht, Bossgegner haben wir in der Auftaktepisode schmerzlich vermisst. Hätte es die gegeben, wäre uns auch der teils schlechte Einsatz von Trigger-Aktionen womöglich nicht ganz so negativ aufgefallen: In einem Waldstück brechen die Monster erst durch eine Wand, wenn wir ein Tor untersucht haben, obwohl wir an anderer Stelle längst erfahren haben, was zu tun ist.
Der Survival-Aspekt kommt in der ersten Episode noch relativ kurz, da die Gegner nur in einzelnen Situationen eine Herausforderung darstellen oder uns in Quick-Time-Sequenzen wie dieser unangenehm nah auf die Pelle rücken.

Gemeinsam besserWie schon der erste Teil ist auch Resident Evil - Revelations 2 komplett im Koop-Modus spielbar. Diese Spielvariante solltet ihr, sofern ihr Zugriff auf einen Spielpartner habt, auch unbedingt nutzen. Für die Spielfiguren hat sich Capcom nämlich eine klare Rollenverteilung überlegt. Claire Redfield ist im Umgang mit Schusswaffen geübt, weshalb sie die Frau fürs Grobe ist. Moira hingegen ist lediglich bereit, eine Brechstange für den Nahkampf zur Hand zu nehmen und ansonsten die oft finsteren Gänge mit der Taschenlampe auszuleuchten. Die Taschenlampe dient aber noch weiteren Zwecken. Mit ihr kann Moira die Infizierten blenden, damit Claire leichteres Spiel beim Zielen hat oder sogar gefahrlos zu einem Nahkampfangriff ansetzen kann, um Munition zu sparen. Darüber hinaus kann nur Moira bestimmte Objekte in den Umgebungen finden, etwa Rubine, mit denen ihr nach Kapitelabschluss neue Fähigkeiten wie Schadensboni oder eine kürzere Dauer beim Einsatz von Heilmitteln freischalten könnt. Nur Moira kann zudem bestimmte Truhen in Form eines Minispiels knacken, in denen ihr oft wertvolle Ressourcen findet.

Ähnlich klar ist die Rollenverteilung im zweiten Kapitel. Moiras Vater Barry ist hier mit einem kleinen Mädchen namens Natalia unterwegs, die über übersinnliche Fähigkeiten verfügt. Sie kann Mutanten auch durch Wände hindurch sehen. Mit ihrer Hilfe könnt ihr des
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halb in einigen Situationen Feindkontakt komplett vermeiden oder zumindest genau den Moment abpassen, wenn sie euch den Rücken zudrehen. Schleicht ihr euch dann von hinten an den Gegner heran, könnt ihr zu einem sofort tödlichen Nahkampfangriff ansetzen. Nur Natalia kann auch Ziegelsteine aufheben und Gegner damit kurzzeitig betäuben, damit Barry sie am Boden liegend ausschalten kann. Die Rollenverteilung spielt auch bei den Rätseln eine wichtige Rolle. So kann das kleine Mädchen durch kleine Löcher in der Wand kriechen, um etwa Schalter zu betätigen. Zumindest Letzteres erledigt die KI für euch nachvollziehbarerweise nicht. Wer allein spielt, muss aber auch bei allen anderen Fähigkeiten regelmäßig zwischen den Charakteren wechseln, um sie effektiv einzusetzen. Der Nachteil im Koop-Modus wiederum besteht darin, dass durchgehend als Moira oder Natalia zu spielen eher langweilig ist. Von daher Lob für die Idee, aber ein auch wenig Tadel für die Umsetzung. Noch mehr Tadel gibt es jedoch dafür, dass der Koop-Modus nur lokal im geteilten Bildschirm möglich ist – auf PC hingegen geht das offiziell erst seit dem am 2. März von Capcom veröffentlichten Beta-Patch.
Bei diesem Gegner färben sich die getroffenen Körperteile schwarz. Erwischen wir den richtigen, erscheint die Schwachstelle am Körper (am linken Oberarm), wo wir besonders viel Schaden anrichten. Eine heimliche Schleichattacke von hinten ist sofort tödlich.
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