Test: Action zu Fuß & am Steuer?

Need for Speed - The Run Test

The Run steht im neuen Need for Speed für den Namen eines großen Straßenrennens quer durch die USA. Gegen über 200 Fahrer kämpft ihr um den Sieg. Rennen müsst ihr aber auch zu Fuß - zumindest in einigen Quick-Time-Sequenzen. Wie greifen Story- und Renn-Anteil ineinander? Funktioniert die Mischung? Das lest ihr in unserem Test.
Bernd Wener 14. November 2011 - 21:03 — vor 8 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von uns.


Vor gut zwei Jahren gabelte sich die Need for Speed-Serie auf. Während Shift und Shift 2 Unleashed stark in Richtung Simulation tendierten, erschien mit Hot Pursuit eine Reminiszenz an eines der beliebtesten Features der traditionsreichen Serie: actionreiche Verfolgungsjagden mit der Polizei. Auch Need for Speed - The Run legt den Fokus wieder auf zugängliche Rasereien ohne großen Simulationsanspruch. Wilde Straßenkämpfe mit den Ordnungshütern liefert ihr euch in der aktuellen Ausgabe von Need for Speed aber erneut nur auf Seiten der Raser. In die Haut eines Cops schlüpfen, wie im Quasi-Vorgänger, könnt ihr in The Run dagegen nicht.

Dafür wartet The Run mit einem Novum im Need-for-Speed-Universum auf. Erstmals seid ihr auch außerhalb eures Wagens zu Fuß unterwegs. Wer jedoch ein Open-World-Spiel wie GTA 4 erwartet, oder wie mit Faith aus Mirror's Edge Parcour laufen möchte, wird enttäuscht sein. Wir sprechen hier von actionreich geschnittenen Videosequenzen, angereichert mit Quick-Time-Events, die die Story von The Run erzählen und vorantreiben sollen. Nichts da mit gemütlichem Durch-die-Stadt-Schlendern oder gar die nächste Bar aufsuchen! Angetrieben wird das Spiel durch das Frostbite-2-Grafikgerüst, das erstmals in Battlefield 3 seine Muskeln spielen lassen durfte.
Erst durch die Hilfe der hübschen Sam Harper können wir uns überhaupt die Teilnahme-Gebühr für The Run leisten.

Ausgepresst wie eine ZitroneIhr mimt in The Run den Profifahrer Jack Rourke, der gleich zu Beginn in einer äußerst prekären Situation steckt: Mit ans Lenkrad gefesselten Händen erwacht er in seinem Porsche, hoch oben über einer Schrottpresse schwebend. Die Gangster, bei denen er Schulden angehäuft hat, möchten sich seiner elegant entledigen. Das erste Quicktime-Ereignis: Nur durch rechtzeitiges Drücken der eingeblendeten Gamepad-Knöpfe schaffen wir es, dem Tod von der Schippe zu springen. Flugs noch einen Wagen der üblen Gesellen gestohlen, und das Spiel wirft uns nahtlos in die erste Rennsequenz. Auf der Flucht vor unseren Peinigern rasen wir mitten in der Nacht über das kaum beleuchtete Schrottplatz-Gelände und hängen die Verfolger nach kurzer Zeit ab.
An Tankstellen dürft ihr euren Wagen wechseln. Für manche Modelle gibt es auch unterschiedliche Bodykits.

Wir treffen uns mit der hübschen Sam Harper, die uns empfiehlt, beim großen "The Run"-Rennen mitzufahren. Sie will die 250.000 Dollar Teilnahmegebühr vorstrecken, kassiert dafür aber auch den Löwenanteil der Siegprämie von 25 Millionen Dollar, sollten wir diese einfahren. Mangels Alternativen und weil wir ohnehin Benzin im Blut haben, willigen wir ein. Ziel des Rennens ist es, von San Francisco quer durch die USA nach New York zu rasen. Wie bei etlichen eSport-Wettbewerben gibt es keinen zweiten Platz, der Gewinner bekommt alles. Also organisieren wir uns schnell noch einen fahrbaren Untersatz und begeben uns zum Start.

Die Auswahl an Autos wird durch die Geschichte grob vorgegeben. So steht ihr an einer Stelle beispielsweise vor einem Laden mit Super-Sportwagen und sucht euch einen von vier aus. Unterwegs kommt ihr immer wieder an Tankstellen vorbei, bei denen ihr in ein anderes Vehikel wechseln könnt. So manchen Traumwagen, wie beispielsweise den Ford GT oder einen Lamborghini Murciélago müsst ihr allerdings erst durch Erfüllen bestimmter Ziele im Mehrspieler-Modus oder den Challenge-Serien freischalten. Wer zuerst die Kampagne durchspielt, wird währenddessen also unter Umständen auf sein Lieblingsmodell verzichten müssen.
Die Quick-Time-Events sind actionreich inszeniert, wirken aber dennoch etwas aufgesetzt.

Nitro-Motivationsmöhre
Technisch macht The Run alles richtig. Fahr- und Geschwindigkeitsgefühl sind sehr gut. Die Boliden fühlen sich deutlich mehr nach Auto an als noch in Hot Pursuit. Keine Bange, The Run bleibt ein waschechter Arcade-Fahrspaß, Simulationsanleihen muss hier niemand befürchten! Die KI kämpft mit harten Bandagen. Wie in vielen Arcade-Rennspielen üblich, kommt ihr jedoch auch bei The Run nicht um den berüchtigten Gummiband-Effekt herum. Kilometerweises Abhängen eurer Verfolger ist nicht möglich, sie holen immer wieder auf. Wir empfanden das Maß aber als ausgewogener als beim Vorgänger Hot Pursuit.

Die Action-Betonung schlägt sich auch in den Kameraperspektiven nieder. Neben einer sehr dynamischen Rückansicht gibt es noch eine Motorhauben- und eine Stoßstangenkamera. Eine Cockpit-Ansicht wird nicht geboten. Wir empfehlen die Steuerung via Lenkrad oder Gamepad, doch auch notorische Tastatur-Junkies kommen sicher durch die Kurven.

Für Aktionen wie das Fahren im Gegenverkehr oder waghalsige Drifts bekommt ihr Erfahrungspunkte gutgeschrieben und steigt im Level auf. Dadurch schaltet ihr neben Gimmicks wie Online-Profilsymbolen auch die Challenge-Serien und weitere Extras frei. So müsst ihr euch beispielsweise den Nitro-Boost oder die Möglichkeit, den Windschatten auszunutzen, erst verdienen. Letzteres fanden wir etwas befremdlich. Je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad verfügt ihr über eine mehr oder weniger begrenzte Anzahl an R
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esets, mit denen ihr nach einem Crash an vorgegebenen Rücksetzpunkten wieder ins Rennen einsteigen könnt. Die Zeit wird dabei bis zum Checkpoint zurückgespult, auch für eure Gegner. Allerdings geschieht das über einen drögen Rückspul-Bildschirm, nicht in Echtzeit wie etwa bei den Forza- oder Dirt-Spielen.

In Sachen Rennmodi bleibt The Run sparsam. Neben den sogenannten Sprints (Standard-Rennen) gibt es noch Wettbewerbe auf Zeit, in denen ihr von Checkpoint zu Checkpoint hetzt sowie Kampf-Rennen gegen einen oder mehrere Rivalen. In Letzteren müsst ihr euch innerhalb eines knappen Zeitlimits vor den nächsten Gegner kämpfen und bis zum Ablauf des Timers auf der Position bleiben. Danach geht es dem nächsten Rivalen an den Kragen. Selten wird das Geschehen durch Spezialmissionen aufgelockert. Dann verfolgen euch wild um sich schießende Bösewichte in dicken schwarzen SUVs, oder ihr müsst dem Beschuss eines Kampfhubschraubers ausweichen. Außerdem habt ihr es auch immer wieder mit aufdringlichen Ordnungshütern zu tun. Die Strecken sind allesamt auf ein Ziel ausgerichtet, Rundkurse gibt es in The Run keine.
Abwechslungsreiche Umgebungen

Zehn Etappen umfasst das Rennen von San Francisco nach New York, und durch ebenso viele unterschiedliche Umgebungen rast ihr. Wir haben ein kleines Fotoalbum auf unserer Reise erstellt: 1 Mit dem Porsche RSR 918 brettern wir durch Beaver Valley.  2 Auf den abschnittsweise schnurgeraden Überlandstrecken empfiehlt sich ein starkes Muscle Car, wie dieser Mustang.  3 Kurz vor Chicago düsen wir in den Sonnenuntergang.  4 Der Pagani Zonda wirbelt eine Menge Laub im herbstlichen State Forest auf.  5 Ebenfalls in Chicago, diesmal aber bei Mond- statt Sonnenschein und mit dem Audi Quattro statt Porsche.  6 In den Rocky Mountains wären teilweise Schneeketten erforderlich gewesen. Vorsicht vor unerwarteten Eisplatten und just im Moment eurer Fahrt erfolgenden Lawinensprengungen!

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