Test: Zurück zur Schule

Persona 4 Golden Test

Das Japano-RPG der etwas anderen Art erschien bereits vor vier Jahren für die PS2 und erhielt damals viel Lob. Mit seiner Geschichte um dunkle Mächte, eigene Schwächen und dem feinfühligen Charakterdesign schaffte sich Persona 4 viele Fans. Wir haben die Vita-Umsetzung unter die Lupe genommen, die verspricht, noch goldener zu glänzen.
Florian Pfeffer 26. Februar 2013 - 13:00 — vor 6 Jahren aktualisiert
Alle Screenshots stammen von GamersGlobal.

Rollenspielfans hatten in den letzten zwölf Monaten seit Erscheinen der PSVita in Europa wenig Grund, neuen Spielestoff für die Handheld-Konsole an Land zu ziehen. Überhaupt gab es neben einigen wenigen sehr gelungenen Titeln wie Uncharted - Golden Abyss (GG-Test 8.5) oder Gravity Rush (GG-Test 8.5) nur wenig Highlights für das Sony-Gerät. Doch nun bringt Atlus ein Vita-Spiel nach Europa, das man fast als Klassiker bezeichnen kann. Persona 4 erschien Anfang 2009 für die damals schon betagte Playstation 2. Zu diesem Zeitpunkt gab es den Nachfolger dieser Konsole bereits zwei Jahre, die Xbox 360 sogar schon drei Jahre lang. Vielleicht war diese Tatsache einer der Gründe, warum dem Nachzügler verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde, abgesehen natürlich von alteingesessenen Fans der Persona-Serie. Nun erscheint das Spiel also nach vier Jahren für die PSVita, und Atlus verspricht nicht nur eine einfache Umsetzung, sondern eine neue HD-Version mit komplett neuen Inhalten und spielerischen Extras.
 
Die grundlegende Story von Persona 4 Golden hat sich im Vergleich zur Originalversion nicht verändert. Ihr spielt einen ganz normalen Teenager, der aus der Hauptstadt Tokio für ein Jahr zu seinem Onkel in die ländliche Kleinstadt Inaba zieht und dort zur Schule geht. Allerdings bleibt die Lage in Inaba nicht lange so harmlos wie zu Beginn: Unmittelbar nach eurem Eintreffen wird ein Mord in dem friedlichen Städtchen verübt, kurz darauf ein weiterer. Euer Onkel, ein Kommissar bei der lokalen Polizei, und seine Kollegen sind ratlos. Auch an den Schülern gehen die Geschehnisse nicht spurlos vorüber, denn eine der Mitschülerinnen hat einen der Morde beobachtet und verschwindet kurze Zeit später selbst.

Ihr beschließt, gemeinsam mit den beiden Klassenkameraden Yosuke und Chie, der Sache auf den Grund zu gehen. Die Gewaltverbrechen scheinen irgendwie mit einem Fernsehprogramm namens "Midnight Channel" zusammenzuhängen, das immer dann ausgestrahlt wird, wenn es nachts zu regnen beginnt. Es wird sogar noch geheimnisvoller: Die Teenager entdecken, dass hinter der Mattscheibe eine weitere Welt existiert, in die man über einen Fernseher wechseln kann. Sobald eine Person aus dem Ort verschwindet, landet sie zuerst in der Welt aus dem Midnight Channel. Als eine Kommilitonin verschwindet, startet ihr mit euren beiden neuen Kameraden eine Befreiungsaktion.

Alles nur gespielt?
In der Dungeon-Ansicht seht ihr immer eure komplette Party, angegriffen werden könnt ihr aber nur selbst.
Ähnlich wie bei Final Fantasy müsst ihr die Vorgänger der Serie bei Persona nicht unbedingt gespielt haben, um der Handlung folgen zu können. Einige Storyelemente sind übergreifend, die eigentliche Handlung und die Charaktere aber in jedem Teil unterschiedlich. Eine Konstante in der Persona-Reihe sind Motive der analytischen Psychologie nach dem Schweizer Carl-Gustav Jung, die sich in der Serie in Form der namensgebenden Personae und der sogenannten Schatten wiederfinden. Eure Personae sind gleichermaßen Rollen, die ihr gegenüber anderen Personen im täglichen Leben einnehmt. Eure Schatten die dunklen Seiten, von denen ihr euch selbst nicht eingestehen wollt, dass sie vorhanden sind: Missgunst, Gier oder fehlendes Selbstvertrauen. Im Spiel werden diese positiven Eigenschaften durch mächtige Inkarnationen symbolisiert, die ihr im Kampf herbeirufen dürft - ähnlich den Beschwörungen in Final Fantasy. So nehmen die Sorgen und Nöte der Charaktere im Spiel dann auch einen großen Raum ein, und das ist auch gut so. Letzten Endes hat dies schon immer den besonderen Reiz der Persona-Reihe ausgemacht; als Spieler eben nicht in einer klassischen Fantasy- oder Science-Fiction-Welt unterwegs zu sein, sondern mit der Kleinstadt Inaba in einer ganz normalen Umgebung, um euch dort euren inneren Dämonen und Ängsten zu stellen und über sie hinauszuwachsen.

So nimmt dann die Handlung auch ziemlich schnell Fahrt auf, während ihr nur sehr langsam mit dem eigentlichen Gameplay vertraut gemacht werdet. Bereits nach kurzer Zeit springt ihr munter zwischen der realen und der TV-Welt hin
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und her, erkundet die Lokalitäten und trefft vertraute Charaktere. Allerdings vergehen gut und gerne vier reale Stunden, bevor ihr wirklich zum ersten Mal völlig frei entscheiden dürft, was ihr tun und wohin ihr gehen wollt. Einige mögen die Aneinanderreihung von Zwischensequenzen und Dialogen zu Beginn ermüdend finden, uns hat die Story jedenfalls vom ersten Moment an in ihren Bann gezogen.

Nicht zuletzt liegt das an den äußerst liebevoll gezeichneten Charakterporträts und der exzellenten Sprachausgabe, hauptsächlich aber an der Glaubwürdigkeit der Figuren und den nachvollziehbaren Motiven, die sie umtreiben. Einem Yosuke nehmen wir ohne Weiteres ab, dass er zuerst den großen Macker gibt und später jedoch resigniert. Denn er stellt nicht ohne Größe fest, dass er einfach nicht zum Anführer geboren ist und diese Aufgabe euch überlässt. Auch bei der fröhlich-frechen Chie schlummern verborgene Ängste, denen sie sich in der TV-Welt stellen werden muss. Im Spiel nennen sich die negativen und oft unterdrückten Charaktermerkmale Schatten und manifestieren sich zumeist in den Bosskämpfen, bei denen sie in oft bizarrer Form gegen eure Party antreten.
Eine von vielen möglichen Freizeitaktivitäten ist der Besuch dieses Restaurants. Um die Mega-Portion Rinderbrühe zu schaffen, müsst ihr zuerst einige Charakterwerte hochleveln, dafür winkt dann aber ein leckerer Bonus im Kampf.
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