Devil May Cry auf Speed

Metal Gear Rising - Revengeance Test

Kein Solid Snake, kaum Geschleiche und Videosequenzen mit einer Länge von unter 30 Minuten? Dazu ein Hideo Kojima, der nur als Produzent fungiert und die Entwicklung Platinum Games überlässt? Wie viel Metal Gear steckt im Spin-off Revengeance? Wir verraten es euch in unserem Test.
Karsten Scholz 27. Februar 2013 - 19:00 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Screenhots stammen von GamersGlobal

Manche Spiele-Entwicklungen stehen vom ersten Tag an unter keinem guten Stern. Bei Metal Gear Rising - Revengeance begann der Unmut bereits auf der E3 2009. Entwicklerlegende Hideo Kojima kündigte dort den neuesten Teil des Metal-Gear-Universums an - ein reinrassiges Action-Spiel soll Metal Gear Solid: Rising werden, ohne das Rumgeschleiche in der Pampa, das Verstecken im Spind und lautloses Erledigen von Bösewichten. Stattdessen sollten die Fetzen fliegen - im wahrsten Sinne des Wortes. Ein enttäuschtes Raunen ging durch die Menge der Fans: Nicht noch eine Serie, die zur 08/15-Actionkost mutiert!

Das Murren steigerte sich als bekannt wurde, dass Raiden die Rolle des Protagonisten übernehmen sollte. Genau der Raiden, der im zweiten Metal Gear-Teil als weinerlicher Anfänger in die viel zu großen Fußstapfen von Solid Snake trat, Beziehungsprobleme mit seiner Freundin per Codec klärte und sich vom Präsidenten in den Schritt packen ließ - es sollte in diesem Zusammenhang erwähnt werden, dass das Staatsoberhaupt überrascht war, einem Mann gegenüber zu stehen. Raiden ist nicht wirklich der beliebteste Charakter im MG-Universum, diplomatisch ausgedrückt, und einzig seine durchgestylten Kurzauftritte in Metal Gear Solid 4 - Guns of the Patriots konnten für ein wenig Rehabilitation sorgen.

Platinum Games - übernehmen SieNoch düsterer wurden die Prognosen, als Kojima die Entwicklung des Spiels fürs Erste einfrieren musste, weil sein Team Schwierigkeiten damit hatte, den ungewohnten Action-Stil sinnvoll in das Spiel einzubetten. Hilfe musste her, und die kam durch das japanische Studio Platinum Games, das sich bereits mit Vanquish, Infinite Space und vor allem Bayonetta einen Namen für fulminante Action gemacht hatte.

Die deutsche Version
Metal Gear Rising - Revengeance erscheint in Deutschland komplett ungeschnitten und mit einer Freigabe ab 18 Jahren. Sämtliche Effekte sowie der Klingenmodus sind im Spiel enthalten - die Gerüchte von weißem Blut in der europäischen Version haben sich nicht bestätigt.
Im Zuge des Entwicklerwechsels bekam auch das Projekt einen neuen Namen: Metal Gear Rising - Revengeance sollte das Baby nun heißen, und die Eltern Platinum Games und Kojima Productions teilten sich die Arbeit auf. Das Team von Kojima konzentrierte sich auf die Geschichte und das Design von Raiden, die Bayonetta-Macher lieferten den Rest. Das erste Mal spielbar war der Titel auf der E3 2012, seit dem 21.2.2013 ist MGR - Revengeance in Europa erhältlich - nebenbei bemerkt: komplett ungeschnitten. Dass ein solcher Hintergrund für einen Spieletest Fragen aufwirft, ist klar. Wie viel Metal Gear steckt denn jetzt noch in MGR - Revengeance? Gelingt es Hideo Kojima mit der Hilfe des externen Studios tatsächlich, der etwas angestaubten Spieleserie frischen Wind einzuhauchen, ohne dabei gleich die Seele der Marke zu zerstören? Und rockt die Action so, wie wir es von den meisten Platinum-Games-Titeln bisher gewohnt sind? Wir geben die Antworten auf diese und weitere Fragen in unserem ausführlichen Test.

Vier Jahre nach Guns of PatriotsDie erste Version von MGR - Revengeance sollte zeitlich zwischen Metal Gears Solid 2 -Sons of Liberty und Guns of Patriots spielen und erklären, wie Weichei-Raiden zu dem "Badass"-Cyborg-Ninja wird, der im vierten Teil abgeht wie Schmidts Katze. Die Pläne änderten sich beim Wechsel des Studios, um Platinum Games mehr Freiheiten bei der Entwicklung zu gewähren. In der endgültigen Fassung des Spiels schlüpft ihr in die Rolle des Blondschopfs Raiden, der vier Jahre nach Guns of Patriots für das Sicherheitsunternehmen Maverick Security Consulting in Afrika als militärischer Ausbilder und Personenschützer fungiert.

Das hohe Tempo des Spiels wird immer wieder kurzzeitig durch Gespräche mit eurem Team ausgebremst.
Der VIP, den ihr zu Beginn des Spiels beschützen sollt, wird von der kriminellen Organisation Desperado Enterprises LLC entführt und schließlich vor euren Augen getötet. Raiden verliert bei dem Rettungsversuch seinen Arm und das linke Auge - doch dank der fortgeschrittenen Technologie werden die Verletzungen einfach durch neue Kybernetik-Implantate ersetzt.

Kaum wieder auf den Beinen, folgt euer Held wutentbrannt der Spur der Verantwortlichen und stößt dabei auf ein immer dichter werdendes Netz aus Korruption, Machtgier und Menschenhandel. Auch wenn die Geschichte nicht so überkomplex ist wie ihr das aus der MGS-Reihe gewohnt seid, so bietet sie für einen Action-Happen doch überdurchschnittlich schmackhafte Kost. Das liegt zum einen daran, dass Hideo Kojima nicht nur Gut und Böse gegeneinander antreten lässt; Protagonist Raiden ist schließlich selber ein Killer – und das schon seit frühester Kindheit. Seine Taten werden im Spiel hinterfragt und seine Menschlichkeit wird auf die Probe gestellt. Apropos: Was macht den Mensch überhaupt aus? Bei all den Cyborgs in den Straßen ebenfalls eine spannende Frage, die in MGR - Revengeance kurz angerissen wird. Dazu zieht die Geschichte unzählige Parallelen zu Geschehnissen der letzten Jahre und übt dabei vor allem Kritik an der Außenpolitik der USA. Mehr wollen wir nicht verraten – nur eines noch: Bleibt vor dem Bildschirm sitzen, bis die Credits vorbei sind!

Minutenlanges Palaver
Die Geschichte von MGR - Revengeance wird serientypisch in minutenlangen und nett anzusehenden Zwischensequenzen erzählt, zudem verfolgt ihr immer wieder Gespräche zwischen Raiden und seinen Kollegen, während ihr langsam zum nächsten Kampfareal schlendert. Dabei müsst ihr nicht ganz
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so viel Sitzfleisch mitbringen wie bei der Hauptserie: Der Anteil von "passiv die Geschichte verfolgen" und "selber spielen" ist gut ausbalanciert, die kurzen Sequenzen bieten oft sogar eine willkommene Atempause zu den enorm temporeichen und anstrengenden Kämpfen - dazu aber später mehr.

Wenn ihr noch tiefer in die Hintergründe von MGR eintauchen wollt, steht euch euer Team (Boris, Kevin, Courtney und Dr. Voigt) im Codec zur aktuellen Situation Rede und Antwort. Speziell das Anfunken von Courtney ergibt Sinn, da diese bei Bedarf euren aktuellen Fortschritt manuell abspeichert. Zwingend notwendig ist das aber nicht, da die Speicherpunkte fair gesetzt sind.

Spieler, die bisher noch keinen Kontakt zum "Metal Gear"-Universum hatten, werden ab und an mit einem großen Fragezeichen vor dem Fernseher sitzen. Wenn euer Alter Ego innerhalb von wenigen Augenblicken mit Mr. Lightning Bolt, Raiden und Jack angesprochen wird, lässt sich das nur schwer ohne Vorkenntnisse in den richtigen Zusammenhang bringen. Außerdem gibt es immer wieder Verweise auf Raidens Vergangenheit, die von den „armen Unwissenden“ natürlich nicht als solche erkannt werden.
Gegnertypen in MGR - Revengeance
Obwohl ihr in Metal Gear Rising - Reveangence "nur" Cyborgs bekämpft, ist die Gegnervielfalt doch recht hoch. 1 So stellt sich euch bereits recht früh im Spiel der hundeähnliche IF-Prototyp LQ-84i vor, der mit seiner Säge tiefe Wunden reißt. 2 Bereits aus den Vorgängern bekannt sind die Geckos, die mit ihren Kuh-ähnlichen Lauten immer noch für hochgezogene Augenbrauen sorgen. 3 Kleiner und wuseliger sind im Vergleich die Tripods, die euren Kopf mit ihren starken Armen vom Rest des Körpers trennen wollen. 4 Natürlich gibt es auch allerlei menschliche Widersacher wie die Polizeitruppe, die wie Raiden durch kybernetische Körperteile gestärkt werden. 5 Deutlich schwieriger sind die fetten Gorillas zu besiegen, die euch mit Wrestling-ähnlichen Angriffen zusetzen. 6 Aufgelockert werden die Standardkämpfe zudem durch mehrere Gefechte gegen Zwischenbosse wie der Hubschrauber Hammerhead, der euch mit seinen Raketen aus der Luft beschießt.
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