Maneater Test+

Trash-Action mit Biss

Benjamin Braun / 22. Mai 2020 - 12:29 — vor 1 Woche aktualisiert
Steckbrief
PCPS4SwitchXOne
Action-RPG
18
22.05.2020
Link

Teaser

Als Bullenhai sinnt ihr nach Rache am Mörder eurer Mutter. Auf dem Weg dorthin fresst ihr euch zur ultimativen Tötungsmaschine hoch. Weder Mensch noch Tier sind vor euren Zahnreihen sicher.
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Der Appetit der kleinen Raupe Nimmersatt ist legendär. Während das Ziel der Raupe allerdings darin besteht, sich schlussendlich in einen Schmetterling zu verwandeln, hat der Protagonist von Maneater bei seiner Fressorgie etwas völlig anderes im Sinn. Der anfangs noch junge und entsprechend kleine Bullenhai will nämlich die notwendige Stärke erlangen, um Scaly Pete, den Mörder seiner Mutter, zur Strecke zu bringen. Und so fresst ihr euch mit ihm in Meer und Sumpf durch die gesamte Tierwelt und macht dabei auch vor Menschen nicht Halt – notfalls wagt ihr gar einen Landgang am Strand, um euren unstillbaren Kohldampf zu befriedigen.

Die Geschichte mag sogar noch dünner sein, als ich sie hier grob umrissen habe, das macht aber nichts. Denn wie schon bei Filmspektakeln wie Sharknado setzt auch Maneater voll und ganz auf den Unterhaltungswert anstelle einer sinnvollen Story oder gar ansatzweisem Tiefgang. Trotzdem mag es überraschend sein, dass die Entwickler dem Titel ein seichtes Rollenspiel-System spendiert haben, das euch euren Bullenhai bis zu einem gewissen Grad anpassen und verbessern lässt.

Wie auch die Story sind die RPG-Mechaniken aber nicht sonderlich tiefschürfend, ich bin dennoch auf Tauchstation gegangen. Auf Xbox One X  habe ich die Zähne gefletscht und mich ins Trash-Actionspiel von Tripwire Interactive gestürzt und verrate euch im Test, weshalb ich trotz spielmechanischer Monotonie gut 15 Stunden lang gut unterhalten wurde.
Für jedes Mitglied des Münsteraner Dance-Projekts Dune galt bekanntlich "I can't stop raving". Kein Problem, wenn ein Bullenhai bei der Strandparty vorbei schaut ist schnell Feierabend.
 

Lineare Open World

Maneater versetzt euch in eine komplett zusammenhängende Spielwelt, die Sumpf- und Hafengebiete genauso umfasst wie das offene Meer irgendwo am Rande des Golfstroms. Rein theoretisch könnt ihr bereits kurze Zeit nach dem Prolog bis ins letzte der acht Gebiete vorstoßen. Zu tun gibt es dort abseits von Sammelaufgaben aber noch nichts. Denn die Storymissionen bauen aufeinander auf und schleusen euch nach und nach durch die Welt, bis ihr euch schließlich im finalen Kampf dem Muttermörder Scaly Pete stellen dürft.

Um Missionen in den späteren Gebieten freizuschalten, müsst ihr einen bestimmten Fortschritt im vorherigen erzielen. Voran kommt ihr durch die Erfüllung sämtlicher Storymissionen, die ihr eingeschränkt in beliebiger Reihenfolge angeht, und andererseits den Abschluss von wenigstens 50 Prozent aller Aufgaben. Neben den genannten Sammelaufgaben, die größere Mengen an Erfahrungspunkten fürs grundlegende Wachstum eures Hais bringen, zählen dazu auch Jagdmissionen. Dabei gilt es etwa einen bestimmten Weißen Hai oder Pottwal zu töten oder auch, ein Boot von Mafiamitgliedern zu versenken. Im Prinzip laufen diese also genau so ab wie die meisten Hauptmissionen, die in jedem Gebiet in einem Bosskampf gegen den jeweiligen "Spitzenprädator" mündet.
Da hilft auch kein größeres Boot, wenn die biomechanische Fressmaschine angreift.
 

Immer größer, immer stärker

Euren anfangs gerade mal knapp über einen Meter langen Bullenhai verbessert ihr im Laufe des Spiels auf zwei Ebenen. Zum einen sammelt ihr durch Kills, Sammelaufgaben und Hauptmissionen Erfahrungspunkte. Dadurch steigt ihr in Stufen auf, bis ihr auf Maximallevel 30 das Megawachstum erreicht. Der Megastatus bedeutet eine Länge von rund neun Metern, also ungefähr das dreifache Ausmaß, das ein Bullenhai in der Realität erlangt. Erst auf der höchsten Stufe schaltet ihr die zweite aktive Fähigkeit des Hais frei, mit der ihr euch kurzzeitig einen Powerboost verschafft. Die erste Spezialkraft erhaltet ihr bereits sehr früh im Spiel: ein Sonar. Damit scannt ihr also sozusagen die Umgebung, um beispielsweise leichter Geheimnisse wie anfangs verbarrikadierte Höhlen- und Kanalzugänge zu entdecken.

Der andere Teil der Entwicklung besteht in den sogenannten Evolutionen, die ihr teils in Storymissionen, teils aber auch im optionalen Bereich freischaltet. 26 Stück gibt es davon. Alle haben Perk-Charakter und müssen aktiv ausgerüstet werden. Manche erhöhen den Sauerstoffvorrat für Landgänge, andere erhöhen die Ausbeute an Ressourcen beim Fressen. Nur die Evolutionen für Kopf, Körper, Schwanz und zwei weitere Kategorien verändern neben den Eigenschaften auch das Erscheinungsbild. Drei grundlegende Typen, die wie alle Evolutionen mittels gesammelter Ressourcen in fünf Stufen verbessert werden können, gibt es in Maneater. Die wichtigsten sind die Knochen- und bioelektrischen Verbesserungen, die euch bestimmte Vorzüge im Kampf geben. Die Knochenaufwertungen steigern etwa den physischen Schaden, auch beim Rammen von Booten. Letztlich ist es aber relativ egal, welche Evolutionen ihr wählt, die ihr in den Grotten (Safehouses) jederzeit anpassen könnt. Denn die größte Hürde in Maneater ist nicht der Schwierigkeitsgrad, sondern die ziemlich hakelige Steuerung.  
before
after
... und rechts der "bioelektrische". Jede Evolution verbessert ihr in fünf Stufen. Neben den entsprechenden Ressourcen braucht ihr auch das entsprechende Mindestwachstum.
 

Eher kleine Referenzen auf Der Weiße Hai

Man darf davon ausgehen, dass sich die Entwickler von Maneater auch von Steven Spielbergs Horror-Thriller Der Weiße Hai haben inspirieren lassen. Referenzen auf den Filmklassiker von 1975 bauen die Macher allerdings eher dezent ein, etwa Musik, die entfernt an den berühmten Score von John Williams erinnert oder Nummernschilder als Sammelobjekte. Wer den Spielberg-Film kennt, wird sich gewiss an die Szene erinnern, in der Chief Brody und Matt Hooper ein KFZ-Kennzeichen aus dem Magen eines Tigerhais herausschneiden.

Ein allgegenwärtiger Kommentator, der neben eher sinnarmen Bemerkungen auch durchaus Wissenswertes über Bullenhaie zum Besten gibt (übrigens auf Deutsch), spielt auch immer wieder mal auf Details aus dem Film an. Wesentlich zentraler als das ist jedoch der durchgängige Fressspaß, der mich trotz der spielerischen Gleichförmigkeit über gut 15 Stunden hinweg gut unterhalten hat. Maneater ist aktuell für PC, PS4 und Xbox One erhältlich. Zu einem späteren Zeitpunkt soll zudem eine Umsetzung für Nintendo Switch erscheinen.

Autor: Benjamin Braun, Redaktion: Dennis Hilla (GamersGlobal)


 
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Meinung: Benjamin Braun

Es gibt Spiele mit herausragend guter Story, mit fantastischem Gameplay oder auch solche, die sich allein schon wegen ihrer bombastischen Grafik lohnen. Maneater hat absolut nichts davon, doch eines hatte ich von der ersten bis zur letzten Minute in diesem sinnfreien Machwerk: jede Menge Spaß! Denn so monoton der Spielverlauf und die Missionen auch sein mögen, hier jage ich gerne durch den Ozean, fresse Robben, töte Pottwale oder hüpfe gar an Land herum, um den Touristen am Strand ein wenig mehr als nur das Ohr abzukauen.

Tatsächlich war ich auch nach dem Abschluß der Kernstory noch motiviert, die verbliebenen Sammelaufgaben anzugehen, um auch die letzten Evolutionsoptionen für meinen übernatürlich großen Bullenhai freizuschalten. Aber selbst, wer im Kern nur den Hauptmissionen folgt, hat im mit 30 Euro angemessen bepreisten Actionspiel locker zehn Stunden Spaß – bei mir waren es fast 15. Klar ist Maneater kein Meisterwerk der Spielekunst. Aber Sharknado ist ja auch nicht unterhaltsam, weil der Film wirklich gut wäre. Freunden von Trashaction kann ich das Spiel jedenfalls guten Gewissens empfehlen.
 
Maneater Xbox X
Einstieg/Bedienung
  • Umfangreiches, in die Story eingebundenes Tutorial
  • Moderater Schwierigkeitsgrad
  • Tode ohne Fortschrittsverlust
 
Spieltiefe/Balance
  • Gegner zu fressen und Boote zu zerstören macht jedes Mal aufs Neue Spaß
  • Viele Upgrade-Funktionen
  • Unterhaltsame Bosskämpfe (u.a. Spitzenprädatoren)
  • Bescheuerte "Landgänge" möglich
  • Etliche Nebenaufgaben
  • Nette Anspielungen auf Der Weiße Hai
  • Ordentliche Spielzeit (10-15 Stunden)
  • Hakelige Steuerung und bisweilen unübersichtlich
  • Evolutionen spielerisch von geringer Bedeutung
  • Repetitiver Spielablauf
Grafik/Technik
  • Spielwelt theoretisch ohne Ladezonen ...
  • Überwiegend nette Animationen
  • ... was nicht durchweg funktioniert
  • Insgesamt allenfalls durchschnittliche Grafik
Sound/Sprache
  • Deutsche Sprachausgabe ...
  • Insgesamt gute Effekte
  • ... wobei Funksprüche zwischen den Jägern teils auf Englisch bleiben
Multiplayer

Nicht vorhanden
 
7.5
Userwertung0.0
Mikrotransaktionen
nein
Hardware-Info
Keine Besonderheiten
 
Eingabegeräte
  • Maus/Tastatur
  • Gamepad
  • Lenkrad
  • Anderes
Virtual Reality
  • Oculus Rift
  • HTC Vive
  • Playstation VR
  • Anderes
Kopierschutz
  • Steam
  • Kopierschutzlose GoG-Version
  • Epic Games Store
  • uPlay
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  • Hersteller-Kontoanbindung
  • Ständige Internetverbindung
  • Internetverbindung beim Start
Benjamin Braun 22. Mai 2020 - 12:29 — vor 1 Woche aktualisiert
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