Kleine Schreihälse

Little Deviants Test

Florian Pfeffer 15. Februar 2012 - 19:16 — vor 10 Jahren aktualisiert
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In drei verschiedenen Tonlagen dürft ihr eurer Vita ins Mikrofon brüllen, um die Gläser zum Platzen zu bringen.
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  Wir fingern dies, wir fingern das In einem weiteren Minigame müsst ihr Reaktionsschnelligkeit beweisen und die bösen Botz direkt mit den Fingern berühren, um sie umzuwerfen. Der Clou: Je nachdem, ob sie euch zu- oder abgewandt auftauchen, müsst ihr das vordere oder hintere Pad antippen. Dieser schnelle Wechsel ist zwar ungewohnt, macht aber trotzdem Spaß und trieb uns im Test die ersten kleinen Schweißperlen auf die Stirn. In eine ähnliche Kerbe schlägt das Heißluftballon-Spiel: Dabei rubbelt ihr das Pad, um einen Ballon steigen zu lassen, während ihr gleichzeitig fliegende Botz antippt, um sie zum Absturz zu bringen. Darüber hinaus flickt ihr per X-förmiger Wischgeste Löcher in der Ballonseide. Dies alles praktisch gleichzeitig zu tun, erfordert einiges an Geschick und artet recht schnell in Hektik aus. Eine sehr witzige Variante der Touchsteuerung haben sich die Entwickler beim Boxring-Spielchen ausgedacht: Ihr müsst die Seile des Boxrings mit euren Fingern nach außen ziehen, um einen Deviant auf Gegnergruppen zu schleudern. Dabei zieht ihr gleichzeitig mit Daumen und Zeigefinger auf dem vorderen und hinteren Touchpad – also ganz so wie früher zu Schulzeiten mit den Haushaltsgummis. Auch wenn das Boxspiel an sich nicht viel hergibt, ist diese Steuerung dennoch zumindest beim ersten Mal äußerst spaßig.

Im Boxring kugelt ihr mit den roten Deviant die Botz um.
Aber nicht nur die Touchpads der Vita werden bei den Minigames ordentlich belastet, sondern auch die Neigungs- und Beschleunigungssensoren. Im späteren Spielverlauf seid ihr per Mini-U-Boot unter Wasser unterwegs. In diesem Minigame weicht ihr Seeminen, Bot-Haien und ähnlichem submarinem Gesocks aus. Dabei haltet ihr die Vita wie ein Lenkrad und dreht sie nach rechts oder links, um das U-Boot zu steuern. Das Gefährt reagiert auf die Neigung der Konsole ohne spürbare Verzögerung und funktioniert demzufolge sehr intuitiv. Das funktioniert in der Minispiel-Spielesammlung, die Little Deviants ist, aber bei weitem nicht immer so gut.  In einem anderen Game, bei dem ihr mit einem Fallschirmspringer im Sturzflug durch Ringe fliegen müsst, reagiert die Bewegungssteuerung nämlich deutlich träger. So träge, dass sie euch in den Wahnsinn treiben wird. Schon erstaunlich wie stark sich die Qualität der Implementierung solcher Steuerungsmethoden innerhalb eines einzelnen Spiels unterscheiden kann.

 In den späteren Levels, die ihr nach und nach freischaltet, werdet ihr nicht mehr nur das dauernde Gekreische der Deviants ertragen, sondern sogar selbst in das Mikrofon der Vita plärren und damit virtuelle Gläser zum Zerspringen bringen müssen. Je nachdem, in welcher der drei vorgegebenen Tonhöhen ihr schreit (alternativ könnt ihr auch pfeifen, singen oder eurem Körper auf irgendeine andere Art Töne entlocken), zerplatzen Weingläser, die auf drei verschiedenen Ebenen angeflogen kommen. Auch hier stellten wir zuerst einen gewissen Neuigkeitsbonus fest und spielten das Minispiel für ein, zwei Runden recht gerne – auch wenn wir altersmäßig tendenziell stark von der Zielgruppe nach oben abweichen dürften. Danach nutzte sich das Konzept aber wiederum schnell ab und die brüllenden Deviants begannen zu nerven. In Anlehnung an ein bekanntes Ubisoft-Spiel mit einer Horde weißer Kreisch-Hasen nennen wir diese typische Spaßkurve, die von „Wow“ über „Ganz nett“ irgendwann zu „nervt tierisch“ verläuft, einfach mal den „Rabbids-Effekt“. Um die Hardwarepräsentation von Sonys neuem Handheld abzurunden, haben die Entwickler ein Augmented Reality-Spielchen eingebaut, bei dem die hintere Kamera ein Bild der Umgebung aufnimmt, das auf dem vorderen Display eingeblendet wird. Darüber gelegt sind diverse Luftfahrzeuge mit Botz, die es mit einer Kanone abzuballern gilt. Hier war ebenfalls wieder der berüchtigte Rabbids-Effekt zu spüren. 

Fazit: Nette Sammlung für zwischendurchWenn Sony ein Spiel zum Launch der PSVita anbieten wollte, um den Spielern sämtliche Eingabemöglichkeiten des neuen Handhelds zu demonstrieren, dann ist es ihnen mit Little Deviants gut gelungen. Die Bedienung mit den beiden Touchpads ist meist sehr intuitiv, überfordert in manchen der Minispiele aber auch ein wenig. Hin und wieder ist der Anspruch an die Koordinationsfähigkeit nämlich etwas zu groß, wenn zwei oder drei völlig unterschiedliche Fingerfertigen zugleich gefragt sind. Alles in allem könnt ihr mit den kleinen Quälgeistern aber eine Zeit lang Spaß haben. Denn die Minigame-Sammlung mit ihren 30 Spielen ist abwechslungsreich und hübsch bunt präsentiert. Langfristig bietet Little Deviants jedoch zu wenig Substanz, eben weil es trotz Pseudo-Story über Little Deviants und fiese Botz eben nur das ist: eine Spielesammlung. Und daher wird das Spiel bestimmt nicht nur bei uns als eines der ersten Vita-Titel wieder von der Speicherkarte fliegen oder Platz für das Cartridge eines anderen Spiels machen müssen. Zu einem günstigeren Preis – das Spiel fällt mit seiner UVP von bald 50 Euro in dieselbe Preisklasse wie Uncharted – Golden Abyss – könnte sich die Anschaffung aber bereits stärker rentieren.

Autor: Florian Pfeffer (GamersGlobal)
 Little Deviants
Einstieg/Bedienung
  • Vor jedem Level werden die Eingabemechanismen erklärt
  • Die Steuerung ist  größtenteils intuitiv
  • Neuartige Steuerungstechniken, die man so noch nicht zuvor erlebt hat
 
Spieltiefe/Balance
  • Zunächst viel Abwechslung bei den Minigames...
  • ...die sich später jedoch oft wiederholen
  • Nach dem ersten Durchspielen wird man das Spiel wohl nur noch als Techdemo nutzen
  • Schwierigkeitsgrad stark schwankend
Grafik/Technik
  • Quietschbunte Grafik, die gut ins Setting passt...
  • Alle Eingabefeatures der Vita werden ausgenutzt
  • ...manchmal aber einen Tick zu weit ins Billige abrutscht
  • Für kurze Finger ist die Mitte des rückwärtigen Touchpads etwas zu schlecht erreichbar
  • Tonhöhenerkennung versagt gelegentlich
Sound/Sprache
  • Kindgerechte Musikuntermalung
  • Soundeffekte wirken teils billig
  • Nervfaktor der kreischenden Viecher auf Raving Rabbids-Niveau
Multiplayer
  • Bis zu acht Spieler im Multiplayer...
  • Online-Highscorelisten
  • ...der aber nur im Herumreichen des Gerätes besteht
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Florian Pfeffer 15. Februar 2012 - 19:16 — vor 10 Jahren aktualisiert
Cohen 16 Übertalent - 4842 - 15. Februar 2012 - 19:31 #

Die deutsche Preisgestaltung sollte Sony bei einem Titel, der die ganzen Eingabemöglichkeiten der PS Vita demonstriert, vielleicht nochmal überdenken.

Bei den Insel-Amazonen kostet das Spiel 18 Pfund: http://www.amazon.co.uk/Sony-Little-Deviants-PS-Vita/dp/B006LX8SL8/

Darth Spengler 18 Doppel-Voter - 9372 - 15. Februar 2012 - 19:47 #

Für die kleineren Spieler unter uns bestimmt gut. Die kriegen da ordentlich Spaß ;)

Horschtele 16 Übertalent - 5693 - 15. Februar 2012 - 21:16 #

Die haben auch kein Problem damit, den Handheld herumzureichen. Ich würde mir aber blöd vorkommen, wenn ich bei einer Mehrspielerrunde meinem Gegner schräg von der Seite zuschauen muss, während er mit seinen Händen sowieso den Bildschirm verdeckt.
Der Test liest sich aber sehr schön und gibt gut den Spaßfaktor der Spiele wieder. Nur die Note finde ich etwas unpassend, weil verhältnismäßig wenig Kritik und viel Lob geschrieben wurde. Aber Zahlen sind nur Schall und Rauch (wurde mir so zumindest immer wieder in der Mathevorlesung gesagt)

Kanonengießer 15 Kenner - 2938 - 15. Februar 2012 - 19:50 #

Oh....Minispiele -.-

brundel74 14 Komm-Experte - 1975 - 15. Februar 2012 - 20:13 #

Gibts beim Gamestop immerhin kostenlos dabei, sofern dort Vita vorbestellt.

Vidar 19 Megatalent - - 15011 - 15. Februar 2012 - 21:31 #

Gerade solche Spiele egal obs nun für PSV oder 3DS kann man nicht mehr für den Vollpreis raushauen. Mein ähnliche Spiele gibts für ein Bruchteil auf den Smartphones, ist doch mehr für PSN/eshop

Wurstdakopp (unregistriert) 15. Februar 2012 - 22:46 #

Kommt es nur mir so vor, oder habt ihr jetzt schon gefühlt mehr Spiele für die PSVita als für die Wii getestet... ;)

Jörg Langer Chefredakteur - P - 439338 - 15. Februar 2012 - 23:59 #

In der Tendenz: ja :-)

Ernsthaft, wir waren letztes Jahr nachträglich unzufrieden damit, was wir aus dem 3DS-Launch herausgeholt haben. Das wollen wir dieses Mal anders machen. Wie stark wir danach aber weiter über PSVita berichten, liegt an genau zwei Faktoren: Was für Spiele dafür erscheinen, und wie groß euer Interesse daran ist.

Faerwynn 19 Megatalent - P - 16087 - 16. Februar 2012 - 0:22 #

Ich finds sehr gut, dass ihr da so einen Schwerpunkt legt - einfach weil mich die Vita interessiert. Und auch weil die Konkurrenz da nicht so viel bringt. Wenns so weitergeht zahl ich endlich mal ein Abo. ;)

Ganesh 16 Übertalent - 5116 - 16. Februar 2012 - 10:02 #

Finde ich gut. Auch, wenn mich bisher keins der getesteten Spiele wirklich genug interessiert hat, um die PSV attraktiv zu machen, finde ich es gut, dass Handhelds hier bedacht werden.

Beim 3DS-Launch fand ich das sehr suboptimal, ein richtiger Test zu dem von dir empohlenen Shadow Wars hätte mich vielleicht vor einem Kauf bewahrt... Auch zu Tales of the Abyss 3D wäre ein Test gut gewesen, auch wenn das erst später erschienen ist. Das Spiel war ja vorher hier in Deutschland nicht rausgekommen und generell sind Tales-Spiele zwar gut angesehen unter Freunden japanischer Kost, aber leider war die Umsetzung nicht so gut, wie man sich das hätte wünschen können. Bei solchen Fällen können Tests dann doch ein wenig helfen.

Wurstdakopp (unregistriert) 16. Februar 2012 - 11:05 #

Ich freue mich über jeden Test, gerade bei neuen Systemen, Anhand meiner Reaktion könnt ihr erkennen, dass euer geplanter Fokus auf das neue System auch so ankommt. Glückwunsch! :)