Rasen, bis der Gangster kommt

Need for Speed - Rivals Test

Karsten Scholz 26. November 2013 - 13:09 — vor 6 Jahren aktualisiert
Die Entwickler übertreiben es etwas mit der Bewegungsunschärfe. Hier parken wir eigentlich nur langsam rückwärts aus.
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Beeindruckende Technik mit MackenDank Frostbite-3-Engine sieht NfS - Rivals auf dem PC ausgesprochen hübsch aus. Dass die Wagen sehr detailliert daherkommen, ist das Mindeste, doch gefällt uns auch das abwechslungsreiche Redview County, mit seinen engen Waldschneisen, den kurvigen Bergstraßen und den weiten  Wüstenpassagen, die durch Tag-, Nacht- und Wetterwechsel gut in Szene gesetzt werden. Blätter wehen über die Straße, Regentropfen kullern den Bildschirm runter und im polierten Lack spiegelt sich die Umgebung der Straße wieder. Doch wenn ihr absichtlich mal in Schrittgeschwindigkeit durch die Pampa tuckert, fällt auf, dass einige Umgebungstexturen recht matschig wirken. Die Frostbite-Engine unterstützt zwar Downsampling, doch findet ihr für die Funktion keinen Regler in den Optionen. Stattdessen müsst ihr manuell den Konsolen-Befehl "-Render.ResolutionScale X.X" in Origin eingeben, um die Optik von Need for Speed via Downsampling aufzuwerten. Auch die etwas übertriebenen Bewegungsunschärfe - und Lens-Flare-Effekte werden sicherlich nicht jeden Geschmack treffen. Unterm Strich hinterlässt das neue Need for Speed optisch aber einen guten Eindruck.

In den Optionen des Spiels vermissen wir aber auch eine Hochsetzung der maximalen Anzahl von Bildern pro Sekunde. NfS - Rivals läuft maximal in 30 Bildern pro Sekunde, egal wie gut euer PC ist. Das Geschwindigkeitsgefühl geht zwar okay, doch wäre im Jahr 2013 deutlich mehr drin gewesen,  gerade hochklassige PC-Systeme werden vom Arcade-Raser kaum gefordert. Tatsächlich lässt sich die FPS-Zahl per Konsolen-Befehl auf 60 hochschrauben, doch verdoppelt sich dadurch gleich die gesamte Geschwindigkeit des Spiels, wodurch es kaum noch möglich ist, die Boliden vernünftig zu steuern. Andersherum fahrt ihr in Zeitlupe, wenn eure Frames kurzzeitig in den Keller brechen. Dass zudem nicht mal Lenkräder unterstützt werden und es nur zwei Perspektiven gibt (Ego-Sicht und eine sehr tief liegende Hinter-Auto-Kamera), geht bei diesem groben technischen Schnitzer fast schon unter.

Steuern könnt ihr die Edelkarossen also nur mit Gamepad oder Tastatur. Auf letztere Steuerungsvariante solltet ihr aber verzichten, spätestens die Menüführung ist ohne Gamepad ein echter Graus. Dafür geht die Steuerung der Fahrzeuge gut von der Hand. Serientypisch steuern sich die Autos sehr arcadelastig, erwartet also keine Simulation! Wenn ihr mit 300 Sachen in eine Leitplanke rast, macht das optisch einiges her, doch auf die Fahreigenschaften des Autos wirken sich die Beschädigungen nicht aus. Zudem könnt ihr mehrere solcher Crashs aushalten, bevor euer Wagen reif für die Schrottpresse ist. Ebenfalls serientypisch ist die Gummiband-KI, dank der euch eure Rivalen selbst nach einem zeitraubenden Unfall nicht zu allzu weit davonfahren. Auch der ständige Online-Zwang bringt Nachteile mit sich: Einige Mitspieler laggten teilweise so schwer über die Straße, dass eine Verfolgungsjagd schlicht unmöglich war. Zudem flogen wir regelmäßig aus dem Spiel raus, an der Stabilität der Server muss auf jeden Fall noch gearbeitet werden.

Alternativen
Sebastian Vettel hat sich gerade seinen vierten Titel gesichert, daher liegt es nahe, dass wir euch als Alternative zu Need for Speed - Rivals zuerst F1 2013 (GG-Test: 8.5) ans Herz legen, das uns vor allem mit seinen zahlreichen Spielmodi begeistert. Statt arcadige Rennduelle findet ihr hier eine waschechte Simulation. In dieselbe Bresche springt Forza Motorsport 5 (GG-Test: 8.5), das aber bereits für die Next-Gen-Konsolen entwickelt wurde und daher einfach fantastisch aussieht. Wer eine aktuelle Arcade-Alternative zu NfS - Rivals sucht, der wird bei Grid 2 (GG-Test: 8.0) fündig - besonders die bessere KI und die Auswirkungen des Schadensmodells auf das Fahrgefühl sprechen für den Codemasters-Titel.
Next-Gen mit SchluckaufDie Versionen für Xbox One und PlayStation 4 sehen ebenfalls ziemlich gut aus und zeigen gerade im Vergleich mit den Current-Gen-Fassungen zwar häufige, aber angenehm kurze Ladezeiten. Kleinere Abstriche müsst ihr bei der Qualität der Effekte im Vergleich zu den höchsten Grafikeinstellungen auf dem PC machen, die aber keine Auswirkungen auf den Spielspaß haben. Unschön ist allerdings, dass Rivals auf der Xbox One nicht immer ganz flüssig läuft. Häufiger sind kleinere Lags zu beobachten, gelegentlich auch etwas stärkere Bildstockungen, wobei der Wagen auf der Strecke kleine "Sprünge" macht. Ob die finale PS4-Fassung diese Probleme ebenfalls zeigt, konnten wir noch nicht fest an der eigenen Konsole überprüfen. Auf einem Preview-Event in der vergangenen Woche waren diese Probleme aber ebenfalls in der Variante für Sonys neue Konsole zu beobachten. Beide Fassungen zeigten die Lags vor allem tagsüber. Nachts hingegen läuft das Renngeschehen deutlich flüssiger.

Autor: Karsten Scholz, Redaktion: Jörg Langer,
Benjamin Braun (GamersGlobal)


Karsten Scholz
Von einem Arcade-Rennspiel erwarte ich ein realistisch aussehendes, sich aber nicht realistisch auswirkendes Schadensmodell und knallharte Kopf-an-Kopf-Rennen, die in toll aussehende Unfälle münden. All das gibt es im neuesten Need for Speed und zwar verpackt in einer großen, offenen Welt, die erstaunlich abwechslungsreich daherkommt – sowohl optisch als auch spielerisch. Und da ständig ein paar andere menschliche Fahrer auf den Straßen unterwegs sind, entsteht eine ganz eigene Dynamik, die ich in zukünftigen Rennspielen dieser Art nicht mehr missen möchte.

Schade ist nur, dass die Raser-Kampagne deutlich mehr Spaß macht als das Cop-Pendant. Und das, obwohl ich eigentlich lieber Jäger statt Gejagter bin. Als Polizist bekommt ihr neue Autos geradezu nachgeschmissen, doch aufgrund der geringen Unterschiede bleiben die meisten Flitzer in eurer Garage ungenutzt. Als Raser müsst ihr euch dagegen jedes Upgrade hart erarbeiten, dürft dafür aber individuelle Anpassungen an euren Wagen vornehmen. Da eine Verhaftung bereits ausreicht, um sämtliche frisch erspielten Speedpoints wieder zu verlieren, steigt zudem der Adrenalinpegel höher als bei den Cops.

Neben der schlechten Balance stören mich vor allem die technischen Mängel. Nur 30 Bilder pro Sekunde? Und das bei einem Rennspiel, das die Next-Gen-Ära mit einläuten soll? Das Schlimmste daran ist, dass die Anzahl der Bilder maßgeblich die Spielgeschwindigkeit beeinflusst. Fallen eure Frames in den Keller, glaubt ihr plötzlich, ihr kämpft euch durch Wackelpudding. Stellt ihr die fps per Konsolenbefehl auf 60 hoch, sind die Fahrzeuge aufgrund des hohen Tempos nicht mehr steuerbar. Im Jahr 2013 ist das für mich ein technischer Offenbarungseid. Und dazu kommen noch diverse andere Baustellen wie die laggenden Mitspieler, Verbindungsabbrüche und die nicht unterstützte Lenkradsteuerung. NfS - Rivals hätte das beste Need for Speed seit langer Zeit sein können ... mit etwas mehr Feintuning, einer ausgewogeneren Balance zwischen den Fraktionen und einem technischen Grundgerüst, das der Next-Gen-Generation würdig ist.

 Need for Speed - Rivals
Einstieg/Bedienung
  • Tutorial erklärt die wichtigsten Infos zum Spiel ...
  • Schneller und unkomplizierter Einstieg
  • Ein Navigationssystem führt euch durch die große Welt
  • Präzise Fahrzeugsteuerung, die gut von der Hand geht
  • Der Schwierigkeitsgrad steigt langsam an
  • ... lässt sich aber leider nicht abbrechen.
  • Tastatur-Steuerung im Menü sehr hakelig
  • Keine Lenkrad-Steuerung
  • Nur zwei Perspektiven
  • Ausstattung hochstufiger Technologien umständlich
Spieltiefe/Balance
  • Zwei Kampagnen mit je 60 Missionen
  • Über 60 Fahrzeugmodelle
  • Dank verschiedenen Parametern steuern sich die Autos unterschiedlich
  • Raser können ihre Karren optisch anpassen und Leistungs-Upgrades durchführen
  • Abwechslungsreiche Missionen und Events
  • Autos lassen sich mit Verfolgungs-Technologien ausstatten
  • Ausstattungs-Technologien lassen sich in mehreren Stufen verbessern
  • Große, völlig frei befahrbare Spielwelt
  • Raser- und Cop-Kampagne oft ähnlich
  • Die beiden Fraktionen sind nicht gut ausbalanciert
  • Gummiband-KI
  • Cops dürfen praktisch nichts individualisieren
  • Schadensmodell hat keine Auswirkungen auf das Fahrgefühl
Grafik/Technik
  • Hübsche Automodelle mit optisch eindrucksvollem Schadensmodell
  • Schöne Wetter - und Tag-Nacht-Wechsel
  • Optisch abwechslungsreiches Streckendesign
  • Nette optische Details wie umherfliegende Blätter
  • Auch auf Mittelklasserechnern sehr hübsch
  • Etwas übertriebener Einsatz von Lens-Flare- und Bewegungsunschärfe-Effekten
  • Begrenzung auf 30 fps
  • Spielgeschwindigkeit ist an die FPS gekoppelt
  • Downsampling nur über Konsolen-Eingabe
  • Gelegentliche Lags (PS4, Xbox One)
Sound/Sprache
  • Eigentlich gute deutsche Sprecher ...
  • Sehr gute Motorengeräusche
  • Ordentliche Musikauswahl
  • ... nur dass die Texte, die sie sprechen müssen, hirnrissig sind
  • Polizeifunk wiederholt sich schnell
Multiplayer
  • Vermischung von Single - und Multiplayer funktioniert
  • Die anwesenden Spieler geben zusätzlichen Kick
  • Keine Rennen mit mehreren Mitspielern möglich
  • Menschliche Mitspieler laggen über die Straße
  • Regelmäßige Verbindungsabbrüche

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