40 Stunden Ewigkeit

Pillars of Eternity Test

Steckbrief
LinuxMacOSPCPS4SwitchXOne
Gruppen-RPG
16
26.03.2015
Link
Amazon (€): 119,95 (), 54,99 (windows_8), 82,99 (windows_8), 19,90 (Xbox One), 19,90 (PlayStation 4)
GMG (€): 45,99 (STEAM), 41,39 (Premium), 23,99 (STEAM), 21,59 (Premium), 27,99 (STEAM), 25,19 (Premium), 9,99 (STEAM), 8,99 (Premium), 14,99 (STEAM), 13,49 (Premium), 9,99 (STEAM), 8,99 (Premium), 24,99 (STEAM), 22,49 (Premium), 14,99 (STEAM), 13,49 (Premium), 14,99 (STEAM), 13,49 (Premium), 36,99 (STEAM), 33,29 (Premium)
Special
Dieses RPG von Obsidian Entertainment weckte bereits mit den ersten Screenshots Erinnerungen an die "gute alte Zeit", in der Schwergewichte wie Baldur´s Gate und Icewind Dale auf den Festplatten installiert waren. Reicht Pillars of Eternity auch spielerisch an die Qualität der damaligen Rollenspiel-Meilensteine heran?
Karsten Scholz 26. März 2015 - 15:01 — vor 4 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal.

Als die knapp 74.000 Kickstarter-Backer im September 2012 für das "Projekt Eternity" fast vier Million Dollar an Spenden sammelten - und damit das von den Entwicklern angestrebte Ziel um das Vierfache übertrafen -, hatten sie einen ganz einfachen Wunsch: ein isometrisches, gruppenbasiertes Rollenspiel im Geiste von Baldur´s Gate oder Planescape - Torment. Und wer könnte diesen Wunsch besser in die Tat umsetzen als die Entwickler von Obsidian Entertainment, die in ihrer Vita, damals noch als Teil der Black Isle Studios, neben dem eben genannten Planescape auch Rollenspiel-Highlights wie Fallout 2 oder Icewind Dale stehen haben?
 
Nun, Brian Fargo vielleicht, der mit Wasteland 2 (GG-Test: 8.5) Altfans-Bespaßung auf hohem Niveau ablieferte, oder die Jungs von Larian Studios, die uns mit Divinity - Original Sin (GG-Test: 9.0) begeisterten. Fest steht: Bereits in der Backer-Beta hat Pillars of Eternity zwar einen noch etwas ungeschliffenen, aber dennoch sehr guten Eindruck hinterlassen (zur Vorschau), und auch unser ausgiebiges Gespräch mit Josh Sawyer auf der PDXCon 2015 stimmte uns zuversichtlich, dass sich der Obsidian-Titel bei den eben genannten Kickstarter-Erfolgen einreihen kann. Ob wir den richtigen Riecher hatten und Obsidian den Wunsch der Backer erfüllen kann, lest ihr in unserem ausführlichen Test.

Wie schwer darf's sein?
Download oder Box?
Pillars erscheint in Deutschland auch in einer deutschen Retail-Version, die neben einem digitalen Soundtrack und einem Kartenposter auch ein 80seitiges gedrucktes Handbuch enthält. Die Preisempfehlung dafür beträgt 49,99 Euro,
Bevor ihr in Pillars of Eternity das erste Mal euer Schwert schwingen dürft, müsst ihr die genretypische Bürokratie hinter euch bringen - und die beginnt mit der Auswahl des Schwierigkeitsgrads. Insgesamt vier Optionen stehen zur Wahl und zumindest zwischen den ersten drei könnt ihr im Spiel jederzeit hin und her wechseln; beim vierten, der die Zahl der Gegner sowie um 50% deren Attribute erhöht, ist das verboten. Wer es besonders knifflig mag, aktiviert zudem den Expertenmodus und blendet so diverse Hilfefunktionen aus. Wer ganz mutig ist, schaltet das "Eisenurteil" zu, sodass für euer Spiel nur ein einziger Speicherstand angelegt wird. Stirbt euer Held, müsst ihr ganz von vorne beginnen.

Wer Permadeath will, wählt "Eisenurteil".
Komplexe Heldenerschaffung
Auch die nachfolgende Heldenerschaffung lässt keine Wünsche offen. So dürft ihr gleich zu Beginn etwa zwischen sechs Rassen wählen - darunter Klassiker wie Menschen, Zwerge und Elfen, aber auch Exoten wie die Gottähnlichen oder die an Halblinge erinnernden Orlaner -, die zudem noch mehrere Unterrassen besitzen. Bereits jetzt lohnt es sich, einen genauen Blick zu riskieren, da jede Rasse respektive Unterrasse ihre eigenen Boni und Mali mitbringt. Kaum habt ihr diese schwere Entscheidung getroffen, wartet bereits die nächste auf euch: Elf Klassen stehen zur Wahl und alle klingen spannend! Der Sänger etwa trällert im Kampf Lieder, die aus mehreren magischen Phrasen bestehen. Mit diesen stärkt er seine Mitstreiter oder schwächt Feinde in der Nähe. Hat er eine bestimmte Zahl an Phrasen zum Besten gegeben, darf er mächtige Kreaturen beschwören, die fortan an eurer Seite kämpfen. Druiden verwandeln sich dagegen in ihre animalische Gestalt und reißen so im Nahkampf tiefe Wunden. Oder sie bleiben auf Abstand und schädigen ihre Gegner mit starken Flächenzaubern wie Gewitterstürmen oder Flutwellen. Spannend ist auch der Mönch, der erst dann richtig reinhaut, wenn er eine Verwundung davongetragen hat. Oder das Medium, das sich mit der Psyche anderer Personen verbindet und so den Geist manipuliert.  Natürlich findet ihr auch Standardklassen wie Kämpfer oder Paladin.

Als nächstes steht die Wahl der Unterklasse an, also beispielsweise, welchem Orden euer Paladin angehört, mit Auswirkungen auf die Hintergrundstory und einige Werte, und sogar auf die Art und Weise, wie ihr euch im Spiel verhalten solltet bei moralischen Entscheidungen, um eure Gottheit nicht zu beleidigen. Abschließend nehmt ihr noch etwas Feintuning an eurem Alter Ego vor und bestimmt zum Beispiel die Höhe seiner Attribute, sein Aussehen oder seinen gesellschaftlichen Hintergrund, also ob er sich bisher als Kaufmann, Landstreicher oder ähnliches versucht hat.  Auch dies gibt euch Boni, so erhält ein Aristokrat ein +2 auf Wissen (das man mit "Bildung" oder "Geschichtswissen" genauer beschreiben könnte).
Auch wenn wir gerne Sänger oder Medium gewählt hätten - zu unserem Feuer-Gottähnlichen passt der Barbar gut.

Neustart mit Hindernissen
In Dialogen trefft ihr häufig folgenschwere Entscheidungen, die sich teilweise sogar auf das Ende des Spiels auswirken.
Egal für welche Vergangenheit ihr euch auch entscheidet, zu Beginn des Spiels stehen die Zeichen auf Neuanfang: Gemeinsam mit ein paar anderen Reisenden ist euer Held auf der Suche nach dem Glück. Oder, profaner gesagt, auf dem Weg zum Dorf Goldtal. Denn dort soll es nicht nur unbesiedeltes Land, sondern auch jede Menge Wohlstand geben. Doch steht bereits die Anreise unter keinem guten Stern. Erst werdet ihr krank und dann überfallen auch noch fiese Ganoven eure Karawane. Und als ob das noch nicht genug wäre, taucht plötzlich ein magischer Sturm auf, der euch in die alten Ruinen treibt, vor denen euch euer Karawanenführer eben noch gewarnt hatte. Ihr denkt, es kann nicht schlimmer werden? Kaum habt ihr euch durch die Ruine gekämpft, trefft ihr in einem Tal auf mysteriöse Gestalten, die an einer seltsamen Maschine herumhantieren. Offensichtlich geht irgendwas schief, denn die Maschine explodiert und reißt alle mit in den Tod. Also zumindest fast alle. Euer Held überlebt wie durch ein Wunder, leidet dafür aber fortan unter seltsamen Visionen, die ihn Dinge sehen lassen, die gar nicht da sind.

Ihr merkt es bereits: Die Geschehnisse von Pillars of Eternity wirken zu Beginn ziemlich konstruiert, wir sind wahrlich schon einfallsreicher in ein Helden-Epos gestolpert. Doch können wir euch nach dem Durchspielen der Hauptgeschichte versichern: Es wird besser! Und spannender! Erzählt wird die Geschichte des Oldschool-RPGs übrigens auf altehrwürdige Art und Weise, nämlich in Textform. Häufig erinnert Pillars of Eternity mehr an einen Roman als an ein Videospiel,
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weil ihr euch nicht nur durch unzählige Dialoge klickt, sondern in den beschreibenden Texten oft auch etwas über die Umgebung und das Verhalten der Figuren erfahrt. Ab und an driftet das Spielerlebnis sogar ins Genre der Hörbücher ab, weil besonders wichtige Textpassagen von den englischen Sprechern Leben eingehaucht bekommen, während ihr zeitgleich den zu der Situation passenden Geräuschen lauscht.

Aufgelockert werden die Erzählungen zudem durch interaktive Elemente im Stile von Multiple-Choice-Abenteuerbüchern. Dann dürft ihr zum Beispiel entscheiden, ob ihr einen Berghang lieber mit einem Enterhaken erklimmen (sofern ihr einen dabei habt) oder am Efeu hochklettern wollt. In dem Fall entscheidet euer Athletik-Wert darüber, ob eure Aktion glückt oder ihr auf die Nase fallt. Eure Attribute beeinflussen auch die Dialoge. Dank hoher Intelligenz dürft ihr beispielsweise besonders einleuchtende Argumente anbringen, an anderer Stelle klärt ihr ein Problem mit eurer einschüchternden Präsenz, die durch euren Macht-Wert untermauert wird. Oder ihr habt genug Wissen, um einem Kultisten Neues über seinen eigenen Kult zu erzählen, was diesen ablenkt.

Altes RPG-Gesetz: Wo kleine Spinnen herumkriechen, ist auch die riesige Königin nicht weit.
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