Test: Solides Action-MMO

Mythos Test

Nach all den Jahren ist das Hellgate-Schwesterlein flügge geworden. Doch was nichts kostet, taugt auch nichts? Nach unseren Ausflügen in die Welt von Uld können wir dieses Vorurteil nicht bestätigen. Eine Revolution des Action-RPG-Genres sucht man in Mythos zwar vergeblich, dennoch macht das Questen, Metzeln und Sammeln richtig Laune.
Florian Pfeffer 11. Mai 2011 - 21:04 — vor 9 Jahren aktualisiert

Alle Screenshots im Artikel wurden von uns selbst erstellt, wie bei fast allen Tests und vielen Previews.

Die Zeit: Herbst 2007. Der Ort: London. In der englischen Hauptstadt öffnen sich wie aus dem Nichts zahlreiche Tore zur Hölle, aus denen allerlei untotes Gesocks strömt und die Stadt in Schutt und Asche legt. Der Widerstand, der sich in verlassenen Metro-Schächten organisiert, kann sich in der echten Welt jedoch nicht lange halten: Viel zu wenig Humanoide sind bereit, bare Münze in schlagkräftige Waffen und Munition zu investieren. Die Finanzkrise am Rüstungsmarkt kommt den Untoten entgegen und die Stadt an der Themse wird endgültig von den Zombies überrannt. Ein paar Jahre später ist Hellgate: London vom ambitionierten Studio Flagship quasi in Vergessenheit geraten, die Ghouls sehen gelangweilt davon ab, wie geplant weitere Tore in anderen Metropolen zu öffnen.
 
Nein, ihr habt nicht auf den falschen Link geklickt, der Testbericht über Mythos beginnt in wenigen Sekunden. Die Vorgeschichte von Mythos ist nun einmal untrennbar mit Hellgate: London verbunden, das dereinst das Aushängeschild von Bill Ropers Flagship Studios werden sollte -- und an diesem Ziel nach gut einem Jahr scheiterte. So wie Portal einst als Anhängsel zu Half Life 2 begann, erblickte auch Mythos damals schon kurz das Licht der Welt, ursprünglich als Testprogramm für den Netzwerkcode von Hellgate: London gedacht. Nach dem Ende der Flagship Studios wurde auch Mythos auf Eis gelegt und die zuständige Entwicklergruppe rund um Travis Baldree gründete ein neues Studio namens Runic Games, das ein anderes wohlbekanntes Spiel veröffentlichte, das in die gleiche Kerbe schlägt: Torchlight. Derweil landeten die Rechte an den Flagship-Spielen beim koreanischen Publisher Hanbitsoft, der Mythos fertig entwickeln ließ und nun auch auf den deutschen Markt bringt.

Die Dörfer sind instanziert. Wir befinden uns im "Steinhügelmarkt-3", können aber über den Button rechts oben in eine andere Dorfinstanz wechseln. Vorteil: Es rennen begrenzt viele andere Helden umher, "Händler-Pulks" gibt es kaum.
Appetitliche Standardkost
Mythos kann seine Wurzeln auch nicht verleugnen; man merkt dem MMO an vielen Stellen an, dass es gerne das bessere Diablo oder zumindest das bessere Torchlight sein möchte. Um eines vorwegzunehmen: Es erreicht weder Diablo, was dessen fesselnde Spielwelt und die Sucht nach immer neuen Items betrifft, noch Torchlight, wenn es um dessen niedliche Grafik im Comiclook geht. Dennoch ist Mythos beileibe kein schlechtes Spiel und kann sogar mit einigen netten eigenen Ideen aufwarten.

Über diesen Automaten lösen wir Gutschein-Codes ein.
Die Spielmechanik ist schnell zusammengefasst: Ihr rennt durch eines der zahlreichen Dörfer, um euch mit Quests und Ausrüstung einzudecken. Dann geht es durch ein Portal ab in einen Dungeon, in dem erstaunliche Mengen an lebenden, un- und halbtoten Viechern auf euch einströmen. Sie müsst ihr dahinmetzeln, bevor der Weg zum jeweiligen Endboss frei ist. Am Anfang werdet ihr die Gegner zumeist noch ganz gut im Alleingang ins Je
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nseits befördern können, später empfiehlt es sich, euch einer Gruppe anzuschließen und gemeinsam in die Tiefen zu ziehen. Auch Gilden hat Mythos im Angebot, deren Gründung ist allerdings – zumindest für niedrigstufige Helden – verhältnismäßig kostspielig.
Ohne Geld gut spielbar Die gute Nachricht für Sparfüchse: Mythos ist zunächst einmal komplett kostenlos. Ihr könnt den Client herunterladen und euch einen Account erstellen, ohne dass ihr zur Kasse gebeten werdet. Über einen Itemshop hofft der Publisher, die Kosten für Entwicklung und den Betrieb der Server wieder einzunehmen. Ein Konzept, das beispielsweise bei Runes of Magic gut funktioniert. Auch eine Verkaufsversion mit richtiger Schachtel steht für ca. 10 Euro in den Läden – damit bekommt ihr nicht nur den Spielclient auf DVD, sondern auch ein paar Extras wie 200 Identifikationszauber, zusätzlichen Inventarplatz und ein (gewollt ziemlich hässliches) Pet, das euch einen Glücksbonus auf gute Item-Drops verschafft.  Der Code dafür wird über einen niedlichen Gutschein-Automaten eingelöst, der ratternd in einer der Hauptstädte der Spielwelt bereitsteht.

Die Smaragdhöhlen sind eine seltene Ausnahme zu dem allzu oft fast identischen Dungeon-Design.
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