Test: Einmal richtig böse sein

Overlord 2 Test

Sinnlose Zerstörung, Unschuldigen Unheil zufügen und Schafe massakrieren waren die Hauptzutaten des Überraschungshits Overlord -- verpackt in tiefschwarzen Humor. Nun ist der Overlord zurück und möchte euch ein weiteres Mal auf die dunkle Seite ziehen. Im Test verraten wir euch, ob Teil 2 noch einen drauflegen kann.
Christoph Licht 29. Juni 2009 - 16:40 — vor 9 Jahren aktualisiert
PC 360 PS3
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Tierfreunde, Bäumeschmuser und Elfenliebhaber sollten lieber einen anderen Test lesen. Wir meinen es ernst. Overlord 2 nimmt keine Rücksicht. Politische Korrektheit, Menschenwürde und andere Dinge werden hier buchstäblich mit den Füßen getreten. Beispiele gefällig? Dutzende Robbenbabys mit großen Kulleraugen erleiden im Spielverlauf einen grausamen Tod, unschuldige Waldelfen werden zu schwulen Hippies degradiert und römische Bürgerinnen als übergewichtige Meckertanten dargestellt. Von Polygamie und Massenmord ganz zu schweigen. Ihr spielt schließlich nicht Barbies Abenteuer auf dem Reiterhof. Nein, ihr verkörpert als Overlord das ultimative Böse. Aber keine Angst: Dank einer saftigen Prise schwarzen Humors und einer übertrieben satirischen Darstellung hört sich das alles schlimmer an, als es tatsächlich ist – und macht obendrein einen Heidenspaß.

Was für eine Aussicht. Da möchte man fast die Axt beiseite legen und sich auf einem Sonnenstuhl ausruhen.


Das Findelkind

Aber Moment! Wurde der Overlord nicht am Ende des Addons Overlord: Raising Hell in der Hölle zurückgelassen? Wie könnt ihr ihn dann wieder spielen? Gar nicht. Ihr schlüpft stattdessen in die Rolle seines Sohns, liebevoll als Overlad bezeichnet. Als verschollen geltend, fanden ihn die Schergen eingeschlossen in einem Eisberg in den Gewässern von Nordberg wieder -- eingefroren nach seiner Flucht vor dem Imperium. Wie genau das passiert ist, erfahrt ihr auch gleich zu Beginn des Spiels. Dort schlüpft ihr selbst in die Schuhe des kleinen Overlads und vollbringt eure ersten bösen Taten in der kleinen Stadt.  Selbst der Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz ist nicht vor euch sicher! Gleichzeitig führt euch das Spiel hier behut- und unterhaltsam in die Spielmechanik ein, zeigt euch, wie ihr kämpft und zaubert und eure Schergen einsetzt. Dann spult die Geschichte 50 Jahre vor und ihr befindet euch ausgewachsen in eurem zukünftigen Zuhause wieder: einem dunklen Turm in der Netherwelt. Euer Ziel? Rache am Imperium nehmen! Das väterliche Reich zurückerobern! Böse sein! Klar, dass es dabei ordentlich zur Sache geht.


Am Ende des Add-ons nur als Baby zu sehen, erobert nun der "Overlad" (Oberracker) das Reich zurück.


Hilfreiche Diener

Trotz seiner Macht ist der neue Overlord jedoch zu schwach, um sich alleine den Horden der "Guten" zu stellen. Stattdessen stehen ihm vier Typen von Schergen zur Seite. Während die Braunen für das Grobe zuständig sind, schleudern die Roten aus der Ferne Feuerbälle und sind überdies Feuerimmun. Die Grünen greifen am liebsten aus dem Hinterhalt an und haben kein Problem mit Giftwolken. Die letzten im Bunde sind die Blauen. Sie können als einzige Schergengruppe schwimmen und  holen gefallene Kameraden zurück ins Leben. Beschwören könnt ihr die Helfer an Portalen durch den Einsatz von "Lebensenergie" in der entsprechenden Farbe. Woher diese Energie stammt? Unter anderem von besagten Robbenbabys, die die Schafe aus dem ersten Teil ersetzen.

Seit ihrem letzten Ausflug haben die Schergen dazu gelernt. Die Blauen sind nun während des Laufens unsichtbar und schlüpfen so durch Gegnerhorden hindurch; die anderen dürfen neuerdings Reittiere nutzen: Wölfe, Spinnen und Feuersalamander dienen jedoch nicht nur als schnelles Fortbewegungsmittel, sie besitzen auch spezielle Fähigkeiten. Wölfe können zum Beispiel über Abgründe springen, während sich Spinnen an Netzen die Wände hocharbeiten. Fähigkeiten, von denen das Spiel in vielen Rätseln auch Gebrauch macht. Ihr habt aber nicht immer Zugriff auf diese Hilfsmittel. Bei einem Levelwechsel sowie vor bestimmten Orten suchen die hilfreichen Tiere das Weite und müssen neu gefunden werden.

Die Feindbilder
Im Laufe des Spiels müsst ihr gegen so einige Kreaturen kämpfen. Hier eine Auswahl der wichtigsten: 1 Mutierte Schergen, 2 übermütige Römer, 3 schwule Elfen, 4 aggressive Pflanzen, 5 gemeingefährliche Pandas und der schlimmste und unberechenbarste Gegner von allen: 6 Robbenbabys.

Indirekte Zerstörung

Die Reittiere sowie die daraufsitzenden Schergen kontrolliert ihr nicht direkt. Stattdessen gebt ihr als Overlord, während ihr ihm über den Rücken schaut, nur die ungefähre Richtung eures Ziels vor und die kleinen Helfer stürmen todesmutig nach vorne. Gegner, Kisten und andere Hindernisse werden dabei ohne Rücksicht auf Verluste aus dem Weg geräumt. Ein belohnender Anblick! Auf Wunsch könnt ihr den Jungs aber auch ein genaues Ziel vorgeben oder sie die Stellung halten lassen. Die Wegfindungsfähigkeiten und die Künstliche Intelligenz der Schergen sind dabei erfreulich gut. Sie machen die meiste Zeit das, was ihr von ihnen verlangt, und schaffen es nur selten, an Hindernissen wie Wasserpfützen oder Feuer Selbstmord zu begehen. Anders sieht das aus, wenn ihr sie aktiv hineinschickt. Das kann schon einmal passieren, denn mit dem Zielen klappt es manchmal nicht so perfekt. So rennen eure Schergen schon einmal knapp am Hauseingang vorbei, obwohl wir sie doch eigentlich hineinschicken wollten. Aber auch dafür gibt es Abhilfe: Auf Knopfdruck dürft ihr eure derzeit aktiven Schergen auch per Hand durch den Level führen. So ist es kein Problem, sie an Engstellen alleine loszuschicken und dennoch zu gewährleisten, dass das Ziel erreicht wird. Ein etwas gewöhnungsbedürftiges Konzept, das man aber bald intus hat.

Einfach nur grob in die Richtung zielen - das darauf folgende Chaos veranstalten die Schergen alleine.

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