Test: Meister seiner Klasse

Modern Warfare 3 Test

Alle Jahre wieder kommt ein Call-of-Duty-Spiel. Und entgegen den Erwartungen (beziehungsweise analog zu den Befürchtungen) vieler Hateboys finden wir auch den aktuellen Teil wieder klasse. Lest über eine fulminante Solo-Kampagne, spannende Spec Ops und das Wichtigste zum Multiplayer-Modus. Dabei vermeiden wir unnötige Story-Spoiler!
Jörg Langer 8. November 2011 - 10:00 — vor 8 Jahren aktualisiert
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Solltet ihr zu den wenigen Lebewesen auf dem Planeten Erde gehören, die 2009 die Story von Modern Warfare 2 in ihrer Gänze verstanden haben, wollen wir euch hiermit beglückwünschen! Uns ging das nämlich ganz anders: Weder verstanden wir die Hälfte der Zeit über, wen wir gerade spielten, noch wieso oder warum an genau diesem Schauplatz. Auch die berühmte "Flughafenmassaker-Szene" konnten wir nicht so recht einordnen: Nach einem solchen Vorfall glauben die Russen sofort, Amerika stünde dahinter, und greifen die militärische Supermacht Nummer 1 (und das auch noch erfolgreich) an? Wer hat sich sowas nur ausgedacht?
 
Unter anderem wohl jene fünf (sprich: alle) MW2-Autoren, die 2010 mit gut der Hälfte der damaligen Kreativ-Belegschaft den beiden im Streit gehenden Infinity-Ward-Chefs Jason West und Vince Zampella zu deren neuer Firma Respawn folgten. Der Aderlass scheint der Serie jedoch nicht geschadet, sondern sogar gut getan zu haben: Modern Warfare 3 erzählt seine Story deutlich besser, vermeidet allzu exzessive Moorhuhnszenen und bietet obendrauf hochspannende, auch für Solisten spielbare Spezialeinsätze. Es schließt zudem die Story der Trilogie ab – ein Modern Warfare 4 ist zwar so sicher wie das Amen in der Kirche, aber die Story wird einen Neuanfang benötigen. Am eigentlichen Grundprinzip hat sich jedoch nichts geändert: Ihr werdet fünf bis sieben Stunden lang (je nach Schwierigkeitsgrad) von einem Highlight zum nächsten getrieben – Entscheidungen treffen oder taktisches Vorgehen ist in der Kampagne niemals gefragt.
 
Neben dem Solo-Feldzug stellen wir euch auch den Survival- und Spec-Ops-Part ausführlich vor und erklären das Wichtigste zum Mehrspieler-Modus. Letzteren werden wir dann jedoch – da er einen sehr umfangreichen, eigenen Programmteil darstellt – in einem getrennten Artikel in einigen Tagen noch mal genauer behandeln und auch erst dann bewerten.
 
Sogar unterwasser erlebt ihr einen kurzen Teil-Einsatz, der allerdings spielerisch eher dürftig bleibt.

Verteidigung des Westens
Spoiler: Solo-Kampagne
1. New York Stock Exchange, als Frost
2. Küste von Manhattan, als Frost
3. Indische Stadt, als Yuri (mit Price und Soap)
4. Russische Präsidentenmaschine, als Harkov
5. Sierra Leone, als Yuri
6. Londoner Docks, als Burns
7. Hamburg, als Frost
8. Boosaaso, Somalia, als Frost
9. Paris, als Frost
10. Paris, als Frost
11. Prag, als Yuri
12. Prag, als Yuri
13. Burgfestung bei Prag, als Yuri
14. Berlin, als Frost
15. Russische Diamantenmine, als Frost
16. Luxushotel in "Dubai", als Price
Das Böse trägt den Namen Makarov: Dieser russische Menschenhasser hat schon seit Modern Warfare 1 seine Finger im üblen Spiel von Terrorismus und internationalen Krisen. In Modern Warfare 2 brachte er die Russische Föderation mit einem Trick dazu, die USA zu überfallen, und in Teil 3 will er sein Werk, die Weltherrschaft, vollenden. Der Handlungsbogen von Modern Warfare 3 spannt sich über 16 Kapitel und wenige Tage; in den meisten Missionen tretet ihr als Delta-Force-Elitesoldat Derek Westbrook ("Frost") an, in mehreren auch als "guter Russe" Yuri. Einmal übernehmt ihr die Rolle des britischen SAS-Manns Marcus Burns, einmal die des FSO-Agenten (und Leibwächter des russischen Präsidenten) Andrej Harkov, und in der letzten Mission schlüpft ihr in die Rolle eines alten Bekannten. Ab und zu springt ihr auch in die Rolle eines Bordschützen, der von weit oben Ziele am Boden eliminiert.
 
Da es dieses Mal einen klaren Plot gibt, wisst ihr immer, was ihr gerade warum tun sollt – eine deutliche Verbesserung zur wirren Kampagne des Vorgängers. Spielbare Rückblenden gibt es, anders als in Black Ops, nicht, oder zumindest ist eure Handlungsfähigkeit darin extrem begrenzt. Wer leichte Spoiler nicht scheut, findet im Kasten rechts die Übersicht, wen ihr wo in der Kampagne spielt. Um aber zum großen Bild zurückzukommen: Die Russen setzen ihren Feldzug gegen die USA fort, New York wird belagert, und der Angriff auf Europa steht kurz bevor. Ihm voraus geht aber ein Verrat innerhalb der russischen Reihen und ein übler Massenvernichtungswaffen-Einsatz. Dann rollen die Panzer und marschieren die Bodentruppen, und Hamburg, Berlin, Paris, London sowie Prag (die ihr alle im Spiel besuchen werdet) sehen bald nicht mehr so aus, wie vorher.
 
Pausenlose Action
Hier ist was los: Die Boah-Wumms-Wow-Dichte in MW3 ist deutlich höher als in vergleichbaren Shootern.
Während Battlefield 3 kürzlich einen halbwegs realistischen Ansatz für seine Missionen wählte (Solo-Note: 8.0), dabei aber stellenweise die Highlights vergaß, geht Modern Warfare 3 in jeder Beziehung den traditonellen Call-of-Duty-Weg: Action over the top, ohne jede Rücksicht auf Wahrscheinlichkeiten (oder auch nur bekannte Bauwerke). Nachdem wir beide Spiele im Abstand von etwa einer Woche durchgespielt haben, können wir folgende Faustregel aufstellen: Was Battlefield 3 an Ideen in die ganze Solokampagne packt, bietet euch MW3 in zwei oder drei Missionen. Denn in praktisch jeder einzelnen ändern sich mittendrin die Ziele, steigt ihr plötzlich in ein Kampfgefährt, setzt einen Kriegsroboter ein oder macht sonst etwas Ungewöhnliches. Schon in der ersten Mission müsst ihr euch zunächst einmal im heftigen Straßenkampf zur New York Stock Exchange vorarbeiten, drinnen dann nach oben gelangen und snipern, danach auf den Dächern das Flak-Leitradar der Russen ausschalten und dann noch ein wenig vom Helikopter aus feindliche HINDs abballern. In Mission 2 zwingt ihr als Froschmann ein russisches Atom-U-Boot zum Auftauchen, entert dieses und kämpft euch zur Kommandozentrale vor und flieht schließlich in einem Motor-Schlauchboot durch eine Kriegsszenerie, wie sie sich Roland Emmerich in seinen feuchtesten Träumen nicht ausmalen könnte. Und in diesem Tempo geht es weiter: Jede der meist 15 bis 25 Minuten langen Missionen hat zumindest einen Tempowechsel oder eine Überraschung zu bieten, meist jedoch gleich mehrere.
 
Auch einige Schleichpassagen gehören zum Repertoire, doch ganz überwiegend gilt: Wer nachdenkt, verliert, die Devise heißt: nach vorne preschen (oder einfach einem mit dickem "Follow" gekennzeichneten Kameraden folgen), in Deckung gehen, schießen, Granaten werfen, schießen, weiterhasten, ausweichen, Granate
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zurückwerfen, schießen, weiter schießen, nachladen, schießen, rennen, schießen – und immer wieder neue Skriptereignisse auf sich einprasseln lassen. Innerhalb dieses engen spielerischen Korsetts hat sich Infinity Ward alle Mühe gegeben, euch ein abwechslungsreiches Menü zu kredenzen, und war damit erfolgreich: Den Spieler wollen wir sehen, der – bei grundsätzlichem Interesse an einem Militär-Shooter – die Kampagne beginnt und nicht in ein oder zwei Sitzungen durchspielen will! Allerdings: So leicht ist das gar nicht, zumindest wenn ihr (wie wir) auf der dritten von vier Schwierigkeitsstufen und ohne Zielhilfe antretet. Dann nämlich haltet ihr weniger Treffer aus und die Zielerfassung der Gegner erfolgt schneller, und ihr selbst schaltet (ohne Zielhilfe) beim Anlegen der Waffen nicht mehr quasi-automatisch auf den Gegner in der Nähe des Fadenkreuzes auf. An einigen Stellen, darunter in Indien, bissen wir so oft an derselben Stelle ins Gras, dass wir kurz davor waren, das unschuldige Gamepad dafür zu bestrafen, dass wir wieder im falschen Moment über die Straße gesprintet waren oder in der Aufregung eine Blendgranate vor die eigenen Füße geworfen hatten.
Packende Infanteriegefechte sind das Markenzeichen der Call-of-Duty-Serie – so auch vom neuesten Teil, Modern Warfare 3.
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