Test: Benzin im Blut

Nail'd Test

Ladies and Gentleman, bitte klappen Sie ihr Tablett hoch und bringen Sie die Sitzlehne in eine aufrechte Position. GamersGlobal hebt gleich ab -- mit dem verrücktesten Rennspiel, das es je auf dem PC gegeben hat. Ein Spiel für Typen, die Benzin ins Müsli kippen und ihren Kaffee mit Lachgas süßen. Das klingt gewagt? Lest selbst...
GG-Redaktion 3. Dezember 2010 - 19:35 — vor 6 Jahren aktualisiert
PC
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von Benjamin Kratsch

Nicht schon wieder dieser Pöbel! Das verdammte Fahrerfeld! Diese Halbstarken auf ihren Viertaktern! Wie sie drängeln und schubsen, als wir gerade den Turbo reinhauen und abheben wollen in Richtung Wolken. Es wird ein sehr langer Flug ins beeindruckend gestaltete Tal des Yosemite Nationalparks. Ein Flug über Jahrhunderte alte Bäume, vorbei an der einen oder anderen Boeing 747.

Was sich hier nach einem spaßigen Fun-Racer ohne viel Anspruch anhört, entpuppt sich schnell als eine Schlacht ums Überleben, denn Nail’d, das neueste Werk des Entwicklers Techland, ist vor allem verdammt schnell. Verdammt abgefahren. Und verdammt schwer. Stellt euch einfach eine Mischung aus Trackmania und Pure vor, in der die halsbrecherische Geschwindigkeit und hundertprozentig erforderliche Präzision von ersterem Spiel auf die enorm weiten Sprünge durch die Walachei des zweiten treffen -- dann habt ihr einen ungefähren Eindruck davon, was euch in Nail'd erwartet. Wir haben die Herausforderung angekommen und verraten euch in unserem Test, ob diese Mischung Spaß macht.

Das Banner rechts im Bild verrät es: In Nail'd erwarten euch spektakuläre und actiongeladene Rennen, die euren Adrenalinspiegel in die Höhe schnellen lassen.

Das Spieldesign: Arcade pur

Nail’d  zeigt, wie gutes Arcade-Spieldesign auszusehen hat. Es nimmt euch den ganzen unnötigen Ballast ab, mit dem ihr euch als Rennspieler sonst für gewöhnlich herumärgern müsst. Realistische Fahrphysik? Gibt’s in Gran Turismo 5. Nachvollziehbares Schadensmodell? Kommt irgendwann per Patch in Gran Turismo 5. Und die Schwerkraft wird ohnehin überschätzt. Nail’d ist ein Spiel, dass euch einfach nur die Sachen machen lässt, die Spaß machen. Konkret heißt das, in Quad-Rennen wie ein Berserker über halsbrecherische Strecken zu brettern und dabei Gas zu geben, bis die Hölle brennt. Sofort nach dem Start eines Rennens habt ihr den Tunnelblick, diverse Weichzeichner und Verschwischeffekte verstärken den Speedkick zusätzlich. Mit gefühlten 300 km/h jagen wir durch die Schluchten der Canyons von Arizona, die Berghänge der Anden entlang, durch Täler in Griechenland oder durch Waldgebiete im Yosemite Nationalpark.
Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein... -- Was heißt hier "muss"? Nail'd zeigt, dass dem so ist!

Auch Sägewerke, Bauruinen, Heißluftballons und andere Objekte zieren den Wegesrand. Versteckte Abkürzungen und zahlreiche wählbare Routen überraschen obendrein immer wieder aufs Neue und tragen zum Wiederspielwert der Strecken bei. Klippen, Sprungschanzen und Berghänge lassen euch -- genügend Geschwindigkeit vorausgesetzt -- wie eine Kanonenkugel im hohen Bogen durch die Luft schießen. Wenn ihr dann wieder sauber auf allen vier Rädern landet, durch brennende Tore rast, Gegner in der Luft anrempelt oder mutig und mit Vollspeed in eine Kehre driftet, erhaltet ihr einen Boost-Bonus. Diesen könnt ihr dann auf Knopfdruck entladen, was euch einen gewaltigen Geschwindigkeitsschub beschert. Dann wird der Bildschirm leicht gräulich, die Sicht verengt sich und alles verschwimmt -- wahnsinn! Das fühlt sich fast so an wie Burnout, nur eben mit verdreckten Quads und Bikes, statt mit blitzeblank poliertem Lamborghini Galardo.

Schwierigkeitsgrad: nichts für Warmduscher

Nail’d ist ein Rennspiel, das vor allem den Profi ins Visier nimmt. Daran ändern auch das gut gemachte Tutorial und die drei Schwierigkeitsgrade nichts. Während Pure bei einem falschen Absprungwinkel in der Luft leicht eure Flugbahn korrigiert, damit ihr nicht irgendwo in die Pampa kracht, ist Nail’d absolut gnadenlos. Egal ob bewusst platzierte Hindernisse oder harmlose kleine Felsbrocken: Hier wird jeder falsche Absprung mit einem fiesen Crash bestraft. Das Zurücksetzen auf die Fahrbahn hingegen erfolgt erstaunlich schnell. Unfälle fallen dadurch nicht allzu stark ins Gewicht, meist verliert ihr nur ein oder maximal zwei Plätze, die sich mit einem geschickt eingesetzten Turboboost wieder aufholen lassen.

Schnell sind übrigens auch die Ladezeiten: Gerade einmal ein Fingerschnippen dauert es, um ein Rennen neu zu starten -- zumindest auf dem PC, denn die Konsolenversionen lagen uns für den Test nicht vor. Ärgerlich ist dafür die Gummiband-KI, die selbst bei fehlerfreiem Fahren das Abhängen der Konkurrenz unmöglich macht. Das hat schon das aktuelle Need for Speed Hot Pursuit Punkte gekostet.

Hier seht ihr die Matsch-Effekte, die eure Sicht stark eingrenzen. Das kümmert uns allerdings wenig -- wir heizen weiterhin mit Vollgas in Richtung "Saurons Auge"...
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