Review: Zeit für Tore

PES 2012 Test

Es ist wieder soweit: Der diesjährige Zweikampf zwischen FIFA und PES steht an. Wir haben in PES 2012 viele wunderschöne Tore geschossen, eine super Spieler-KI erlebt, aber auch einige frustige Momente. In unserem ausführlichen Test zeigen wir euch, welche Note sich PES (Vorjahr: 9.0) diesmal unter das Vereinswappen schreiben darf.
Sebastian Horst 23. September 2011 - 19:03 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots wurden von uns selbst erstellt.

Als uns die Testversion von Pro Evolution Soccer 2012 erreicht, haben wir „vom Feeling her ein gutes Gefühl“. Die Preview-Versionen von FIFA 12 und PES 2012 haben deutlich gezeigt, dass es auch dieses Jahr ein spannendes Rennen zwischen den beiden Fußball-Simulationen wird. Nachdem wir unsere PC-Version installiert haben, stürzen wir uns gleich in die erste Partie und spielen ein Nationalmannschaftsduell zwischen Spanien und England. Bereits nach wenigen Minuten erleben wir die erste Spielszene, die uns beeindruckend darin erinnert, was die PES-Serie so erfolgreich gemacht hat: Wir attackieren mit Xabi Alonso den ballführenden Frank Lampard mit einer gut getimeten Grätsche. Das Leder kullert ein paar Meter weiter und landet direkt vor den Füßen von Andrés Iniesta. Der Engländer Barry stürmt auf uns zu. Doch kurz bevor er uns den Ball wegspitzeln kann, schieben wir die Pille gefühlvoll zu Mittelfeldregisseur Xavi rüber, der sich im freien Raum in Richtung des gegnerischen Tores bewegt.

Die KI erkennt die Gefahr sofort und schickt Xavi die englischen Innenverteidiger Dawson und Terry entgegen. Im Augenwinkel erkennen wir, dass David Villa nun zu einem Sprint in Richtung des gegnerischen Strafraums ansetzt. Wir zögern nicht lange und heben die Kugel über die beiden pressenden Verteidiger. Es kommt uns vor, als ob der Ball eine halbe Ewigkeit in der Luft bleibt. Er nähert sich Villa, der nun einschussbereit am Elfmeterpunkt steht. Wir drücken schnell die Schusstaste und genießen, was jetzt kommt: Villa befördert den Ball per Direktabnahme mit seinem linken Innenrist in die rechte Ecke des Tores. Keine Chance für Englands Torhüter Hart. Traumtor! Wir schießen im Spiel noch zwei weitere Tore, von denen keines auch nur annähernd dem anderen gleicht. So kennen und lieben wir die PES-Serie!
Messi macht sogar Tore im Vorbeilaufen. Hier wurde er gerade von seinem Gegenspieler angeschossen.

„Pässe der Marke Lothar Matthäus
– da möchte man Ball sein“
Wir sollten vielleicht noch erwähnen, dass wir für die oben beschriebenen Spielszenen die Passhilfe eingestellt haben. Wir können also an alle Hardcore-Simulationsfans sofort Entwarnung geben: So leicht, wie es in unserem Einführungsabschnitt klingt, ist das Tore schießen nur, wenn ihr das wollt. Das im Vorgänger eingeführte Pass-System ist nach wie vor sehr anspruchsvoll: Ihr braucht für einen Pass gutes Timing, die Richtung und die Stärke müssen stimmen. Sonst landet der Ball garantiert im Aus oder beim Gegner. Allerdings hat sich Konami dazu entschlossen, in der 2012er-Variante von PES einige Spielhilfen einzubauen, die das Spiel auch für Gelegenheitskicker interessant machen. So könnt ihr nun eine fünfstufige Passhilfe einstellen. Je höher ihr sie dreht, umso größer ist die Fehlertoleranz bei der Eingabe. Mit eingestellter Passhilfe werden eure KI-Kollegen zudem einem Pass hinterherlaufen, wenn er nicht direkt auf ihrem Fuß landet. Bereits auf der zweiten Stufe muss der Ball nur ungefähr in die Richtung eines Mitspielers gehen. Er wird dann stets sein Möglichstes tun, um den Pass zu bekommen – auch wenn er dafür einige Meter zurücklegen muss.

Die „Off the Ball“ -Steuerung in Aktion: Hier steuern wir neben dem Freistoßschützen auch Barry und bringen ihn in Position.
Das Problem an diesem Hilfssystem ist aber, dass es oft zu merkwürdigen Spielszenen führt: Mit aktivierter Passhilfe fühlt sich nämlich immer genau ein Mitspieler angesprochen und sprintet dem Ball hinterher, selbst wenn der Pass so schlecht gespielt wurde, dass eigentlich ein anderer Teamkollege viel näher zum Ball steht. Ein Problem, das FIFA-Spieler in ähnlicher Form kennen. So passierte uns Folgendes sehr oft, wenn wir die Passhilfe höher als zwei gestellt hatten: Wir spielen einen Pass, halten die Passtaste dabei aber zu kurz gedrückt. Der Ball bleibt deshalb meilenweit vom eigentlichen Ziel entfernt liegen, landet aber glücklicherweise direkt vor den Füßen eines anderen Mitspielers. Der bessere postierte Spieler nimmt den Ball allerdings nicht an, sondern wartet, bis das eigentliche Ziel zehn Meter gelaufen ist, um sich den Ball zu schnappen. Das wirkt nicht nur sehr unrealistisch, sondern stört oft auch gehörig den Spielaufbau. Durch die Passhilfe haben es Anfänger nun in Pro Evolution Soccer 2012 zwar einfacher, müssen dafür aber in Kauf nehmen, dass der Spielablauf für sie unrealistischer ist.

„Der Jürgen Klinsmann und
ich, wir sind ein gutes Trio...“
Nachdem es letztes Jahr relativ viele Neuerungen, aber auch viele Bugs in der Release-Version gab, hält sich Konami dieses Jahr dezent zurück und liefert im Wesentlichen Detailverbesserungen, wie die zuvor erwähnte neue Passhilfe. Das einzige wirklich neue Feature ist die „Off the Ball“-Steuerung. Mit ihr ist es möglich, einen zweiten Spieler abseits des Balles zu steuern. Wenn ihr die Mitspieler-Steuerung auf manuell stellt, könnt ihr im Angriff neben dem Ballführenden auch einen zweiten Spieler mit dem rechten Analog-Stick eures Gamepads steuern. Nach ein wenig Übung ist das bei Kontern, vor allem aber bei Standardsituationen wie Freistößen, Ecken oder dem Abstoß sehr nützlich. So könnt ihr zum Beispiel verhindern, dass ihr bei einem Konter umsonst über das ganze Feld sprintet, weil niemand anderes mitläuft. Schließlich dirigiert ihr den potentiellen Anspielpartner selbst, damit er euren tödlichen Pass verwerten kann.

Aber auch sogenannte Dummy-Runs sind möglich, womit unsere Spieler die Verteidiger des Gegners binden und so Räume schaffen. Gerade bei Ecken und Freistößen ist das Reißen von Lücken in der Abwehr des Gegners oft der Schlüssel zum Torerfolg. Sofern die unterstützte Mitspieler-Steuerung aktiviert ist, steht es euch zwar frei, Spieler zu schicken, seine Laufwege bestimmt dann aber die KI.
Die Torhüter in Pro Evolution Soccer 2012 sind gut, aber nicht so perfekt, wie es so oft im EA-Konkurrenten der Fall ist. In Konamis Fußballsimulation leisten sie sich auch mal einen Fehler, was die Authentizität des Spielerlebnisses steigert.

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