Test: id Software kann es noch

Rage Test

Das letzte eigene (und als Remake nicht wirklich neue) Spiel von id Software war das hübsche, altbackene Doom 3. Danach wurde es bis auf einige Koproduktionen ruhig um die Erfinder des 3D-Shooters. Bis jetzt: Mit dem ersten Spiel auf Basis von John Carmacks id-Tech-5-Engine feiern die Texaner ein fulminantes Comeback.
Bernd Wener 4. Oktober 2011 - 9:51 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots wurden von uns selbst erstellt.

Vor rund sieben Jahren erschien mit dem grafisch schicken Ego-Shooter Doom 3 der letzte hausintern entwickelte Titel von id Software. Das texanische Studio gilt als Erfinder des 3D-Shooter-Genres und ersann mit der Doom- und Quake-Reihe Meilensteine der Spielegeschichte. Doch schon der dritte Teil der düsteren, klaustrophobischen Ballerei auf einer Mars-Forschungsstation verlor spielerisch und auch storytechnisch den Anschluss an die Konkurrenz aus Half-Life 2 und Far Cry. Mit Crysis eroberte der deutsche Entwickler Crytek dann endgültig die Grafikkrone. Das Team rund um Mastermind und Programmier-Ikone John Carmack war in dieser Zeit aber alles andere als untätig gewesen. Neben dem beeindruckenden technischen Grundgerüst id Tech 5 entwickelte id Software auch den darauf basierten Mix aus Shooter, Fun Racer und einer ordentlichen Portion Rollenspiel: Rage.

Während der Engine-Vorgänger in Doom 3 seine liebe Mühe mit Außenarealen hatte, ist Rage auf weitläufige Umgebungen hin optimiert. Dank Megatexture-Technologie – statt vielen kleinen wird eine einzelne, riesengroße Textur verwendet – zaubert das Spiel extrem detailreiche und organisch wirkende Schluchten und postapokalyptische Städteruinen auf den Bildschirm. Auch auf Konsole. Doch nicht nur optisch ist Rage eine Augenweide, auch Gameplay und Story sind dem damaligen Oldschool-Geballer und vielen modernen "Edel-Moorhühnern" haushoch überlegen.
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Das Grafikgerüst id Tech 5 zaubert im Vergleich zum Vorgänger herrliche, weitläufige Umgebungen auf den Bildschirm. (PC)

Unerwarteter EinstiegBereits das Intro von Rage lässt uns staunen: Mit epischer Musikuntermalung (und seltsamerweise an Szenen aus dem neuen Lars-von-Trier-Film Melancholia erinnernd) erleben wir den Untergang der Welt, wie wir sie kennen. Während in hektischer Geschäftigkeit die letzten Handgriffe für Projekt Eden stattfinden, rast ein gewaltiger Asteroid auf unseren Planeten zu, touchiert kurz den Mond und kracht danach mit verheerender Wirkung auf die Erde. Doch die Menschheit ist seit langem vorgewarnt: Kurz vor der drohenden Auslöschung allen Lebens werden die Auserwählten des Projekt Eden in zahlreichen "Archen" und dann noch mal einzeln in Schutzkapseln in einen 100 Jahre währenden Kälte-Tiefschlaf versetzt – tief unter der Erde sollen sie die Katastrophe überstehen und den Fortbestand der Menschheit sichern. Unser namenloses Alter Ego in Rage ist einer dieser Erwählten.

Auf der Suche nach Fahrzeugteilen für unseren ersten Buggy ballern wir uns durch den Unterschlupf der Banditen (PC)
Aber erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Nach dem Ende des Kryo-Schlafs stellen wir zunächst fest, dass alle Mitreisenden um uns herum nur noch dafür gut sind, bei Germany's Next Supermumie mitzuwirken. Außerdem hat das mit den 100 Jahren nicht ganz geklappt, es ist wesentlich mehr Zeit vergangen, als geplant. Als einziger Überlebender dieser Arche stolpern wir von einem Schock in den nächsten: Was wir vor der Rettungskapsel erblicken, ist zwar in grafisch-technischer Sicht wunderschön, zeigt uns aber deutlich das Ausmaß des Asteroideinschlags auf: Unter strahlend blauem Himmel erstreckt sich vor uns ein Bild der Verwüstung. Im Hintergrund
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erkennen wir die Überreste eines Damms, während vor uns eine Art Raffinerie ihr rostendes Dasein fristet.

Nach den ersten Schritten werden wir von zwei Mutanten angegriffen und überleben nur, weil uns der knorrige, aber liebenswerte Dan Hagar die Haut rettet. In seinem Wüstenbuggy nimmt er uns mit in eine kleine Ansiedlung, wo wir die ersten kleinen Krumen der Hintergrundgeschichte erfahren und für Hagar und seine Leute die ersten Aufträge erfüllen. Aufträge, die ihr oft auch ablehnen oder verzögern könnt – id hat quasi Shooter, Open World und Rennspiel miteinander verknüpft. Die Spielwelt besteht aus einigen von (mehr oder weniger) "guten" Menschen gehaltenen Siedlungen, die im Dauerclinch mit den Banditen und Mutanten der Ruinen und Ödlande dazwischen liegen. Die von der Bevölkerung wenig geliebte Regierung hat zwar hochwertige Technik wie beispielsweise Überwachungsdrohnen zur Verfügung, dennoch ist ihr Einfluss offenbar nicht übermäßig groß. Das Machtgefüge erinnert an die Zeit des Wilden Westens: Das Städtchen Wellsprings – fürs halbe Spiel eure Basis – wird selbstredend von Bürgermeister Clayton und Sheriff Black verwaltet.
Ein bisschen wie im Wilden Westen: Bürgermeister Clayton (Bild) und Sheriff Black führen Wellspring nach ihrem Gusto. (PC)
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