Gelungener Dark-Souls-Klon

Lords of the Fallen Test

Hardcore-Gamer bekamen in den letzten Jahren wieder vermehrt Spiele, die eine echte Herausforderung sind. Die Entwickler von Jack Keane und Venetica haben sich von Dark Souls inspirieren lassen, um ein vergleichbar gnadenloses Action-RPG abzuliefern. Ob das gelungen ist, und wo die Stärken und Schwächen liegen, erfahrt ihr im Test.
Benjamin Braun 31. Oktober 2014 - 21:55 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Stoisch blickt er in die Kamera. Die Mimik des Glatzkopfes ist kühl. Würde er eine Brille tragen und statt der Tattoos einen Kinnbart, könnte man ihn glatt mit Walter White verwechseln. Aber dieser Mann hat nichts mit Drogen am Hut. Er ist ein Krieger, der mit Schwert, Schild und Magie ausgestattet viel einstecken, aber auch mächtig austeilen kann. Das jedoch gilt ebenso für seine dämonischen Feinde. Jeder falsch getimte Angriff, jede zu spät eingeleitete Ausweichrolle kann sein Ende bedeuten! Reden wir von Dark Souls 2 (GG-Test: 8.5)? Nein, vom neuem Action-RPG Lords of the Fallen. Das beginnt mit einer aufwändigen Rendersequenz, lässt uns aber zunächst ähnlich ratlos zurück wie das große Vorbild, was die eigentliche Story oder unsere Motivation anbelangt. Immerhin: Durch Rückblenden und Dialoge (hört, hört!) wird uns schnell klar, dass wir ein großer Krieger sein müssen, und dass wir nach einem gewissen Antanas suchen.

Krieger, Kleriker oder Schurke?Zu Beginn des Abenteuers entscheidet ihr euch zwischen den drei Klassen Krieger, Kleriker und Schurke, womit ihr eure Grundausstattung sowie Startattribute bestimmt. Während der Krieger mit dickem Schwert und schwerer Rüstung in den Kampf zieht, setzt der Kleriker auf eine mittlere Rüstung und einen Hammer, der Schurke ist für höhere Beweglichkeit und schnelle Angriffe mit leichter Rüstung und Doppeldolchen ausgestattet. Zusätzlich entscheidet ihr euch für eine von drei Magiekategorien, was zu insgesamt neun Heldentypen führt, mit jeweils eigenem Aussehen und Namen.

Vier Zauber lassen sich in jeder Magiekategorie freischalten. Hinter der roten Magie ("Prügel") stecken eher offensive Zauber. Einer versetzt euch etwa in Rage, um zeitweise besonders viel Schaden zu machen. Ein anderer bewirkt einen mächtigen Sturmangriff eines Zauberklons. Die Zauber der blauen Variante ("Trost") sind defensiver geprägt. Hier dienen sie etwa dazu, die Gegner zeitweise anfälliger für Angriffe zu machen, indem ihre Schutzwerte reduziert werden. Die dritte, grüne Kategorie nennt sich "Täuschung", sie ist der "Prügel"-Kategorie recht ähnlich. Hier könnt ihr etwa einen Klon aktivieren, der eure letzten Aktionen wiederholt, sodass ihr den angerichteten Schaden quasi verdoppelt. Alle drei Magieklassen haben eine Gemeinsamkeit: Der erste freischaltbare Zauber ist immer eine Art Dummy, der (wenn auch nicht bei allen Gegnern zuverlässig) die Aufmerksamkeit für einige kostbare Sekunden auf eurer Abbild, also weg von euch selbst, lenkt.

Bei einem Schmied könnt ihr Runen an euren Waffen oder Rüstungsteilen anbringen lassen, um sie zu verbessern.
Neun Klassen, neun Spielweisen?Die Wahl der Charakterklasse entscheidet am Ende allerdings nur sehr begrenzt darüber, welche Art Kämpfer eure Spielfigur ist. Auch einen Kleriker könnt ihr zu einem Krieger hochzüchten oder den Schurken zu einer Art Kleriker entwickeln. Denn jedem davon könnt ihr die im Spiel auffindbaren Schwerter und Großäxte (Fernkampfwaffen gibt es nicht) oder die gewünschte Art der Rüstungsteile (Hauptrüstung, Handschuhe, Stiefel, Helm) anlegen. Anders als bei der Magie könnt ihr also euren anfangs gewählten Helden noch deutlich verändern. Achten müsst ihr selbstredend darauf, dass ihr die sechs Attribute richtig ausbaut.

Das funktioniert etwas anders als im großen Vorbild Dark Souls 2: An Speicherpunkten (statt Leuchtfeuern...) dürft ihr eure gesammelte Erfahrung dauerhaft in entweder die Attributs- oder Magie-Kategorie investieren. Ist der Balken jeweils voll, gibt einen weiteren Punkt, den ihr dann in ein Attribut oder eben einen Zauberspruch investieren dürft. Der Witz daran: So lange ihr die Erfahrung nicht investiert, kann sie verloren gehen, dafür erhaltet ihr aber einen Bonus auf die verdienten EXP. Ihr habt also die Wahl, ob ihr riskanter spielt und insgesamt mehr Erfahrung scheffelt, oder öfters eure EXP-Gewinne "konsolidiert".

Taktisch anspruchsvolle KämpfeAuch in Lords of the Fallen solltet ihr mehr als nur einen flüchtigen Gedanken auf eure Ausrüstung verschwenden. Ist diese beispielsweise zu schwer, bewegt ihr euch langsamer, was gerade gegenüber flinken Gegnern einen beträchtlichen Nachteil bedeutet. Übrigens belasten euch nicht angelegte Teile nicht, so lange sie nur im Inventar warten – ganz wie im Vorbild.

Natürlich ist es gegen schnelle Feinde auch keine gute Idee, eine langsam schwingende Hellebarde zu benutzen. Sofern ihr allerdings stark genug seid, um ihre Angriffe mit einem Schild komplett abzufangen, bringt ihr eure Gegner damit aus der Balance und habt selbst mit einer langsamen Waffe die Möglichkeit, zuzuschlagen. Sowohl der Block als auch die Attacke kosten euch Ausdauer. Damit die Ausdauerleiste nicht so schnell in die Knie geht, was selbst im Vergleich mit Dark Souls extrem schnell passiert, könnt ihr Hilfsmittel einsetzen. Und zwar die "Splitter", die ihr in den Levels finden könnt oder auch im Rahmen von Quests als Belohnung erhaltet. Sie gewähren euch für begrenzte Zeit einen Ausdauerboost oder mehr Widerstandskraft gegen Feuer-, Blitz- oder Giftschaden. Ebenfalls von Vorteil ist das Anbringen von Runen an Waffen und anderen Ausrüstungsteilen. Um Schadens- oder Schutz-Boni auf diese Weise zu erhalten, müsst ihr die Runen allerdings zunächst finden, bei einem Schmied (der uns irgendwie an Vulgrim aus Darksiders erinner
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t) aufbrechen und von ihm anbringen lassen. Tauschen könnt ihr die Runen später immer noch.

Dickere Feinde mit Schild müsst ihr von hinten oder per Sprungangriff erwischen. Die entsprechende Stärke vorausgesetzt, könnt ihr Gegner mit einem Schildlauf teilweise auch umwerfen und dann weiter attackieren, wenn sie am Boden liegen. Zum Einsatz bringen könnt ihr auch euren magischen Handschuh, der weitere Zauber wie eine Druckwelle oder eine magische Handgranate auslöst. Auch diese Zusatzzauber tweakt ihr per Rune – ein magischer Bolzen kann dann beispielsweise einen Gegner kurzzeitig in einer Wolke festhalten. Angreifen könnt ihr sie in dieser Zeit zwar nicht, aber die Zeit nutzen, um einen Heiltrank zu schlürfen. Oder ihr erleichtert euch so den Kampf gegen mehrere Gegner gleichzeitig. Noch eine Auffälligkeit: Sofern euch Feinde noch nicht bemerkt haben, könnt ihr langsam von hinten auf sie zugehen und von hinten umlegen. Den Schadensbonus erhaltet ihr aber auch in bereits laufenden Duellen, wenn ihr durch Umkreisen hinter den Gegner gelangt. Beides ist zwar prinzipiell auch in Dark Souls so, in Lords of the Fallen klappt das aber eine Spur zu einfach.
Zu den vier in je drei Stufen ausbaufähigen Zaubern der roten Kategorie  zählt das "Rammen". Dabei erzeugt ihr einen Klon, der aufs fixierte Ziel zusteuert. Dem Geist in diesem Bild (hinten) ist mit herkömmlichen Waffen nicht beizukommen.
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