Finale eines Epos

Mass Effect 3 Test

Mass Effect erzählte bislang nicht nur eine komplexe SF-Story einer vom Untergang bedrohten Galaxie. Das Spiel konfrontierte uns auch mit schwerwiegenden Entscheidungen, die den Fortgang der Handlung maßgeblich beeinflussten. Teil 3 beantwortet nun die dringendsten Fragen und beendet emotional packend die Saga um Commander Shepard.
Benjamin Braun 6. März 2012 - 10:00 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal.

Vor gut fünf Jahren startete Commander Shepard zum ersten Mal ins All. Bioware erzählte in Mass Effect nicht bloß irgendeine Science-Fiction-Story. Sie schuf dafür ein komplexes Universum mit diversen Spezies und Kulturen, das selbst Star Wars mühelos Konkurrenz macht. Mass Effect stellte den Spieler zudem regelmäßig vor Entscheidungen, von denen das Leben einzelner Crewmitglieder oder gar der Fortbestand ganzer Spezies abhing. Mehr noch: Mittels Charakter-Import sollten all unsere Entscheidungen in den jeweiligen Nachfolger übernommen werden – mit allen Konsequenzen. Nicht gerade ein leichtes Unterfangen, dabei die Kontinuität der Ereignisse nicht aus den Augen zu verlieren und damit die Glaubwürdigkeit des Szenarios zu riskieren. Dementsprechend skeptisch waren wir damals, müssen aber heute sagen: Im Wesentlichen hat Bioware Wort gehalten.
 
Während der erste Teil noch umfangreiches Mikromanagement bei der Ausstaffierung unserer Mitstreiter voraussetzte, auch aufgrund eines umständlichen Inventarsystems, und einige der Missionen ohne Feuergefechte auskamen, verschob Bioware den zweiten Teil stärker in Richtung Action, vereinfachte nicht die Inventarhandhabung, sondern das Inventar an sich, kürzte rigoros die Anzahl der Fähigkeiten und scheute auch nicht davor zurück, uns hier und dort Gears of War-mäßig Gegnerwelle um Gegnerwelle entgegen zu werfen. Mass Effect 2 spielte sich deshalb über weite Strecken noch stärker wie ein Shooter (wenngleich einer mit sehr guter Story) denn wie ein Rollenspiel. Und doch war es immer noch ein RPG, die Handlung und die ausführlichen Dialoge wurden durch die stärkere Action kaum in Mitleidenschaft gezogen. Mass Effect 3 macht wieder einiges anders und bietet den Spielern nun mit „Rollenspiel“, „Action“ und „Story“ gleich drei Spielvarianten an, um die finale Schlacht gegen die Reaper zu erleben. Bei Action wählt das Spiel für euch die Dialogoptionen aus, bei Story sind die Kämpfe kinderleicht. Wir haben es vor allem mit dem Rollenspiel-Modus probiert und verraten euch, ob das Finale der Trilogie geglückt ist. Wie üblich vermeiden wir darin Spoiler, die über Unwesentliches oder schon Bekanntes hinausgehen. 
 
Der Untergang naht
Was bislang geschah

Siehe auch unser
10 Minuten-Video "Die Vorgeschichte".

Commander Shepard ist ein Soldat der menschlichen Allianz. Im ersten Teil der Trilogie begab er sich zunächst auf die Spur des abtrünnigen Spezialagenten Saren, der offenbar seine Befugnisse als Spectre des Citadel-Rats missbrauchte. Doch es steckte mehr hinter Sarens Machenschaften als Verrat: Er plante, einer uralten Maschinenrasse namens Reaper den Weg für die Vernichtung aller organischen Lebewesen in der Galaxis freizumachen. Schon einmal hatten die Reaper die Galaxis heimgesucht und vor exakt 50.000 Jahren die Protheaner ausgerottet. Deren Aufzeichnungen erlaubten es Shepard schließlich, den Vorboten der Reaper-Invasion, das Flagschiff Sovereign, zu vernichten und damit das Portal für die Invasion der Reaper unschädlich zu machen.

Doch die Reaper suchten nach anderen Möglichkeiten, ihre – wie sie es nennen – „Säuberung“ durchzuführen. In Teil 2 waren es deshalb nicht die Reaper selbst, sondern die Kollektoren. Die überfielen im Dienste der Reaper Kolonien der Menschen und anderer Rassen und trieben gleichzeitig den Bau eines gigantischen Reapers voran. Shepard gelang es einmal mehr, das Schicksal der Galaxie zu verändern. Nun aber treten die Reaper ihre Reise unaufhaltsam in Richtung Milchstraße an und die finale Schlacht steht unmittelbar bevor.
Wahre Helden haben meist ein Problem: Auch wenn sie nicht weniger als die  gesamte Galaxie retten, dankt es ihnen am Ende niemand so richtig. Zumindest nicht, wenn sich der Held (zum Schein) mit einer Geheimorganisation einlässt, die offensichtlich dem Frieden unter den freien Völkern entgegenarbeitet. Nach seiner Tätigkeit für den "Unbekannten" und dessen Organisation Cerberus ist Commander Shepard bei der höchsten politischen Instanz der Galaxie, dem Citadel-Rat, und beim Militär in Ungnade gefallen. Die militärische Führung erkennt ihm seinen Rang ab, der Rat entzieht ihm das Vertrauen. Vorbei sind die Zeiten, in denen Shepard als Spectre für Recht und Ordnung sorgen konnte. Schlimmer noch: Weder der Rat noch die militärische Führung glauben an den nahenden Angriff der Reaper, der sich just, nach 50.000 Jahren, ein weiteres Mal ankündigt. Doch Helden behalten meistens Recht: Kaum lässt das militärische Oberkommando der Menschen, der Allianz-Rat, den in der Zwischenzeit unter Hausarrest gestellten Shepard zum Rapport antreten, schlagen die Reaper überall auf der Erde zu.

Shepard gelingt gemeinsam mit Admiral Anderson die Flucht aus der umkämpften Großstadt, in der der Allianz-Rat tagt. Am liebsten würde er im Alleingang den Reapern einen gepflegten Tritt in den mechanischen Hintern geben, doch nur ein großes Bündnis ist dazu in der Lage. Also kehrt er schweren Herzens auf sein altes Raumschiff, die Normandy, zurück, um eine schlagkräftige Armee zusammenzustellen.

Aria T'Loak treibt sich offenbar gerne in Diskotheken herum. Im "Purgatory" auf der Citadel bespricht Shepard mit ihr die Rekrutierung der drei größten Banditenclans für den Kampf gegen die Reaper. Das geht völlig ohne Waffengewalt! (PS3)
Das Schmieden eines neuen Bundes
Eine Liga intergalaktischer Alliierten zu schmieden, fällt uns trotz der gemeinsamen Bedrohung durch die Reaper schwieriger als gedacht. Denn einige der Rassen liegen bereits seit Urzeiten im Clinch: Die Salarianer haben einst die kriegerischen Kroganer mit einem künstlichen Mutagen infiziert, das es ihnen unmöglich macht, sich fortzupflanzen. Die Quarianer wiederum bekriegen sich mit den Geth, einer synthetischen Spezies, die sie einst selbst schufen. Aufgrund solcher Konflikte scheint es unmöglich, all diese Parteien an einen Tisch zu bringen, ohne dass sie sich gegenseitig an die Kehle gehen. Die Nöte anderer Völker sind noch wesentlich dringlicher: Palaven, der Heimatplanet der Turianer, wird genauso wie die Erde bereits von den Reapern angegriffen und steht kurz vor dem Fall. Wenn Shepard ihren Planeten nicht befreit, bliebe von der einst so mächtigen Streitmacht der Turianer nichts mehr übrig, ein wichtiges Element der vereinigten Abwehrstreitkräfte ginge verloren.
 
Und dann sind da noch Cerberus und ihr geistiger Führer, der Unbekannte. Obwohl Shepard Cerberus am Ende von Mass Effect 2 einen empfindlichen Schlag versetzte (davon zumindest geht Mass Effect 3 aus, wenn ihr keinen Charakter importiert), bleibt das paramilitärische Netzwerk einflussreich. Doch welche Ziele verfolgt Cerberus wirklich? Wollen auch sie die Völker vor der Vernichtung durch die Reaper bewahren oder geh
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t es ihnen um etwas ganz anderes?
Und noch viel wichtiger für Shepard: Welche Implantate hat ihm Cerberus damals (zu Beginn von Mass Effect 2) eingepflanzt? Ist sein Wille noch sein eigener? Könnte vielleicht auch Cerberus als Verbündeter im Kampf nützlich sein? Shepard muss vorsichtig vorgehen, auch wenn in diesen Zeiten schon besonders gute Gründe vorliegen müssen, um wählerisch zu sein. Selbst die Banditenclans Blood Pack (mit ihren hässlichen Vorcha-Aliens) oder Blue Suns, deren Nester wir schon im ersten Teil regelmäßig aushoben, sind plötzlich eine Option. Denn die Uhr tickt und täglich erreichen neue Hiobsbotschaften von der Erde den Hohen Rat auf der Citadel.
 
Damit nicht genug, offenbart euch Mass Effect 3 noch ganz andere Dinge, mit denen ihr nicht gerechnet hättet. Die Hintergründe von Cerberus werden endgültig aufgedeckt und so manches bislang verborgene Detail über die Geschichte der Völker des Universums dürfte euch in Erstaunen versetzen. Und ihr erfahrt auch, weshalb die Reaper ihre Säuberung überhaupt durchführen. Von uns erfahrt ihr das alles jedoch nicht, das müsst ihr euch schon erspielen.
before
after
Auf PS3 (rechts) wirken die Texturen in der Umgebung ebenfalls scharf und detailliert. Allerdings (hier nicht zu sehen) sind z.B. Gesichter detailärmer.
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