Das Ende der FF-XIII-Trilogie

Lightning Returns - Final Fantasy 13 Test

Im dritten Teil der Final-Fantasy-13-Trilogie seid ihr erstmals allein unterwegs und mit einem nahezu actionartigen Kampfsystem, das sich dann aber doch als taktisch entpuppt: Als schöne, toughe Lightning legt ihr euch mit Bossgegnern, allmächtigen Göttern und sogar der Zeit selbst an. Ist 13-3 gelungen, taugt es zum "Standalone"?
Karsten Scholz 11. Februar 2014 - 14:59 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Wenn wir an Final Fantasy denken, haben wir sofort die wunderschön in Szene gesetzten Rendervideos vor Augen, für die Square seit Jahren bekannt ist. Beim Gedanken an hoch emotionale Szenen wie den Tod von Aeris (Final Fantasy 7) bekommen wir nach all der Zeit noch einen Kloß im Hals. Und natürlich erinnern wir uns auch gerne an die Myriaden epischer Bosse, die wir innerhalb des FF-Universums in die Knie zwingen durften, während uns die orchestrale Musik eine Gänsehaut nach der nächsten verpasste. Genauso verbinden wir mit Final Fantasy aber auch den Drang, sich immer wieder neu zu erfinden und mit jedem Spiel eine frische, weil unbekannte Welt zu kreieren. Auskopplungen und direkte Fortsetzungen wie Final Fantasy 10-2 bildeten lange Zeit die Ausnahme.

Doch brechen die Entwickler im 13. Teil der Serie endgültig mit dieser Tradition und liefern eine aufeinander aufbauende Trilogie ab, die mit Lightning Returns - Final Fantasy 13 ihr Grand Finale erhalten soll. Der dritte Teil der sogenannten Fabula-Nova-Crystallis-Saga setzt 500 Jahre nach dem Ende von Final Fantasy 13-2 (GG-Test: 8.5) an und nimmt auch immer wieder Bezug zu Geschehnissen aus Final Fantasy 13 (GG-Test: 7.5). Das Kampfsystem wurde ziemlich umgemodelt, Lightning ist als Einzelkämpferin unterwegs, die Welt ist im Prinzip eine Open World – dazu kommen die üblichen Zutaten wie fantastische Rendervideos, dramatische Story-Verwicklungen und bildschirmgroße Supergegner. Wer übrigens eine pfiffige Einführung (oder Rekapitulation) des FF13-Hintergrunds sucht, dem sei dieses offizielle Video im 16-Bit-Stil empfohlen.

Der Kreislauf des Lebens
Erst ein Schock und jetzt auch noch Zeitdilatation: Dieser Gegner muss ordentlich einstecken.
Die beiden Welten Cocoon und Grande Pulse, die vielen Charaktere und Orte, leicht zu verwechselnde Begriffe wie Cie´th, L´Cie oder Fal´Cie ... den geschichtlichen Einstieg in die Final-Fantasy-13-Trilogie als sperrig zu bezeichnen, wäre eine maßlose Untertreibung. Dementsprechend froh waren wir, dass die Entwickler im zweiten Teil einen Gang zurückgeschaltet und trotz Zeitreise-Thematik einen deutlich weniger verworrenen Handlungsfaden gesponnen haben. Im Finalteil beschreiten sie den Weg der Verdichtung weiter: Es gibt nur noch eine Welt, Nova Chrysalia, die nach den Geschehnissen von 13-2 aus Grand Pulse und Valhalla entstand und als Inselgruppe durch das Meer des Chaos treibt. Dieses Chaos hat durchaus seine guten Seiten, sorgt es doch dafür, dass die Bewohner der vier Inseln nicht mehr altern. Dennoch ist die Lebenserwartung der Chrysalianer verschwindend gering. Wieso? In sieben Tagen wird die Welt untergehen!

Eigentlich nicht schlimm, so ein Weltuntergang ... zumindest wenn man einen Gott wie Bhunivelze in der Hinterhand weiß, der bereits plant, die alte Welt durch eine neue Version zu ersetzen. Um diese mit Leben zu füllen, braucht er aber die Hilfe von Lightning, die er mal eben aus dem Kristallschlaf (Fragt nicht! Sie hat sich halt geopfert, um... nein, fragt nicht!) erweckt. Die ebenso taffe wie wunderschöne Soldatin soll, mit göttlichen Kräften ausgestattet, in den verbleibenden Tagen möglichst viele Menschenseelen retten. Denn nur die Glücklichen und Unschuldigen werden den "Umzug" unbeschadet überstehen, alle anderen für immer im Chaos verschwinden. Damit ihr das gelingt, muss Lightning den Untergang von Nova Chrysalia so lange wie möglich verzögern. Doch spätestens nach 13 Tagen wird Bilanz gezogen –  dann erwacht Bhunivelze und nimmt nur jene Seelen mit in die neue Welt, die Lightning in der Zwischenzeit retten konnte.

Auch ohne FF13-1/2 genießbar?
Ihr bereist insgesamt vier Zonen. In welcher Reihenfolge ihr die Gebiete besucht, bleibt euch überlassen.
Wir sprachen eben absichtlich von "Verdichtung" statt "Simplifizierung", denn wir finden die Straffung der Story gut! Wobei "Straffung" es auch nicht ganz trifft: Neben der großen Rettungsmission erwarten euch gleich mehrere Hauptquestlinien plus unzählige Nebenhandlungen. Pro- und Antagonisten lassen sich nur selten in die Schubladen "Schwarz" und "Weiß" stecken, sondern wandeln mit ihren nachvollziehbaren Motiven häufig in einer für denkende Spieler angenehmen Grauzone. Doch natürlich gibt es auch die für die Final-Fantasy-Serie so typische Portion Pathos, samt emotionalen Enthüllungen sowie dem einen oder anderen Story-Twist. Dennoch mussten wir zu keiner Zeit das ausführliche Datenlog des Spiels studieren, um am Ball bleiben zu können.

Selbst die Verbindungen zu den ersten beiden Teilen werden ohne allzu viel verwirrendes Vokabular geknüpft und gut genug erklärt, damit ihr auch dann der Handlung folgen könnt,  wenn ihr die Vorgänger nicht gespielt habt. Wir raten euch aber, vorher zumindest Final Fantasy 13-2 in eure Xbox 360 oder Playstation 3 einzulegen. Zum einen, weil das Spiel richtig gut ist, und zum anderen, weil Lightning Returns zeitweise an ein Klassentreffen der Fabula-Nova-Crystallis-Charaktere erinnert. Wenn ihr mit Namen wie Hope, Snow, Sazh oder Serah nichts anfangen könnt, werden euch viele Geschehnisse bis zum Weltuntergang sehr viel weniger berühren, als wenn ihr mit den Personen schon mehrfach durch Dick und Dünn gegangen seid. Um also unsere Frage zu beantworten: Ja, man kann Lightning Returns
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auch ohne Kenntnis der beiden Vorgänger spielen (vielleicht noch besser als 13-2), aber der Spielgenuss wird definitiv etwas geringer sein.

Trotz all der bekannten Figuren steuert ihr Lightning, bis auf wenige Ausnahmen, allein durchs RPG. Einzig der wieder jung gewordene Hope steht euch von Beginn an helfend zur Seite. Doch nicht etwa im Kampf, sondern aus der Arche heraus – einer Art Kontrollzentrum jenseits des Raum-Zeit-Gefüges, in der die Heldin Kraft für den jeweils nächsten Tag tanken kann. Hope füllt dort auf Wunsch eure Vorräte auf und liefert während euren Reisen aus dem Off wichtige Hintergrundinformationen. Apropos Arche: Jeden Tag werdet ihr pünktlich um 6:00 Uhr auf diesen Himmelskörper teleportiert, um die geretteten Seelen freizulassen. Habt ihr in den letzten 24 Stunden genug eingesammelt, wird euch ein weiterer Tag geschenkt, bis ihr schließlich den dreizehnten und damit letzten Tag erreicht. Wenn der Weltuntergang frühzeitig ausbricht, weil ihr zum Beispiel tagelang in der nächstbesten Taverne versackt oder orientierungslos in der offenen Welt herumgeirrt seid, habt ihr versagt und die Menschheit wird ohne Ausnahme vernichtet.
Selbst bei 08/15-Gegnern wie diesem Chefpudding müsst ihr Angriffe wie diesen Feuerzauber zwingend blocken.
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