Test: Harpoon-Klon à la 2012

Naval War – Arctic Circle Test

Mick Schnelle 15. April 2012 - 14:53 — vor 9 Jahren aktualisiert
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Die Missionsziele ändern sich während eines Einsatzes nie. Habt ihr ihn einmal erlebt, geht der Wiederspielwert gegen Null.
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Raketen im IrrflugSo unverständlich eine nicht frei konfigurierbare Steuerung im Jahr 2012 auch sein mag, irgendwann wirkt immer der Gewöhnungsfaktor. Und dann geht die nicht immer logische Steuerung ganz ordentlich von der Hand. Auch wenn das permanente Rauf- und Runterschalten der Spielgeschwindigkeit wegen Rucklern und KI-Fehlern nach wie vor nervt. Dafür sind die Missionen recht spannend… so man sie das erste Mal spielt. So lange wir nicht wissen, welche und wie viele Gegner wo lauern, tasten wir uns langsam vor, wechseln ständig zwischen aktiven und passiven Ortungssystemen und erleben dabei schnell das "Tom-Clancy-Gefühl", wenn wir mit unseren U-Booten böse Russen aufspüren. Oder eben dekadente Westflotten mit bewährter russischer Technologie auf den Meeresboden schicken.

Dumm nur, dass sich die Missionen immer völlig gleich spielen. Wir meinen das wörtlich: Alle Einheiten tauchen stets an exakt denselben Stellen auf! Wer einmal weiß wo der Feind sitzt, hat beim zweiten Durchspielen oder der Wiederholung einer kniffligeren Mission deutliche Vorteile. Einmal bekannt, verlieren die Gefechte dadurch deutlich an Spannung. Denn uns war immer klar, dass spätestens beim zweiten Durchlauf der Sieg wartet. Ein weiteres Manko ist die unausgewogene Schadensberechnung. Der Spieler weiß vorher nie, ob eine einzige Rakete ausreicht, um ein Schiff zu versenken, oder ob man auch schon mal zehn Stück abschicken muss, um dasselbe Ziel zu erreichen. Etwas Unberechenbarkeit ist ja okay, aber sie darf nicht derart schwanken. Schon gar nicht, wenn die zu viel abgefeuerten Knallkörper fröhlich in neutrale Einheiten donnern und dadurch die Mission verloren geht.

3D… ach nee
Briefings sehen aus wie selbstgemalt. Vermutlicher Grund: Sie sind selbstgemalt. Von der Freundin eines der Designer?
Mit dabei und völlig überflüssig ist eine 3D-Ansicht des Schlachtfelds. Spielerisch bringt sie schon mal gar nichts – und optisch bietet sie derart wenig, dass wir die spielerische Überflüssigkeit gar nicht bemerken. Selbst auf der allerersten Playstation (zur Erinnerung: Japanstart war im Dezember 1994) haben wir schon schöner texturierte 3D-Objekte gesehen. In Anbetracht dessen verliert selbst ein Möchtegern-Totschlagargument wie "Grafik ist nicht alles" jegliche Wirkungskraft. Wir sind uns relativ sicher, wir bräuchten maximal einen einzigen Tag, um über die eigene Facebookliste einen begabteren Grafiker zu finden. Nicht, dass einer unserer Freunde künstlerisch besonders begabt wäre. Aber was Artic Circle bietet, beherrschen bestimmt auch Grafikneulinge nach einer Woche Praktikum. Das klingt jetzt alles unsagbar gemein, ist aber die traurige Wahrheit. Ebenfalls überflüssig ist die Musik, die sich rund alle 30 Sekunden wiederholt. Immerhin ist sie so unauffällig, dass uns die Wiederholung erst nach einigen Stunden Weghören aufgefallen ist.

Fazit: Kein neues HarpoonSagen wir es schonungslos und offen: Arctic Circle reicht in keiner Disziplin an das mittlerweile 23 Jahre alte Harpoon heran. Nicht mal grafisch. Wir verstehen zwar, dass den Entwicklern nur sehr begrenzte Ressourcen zur Verfügung standen. Dass es sich um ein sehr kleines Studio handelt, das Erfahrung und Mittel durch Herzblut ersetzt hat. Nur: Anderen kleinen Spieleschmieden geht es nicht anders und die machen oft eben mehr aus ihren beschränkten Mitteln.

Ein Hauch Psychedelisches am nördlichen Polarkreis.
Falls Turbo Tape Games die Performance und die KI von Naval War – Arctic Circle kräftig patchen, reicht es immerhin zu einer Light-Variante von Harpoon, die mangels Konkurrenz ihre Daseinsberechtigung hat. Was wir uns wünschen, wäre aber eine komplett überarbeitete Version mit logischer Steuerung und vor allem Missionen, die sich immer wieder anders spielen. Und dazu bitte auch gleich etwas mehr Komplexität. Warum gibt es keine Thermoklinen, also Wasserschichten unterschiedlicher Temperatur, zwischen denen sich die U-Boote spannende Versteckspiele liefern? Warum ändern sich die Missionsziele mittendrin nie? Warum gibt es kein politisches Update, das neue Vorgehensweisen erforderlich machen könnte? Warum wird der im Briefing angedeuteten Uneinigkeit in der NATO nicht Rechnung getragen, indem befreundete Einheiten urplötzlich abziehen müssen oder neue Verbündete auftauchen? Uns fallen noch jede Menge Großig- und Kleinigkeiten ein, die man verbessern müsste. Das alles sollte mit etwas Zeit keine unlösbare Aufgabe darstellen.

Autor: Mick Schnelle (GamersGlobal)

 Naval War – Arctic Circle
Einstieg/Bedienung
  • Drei Tutorialmissionen
  • Schwierigkeitsgrad zieht allmählich an
  • Sehr knapp gehaltene Tutorials
  • Keine einheitliche Steuerung
  • Steuerung nicht frei konfigurierbar
Spieltiefe/Balance
  • Umfangreiche Waffensysteme
  • Unterschiedlichste Sensoren
  • Spannung in Missionen mit Zeitlimits
  • Selbsterklärende Einheitenicons
  • Übersichtliche Karte
  • Stark schwankender Schwierigkeitsgrad
  • Gefechtsausgang in einigen Missionen sehr vom Zufall abhängig
  • Gegner stets an denselben Stellen
  • Befehle werden teils nicht befolgt
  • Kartenscrollen gewöhnungsbedürftig
Grafik/Technik
 
  • Völlig veraltete 3D-Grafik
  • Keine Details wie landende Flugzeuge
  • 2D-Karte äußerst spartanisch
  • Starkes Ruckeln bei hoher Zeitbeschleunigung
Sound/Sprache
  • Unaufdringliche Musik…
  • … die sich nach 30 Sekunden wiederholt
Multiplayer
  • Kein eigener Server nötig
  • Kein Editor
  • Nur zwei Spieler

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Userwertung
5.3
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Strategie
Echtzeit-Strategie
16
Turbo Tape Games
10.04.2012
Link
PC
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News
Mick Schnelle 15. April 2012 - 14:53 — vor 9 Jahren aktualisiert
totalwarzone 13 Koop-Gamer - 1554 - 15. April 2012 - 14:59 #

Danke, dann mal sehen was ich eventuell gewonnen hab^^. Ich wollts eigentlich kaufen aber bis Heute abend warte ich noch.
Weiteres Feedbakc folgt nach dem zur gemüte führen des Tests. Das kann dauern, Micks tests les ich besonders gern und aufmerksam.

Deathsnake 20 Gold-Gamer - 22540 - 15. April 2012 - 15:05 #

Bestätigt mein Eindruck bereits der Demo. Viel Potential verschenkt. Dann doch lieber Dangerous Waters weiterspielen ^^

Pomme 17 Shapeshifter - P - 8051 - 15. April 2012 - 15:12 #

Mh, das klingt ja gar nicht so schön. Schade.

Ketzerfreund 16 Übertalent - 5978 - 15. April 2012 - 15:13 #

Dangerous Waters mag ja vom Genre her eher Simulation sein... Was aber ist mit Fleet Command von den gleichen Machern, das nicht gar so alt ist wie Harpoon? ;)

Ole122 12 Trollwächter - 1034 - 15. April 2012 - 15:31 #

Aye, genau die Frage ging mir auch grade durch den Kopf. Finde eh, dass Naval War so ziemlich genau Fleet Command modernisiert ist (oder sein will, seis drum)

Ketzerfreund 16 Übertalent - 5978 - 15. April 2012 - 16:08 #

Den Eindruck hatte ich durch die Trompetentöne vor der Veröffentlichung auch gewonnen. Er ist mir nach diesem Test aber schnell wieder verlustig gegangen.
Fleet Command ist jedenfalls - finde ich - ein Spiel, das vielleicht nach den Jahren, die es existiert, auch nicht viel besser aussehen mag als dieses hier. Aber es funktioniert tadellos, und es gibt jede Menge Missionsfutter aus dem Netz.
Tja, schade, dieses Genre ist schon nicht sonderlich überversorgt, gelinde gesagt. Ein guter, moderner Vertreter wäre erfreulich gewesen. :(

Mick Schnelle Freier Redakteur - P - 7940 - 15. April 2012 - 17:35 #

Fleet Command konnte am original Harpoon nie kratzen. Um nicht mit zu vielen Namen zu verwirren bin ich deshalb gleich zum Genrevater und letztlich auch Genrekönig gekommen.

Ketzerfreund 16 Übertalent - 5978 - 15. April 2012 - 17:49 #

Okay, verständlich. Richtig schlecht ist Fleet Command allerdings aber nun auch nicht. ;)

Mick Schnelle Freier Redakteur - P - 7940 - 15. April 2012 - 18:01 #

nö, das war und ist auch immer noch ganz solide. :-)

Ole122 12 Trollwächter - 1034 - 15. April 2012 - 22:50 #

Okay. Wobei ich (leider) nie dazu gekommen bin Harpoon zu zocken. Gibts da eigentlich noch irgendwo käuflich zu erwerben? Versuch wärs ja mal wert, auch wenn ich sicherlich gnadenlos untergehe :)

Zaunpfahl 19 Megatalent - 17564 - 15. April 2012 - 15:34 #

Die Beschreibung auf Steam las sich ja ganz viel versprechend, zumal es ja auch noch ne Dreingabe von einem anscheinend ähnlichen Spiel in historischem Setting gibt (gab?). Ich verzichte dann wohl trotzdem erstmal...

Sturmrabe85 13 Koop-Gamer - 1481 - 15. April 2012 - 16:16 #

Der Test deckt sich mit dem was ich anhand der Demo erlebt habe. Dabei ist die Idee an sich und die Thematik ja eigentlich ganz spannend, selbst über die Grafik könnte ich hinweg sehen. Aber leider ist die Umsetzung insbesondere im Bereich der Steuerung komplett in den Sand gesetzt worden, was man ja schon anhand der Demo erleben konnte. Ich fand auch das Tutorial nicht gerade hilfreich und nun noch dieses starre Missionsdesign. Da muss ich dann leider sagen Idee wirklich gut aber die 30 € spare ich mir dann doch lieber. Schade

Anonymous (unregistriert) 15. April 2012 - 17:37 #

Das ist ein sehr gutes Review - obwohl mich das Spiel nicht die Bohne interessiert, nur der Name und das Cover mich her geklickt haben. Wirklich hilfreich für Leser und Entwickler.

Ich fänd ja das Thema spannend, und Strategietitel grundsätzlich auch. Darf nur nicht so über-komplex sein. Hätte die Entwickler mal das 3D rausgelassen, die 2D-Grafik schöner gemacht und das Ganze (+ die Missions-/Story-Vorschläge von Herrn Schnelle) als rundenbasierte Tablet-Version für 5-10 €. Top! Zumindest besser als das hier. Ich frag mich nur, warum die soviel Publicity mit dem Spiel bekommen. Auf RPS gibt's auch mächtig Banner.

Ketzerfreund 16 Übertalent - 5978 - 15. April 2012 - 17:48 #

Die PR-Abteilung bei Paradox hat wohl zuviel Geld. *g
Im Laufe der letzten Jahre sind die PR-Aktivitäten für von P'dox vertriebene Spiele doch irgendwie recht stark gewachsen, hab ich das Gefühl. Ich habe den Eindruck, P'dox möchte eine ausführliche Vorberichterstattung für ihre Spiele nicht wie früher nur auf nischenspezifischen Online-Plattformen sehen.

Anonymous (unregistriert) 15. April 2012 - 18:22 #

Eines sollte man bei Test zu Paradoxspielen vielleicht gleich am Anfang schreiben.
"Reift beim Nutzer"

Bei den Spielen der Paradox Studios hat es sich mit den letzten Veröffentlichungen durchaus gebessert, aber bei den Spielen bei denen Paradox als Publisher fungiert ist es immernoch so.
Mal ein paar Patches abwarten und schauen was draus wird.

Anonymous (unregistriert) 15. April 2012 - 18:28 #

Test gelesen und soeben "Harpoon Classic 2002" auf meinem neuen PC installiert. Läuft prima unter Win7 und hat sich, seit ich es Anfang der 90er auf Amiga gespielt hab, kaum verändert- zum Glück. :-)

MicBass 20 Gold-Gamer - P - 21416 - 15. April 2012 - 19:05 #

Ich hatte mich erst geärgert dieses interessant klingende Spiel wegen Zeitmangels gar nicht spielen zu können. Jetzt ärgere ich mich nicht mehr, danke. :)

Toranaga 11 Forenversteher - 721 - 15. April 2012 - 21:48 #

Ich hoffe, dass sich die Modding-Community dieses Titels annehmen wird, um dann doch noch etwas daraus zu machen. Bei einem Paradox-Game wäre es zu erwarten.

Ketzerfreund 16 Übertalent - 5978 - 16. April 2012 - 3:32 #

Wer weiß, vllt. haben die Entwickler gerade bzgl. der ärmlichen Ausstattung an Missionen genau darauf gespechtet. Aber ein Spiel muss schon noch erstmal überhaupt was taugen, um an der Schaffung eigenen Materials dazu - seien es Missionen und/oder Mods - auch nur einen Funken Interesse zu entwickeln.

Amco 18 Doppel-Voter - P - 12392 - 16. April 2012 - 13:39 #

Ich habs mir gekauft und hab bis jetzt spass gehabt.

RyMosh 13 Koop-Gamer - P - 1251 - 16. April 2012 - 16:50 #

"Mangels Konkurrenz".

Spontan ist mir dieser Titel eingefallen, auf den ich kürzlich aufmerksam wurde. Macht einen vielversprechenden Eindruck:

http://www.warfaresims.com/?page_id=1101