Test: Erschlagendes Angebot

Modern Warfare 3 MP Test

Das erste Gefecht ist vorüber, der Krieg aber noch nicht entschieden! Im Solomodus übertrumpfte Modern Warfare 3 den etwas früher gestarteten Konkurrenten Battlefield 3 deutlich. Doch wie sieht es im Multiplayer-Modus aus? Nachdem wir gut eine Woche unter realen Bedingungen gespielt haben, lest ihr nun unseren Test.
Christoph Licht 13. November 2011 - 21:00 — vor 8 Jahren aktualisiert
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von Daniel Wendorf

Alle Screenshots wurden von uns angefertigt.

Katastrophe auf dem Schlachtfeld! Als Private John Doe hocken wir irgendwo im Matsch und beten, die nächsten Sekunden überleben zu können. Eine Kugel nach der anderen pfeift knapp an uns vorbei, die nächtliche Stadt wird durch Mündungsfeuer erhellt. Ein Schusswechsel würde unsere Position unweigerlich verraten – wir wären so gut wie tot. Bloß nicht bewegen, kein unnötiges Risiko eingehen, nicht die eigene Statistik noch mehr verschlechtern! 
 
So wie es etwa Sergeant Oberlippenbart tut, der als Mensch gewordener Lemming den feindlichen Streitkräften ein ums andere Mal in die Arme läuft und sich ins Jenseits ballern lässt. Die hysterischen Schreie unseres Scharfschützen lassen wir über uns ergehen, er beschwert sich ja auch nur, dass dieses „Team“ haushoch verliert. „Eroberung“ nennt sich der Spielmodus, den wir zocken, aber davon kann keine Rede sein. Statt Flaggen zu erobern und für deren Halten Punkte zu kassieren, kommt es gerade nur darauf an, das Fiasko noch ein wenig hinauszuzögern. Dann vermeldet ein Schriftzug „Sie haben verloren“. Das Leiden hat ein Ende und wir ziehen ein erstes Fazit: Unser Team ist keine Armee, das ist ein kopfloser Hühnerhaufen!
Eine bliebte Taktik: Campen und darauf warten, dass einem ein Gegner vor die Flinte läuft.

Spielspaß von der ersten Minute an?
Modern Warfare 3 macht es dem geneigten Spieler in den ersten paar Stunden wahrlich nicht leicht, den Mehrspielerteil zu mögen. Erschlagen von der Vielfalt an Spielmodi stürzten wir uns Kopf über Hals in die Action und wurden zunächst gnadenlos enttäuscht. Vergleiche mit Battlefield 3 drängen sich sofort auf. So zwingt uns der DICE-Shooter, von Beginn an taktisch vorzugehen und als Team zu agieren, um gewisse Punkte der Karte zu erreichen und zu halten (Spielmodus „Eroberung“) oder die feindliche Streitmacht zum Rückzug zu zwingen (Spielmodus „Rush“). Schon nach wenigen Augenblicken fühlt man sich dort als Teil einer gemeinsamen Schlacht, die es zu gewinnen gilt.
 
Die Abschusskamera zeigt euch eure letzten Sekunden vor dem Ableben aus der Sicht des Angreifers. Profis klicken sie weg...
Obwohl Modern Warfare 3 die gleichen Spielmodi unter anderem Namen anbietet (und noch viel mehr), ist das Geschehen auf dem Schlachtfeld zunächst eher panischer Natur und appelliert an die 90er-Jahre-Actionhelden, die im Alleingang ganze Feindesnester ausräuchern. So zumindest unser Eindruck vor und kurz nach Release: kein gemeinsames Vorgehen, sinnloses Geballere, zu allem Überfluss wahllos gesetzte Respawn-Punkte. Wo Battlefield 3 klar und nachvollziehbar mehrere Wiederbelebungspunkte pro Karte anbietet und zusätzlich den so genannten Squad-Spawn bei einem befreundeten Mitspieler, führt das MW3-Prinzip bald zu frustrierenden Erlebnissen: Kaum wieder im Spiel, dürfen wir mit allerlei Blei im Körper wieder die Reise über den Jordan antreten und unser Glück im nächsten Wiedereinstieg versuchen. Und im nächsten.
 
Viele Spielstunden später – nach dem offiziellen Release Anfang dieser Woche musste offensichtlich erst etwas Zeit vergehen – hat sich das Blatt gewendet. Obwohl wir dieselben Spielmodi auf denselben Karten wie am Montag (oder Teile der Redaktion seit letzter Woche) spielten, ist das Schlachtfeldgeschehen nun nachvollziehbarer. Das liegt an unseren gewachsenen Kenntnissen, vor allem aber auch an der insgesamt größeren Kompetenz der Spieler. Hier und da taucht immer noch der Ego-Rambo auf, der wild um sich schießt. Aber nur für Sekundenbruchteile – dann sind seine Lebenslichter erloschen, der Gegner bedankt sich für den geschenkten Abschuss. Falls der hobbymäßige Supersoldier lernfähig ist, wird er bald seinen Beitrag zum Teamerfolg beisteuern. Falls nicht, so unsere Erfahrung, wird er vom Team freundlichst gebeten, seiner Schießwut in privaten Matches Luft zu verschaffen.

Bewährte Kost und Custom-Klassen
Modern Warfare 3 erfindet nichts neu – wozu auch? Schon der erste Teil von 2007 war in Sachen schnelle Multiplayer-Partien nahezu perfekt und bot Neueinsteigern wie auch Shooter-Veteranen intensive Gefechte. Für wochenlange Motivation sorgt auch diesmal das Rangsystem. Jeder Abschuss, jede gelungene Aktion wie etwa eine Flaggeneroberung und jedes gewonnene Match bringt euch Erfahrungspunkte, am Ende jedes Spiels seht ihr die Rangliste aller Akteure. 80 Ränge gibt es, und praktisch jeder schaltet irgendetwas frei. So bekommt ihr Zugriff auf zusätzliche Spielmodi, Waffen, Fähigkeiten und Ausrüstungsgegenstände. Selbst Spieler mit nur mäßiger Begabung schalten alsbald die ersten Upgrades frei und werden so ein wenig konkurrenzfähiger. Denn obwohl die Designer anderes behaupten, macht es sehr wohl einen Unterschied, ob ihr dank freigeschalteter Perks schneller zielen o
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der mit angelegter Waffe schneller rennen könnt – von getunten Waffen ganz zu schweigen. Übrigens leveln auch eure Waffen auf, sodass ihr einen echten (kleinen) Vorteil habt, wenn ihr euch ein paar Lieblingswaffen erwählt, statt ständig herumzuwechseln.
 
Im Gegensatz zu Battlefield seid ihr nicht zwangsläufig an die fünf vorgefertigten Klassen gebunden, sondern dürft euch schon nach wenigen Rang-Aufstiegen in einem umfangreichen Editor eigene Soldatenkategorien kreieren, mit denen ihr dann über die Karten hirscht. Je höher euer Rang, desto mehr Optionen habt ihr bei den Custom Classes beziehungsweise deren Ausrüstung. Dabei ist es keineswegs nur mit der Auswahl der eigenen Waffen getan – neben den Primär- und Sekundärkalibern wählt ihr zudem eure bevorzugten Wurfgeschosse und drei Extra-Fähigkeiten. Dazu kommen noch Angriffspakete und Einstellungen für die "Tötungsserien" (Kill Streaks). Gerade die Extra-Fähigkeiten sind das Salz in der Suppe: Je nach Rang könnt ihr euer Alter Ego für die Luftunterstützung des Gegners unsichtbar machen, seid resistenter Sprengstoffen gegenüber oder ladet schneller nach.
Wer mit Panzern fahren möchte, der muss um Modern Warfare 3 einen großen Bogen machen. Hier kämpft nur die Infanterie.
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