Test: M wie Mittelmaß

Metroid - Other M Test

Die Messlatte liegt hoch. Denn die Retro Studios siedelten Metroid im Jahr 2002 von 2D in 3D um - und sahnten für jedes einzelne Spiel ihrer Metroid Prime Trilogy weltweit Traumwertungen ab. Nun soll die Nintendo-Vorzeigeserie von Team Ninja erneut neu erfunden werden. Ob ihnen das mit Metroid - Other M gelingt? Wir verraten es euch.
Philipp Spilker 15. September 2010 - 22:59 — vor 9 Jahren aktualisiert
Wii
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Die Metroid-Serie im Überblick


Die Erfolgsgeschichte, die mit einem der ersten weiblichen Helden in der Computerspielgeschichte schon 1986 begann, zieht sich nun bereits über ganze 24 Jahre und machte die Metroid-Serie im Lauf der Zeit zu einem der absoluten Zugpferde von Nintendo, inkl. obligatorischer Spin-Offs wie Metroid Prime Pinball.
Die bisher erschienenen Spiele im Überblick:

1986: Metroid (NES)
1992: Metroid II - Return of Samus (GB)
1994: Super Metroid (SNES)
2002: Metroid Fusion (GBA)
2003: Metroid Prime (Gamecube)
2004: Metroid Zero Mission (GBA)
2004: Metroid Prime 2: Echoes (Gamecube)
2006: Metroid Prime Hunters (DS)
2007: Metroid Prime Pinball (DS)
2007: Metroid Prime 3: Corruption (Wii)
2009: Metroid Prime Trilogy (Wii)
2010: Metroid - Other M (Wii)

Die Erscheinungsdaten beziehen sich auf Europa.
1986 staunten viele NES-Spieler nicht schlecht: Sie hatten sich viele Stunden lang über den Planet Zebes gekämpft. Sie waren der Albtraum für Weltraumpiraten und die von diesen geklauten Metroids geworden. Metroids, die zwar putzig aussehen wie schwebende Quallen, aber dummerweise verflixt tödlich sind. Denn sie können sich an einen Wirt klemmen und diesem auf ungeklärte Art und Weise sämtliche Lebensenergie entziehen. Doch so gefährlich das auch alles klingen mag: Für NES-Spieler aus dem Jahr 1986 war das alles machbar. Denn sie waren ja schließlich nicht irgendwer. Sie waren Samus Aran. Intergalaktischer Kopfgeldjäger. Akrobatisch begabt und mit futuristischen Waffen ausgerüstet. Ohne Furcht. Eben ein knallharter Typ. Dann kam der Abspann. Samus Aran winkte dem Spieler ein letztes Mal zu, öffnete den Helm des Kampfanzugs und... entpuppte sich als Frau!

Eine Frau, die seitdem zum großen Teil Mysterium geblieben ist, obwohl sie bis dato schon zehn weitere Male die gesamte Galaxie vor dem Untergang rettete. Mit Metroid - Other M, dem zwölften Spiel der Serie, bekommt sie nun nicht nur ein Gesicht und eine Stimme, sondern auch eine Vergangenheit. Was dabei rausgekommen ist, bleibt nur leider weit hinter den Möglichkeiten zurück. Und strotzt obendrein vor ärgerlichen Designmacken.


Samus, was ist los mir dir? In Metroid Other - M fühlt sich die Weltraumjägerin im Angesicht eines Feindes, den sie in anderen Teilen schon mehrmals besiegt hat, plötzlich wie ein ängstliches Mädchen. Tiefgang? Nein, Stilbruch.

Heldin oder Memme?

Metroid - Other M ist in der Chronologie des Metroid-Universums direkt im Anschluß an Super Metroid auf dem SNES angesiedelt. Samus Aran hat den Planeten Zebes vom Metroid-Anführer Mother Brain befreit -- was ihr allerdings nur gelingen konnte, da sich ein Baby-Metroid aus ungeklärten Gründen für sie opferte. Doch viel Zeit zum Verarbeiten dieses Traumas bleibt ihr nicht: Ihre neue Mission führt sie zum Bottle Ship (Flaschenschiff), einem riesigen, offenbar führungslosen Großraumer. Dort trifft sie auch auf Soldaten der Galaktischen Föderation, von denen ihr zwei bereits aus ihrer Vergangenheit bekannt sind. Zum einen Anthony Higgs, der einer ihrer besten Kameraden in der Föderation war, zum anderen Adam Malkovich. Von ihm musste Samus Aran einst die Kommandos entgegennehmen und ihre Beziehung war stets angespannt.

Metroid - Other M spielt auf dem im Weltraum gestrandeten, riesigen Bottle Ship, auf dem so einiges im Argen liegt.
Als Samus und die Soldaten sich aufteilen, nimmt die Geschichte schnell ihren Lauf. Todesfälle häufen sich, seltsame Alienkadaver liegen überall in der Raumstation verteilt, und schon bald wird der Verdacht laut, dass die Galaktische Föderation auf dem Bottle Ship biologische Waffen entwickelt haben könnte. Und als sei das noch nicht genug:  In den Reihen der Soldaten scheint es einen Verräter zu geben, der systematisch Kameraden tötet.

So weit, so Standard. Die Geschichte von Metroid - Other M wird im Folgenden zwar noch mit einigen Plot-Twists aufwarten und für Fans den ein oder anderen Nostalgie-Moment beschwören, doch sie hilft nicht ansatzweise dabei, der Protagonistin mehr Profil zu verleihen. Ganz im Gegenteil:  Plötzlich ist Samus Aran nicht mehr die große und starke Heldin, sondern degeneriert stellenweise zum zweifelnden, weinerlichen Girlie.

Zum Beispiel tretet ihr in einem späteren Bosskampf gegen einen Gegner an, den Samus Aran im Lauf ihrer Karriere bereits mehrmals besiegt hat. Und zwar immer, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Aber hat sie in Metroid - Other M einen coolen Spruch auf den Lippen? Nein. Stattdessen fängt sie in seiner Gegenwart zu schluchzen an und verwandelt sich auf dem Bildschirm für kurze Zeit in ein kleines, ängstliches Mädchen. Wir wissen nicht, was in die Entwickler von Team Ninja gefahren ist. Aber diese Szene könnte so auch 1:1 in einem Handbuch namens "Wie zerstöre ich im Handumdrehen einen Heldenmythos?" stehen.

Der Einfluss von Team Ninja (die auch Ninja Gaiden entwickelten) wird besonders dann deutlich, wenn Samus Aran sich in einem Arenakampf wiederfindet: Auf dieser Lastenplattform muss sie gegen Gegnerhorden bestehen.
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