Test: Mehr Spieler, mehr Spaß

Medal of Honor (Multiplayer) Test

Medal of Honor hat was von multipler Persönlichkeit: Während Electronic Arts Los Angeles die Solo-Kampagne strickte, klöppelte Battlefield-Entwickler DICE den Mehrspielermodus. Und weil diese Jungs grandiose Multiplayer-Spezialisten sind, liegt irgendwie ja schon per se Hitpotenzial in der bleihaltigen Luft. Zu Recht?
Harald Fränkel 18. Oktober 2010 - 21:05 — vor 9 Jahren aktualisiert
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Patch-Work
Keine 24 Stunden nach der Veröffentlichung von Medal of Honor ist ein erster PC-Patch erschienen, der unter anderem Abstürze beim Wechseln der Waffen verhindern und Fehler im Server-Browser eliminieren soll. Falls sich der Bugfix nicht automatisch installiert und das Spiel deshalb ständig meckert (war bei uns, aus welchen Gründen auch immer, der Fall), startet ihr den Updater manuell per Doppelklick auf die Datei „mohmpupdater.exe“. Sie liegt im Unterordner „MP“. Solltet ihr Windows Vista nutzen und der Server-Browser die Latenzen nicht anzeigen, führt ihr das Spiel als Administrator aus (Rechtsklick auf Start-Icon).
Digital Illusions kann fraglos pompöse Massenschlachten inszenieren. Diesmal jedoch standen die schwedischen Mehrspielermacher vor einer Zielgruppen-Frage: Wie positioniert man das jüngste Kind Medal of Honor im Hinblick auf das eigene Bad Company 2 und die konkurrierende Call of Duty-Reihe? Angesichts dieser Schwergewichte müssen sich die Entwickler bei ihrer Suche nach einer Nische gefühlt haben wie der Manager der Wildecker Herzbuben, als er mit den speckigen zwei Fleischkugeln erstmals einen Aufzug betrat.

Vielleicht entstand deshalb ein sehr schlankes Produkt: Weil DICE seinem Baby Raum zum Atmen geben und einen Mehrspielermodus schaffen wollte, der sich von den Genregrößen abhebt. Es gibt ihn ja noch, den Spieler, der lieber dem Purismus frönt, statt sich mit komplizierter Komplexität zu quälen. Wir nehmen einfach an, dass das hehre Ziel so gelautet hat, da wir an das Gute im Menschen glauben. Böse Stimmen im Kopf, welche flüstern, die Entwickler könnten bei dieser Auftragsarbeit (das restliche Spiel entstand bei EA L.A.) auf Sparflamme gekocht haben, um sich nicht selbst Konkurrenz zu machen, befeuern wir mit einem Neuroleptika-Medikament.
 
Diät-Programm, Balanceprobleme
 
Als Scharfschütze hat man unfaire Vorteile, selbst mit den einfachsten Sniper-Gewehren.
Was die Abteilung Schnick & Schnack angeht, bewegt sich der MoH-Multiplayer-Mosua für die heutige Zeit tatsächlich fast an der Armutsgrenze: Ihr habt die Wahl zwischen drei Klassen (Schütze, Special Op, Sniper), für die je sechs Gewehre freischaltbar sind sowie kaum mehr als eine Handvoll Upgrades: Zielfernrohre, Spezialmunition, Schalldämpfer und die anderen üblichen Verdächtigen. Euer Alter Ego steigt bis Stufe 15 auf, wenn ihr es Erfahrungspunkte sammeln lasst. Zum Glück Klasse für Klasse getrennt, sonst wäre der Hochpäppelspaß deutlich schneller vorbei. Im gesamten Spiel findet sich ein einziges Fahrzeug, ein Panzer, auf zwei der acht Karten. Ja, das klingt sehr nach abgespeckt, fast nach Brigitte-Diät. Doch die Hauptkritikpunkte sind andere.
 
Zunächst wäre ein Balanceproblem zu notieren. Es führt dazu, dass von den maximal 24 Spielern einer Partie gefühlt 25 als Scharfschützen durch die Pampa rennen. Die an sich fein designten und abwechslungsreichen Karten laden nämlich nicht nur Niederländer zum fröhlichen Camping ein. Erstens, weil es viele Verstecke und Flaschenhälse gibt. Zweitens, noch schwerwiegender, haben die Macher auf eine Killcam verzichtet. Reitet ihr zu den Ahnen ab, bekommt ihr keine Wiederholung der Aktion zu sehen. Aus diesem Grund erfährt man selten, wo sich die für den virtuellen Tod verantwortliche Mistkröte befand. Da läuft man dann gerne nach dem Respawn gleich noch mal in sein Verderben. Wer es war und wie viel toller seine Bewaffnung ist, teilt euch die Software in höhnischer Ällerbätsch-Manier hingegen sehr wohl mit.
 
Frustpotenzial
 
Ein weiteres Problem des Multiplayer-Modus von Medal of Honor ist, dass einige Spawn-Punkte ungünstig liegen. Wer an einer solchen Stelle wieder ins Spiel teleportiert wird, beißt oft sofort erneut ins Gras – schneller als eine hungrige Kuh und sehr gerne mehrfach. Derlei geht schon erfahrenen Spielern mächtig auf die Cojones, Neueinsteiger brennen gar direkt in der Frusthölle. Das ist insofern unglücklich, weil die nur wenig streuenden Gewehre und Pistolen das Zielen verhältnismäßig einfach machen, was Anfänger eigentlich ansprechen sollte. Dummerweise könnte man meinen, Medal of Honor weiß selbst nicht so ganz, was es denn nun sein will und für wen.
 
Einsteiger haben's auch schwer, weil sie keinerlei Hilfen erwartet: Kleine Liebesbeweise, wie sie etwa Modern Warfare 2 nach dreimaligem Dahinscheiden in Folge bietet (zum Beispiel kurzzeitig mehr Lebensenergie), hätten dem Geschehen gut getan. Lange Rede, kurzer Sinn: Wer schon beim Bambi-Film heult, hält sich vom MoH-Multiplayer-Part besser fern.

Harte Säue mit starken Nerven können hingegen ordentlich Spaß haben! Das beginnt mit dem sehr positiven Ersteindruck: Die Grafik sieht deutlich besser aus als in der Solo-Kampagne (diese setzt auf die Unreal-Engine), weil DICE auf den hausgemachten Frostbite-Motor baut. Zwar lässt sich die Umgebung nicht so künstlerisch wertvoll zerlegen wie in Bad Company 2. Die eine oder andere unter Beschuss bröckelnde Deckung sorgt aber für feinen Nervenkitzel und Adrenalinschübe.
 
Die Karte „Garmzir“ verwöhnt das Auge mit einer wunderschönen Landschaft rund um ein Dorf.
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