Test: Fünf auf einen Hopps

New Super Mario Bros. U Test

Nicht wenige Gamer verbinden ihre ersten Erfahrungen mit Mario-Spielen der 80er und 90er. Auch heute noch übt das klassische 2D-Spieldesign auf Millionen eine eigentümliche Faszination aus. Darauf spekuliert auch Nintendo, die ihren Vorzeige-Klempner gleich zum Launch ihrer neuen Konsole erneut in die kunterbunte Schlacht werfen.
Christoph Vent 23. November 2012 - 20:26 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Würden wir 100 zufällig ausgewählte Spielefans fragen, welcher Spieleheld ihnen bei „Nintendo“ als erstes in den Sinn kommt, ungefähr 99,9 Prozent würden wohl mit „Mario“ antworten. Seit Anfang der 80er Jahre gehört die Schöpfung von Shigeru Miyamoto (siehe aktuelles Interview) fest zum Nintendo-Inventar. Angefangen hatte alles mit einer Rolle in Donkey Kong – damals hieß Mario noch Jumpman. Sein erstes eigenes Videospiel wurde ihm 1983 mit Super Mario Bros. gewidmet. Der Erfolg gab seinen Schöpfern Recht: Ende der Achtziger und in den Neunzigern war der Launch einer Nintendo-Konsole ohne dazugehöriges Mario-Hüpfabenteuer quasi nicht vorstellbar. Auf dem Gameboy war es Super Mario Land, das SNES wurde direkt im Bundle mit Super Mario World verkauft, und mit Mario 64 wagte sich der japanische Konzern auf dem Nintendo 64 erstmals in 3D-Gefilde. Mit den letzten Konsolen geriet diese Tradition etwas in Vergessenheit, doch das ändert sich jetzt mit der WiiU, die am 30. November in Deutschland erscheint.

Mit New Super Mario Bros. U veröffentlicht Nintendo gleich zum Konsolen-Launch ein klassisches 2D-Jump-and-run mit dem beliebten Schnauzbartträger. Und das in nie gekannter HD-Grafik – erstmals könnt ihr Mario in 720p erleben, und selbst auf dem Gamepad-Screen ist die Auflösung des männlichen Rotkäppchens mit 854 x 480 höher als jemals zuvor in seiner Geschichte (noch knapp vor der PAL-"HD"-Auflösung der Wii). Die andere große Besonderheit beim ansonsten konventionellen Münzensammeln: Erstmals dürft ihr mit bis zu fünf Leuten gleichzeitig die Kampagne spielen – vier an WiiMotes (Mario, Luigi, zwei Toads) und einer am Gamepad. Dazu kommen die Modi "Münzenjagd" für ebenfalls fünf und "Boost" für zwei Spieler. Dagegen sieht selbst das im Sommer erschienene New Super Mario Bros. 2 für 3DS mit seinem Koop-Modus plötzlich ganz eigenbrötlerisch aus. Aber keine Sorge: Ihr könnt natürlich auch ganz allein spielen, dann sogar wahlweise am Fernseher oder, bei identischer Grafik, auf dem Screen des WiiU-Gamepads.

Einstiegshürden Fehlanzeige
In der Oberwelt lauft ihr von einem Level zum nächsten (und wählt teils den Weg). Immer wieder gibt es dort Minispiele.
Im Königreich von Prinzessin Peach herrscht beste Laune, bevor etwa zwei Sekunden nach Spielstart schon das große Böse naht: Fiesling Bowser spielt den Partycrasher und rückt mit einer Armee seiner missmutigen Kinder an – allesamt Monstren wie er. Ehe wir uns versehen, übernehmen die gemeinen Schurken in ihren fliegenden Festungen die Kontrolle übers Land. Und als wäre das nicht schon genug, katapultiert Bowser Mario und seine Freunde in weite Ferne und nimmt die Prinzessin im Turm des Palastes gefangen. Ihr seht schon: Auch in New Super Mario Bros. U wartet keine ausufernde Geschichte mit Zwischensequenzen oder gar Storywendungen auf euch – aber ihr kapiert sofort, was ihr tun müsst. Auf denn zum Projekt Rückeroberung und Prinzessinnenbefreiung!

Wir starten im Eichenhain, der ersten von acht Welten. Auf einer Karte der Oberwelt, die uns nicht selten an die aus Super Mario World erinnert, bewegen wir uns zwischen den einzelnen Levels. Unser Abenteuer beginnt noch sehr ruhig, bekommen wir es doch hauptsächlich mit Standardgegnern wie den pilzähnlichen Gumbas oder den gepanzerten Koopas zu tun. Wer es jemals mit einem Mario-Hüpfspiel zu tun hatte, wird sich sofort heimisch fühlen. Aber auch absolute Einsteiger dürften trotz Verzicht auf ein Tutorial schnell in das Spiel hineinfinden. Für den Anfang reichen zwei Tasten nebst Stick (oder Steuerkreuz) völlig aus. Mit fortgeschrittenen Bewegungen wie dem Dreifachsprung müsst ihr euch zu Beginn noch nicht aufhalten. Wichtige Aktionen wie das Benutzen gewisser Plattformen werden euch via Einblendung direkt im Spiel erklärt – auch in späteren Levels, was besonders dann nützlich ist, wenn ihr eine längere Zeit nicht mehr gezockt habt.

Alternativ steuert ihr New Super Mario Bros. U mit waagerecht gehaltener Wiimote – das Pro Gamepad funktioniert aus uns unerklärlichen Gründen nicht! Mario-Spiele punkten regelmäßig durch ihre präzise und genaue Steuerung, so auch Nintendos neuester Streich – wenn ihr das Steuerkreuz benutzt. Mit dem leichter zu erreichenden Stick aber reagiert Mario teils etwas schwammig: Des Öfteren kam es vor, dass wir den Stick beim Laufen nach rechts zu weit nach unten bewegten und dadurch in die Hocke gingen, was insbesondere im Sprung über Schluchten hinweg fatal ist. Hier vermissten wir doch tatsächlich die Rastereinteilung des Sticks beim Wii-Nunchuk!
 
Massenhaft Details im Knuddellook
Auch Marios Knuddeloptik ist im HD-Zeitalter angekommen.
Auch die Welten und Levels bieten genau das, was ihr von Mario erwartet. Im Laufe eurer Abenteuer durchquert ihr etwa eine Wüste mit Sandfontänen, die euch über Abgründe hinweg helfen, oder eine Eislandschaft mit der einen oder anderen Schlitterpartie. Die Spielwelt strotzt vor Details: Palmen und Bäume wiegen sich im Wind, wippende Felsen verfolgen euch mit ihren Augen und die Gegnerriege tanzt im Takt der Musik. Bei den Koopas kann das Rumgewiege schnell zu eurem unfreiwilligen Tod führen: Da die Schildkröten für ihren Hüftschwung kurz stehen bleiben, könnt ihr euch mit eurem Sprung verschätzen und genau vor ihnen landen. Stichwort Musik: Auch der Soundtrack ist für Kenner der Serie kein Unbekannter. Die meisten der Stücke, wie die Melodie beim Betreten von Höhlen, könnt ihr sofort mitsummen. Und schafft ihr einen kurzen Sprungabschnitt „in einem Lauf“, erhaltet ihr umgehend Applaus – eine tolle Motivation, bestimmte Passagen ohne unnötige Pausen zu durchqueren.
 
Darüber hinaus handelt es sich bei New Super Mario Bros. U um das schönste Mario-Spiel aller Zeiten. Das liegt natürlich nicht zuletzt an der HD-Grafik. Aber auch das zeitlose Design mit Wiedererkennungswert, die Effekte und die Animationen – egal, ob nun von Mario, seinen Gegnern oder den Wolken im Hintergrund – gehören zur absoluten Oberklasse bei 2D-Spielen.
 
Innovationen?Obwohl die acht Welten festen Themen zugeordnet sind, spielt sich jeder Teil-Level anders und enthält neue Elemente. Mal weicht ihr im Meer stacheligen Kugelfischen aus, mal kämpft ihr euch durch eine Höhle, die nur vom kleinen Lichtkegel um euch herum beleuchtet wird. Fledermäuse und Co. lassen sich dann jedoch schon vorab durch ihre leuchtenden Augen wahrnehmen – unfair werden solche Abschnitte also nie. Gut gefallen uns Passagen, in denen wir auf einer Plattform das Ziel erreichen sollen. Diese bewegt sich aber nur, wenn sich außer uns niemand auf ihr befinde
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t, weswegen wir uns die ganze Zeit um die Beseitigung von Gumbas oder anderen Feinden kümmern müssen.
 
So viel Abwechslung New Super Mario Bros. U allerdings bietet, so sehr haben wir auch den Eindruck, alles schon mal gesehen zu haben. Nennenswerte Neuerungen im Vergleich zu New Super Mario Bros. Wii (GG-Test: 9.0) suchen wir vergeblich – hier kam uns der Sprung zwischen den Super Mario Galaxy und Super Mario Galaxy 2 (GG-Test: 10.0) deutlich größer vor. Auch bei den Verkleidungen Marios gibt es nichts Neues: Ein eingesammelter Pilz vergrößert uns, eine Eisblume gefriert Feinde zu einem Eisblock, und dank Feuerblume verschießen wir Feuerbälle. Ein Stern macht Mario für kurze Zeit immun gegen Feindkontakte, dank Minipilz dringen wir in geheime Bereiche vor, und eine Eichel lässt Mario durch die Lüfte schweben. Allerdings fragen wir uns, warum so selten die Bewegungssteuerung durch Neigen des Gamepads erfordert wird – sind doch gerade diese Passagen besonders gelungen.
Abwechslungsreiche Spielwelt
1 Nach den ersten beiden Welten, dem grünen Eichenhain und der heißen Sandkuchenwüste, geht es im Minzmeer das erste Mal unter Wasser. 2 In den Eiswürfeleisfällen ist Vorsicht angesagt – bewegt ihr euch zu flott vorwärts, rutscht ihr schnell in einen Abgrund. 3 Lustige Gesellen wie diese langbeinigen Stachelviecher setzen uns im Limonadendschungel zu. 4 Die Kandis-Minen werden von solchen Kettenhunden bewacht. 5 Kurz vor Schluss begeben wir uns in der Zuckerwattenwolkenzone auf Trampolin-Wolken in luftige Höhen. 6 Zu guter Letzt kämpfen wir uns über Lavaseen bis zu Bowsers fliegender Festung vor.
 
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