Mosaic

Mosaic Test+

Monotonie des Alltags

Dennis Hilla / 23. Januar 2020 - 18:37 — vor 48 Wochen aktualisiert
Steckbrief
iOSLinuxMacOSPCPS4SwitchXOne
Adventure
12
Krillbite Studio
Krillbite Studio
01.11.2019
Link

Teaser

In dieser ungewöhnlichen Irgendwie-Lebenssimulation wird uns auf kreative Weise die Belanglosigkeit unseres Daseins vorgehalten. Kann aus diesem deprimierenden Ansatz ein gutes Spiel entstehen?
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Alle Screenshots und Videoszenen stammen von GamersGlobal

Mit Mosaic wollen die Krillbite Studios (Among the Sleep) euch und scheinbar der gesamten Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Los geht es bei dem niedergeschlagenen Hauptcharakter, der sich jeden Tag zu einem Job schleppt, den er hasst. Warum? Um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und sich als Bonus sinnbefreite Dinge zu leisten, die er nicht braucht. Sein wichtigster Begleiter und fest in den Tagesablauf eingebunden ist sein Smartphone. Die Grundprämisse klingt also gar nicht so fern von dem, was man als ein im Jahr 2020 lebender Mensch kennt.

Allerdings gehen die Entwickler noch ein Stück weiter mit der finsteren Darstellung der Neuzeit. Die gesamte Stadt in Mosaic ist kameraüberwacht, Privatsphäre scheint ein Fremdwort zu sein. Passend zu diesem tristen Gesamtbild ist der reduzierte Low-Poly-Look, der noch minimalistischer als beispielsweise in State of Mind daherkommt. Bei all den Referenzen auf die aktuelle Zeit und der ganzen Sozialkritik handelt es sich bei Mosaic aber immer noch um ein Videospiel, das von der Idee her an die Indie-Perlen Inside, Limbo oder Far – Lone Sails erinnert. Aber kann es auch mit diesen mithalten?
Bloß nicht mit den Kollegen tratschen, auf dem Weg zum Arbeitsplatz lieber eine Runde Blip Blop spielen!
 

Der tägliche Gang

Morgens klingelt der Wecker, aber aufzustehen, darauf hat man nicht wirklich Lust. Dieses Gefühl kennt sicherlich jeder und hat es gelegentlich, sobald der tägliche Gang zur Qual wird, sollte man aber etwas dagegen unternehmen. Der Hauptcharakter von Mosaic flüchtet sich als Ausgleich in seine Fantasie und sein Smartphone.

Gelegentlich warten aber auch Highlights am Wegesrand, die das Standardprozedere etwas weniger schlimm erscheinen lassen. Beispielsweise ein hübscher gelber Schmetterling, den ihr als Spieler sogar selbst steuern dürft. Oder ihr macht einen Schlenker über den Park und trefft auf einen Saxofonspieler, der etwas Farbe in die sonst sehr triste Welt bringt und eurem Protagonisten ein paar wertvolle Sekunden der Ruhe spendiert. Mosaic lässt euch aber nie wirklich die Wahl, was ihr gerade tut, der Ablauf ist strikt linear gehalten. Die kleinen Abwechslungen am Wegesrand zu umgehen ist fast unmöglich.
Dieser freundliche Mann und sein Saxofon bringen Farbe in den tristen Tag meines Protagonisten.
 

Das Smartphone, mein Freund

Abgesehen von den Tagträumen dürft ihr in fast jeder Situation euer treues Handy aus der Tasche ziehen und Nachrichten lesen oder euch mit diversen Apps beschäftigen. Einen echten Sinn hat das nicht, ihr schlagt damit lediglich etwas Zeit tot, wenn ihr wortlos neben euren Nachbarn im Aufzug steht oder in Richtung Arbeit trottet.

Beispielsweise ist das Klicker-Spiel Blip Blop vorinstalliert. Wie bei den realen Genrekollegen müsst ihr auch bei dem Spiel im Spiel einfach so oft und so schnell wie möglich auf eine Schaltfläche drücken, um euren Punktestand nach oben zu treiben. Habt ihr genug auf dem Konto, kauft ihr euch Verbesserungen, so dass ihr beispielsweise mehr Punkte mit einem Klick verdient. Durch Scannen einer Plakatwand könnt ihr auch eine Art Tinder installieren und so auf virtuelle Schürzenjagd gehen, Erfolg werdet ihr damit allerdings nie haben.
Ein ganz normaler Tag im Büro: Sechseckige Kästen sollen verbunden werden, um irgendwelche Meilensteine zu erreichen.
 

Zocken auf Arbeit

Die einzigen Momente, in denen so richtig Gameplay in Mosaic auftaucht, sind die im virtuellen Büro. Denn um eure „Meilensteine“ zu erreichen müsst ihr eine Art Puzzle angehen. Ihr verbindet sechseckige Kästen miteinander und sollt diese zu einer Art Turm formen, sobald ihr mit diesem das obere Ende der Skala erreicht habt, ist der Arbeitstag erfolgreich beendet. Doch auch wenn diese Mechanik an sich sehr nett ist, ging sie mir bereits beim dritten Mal gehörig auf den Keks. Aber vermutlich ist das genau der Effekt, den die Entwickler erzielen wollten.

Auf musikalischer Seite ist Mosaic sehr zurückhaltend. Nur in besonderen Situationen wird der Klangteppich richtig ausgeklopft mit smoothen Jazz- oder Electrostücken. Ärgerlich fand ich, dass trotz der reduzierten Grafik immer wieder heftige Nachladeruckler aufgetreten sind. Und das, obwohl ich auf der Xbox One X getestet habe. Die zum Vergleich herangezogene PC-Version hatte diese Probleme zumindest nicht in dieser starken Form.

Autor: Dennis Hilla (GamersGlobal)

 
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Meinung: Dennis Hilla

Ich bin in der glücklichen Situation, einen Job zu haben, den ich gerne mache und zu dem ich mich nicht prügeln muss. Allerdings sind mir die Probleme meines deprimierten Protagonisten in Mosaic nicht fremd, auch ich musste mich schon in Büros schleppen und hatte jeden Morgen damit zu kämpfen, mich überhaupt zu motivieren. Auf Story-Ebene konnte mich das Spiel von Krillbite also komplett abholen und auf einer gewissen Ebene sogar berühren. Hier liegt auch die große Stärke von Mosaic, die Präsentation ist rundum stimmig und zieht einen regelrecht mit in den Sog aus Langeweile, Einsamkeit und Verzweiflung.

Hin und wieder schlich sich bei mir aber der Gedanke ein, Krillbite könnte diese Punkte etwas zu gut eingefangen haben. Ich habe mich immer wieder dabei ertappt, wie ich das virtuelle Smartphone gezückt und Blip-Blop gespielt habe, weil der monotone Gang zum Arbeitsplatz mir doch zu stumpf wurde. Auf Gameplay-Seite bietet Mosaic kaum etwas und ist vielmehr als interaktive Geschichte mit Themen, die schwer im Magen liegen, zu verstehen. Wenn ihr für storygetriebene Spiele empfänglich seid und zwei bis drei Stunden entbehren könnt, dann riskiert ruhig einen Blick. Denn auch ohne großen Wiederspielwert ist Mosaic eine interessante Reise, die aber auch genau daran krankt, was sie selbst verteufelt: der Langeweile.
 
Mosaic XOne
Einstieg/Bedienung
  • Simpelste Steuerung
  • Charakter bleibt gerne an der Wand hängen
Spieltiefe/Balance
  • Interessante Story rund um die Sinnlosigkeit des Seins
  • Monotonie des Alltags wird perfekt eingefangen
  • Witzige Idee des Smartphones im Spiel
  • Blip Blop als funktionsfähiger Klicker
  • Auflockerung durch Minispiel "im Büro"
  • Gut eingefangene Atmosphäre der ständigen Überwachung
  • Keinerlei Zeit- oder anderer Druck
  • Kaum Abwechslung bei den Gebieten
  • Auch wenn vermutlich Absicht: Langeweile kommt auf
  • Weniger Spiel als interaktive Story
  • Nicht unbedingt subtile Erzählweise
  • Sehr kurz (maximal 3 Stunden)
Grafik/Technik
  • Hübscher Low-Poly-Look, der Atmosphäre unterstreicht
  • 4K-Unterstützung
  • Immer wieder starke Ruckler (Xbox One X)
Sound/Sprache
  • Gute deutsche Übersetzung
  • Dezente, passende Musik
  • Teilweise zu ruhig
Multiplayer

Nicht vorhanden
 
6.5
Userwertung7.2
Mikrotransaktionen
Nur auf eurem virtuellen Smartphone
Hardware-Info
 
Eingabegeräte
  • Maus/Tastatur
  • Gamepad
  • Lenkrad
  • Anderes
Virtual Reality
  • Oculus Rift
  • HTC Vive
  • Playstation VR
  • Anderes
Kopierschutz
  • Steam
  • Kopierschutzlose GoG-Version
  • Epic Games Store
  • uPlay
  • Origin
  • Hersteller-Kontoanbindung
  • Ständige Internetverbindung
  • Internetverbindung beim Start
Dennis Hilla 23. Januar 2020 - 18:37 — vor 48 Wochen aktualisiert
Dennis Hilla Redakteur - P - 151437 - 23. Januar 2020 - 18:38 #

Viel Spaß beim Lesen, Hören oder Schauen - Nicht nur auf dem Smartphone ;)

Alain 20 Gold-Gamer - P - 21559 - 23. Januar 2020 - 19:43 #

Auf dem Smartphone auf dem Arbeitsheimweg gesehen...

Und weitreichende schöner Anfang mit r Rolltreppe. Hört sich nicht uninteressant an. Fühlt sich aber bei der Beschreibung und dem Bildern von Video eher nach einem Switch Spiel an.

Alain 20 Gold-Gamer - P - 21559 - 23. Januar 2020 - 21:51 #

Ach gibt es ja für Switch... Hat da jemand Erfahrung ob es da auch Performance Problemen kommt?

Olphas 25 Platin-Gamer - - 62134 - 23. Januar 2020 - 19:01 #

Gut, das Spiel muss ich jetzt nicht spielen, auch wenn die Intention sicher gut erreicht wird.

Aber ich möchte loswerden, dass ich den Anfang des Videos mit der Rolltreppe clever gemacht finde :)

AufeinemBaum 12 Trollwächter - P - 1055 - 23. Januar 2020 - 19:29 #

Das finde ich auch, hehe. Allgemein sind Dennis' Einführungen immer recht unterhaltsam. Daumen hoch!

Noodles 26 Spiele-Kenner - P - 67430 - 23. Januar 2020 - 19:35 #

Auch wenn es nicht der Hammer ist, find ich es doch interessant genug, um es selbst spielen zu wollen. :)

Slaytanic 25 Platin-Gamer - - 59682 - 23. Januar 2020 - 21:21 #

Ja, mein Interesse wurde auch geweckt. ;)

rammmses 21 AAA-Gamer - - 27504 - 23. Januar 2020 - 20:07 #

Das würde ich schon gerne spielen, aber wohl doch eher ein Sale-Kandidat.

Sven Gellersen 23 Langzeituser - - 40987 - 23. Januar 2020 - 20:47 #

Interessant.
Die „Moral der G'schicht'“ könnte mir etwas zu holzhammermäßig aufgetischt sein und dass die Auflockerungen des tristen Alltags nicht zufällig entdeckt werden können, finde ich ausgesprochen misslungen ... so geht der angestrebte Effekt etwas verloren.
Stimmig und hübsch finde ich die reduzierte optische Präsentation.
Wenn ich es kaufen sollte, dann wohl eher im Sale.

vgamer85 21 AAA-Gamer - - 27429 - 23. Januar 2020 - 20:58 #

Wertung sagt wohl kein Pflichttitel. Kann ich beruhigt auslassen ^^ Vielen Dank für den Test.

iYork 18 Doppel-Voter - 9513 - 24. Januar 2020 - 2:53 #

Kann ich da Blip Blop so lange spielen wie ich will?

Dennis Hilla Redakteur - P - 151437 - 24. Januar 2020 - 7:43 #

Solange du das Spiel nicht beendest darfst du das, ja. Also du kannst quasi in einer Szene verweilen und blip-blopen solange du magst.

Drapondur 30 Pro-Gamer - - 150516 - 24. Januar 2020 - 19:53 #

Du kannst es wohl auch als eigenständige App runterladen.

Admiral Anger Freier Redakteur - P - 78146 - 24. Januar 2020 - 10:45 #

Vom Look und Setting her erinnert mich das Spiel ein wenig an den Kurzfilm "More":
https://www.youtube.com/watch?v=cCeeTfsm8bk

TSH-Lightning 25 Platin-Gamer - - 55614 - 24. Januar 2020 - 16:49 #

Klingt mir alles zu sehr depri. Wenn ich mich runterziehen lassen will, dann schaue ich lieber 13 Reasons Why.

Drapondur 30 Pro-Gamer - - 150516 - 24. Januar 2020 - 19:55 #

Ziemlich depri aber auch interessant. Ich setze es mal auf die Wishlist.

TheRaffer 22 Motivator - P - 32660 - 28. Januar 2020 - 19:00 #

Ich verstehe die Intention, aber das ist dennoch nichts was ich spielen möchte...

Ganon 26 Spiele-Kenner - - 68700 - 31. Januar 2020 - 13:47 #

Nee, lass mal. Ich nutze Spiele, um den tristen Alltag zu entfliehen, nicht um ihn auch noch nachzuspielen...