Wir sind enttäuscht:

Need for Speed Hot Pursuit Test

Lange bevor Tuning Einzug ins Rennspielgenre fand, stand Need for Speed vor allem für arcadelastigen Raserspaß mit sündhaft teuren Luxusautos. Und Polizeiverfolgungen. Dank Cops, Schadensmodell und Karrieremodus fuhr sich vor allem Teil 4 in die Herzen der Fans. Mit Hot Pursuit will Electronic Arts wieder zu den Wurzeln zurückkehren.
GG-Redaktion 19. November 2010 - 22:39 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Need for Speed. Kaum eine Spieleserie hat so viele Wandlungen durchgemacht wie diese und im Laufe der Jahre für so viel Kontroversen bei den Fans gesorgt. Ursprünglich galt es ausschließlich mit Luxusautos Bestzeiten zu erstreiten, ab Need for Speed 3 - Hot Pursuit (1998) durften wir dann endlich auch auf Seiten der Cops unsererseits Temposündern hinterherjagen.  Vor allem diese launigen Verfolgungsfahrten sind es, die bis heute Kultstatus genießen. Schließlich war und ist ein Riesenspaß, es als Cop den Gegner kurz vor der Zielgeraden (oder gar der Ziellinie) mit einem heimtückisch ausgelegten Nagelbrett zum Zwangsstopp zu "überreden" -- und ihn dann triumphierend festzunehmen.

Mittlerweile gibt es Need-for-Speed-Ableger in quasi jedem Rennspiel-Untergenre: Sei es die Tuningszene (Need for Speed Underground, 2003), die Street-Racer-Szene (Need for Speed Most Wanted, 2005), ein MMO-Rennspiel (Need for Speed World, 2010) oder ein ernsthaftes Rennspiel mit Simulationseinflüssen (Need for Speed Shift, 2009). Und so verschieden die Versionen sind, so unterschiedlich positiv und negativ gestaltet sich auch deren Akzeptanz unter den Fans. Mit Need for Speed Hot Pursuit will Electronic Arts nun zu den Wurzeln der Serie zurückkehren und an den früheren Erfolg anknüpfen. Ob dieses Vorhaben gelungen ist, klären wir für euch in unserem Test.

Es müssen nicht immer Strandpromenaden sein: Mit unserem Audi R8 geht es in Richtung Gebirgspass. Der Asphalt ist noch nass vom Regen, Auswirkungen auf das Fahrverhalten hat das aber leider kaum.

Vor dem Rennen: Der K(r)ampf mit den Menüs

PC-Aktivierungszwang
Nach der Installation müsst ihr Hot Pursuit zunächst aktivieren, was eine Internetverbindung voraussetzt.
Die Konsolenversionen haben dieses Einschränkung nicht.

Im Spiel selbst werdet ihr dann auf dem PC aufgefordert, die Seriennummer mit eurem EA-Konto zu verknüpfen. Tut ihr dies nicht, so könnt ihr nicht auf den Multiplayer-Modus zugreifen, wodurch euch viel Spielspaß entgeht. Sobald ihr eure Seriennummer allerdings verknüpft habt, ist Hot Pursuit permanent an euren Account gebunden.
Beim ersten Starten des Spiels fällt gleich auf: Die Entwickler von Criterion Games haben Wort gehalten. Ihr habt sofortigen Zugriff auf Sportwagen der Ober- beziehungsweise Luxusklasse und müsst euch nicht erst über zig Fahrstunden hinweg euer Traumauto erspielen. Auch die semi-luxuriösen Prollschleudern aus den Underground-Ablegern sind zum Glück passé. Freilich ist die Auswahl zunächst noch gering, echte Kracher aus dem Hause Lamborghini, Aston Martin oder gar der Bugatti Veyron stehen euch erst später zur Verfügung. Motivations-Karotten müssen eben sein! Aber ein Porsche Boxster Spyder als Einstiegsmodell ist schließlich auch kein schlechter Start.

Bevor es auf die Straße geht, schauen wir uns kurz im Menü um. Vor allem die Möglichkeit, die Tastaturbelegung (Gamepads werden ebenfalls unterstützt) frei anzupassen, gefällt uns gut. Schließlich wollen wir wissen, mit welchem Knopfdruck wir unseren Widersachern Nagelbretter vor die Reifen werfen oder wie sich der Nitro für gelegentliche Geschwindigkeitsboosts aktivieren lässt. Für PC-Nutzer ärgerlich ist allerdings die konsolentypische Menüführung: Eine Maussteuerung fehlt und das ewige Vor- und Zurückgeschiebe der Haupt- und Subebenen sorgt dafür, dass ihr stets ein wenig zu viel Aufwand benötigt, bis ihr euer Ziel erreicht habt -- Bedienkomfort sieht für User ohne Gamepad (das natürlich auch am PC unterstützt wird) anders aus.

Ebenfalls nervig: Zwischensequenzen und Belohnungsvideos, die ihr etwa immer dann zu sehen bekommt, wenn ihr ein neues Fahrzeug freigeschaltet habt, lassen sich ganz überwiegend nicht abbrechen oder überspringen. Zwar wird euch das zunächst nicht negativ auffallen, weil ihr euch natürlich keines der neuen Ereignisse entgehen lassen wollt; wenn aber zum zwanzigsten Mal die letztendlich immergleiche Autopräsenation über den Bildschirm flimmert, fragt ihr euch vermutlich doch, was so schwierig daran gewesen sein mag, eine Skiptaste zu unterstützen.

Kopfgeld und Rangaufstiege
Konsolenmenüs auf dem PC: Mangels Maussteuerung können wir nur per Tastatur navigieren.

Genug der Einstellungen, wir wollen Rennen gewinnen! Im Karrieremodus von Need for Speed Hot Pursuit habt ihr die Wahl, ob ihr euch auf Seiten der Raser oder der Cops hocharbeitet. Das funktioniert auch parallel, ihr könnt euch also jederzeit auf der Übersichtskarte für Einsätze als Gejagter oder als Jäger entscheiden. Durch erfolgreich abgeschlossene Missionen steigt ihr im Level auf und sammelt Erfahrungspunkte (Kopfgeld genannt). Falls ihr nicht gleich auf dem ersten Platz landet, lassen sich die Events jederzeit neu starten. Auch Zweit- oder Drittplatzierungen werden belohnt -- mit entsprechend weniger Kopfgeld. Aber sogar ohne Position auf dem Siegertreppchen geht ihr nie komplett leer aus, denn Kopfgeld bekommt ihr auch für diverse Aktionen auf den Strecken, etwa für das Erreichen der Höchstgeschwindigkeit eures Fahrzeugs oder dem Auffinden von Abkürzungen. Rabiates Fahren, etwa das Abdrängen des Gegners, macht besonders viel Spaß und wird ebenfalls mit Kopfgeld belohnt. Allerdings riskiert ihr dabei, dass ihr selbst Fahrfehler begeht -- und die bestraft Hot Pursuit sofort. Der Schwierigkeitsgrad ist nämlich auf relativ hohem Niveau, sofern ihr immer den ersten Platz belegen wollt.

Das Prinzip ist also simpel: Je höher euer Level ist und je mehr Erfahrungspunkte ihr erspielt habt, desto mehr der über 60 (!) Nobelkarossen schaltet ihr frei. Vor allem die richtig interessanten Supersportwagen, wozu auch diverse Concept Cars gehören, werdet ihr also erst später probefahren können. Was genau ihr dafür leisten müsst, hängt davon ab, auf welcher Seite ihr spielt.

Luxus auf vier RädernSo sehen Traumwagen aus: Auf Seiten der Raser erwarten euch unter anderem der 1 Maserati GranCabrio, der 2 Mercedes-Benz SLS AMG, der 3 Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport und der 4 Porsche 918 Spyder (als Concept Study). Aber auch als Cop könnt ihr euch nicht über mangelnden Luxus beklagen, wie der 5 Aston Martin V12 Vantage und der 6 Porsche Cayman S beweisen.
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