Horror vs. Action

Resident Evil - Revelations Test

Capcom hat es uns versprochen: Mit Resident Evil - Revelations soll im zweiten Versuch ein echtes Resident Evil für den Nintendo 3DS glänzen. Bietet das kürzlich erschienene Spiel atmosphärischen Old-School-Horror oder doch die eher auf Reaktion und Triggerfinger setztende Kost typischer Actiontitel? In diesem Test erfahrt ihr es.
Jonas Schramm 5. Februar 2012 - 17:28 — vor 8 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots wurden von uns erstellt und per Pixel-Vervielfachung (bewusst ohne Interpolierung) von der Originalauflösung (3D-Screen: effektiv 400x240) hochskaliert. Auf dem Originaldisplay sehen sie durch den geringeren Pixelabstand schärfer aus.

Resident Evil 6, Resident Evil - Operation Raccoon City und Reveleations– Capcom macht 2012 genau da weiter, wo sie 2011 aufgehört hat und erschlägt die Spieler förmlich mit Spielen im Resident-Evil-Universum. Den Anfang dieses Jahr machte kürzlich der 3DS-Ableger Resident Evil - Revelations als eine Art düsteres Kontrastprogramm zu den farbenfrohen, famillienfreundlicheren Mario-Spielen. Revelations ist aber nicht das erste 3DS-Spiel der Capcom-Serie, immerhin ist im vergangenen Jahr schon Resident Evil – The Mercenaries 3D erschienen. Seitdem dürften 3DS-Besitzer nicht mehr so gut auf Resident Evil zu sprechen sein, bot das Spiel doch einfach zu wenig fürs Geld. Auch das Debakel der unlöschbaren Speicherstände dürfte den Käufern noch im Gedächtnis geblieben sein. Das alles soll aber spätestens jetzt endgültig in Vergessenheit geraten, denn Resident Evil – Revelations soll ein „richtiges Resident Evil“ sein.
 
Vorhersehbare, gut erzählte Story
Resident Evil – Revelations ist im Jahr 2005 und damit zwischen dem vierten und fünften Teil angesiedelt. Serienheldin Jill Valentine und ihr Partner Parker Luciani werden von der BSAA (Bioterrorism Security Assessment Alliance) auf das Kreuzfahrtschiff Queen Zenobia geschickt, um dort nach einem verschollenen Agenten-Duo zu suchen: Chris Redfield (Protagonist aus Resident Evil 5) und dessen neue Partnerin Jessica Sherawat. Hinter deren plötzlichen Verschwinden soll die Terrororganisation Veltro stecken, die auch schon für den terroristischen Angriff auf Terragrigia (eine Zukunftsstadt) verantwortlich war. Nun haben sie sich das Kreuzfahrtschiff unter den Nagel gerissen und die Besatzung mit dem sogenannten t-Abyss-Virus infiziert. Einfach wird die Mission so oder so nicht, doch zu allem Unbill stellt sich bald noch heraus, dass sich Chris und Jessica gar nicht auf der Queen Zenobia befinden. Zu schlechter Letzt scheint neben Veltro auch noch eine andere Organisation ihre Finger im Spiel zu haben.
 
Im Laufe von Resident Evil -Revelations schlüpft ihr somit in die Rollen unterschiedlicher Charaktere. Die meiste Zeit verbringt ihr in der Haut von Jill Valentine, ihr übernehmt aber auch die Kontrolle der drei übrigen Protagonisten. Die meiste Zeit habt ihr habt einen KI-gesteuerten Kameraden an eurer Seite. Dieser Punkt fällt nicht sonderlich ins Gewicht, da die meisten Gegner sowieso ihr selbst ausschaltet.

Was in der Story passieren wird, ist zum Großteil offensichtlich, schon früh war uns klar, wer wen am Ende betrügen wird. Die unterschiedlichen Charaktere sorgen aber immer wieder für neue Sichtweisen auf das Geschehen. Resident Evil – Revelations springt nicht nur von Charakter zu Charakter, sondern auch in der Zeit. So erfahrt ihr auch immer wieder etwas zu den Hintergrundgeschichten der einzelnen Charaktere, was sie um einiges interessanter macht. Die ständig wechselnden Charaktere und die Sprünge in der Zeit könnten dazu führen, dass ihr schon nach kurzer Zeit keine Ahnung mehr habt, worum es eigentlich geht. Dieses Problem vermeidet Revelations, indem es die Handlung in mehrere Episoden, ihrerseits noch mal in Szenen unterteilt, aufdröselt. Einzelne Szenen beanspruchen zwischen 10 bis 15 Minuten Spielzeit, während ganze Episoden zwischen 30 und 40 Minuten dauern. Aufgrund dieser Episodenstruktur eignet sich Resident Evil – Revelations perfekt für unterwegs. Jede Episode beginnt mit einem „Bisher bei Resident Evil – Revelations“, das wie in einer Fernsehserie die Ereignisse kurz zusammenfasst und nicht nur toll inszeniert ist, sondern auch dafür sorgt, dass ihr nie die Übersicht über die Geschehnisse verliert. An eine Fernsehserie erinnert Resident Evil – Revelations aber auch deshalb, weil jede Episode in einem kleinen Cliffhanger endet, der Vorfreude aufs Weiterspielen macht.

Waren wir hier nicht schon einmal?
Die meisten Episoden von Resident Evil – Revelations verbringt ihr auf der Queen Zenobia. Das luxuriöse Kreuzfahrtschiff erkundet ihr im Großen und Ganzen linear, indem ihr der Story folgt. Von der Brücke über das Panoramadeck hin zum Maschinenraum werdet ihr alles zu sehen bekommen, was die Queen Zenobia so zu bieten hat. Der Eindruck eines riesigen Kreuzfahrtschiffes relativiert sich aber auch, je weiter ihr in der Story voranschreitet. Dann fällt nämlich auf, dass ihr immer wieder zu altbekannten Schauplätzen zurückkehrt. Beispielsweise begeben sich Jill und Parker in einer Szene in den Maschinenraum, um dort die Stromversorgung des Schiffs wiederherzustellen.
Mehrere Missionen erlebt ihr aus der Sicht von Chris Redfield.
Als wäre einmal nicht genug, besuchen die beiden wenig später denselben Raum ein weiteres Mal, diesmal, um eine Drohne zu aktivieren. Ein bisschen mehr Abwechslung hätte da nicht geschadet! Ja, ihr findet im weiteren Verlauf zwar noch den ein oder anderen neuen Weg, kommt aber meist an schon bekannten Orten wieder heraus. So büßt Resident Evil – Revelations mit der Zeit deutlich an Abwechslung ein, gleichzeitig fühlt sich der Hauptschauplatz relativ real an, eben weil ihr ihn bald gut kennt.
 
Doch auch außerhalb der Queen Zenobia fehlt es uns an Abwechslung im Leveldesign. Zum einen wirken die anderen Schauplätze deutlich beengter, was die strenge Linearität der Missionen schneller zum Vorschein bringt. Zum anderen betreiben auch in den übrigen Orten die Designer Schauplatz-Recycling. Beispielsweise besucht ihr den Valkoinen-Mökki-Flughafen irgendwo in den finnischen Bergen zuerst in der Rolle von Chris und dann zwei weitere Male in der Rolle von Keith Lumley.
Action und Horror
In Resident Evil – Revelations lässt der t-Abyss-Virus alles Leben zu sogenannten Bio Organic Weapons (kurz BOWs) mutieren. Die Gegner muten deshalb nicht wie die Zomies aus Resident Evil 4 oder 5 an, sondern erinnern an grauenhaft entstellte Monster. Zu Beginn schlagt ihr euch mit immer gleich aussehenden Standardgegnern – Ooze genannt – herum, später kommen noch Ooze-Fernkämpfer, Ooze mit Klingen an ihren Armen, infizierte Wölfe und noch ein paar andere Wesen hinzu. Doch wirken die wenig innovativ, so ähnlich hat man das schon in zig anderen Spielen gesehen. Ausgesprochen gut gefiel uns dagegen das Aussehen der Bossgegner. Der fette Scagdead etwa stellt eine Mischung aus Mensch und Monster dar und schwingt eine große Kreissäge, die er anstelle seiner rechten Hand besitzt. Die Gegner verhalten sich nicht sonderlich schlau, alle schlurfen geradewegs auf euch zu. Zu Überraschungsangriffen von hinten sind die BOWs
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nicht in der Lage.
 
Wirklich erschreckt haben wir uns in Resident Evil- Revelations nie, wofür es gleich mehrere Gründe gibt. Der offensichtlichste ist wohl der kleine Bildschirm, der das Eintauchen ins Geschehen, 3D hin oder her, etwas erschwert. Aber auch der Sound wirkt nicht sonderlich atmosphäresteigernd. So bleiben auch simpelste Schreckensmomente – wie eine quietschende Tür – aus. Immerhin gelingt es Resident Evil – Revelations an manchen Stellen, eine wirklich fesselnde Atmosphäre zu erzeugen. Dies ist vor allem auf die engen Räumlichkeiten und die begrenzte Munition zurückzuführen. So werdet ihr immer wieder jeden Schuss genau abwägen müssen. Die Entwickler konnten sich anscheinend nicht so recht entscheiden, ob sie nun einen atmosphärischen oder einen actiongeladenen Shooter abliefern wollten. Deshalb haben sie sich für eine Mittelweg entschieden, der letztendlich nur Atmosphäre kostet. Ein bezeichnendes Beispiel für die regelmäßigen Action-Ausritte sind die Bosskämpfe. In diesen findet ihr mehr Munition, als ihr braucht, und müsst den jeweiligen Obermotz einfach so lange mit Blei vollpumpen, bis er umfällt.
So gefällt uns Resident Evil - Revelations am besten: In einem engen, dunklen Raum treffen  wir auf gerade mal einen Ooze-Gegner. Trotzdem muss jeder Schuss gut überlegt sein, da wir wenig Munition haben.
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