Test: Rätseln und Staunen

Machinarium Test

Book of Unwritten Tales, Secret of Monkey Island Special Edition, Whispered World, Black Mirror 2 -- das letzte halbe Jahr war eine einzige Freude für Fans gepflegter Adventures. Nun kommt ein weiterer Hochkaräter dazu: Die skurrilen Abenteuer eines kleinen Roboters benötigen weder Text noch Sprache, um euch zu faszinieren.
Alex Hassel 21. Oktober 2009 - 15:59 — vor 10 Jahren aktualisiert
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Dürfen wir vorstellen: Josef. Josef ist klein, besteht zu 100 Prozent aus Metall und redet kein Wort mit euch. Und dennoch werdet ihr den kleinen Roboter schon in euer Herz geschlossen haben, ehe überhaupt die erste Stunde des Spiels vergangen ist. Josef ist eure Spielfigur in der wunderbaren Welt von Machinarium, die ausschließlich von Robotern bevölkert wird. Das Leben der großen, kleinen und manchmal sogar fliegenden Maschinen spielt sich dabei hauptsächlich in ihrer ausgedehnten Stadt ab. Josef selber zeichnet sich vor allem durch seine niedlich anmutende Statur aus. Er erinnert mit seiner naiven und liebenswerten Art ein bisschen an den Hauptdarsteller des Pixar-Streifens WALL-E.
 
Für euch und Josef beginnt das Spiel aber erst einmal außerhalb der Stadt. Ein finster drein blickender Roboter hat Josef auf einer Müllhalde unsanft abgesetzt und ihn dabei auch noch in seine Einzelteile zerlegt. Eure erste Aufgabe besteht also erst einmal darin, Josef zu reparieren. Denn ohne Beine werdet ihr in Machinarium sprichwörtlich keine großen Sprünge machen können...

Unser Video demonstriert die Puzzles; statt Text laufen kleine animierte Trickfilme in Gedankenblasen ab.

Go-Go-Gadgeto Josef
 
Machinarium ist ein Point-and-Click-Adventure im klassischen Sinne. Zur Steuerung benötigt ihr lediglich die linke Maustaste. Wer aus Routine ein Objekt mit der rechten Maustaste anklickt, landet bloß im Flash-Menü -- in dieser Programmiersprache ist Machinarium nämlich entwickelt worden. Ebenfalls ungewöhnlich und dem Format geschuldet: der Cursor verändert sich nicht, wenn ihr den Raum mit der Maus nach Gegenständen durchstöbert. Stattdessen interagiert Josef nur mit Objekten, die sich in seiner unmittelbaren Nähe befinden. Wer nun sinnloses Umherwandern und Klicken auf der Suche nach dem nächsten Hot Spot befürchtet, sei beruhigt: Ihr wisst durch ein Laufen-Symbol, wohin ihr Josef bewegen könnt, damit er mit Objekten interagiert.
 
Oft befindet sich des Rätsels Lösung in luftiger Höhe oder an schwer erreichbaren, tieferen Stellen. An diesem Punkt kommt Josefs Spezialfähigkeit zum Einsatz. Durch eine Mausbewegung könnt ihr seinen Körper beliebig wachsen oder schrumpfen lassen, ähnlich wie einst die Comic-Figur Inspector Gadget. Der wandlungsfähige Körper kann auch dazu dienen, einen Vogel von einer Hochspannungsleitung zu locken. Dieser wiederum imitiert jede eurer Bewegungen. Durch Auf und Ab fällt der blecherne Flattermann schließlich herunter und gibt euch dringend benötigtes Puzzlestück frei.
 
Josef schlurft recht behäbig durch die Roboterstadt. Längere Laufwege lassen sich auch nicht mit Doppelklick abkürzen, kommen aber zum Glück nur selten vor. Öfters passierte es uns beim Spielen, dass wir den Roboter aus Versehen an die falsche Stelle schickten und die Laufanimation dorthin nicht abbrechen konnte. Nervig! Und auch das Inventar am oberen Bildschirmrand erwies sich stellenweise als unpraktisch, wenn wir ein Objekt dort wieder ablegen wollten.

Finde den Hotspot! Bei all den Bilddetails übersieht man schon mal, was ein Objekt ist und was nur Teil des Hintergrunds.
 
Bilder sagen mehr als tausend Worte
 
Zwar lag uns ein deutschsprachiges Testmuster vor, aber Publisher Daedalic hätte uns genauso gut eine japanische oder kyrillische Version schicken können: Das komplette Spiel kommt ohne Dialoge aus, nicht ein einziges gesprochenes Wort war den Robotern zu entlocken. Stattdessen hörten wir eine Menge Gelächter, Schluchzen, Husten oder Rülpsen der Blechkameraden. Machinarium streckt garantiert nirgends die Spielzeit durch überbordende Dialoge, ihr müsst auch nicht langweilige Textzeilen wegklicken. Ihr befindet euch direkt im Spiel und müsst eigenständig herausfinden, was um euch herum überhaupt vorgeht. Das ist ein ebenso ungewöhnlicher wie herrlich unmittelbarer Ansatz. 
Über drei Jahre verbrachten die tschechischen Entwickler damit, dem Spiel sein unnachahmliches, handgezeichnetes Aussehen zu verpassen. Eine Mühe, die ihr Machinarium auch in jedem Pixel ansehen werdet. Wir reden hier nicht nur einfach von einer hübschen Grafik, die fast jedes Spiel heutzutage bietet, sondern von einer wirklichen Perle des Genres. Machinarium sieht aus, als hätte Tim Burton gemeinsam mit Ex-Monty Python Terry Gilliam kurzerhand WALL-E durch den Reißwolf gedreht und ihre eigene skurrile Welt erschaffen. Die insgesamt 30 Orte im Spiel sind allesamt so detailliert gezeichnet, dass wir uns stellenweise dabei ertappt haben, wie wir eine halbe Minute lang nur den Blick auf den Bildschirm genossen. An wenigen Punkten entpuppte sich der Detailreichtum auch als hinderlich, weil wir nicht erkannten, welcher Gegenstand im Bild nun einen Hotspot darstellt und welcher nur Zierde ist.
 
Farblich ist Machinarium düster gehalten mit einem Hang zu Grautönen - - immerhin befinden wir uns in einer Stadt der Maschinen. Und dennoch wäre es falsch, die Welt als trist zu bezeichnen. So viele kleine Einzelheiten lockern das Bild auf und verschaffen ihm ein wunderbares Eigenleben. Überall bewegt sich etwas – eine mechanische Katze hier, ein automatischer Staubsauger dort. Wer sich auf das Spiel einlässt und nicht versucht, alle Rätsel in Rekordzeit zu lösen, wird eine der stimmungsvollsten Adventure-Landschaften der letzten Jahre erleben.

Charaktere in MachinariumIn der Welt der Maschinen wimmelt es von skurrilen Charakteren. Einige sind euch gut gesonnt, andere feindselig, für andere müsst ihr kleinere Aufgaben erledigen.Wir stellen euch ein paar der Roboter vor:  1 Josef ist der Hauptcharakter des Spiels und kann...  2 ...sich entweder größer oder kleiner machen, um alle Gegenstände und Orte des Spiels zu erreichen.  3 Josefs Freundin wird gefangen gehalten. Eure Aufgabe ist es, sie aus den Klauen der Ganoven zu befreien.  4 Der Bürgermeister der Maschinenstadt regiert im Sitzen. Leider ist er so auch anfällig gegenüber hinterhältigen Virenattacken von zwielichtigen Gestalten.  5 Eine Gruppe von Straßenmusikern, denen wir bei der Reparatur ihrer Instrumente helfen sollen.  6 Diese beiden finsteren Gesellen haben es auf die unbescholtenen und wehrlosen Roboter der Stadt abgesehen.

 
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Adventure
7
Amanita Design
27.10.2009 (iOS, Linux, MacOS, PC, Playstation 3, PSVita, Windows Phone) • 18.10.2016 (Playstation 4 ) • 01.11.2018 (Switch) • 16.04.2020 (Xbox One)
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