Düsterer Download-Hit

Limbo Test

Irgendwie ist es das neue Braid, nämlich ein Geheimtipp aus dem XBLA-Katalog, der ganz anders funktioniert als bisherige Spiele. Dieser Indie-Titel sieht aus wie ein Jump-and-run im Scherenschnitt-Stil, ist aber in Wahrheit ein cleverer Puzzle-Reigen mit packender Atmosphäre. GamersGlobal sagt euch, wieso uns Limbo so fasziniert.
Jörg Langer 28. Juli 2010 - 23:44 — vor 9 Jahren aktualisiert
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von Carsten Friedrich


Es ist Nacht. Wir blicken auf eine Waldlichtung. Grau- und Schwarztöne, schwacher Mondschein bahnt sich seinen Weg durch die dichten Äste der mächtigen Bäume. Zwei leuchtende Punkte erscheinen. Ein Augenpaar? Eine schwarze Gestalt erhebt sich. Wir laufen mit dem Jungen, der eben noch bewusstlos auf dem kaltem Waldboden gelegen hat, nach rechts. Der dichte Nebel lässt uns kaum etwas sehen, außer unseren Schritten ist nichts zu hören. Wo sind wir? Was ist dieser düstere Ort? Nach kurzer Zeit stoßen wir auf einen steilen Abhang, den wir hinab wollen. Die Erde ist matschig, wir geraten ins Rutschen. Dann geschieht alles sehr schnell, wir verpassen den richtigen Moment zum Absprung. Der Junge wird von den angespitzten Holzpflöcken in einer Grube durchbohrt.

Die friedliche Idylle trügt: Limbo ist ein gefährlicher Ort, überall lauert ein grausamer Tod.
 
Albtraum in Monochrom

So erleben wir die ersten Minuten im Indie-Spiel Limbo, dem Erstlingswerk das dänischen Entwicklers Playdead. Der Name des Spiels hat übrigens nichts mit dem berühmten Stangentanz zu tun. Limbo ist nämlich auch der englische Begriff für den Limbus. Der ist laut (mittlerweile überholter) katholischer Theologie eine Art Vorhölle für die Seelen ungetaufter Verstorberner (also in der Regel: Kinder). Diese Beschreibung passt ziemlich gut, wie wir finden. Denn was euch in Limbo erwartet, könnte seinen Ursprung tatsächlich direkt in der Hölle haben.

Selten hat es ein Spiel geschafft, gleich von Beginn an eine so zum Zerschneiden dichte, beklemmende Atmosphäre zu erzeugen. Eines ist von Anfang an klar: Die Welt, in die uns Limbo entführt, ist eine voller Gefahren. Eine, in der jeder noch so kleine Grashalm etwas gegen unsere Anwesenheit zu haben scheint. Nicht nur die Flora und Fauna wollen unseren Tod, auch die Bewohner Limbos scheinen nach unserem Leben zu trachten. Das Beklemmende daran: Wir wissen nicht einmal, warum. Die Emotionen, die Limbo in uns auslöst, sind schwer zu beschreiben. Am ehesten könnte man die Erfahrung mit einem Albtraum vergleichen, aus dem wir nicht aufwachen können. In dem schreckliche Dinge passieren und wir hoffen, bald aufzuwachen, und danach nicht erneut denselben Traum zu träumen. Genau so versucht ihr, aus Limbo zu entkommen, aber erst, wenn ihr eure Schwester gefunden habt. Und währenddessen ist da stets die bedrohliche Gewissheit, dass schon der nächste Schritt euren Tod bedeuten könnte. 

Diese an Seilen befestigen Bärenfallen sind nur eine der Gefahren, die in Limbo auf uns lauern.
 
Tödliches Puzzeln

Bevor ihr euch an Limbo wagt, sei euch eines gesagt: Euer Protagonist wird immer und immer wieder sterben. Denn die dänischen Entwickler vertrauen beim Spielprinzip auf das traditionelle „Trial and Error“-System: Ziel bei jedem der Puzzles ist es, durch Ausprobieren ein Hindernis zu überwinden, ohne dabei zu draufzugehen. Das hört sich alles ein bisschen nach Braid an, und der Vergleich liegt auch gar nicht fern. Schließlich gehören beide Spiele zum Genre der Plattform-Puzzler und fordern eurer Geschicklichkeit und euren grauen Zellen einiges ab. Doch während ihr in Jonathan Blows Spiel die Rätsel durch geschicktes Manipulieren der Zeit löst, kommt es bei Limbo darauf an, vorhandene Gegenstände und Maschinen richtig miteinander zu kombinieren. Das können simple Aufzüge sein, aber auch Schalter, die die Schwerkraft umkehren. Im Gegensatz zu Braid ist die Spielwelt jedoch weder in Levels unterteilt, noch werdet ihr auf irgendwelche Ladepausen stoßen. Dadurch habt ihr immer das Gefühl, euch durch eine einzige, große Spielwelt zu bewegen.

Indiana Jones als Scherenschnitt: Das ist nicht die einzige Riesenkugel, vor der ihr im Laufe des Spiels flüchten müsst.
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Action
Jump-and-run
16
Playdead
NBG
21.07.2010 (Xbox 360) • 20.07.2011 (Playstation 3) • 02.08.2011 (PC) • 21.12.2011 (MacOS) • 04.06.2013 (PSVita) • 03.07.2013 (iOS) • 23.06.2014 (Linux) • 05.12.2014 (Xbox One) • 11.02.2015 (Android) • 24.02.2015 (Playstation 4) • 28.06.2018 (Switch)
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