Was taugt die PC-Version?

Max Payne 3 Test

Der frustrierte New Yorker Cop ist zurück: Mit Max Payne 3 zeigt Rockstar Games, dass ein Actionspektakel im Stile eines Stirb langsam nicht nur mit Ballereinlagen, sondern auch mit inhaltlichem Tiefgang punkten kann. Wir haben uns durch Südamerika und New York gekämpft und verraten euch, ob aller guten Dinge drei sind.
Benjamin Braun 14. Mai 2012 - 18:05 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal. Der Test wurde am 1.6. um eine Seite zur PC-Version erweitert.

Ein Mann sitzt allein in einem heruntergekommenen Apartment, irgendwo in der brasilianischen Metropole São Paulo. Nervös steckt er sich eine Zigarette nach der anderen an, wechselt unruhig zwischen dem schäbigen kleinen Tischchen und seinem Sofa. In seiner Hand eine halbvolle Flasche Whisky – nicht die erste an diesem Tag! Es geht ihm nicht um Geschmack, aber um den Schmerz zu betäuben, ist ihm jedes Mittel recht. Seine letzte Rasur liegt schon einige Wochen zurück. Aber was soll das auch bringen, wenn das Leben jeden Sinn verloren hat? Der verbraucht aussehende Mann im Unterhemd und mit Pistolenhalfter ist ein alter Bekannter: Es ist Max Payne. Doch dem versifften Look zum Trotz tut er an neuer Wirkungsstätte das, was er am besten kann: Er schießt immer noch präzise, bekämpft Fleischwunden mit Painkillern und lässt seinen Feinden in der Bullet Time keine Chance. Und doch will er beim Kampf gegen südamerikanische Gangster nur eines: den Tod seiner Familie vergessen.

Packender Erzählstil
Ganz im Stil der ersten beiden Abenteuer von May Payne startet der dritte Teil mit einem Ereignis, auf das das Spiel erst ganz am Ende wieder zurückkommt. Max steht vor einem Hangar über einem Sterbenden und fragt sich einmal mehr, wie es zu all dem kommen konnte. Die Antwort erlebt ihr dann in den 14 langen Kapiteln, die – für Shooter-Verhältnisse eher ungewöhnlich – zwölf bis 15 Stunden Spielzeit versprechen. Den Anfang macht eine Party der gesellschaftlichen Elite in einem modernen Hochhaus in São Paulo. Veranstalter ist Rodrigo Branco, ein mächtiger Geschäftsmann, für dessen Schutz Max zuständig ist. Max ist noch nicht lange dabei, weshalb ihn ein Bodyguard namens Passos erklärt, wer an diesem Abend wirklich Rang und Namen hat. Zu den Gästen zählen auch die Frau von Branco, Fabiana (jung, schön und leer) und seine beiden Brüder: Marcelo (Lebemann ohne Hirn oder Benehmen) und Victor (schmieriger Politiker). Max ist vom Tun der Gäste angewidert, zumal er von der luxuriösen Vergnügungsterrasse aus auf die Favelas der Großstadt blicken kann.

Das fröhliche Treiben wird allerdings jäh unterbrochen, als plötzlich bewaffnete Maskierte die Party stürmen und versuchen, die Brancos zu entführen. Diese Entführung ist aber nur der Anfang einer langen Kette von Ereignissen, die später zu einem offenen Krieg zwischen der Polizei und einer paramilitärischen Organisation führen. Max steckt mittendrin und mit jedem Schritt deckt er ein weiteres Puzzlestück einer dunklen Verschwörung auf.

Die Autoren machen sich durchgehend ein simples, aber effektives Mittel zunutze, um die Spannung aufrecht zu halten: Die Handlung springt wild in der Zeit hin und her. Wie Max überhaupt an den Job in Brasilien gekommen ist und weshalb er aus New York verschwinden musste, das erfahrt ihr erst später – dabei dürft ihr die Ereignisse fast ausnahmslos selbst spielen. Die Frage, wie realistisch es ist, dass sich ein einzelner Mann mit einer ganzen Armee anlegt (bereits in der ersten Spielstunde erhielten wir das Achievement "100 Kills" – obwohl ein Drittel der Zeit für Cutscenes draufging), dürft ihr nicht stellen. Abgesehen davon liegen inhaltlich aber Welten zwischen einem Max Payne 3 und typischen Shootern: Unlogisch bis sinnlos zusammengewürfelte Handlungsfetzen müsst ihr in diesem Spiel nicht erwarten. Die Ereignisse in den ersten beiden Spielen werden aber nur selten tangiert. Sehr erfreulich finden wir, dass Rockstar uns nicht ständig haarklein vorbetet, was wir gerade sehen oder hören. Zum Beispiel ist Max in einer Art Krankenhaus, in dem jemand Handel mit den Organen der Armen betreibt. Zu dieser Erkenntnis müssen wir jedoch selbst kommen.

Bullet Time hoch drei
Die Bullet Time ist wieder das zentrale Gameplay-Element. Solche "Shootdodges" setzt ihr unbegrenzt ein.
Die Bullet Time war die große Besonderheit des ersten Max Payne und machten – neben der Story – den wesentlichen Reiz aus. Max Payne 3 treibt die Bullet Time in die nächste Dimension. Situationen, in denen sie automatisch gestartet wird, gab es auch in Max Payne 2 schon. Aber wenn sich Max am Haken an der Decke über den Köpfen seiner Gegner schwingt, sich von einer Kette zehn Meter in die Höhe katapultieren lässt oder bei einer Rutschpartie über ein Vordach einen Geiselnehmer per Kopfschuss ausschaltet, dann war die Bullet Time eine Ästhetik, die selbst Neos stylische Verrenkungen in The Matrix alt aussehen lässt. Rockstar betont die Bullet Time auch sonst noch stärker: Wenn der letzte Gegner in einem Raum stirbt, sehen wir das grundsätzlich mit einer Killcam wie in Fallout 3. Die könnt ihr per Knopfdruck noch verlangsamen, um dem rotierenden Projektil bis ins Ziel zu folgen.

Vor allem aber ist die Bullet Time ein zentrales spielerisches Element, ohne das ihr keine Chance gegen die meist riesige Übermacht hättet. Nur innerhalb der Bullet Time habt ihr genügend Zeit, um sauber zu zielen und den stets sichtbaren Projektilen eurer Gegner rechtzeitig auszuweichen. Ihr habt beim Zielen die Wahl aus drei Modi: freies Zielen, sowie leichte und starke Zielhilfeunterstützung. Einsteigern ist klar die letzte Option zu empfehlen, während Profis ohne Unterstützung spielen sollten. Letztere sollten sich aber darauf einstellen, dass ihr hin und wieder auf weit entfernte Gegner trefft, die oft nur die gefühlte Größe einer Ameise haben – hier wird das Treffen, insbesondere per Gamepad, fast schon zur Glückssache. In Echtzeit sind die meist schwer bewaffneten Paramilitärs, Polizisten oder Soldaten zu schnell und meist zu clever: Sie erheben sich nur selten aus der Deckung, laufen Zickzack oder tauchen vorsorglich mit dem Kopf unter eurer Schussbahn hindurch. Ihr ladet die Bullet Time vor allem mit Kills auf, ein Teil der Leiste füllt sich aber auch einfach so mit der Zeit. Ihr startet und stoppt die Bullet Time manuell, solange der Vorrat reicht – ausgenommen sind die bereits genannten Sequenzen, in d
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enen sie automatisch startet. Wie in Max Payne 2 sind die Bullet-Time-Sprünge unabhängig von der Füllanzeige und können theoretisch unendlich hintereinander gereiht werden. Das funktioniert in der Praxis aber zum Glück selten, da eure Gegner gute Schützen sind und euch mit wenigen Treffern ausschalten. Zudem liegt ihr nach einem Shootdodge zunächst am Boden und könnt nur in einem begrenzten Radius Schüsse abgeben, bevor ihr wieder auf den Beinen seid.

Neu sind die Last Stands: Manchmal trifft euch ein Gegner schwer, woraufhin ebenfalls automatisch in die Bullet Time gewechselt wird. Dann habt ihr ein paar Sekunden Zeit, den Widersacher, der euch getroffen hat, mit einem Schuss ins Jenseits zu befördern. Schafft ihr das nicht, sterbt ihr, zudem startet der Modus nur, wenn ihr noch wenigstens einen Painkiller im Gepäck habt, der dann automatisch verbraucht wird. So erhaltet ihr im Erfolgsfall einen Teil eurer Lebensenergie zurück, liegt aber grundsätzlich nach der Aktion zunächst am Boden, was euch anfällig für weitere Treffer macht. Heilen könnt ihr natürlich jederzeit per Painkiller, wovon aufgrund der Last Stands aber fast schon abzuraten ist.
Die Action in Max Payne 3

Max Payne 3 bietet neben den Shootouts auch zahlreiche Fahrzeugsequenzen und spezielle Bullet-Time-Events. Ein paar dieser Highlights wollen wir euch hier zeigen.  1 Aus dem Hubschrauber heraus muss Max die Schwester von Fabiana, Giovanna, beschützen, die über das Dach vor ihren Häschern flieht.  2 Mit dem Boot verfolgen wir die Entführer. In der langen Sequenz fragt sich selbst Passos, wie viele Leute die Feinde denn noch hätten...  3 Auch im Jeep auf dem Flughafen sind wir nur Beifahrer und mit so einem Granatwerfer kann man so einiges zu Bruch gehen lassen. 4 Immer wieder gibt es auch spezielle Bullet-Time-Events. Hier löst sich die Halterung des Bootes, sobald wir den ersten Schuss abgeben, und Max macht automatisch einen Shootdodge.  5 Noch eine Fahrzeugsequenz: Giovanna steuert den Bus, während wir die Schergen im Vorbeifahren erledigen.  6 Geschlichen wird in Max Payne 3 zwar nicht, hier und dort bekämpft ihr eure Feinde aber auch mal aus sicherer Distanz mit dem Scharfschützengewehr.

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