Multiplayer-Ballerspaß mit Zeitspielerei

Lemnis Gate Test

Hagen Gehritz 7. Oktober 2021 - 13:31 — vor 7 Wochen aktualisiert
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Der Gegner links haucht sein Bildschirmleben aus, bleibt aber noch schemenhaft im Spiel (roter Geist). Sollte er in einer späteren Runde gerettet werden, darf er seine Aktionen weiter ausführen.
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Einheitsbreiiges Leveldesign

Es gibt ein Dutzend Maps mit vier verschiedenen Siegbedingungen. „Seek & Destroy“ ist eine Abwandlung des klassischen Counter-Strike-Prinzips: Eine Mannschaft greift verschiedene Objekte an, während die Kontrahenten versuchen, die Einsatzziele zu verteidigen. Bei „XM Beschaffen“ handelt es sich um eine Art Capture the Flag: Ihr sammelt Energiebälle ein und tragt diese zurück zur eigenen Basis. In „Domination“ geht es darum, Knotenpunkte durch Beschuss für das eigene Team zu sichern. Und natürlich darf das klassische Deathmatch nicht fehlen.

 
Mit zwölf Karten, vier Spielmodi  und zwei verschiedenen Ablaufarten bietet Lemnis Gate viel Spiel fürs (kleine) Geld.
Die zwölf Karten führen euch durch verschiedene Science-Fiction-Szenarien: darunter einen Dschungelplaneten mit verschlungenen Laufpfaden, ein High-Tech-Labor mit mehreren Ebenen und strategisch platzierten Sprungkissen oder eine Wüstenoase unter einem orange-roten Himmelszelt. Die Levels sind ganz hübsch anzuschauen und weitgehend gut ausbalanciert. Es gibt ein, zwei unrühmliche Ausnahmen mit klaren Vorteilen für eine Seite; da man aber nach der Halbzeit die Startpositionen wechselt, gleicht sich das aus.

Allerdings gelingt es Lemnis Gate einfach nicht, einen eigenen Stil zu finden. Anders als die einfallsreiche Spielmechanik wirken sowohl das Design, die Bewaffnung und Sprüche der Helden als auch die Level-Optik enttäuschend generisch. 08/15- Science-Fiction eben. Immerhin: Mit der jüngsten Version der Unreal Engine baut Lemnis Gate auf ein solides Technikgerüst, das auch auf Mittelklasse-Rechnern und Last-Gen-Konsolen gut performt. Und angesichts des Budget-Preises (knappe 17 Euro für die PC- und Konsolenfassung) ist die Vielfalt an Inhalten durchaus beeindruckend (zumal bislang ohne zusätzliche Bezahlinhalte).
Scharfschütze Striker kann auf Knopfdruck die Zeit verlangsamen, um präzise zielen zu können – was durch die leicht schwammige Steuerung erschwert wird.

Mangelnde Präzision

Weniger schön ist, dass Lemnis Gate zum Start mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. So funktionierte anfangs der Spielfinder der Xbox-Version nicht richtig und die PC-Fassung stürzte mehrfach mitten im Match ab oder verlor die Netzwerkverbindung. Nach dem ersten Patch scheint es glücklicherweise weniger Crashes zu geben. Ein Problem besteht allerdings weiterhin: Die Steuerung ist mir am PC gerade für einen Shooter nicht präzise genug. Ich würde sie zwar nicht unbedingt schwammig nennen, aber sowohl mit dem Gamepad als auch mit Maus und Tastatur gibt es am Rechenknecht eine kleine, aber spürbare Eingabeverzögerung, welche Bewegungen und vor allem das Zielen erschwert.

Zwar ist Lemnis Gate keine Scharfschützensimulation, wo es darauf ankommt, einem gegnerischen General auf einen Kilometer Entfernung die Zigarre zwischen den Zähnen herauszuschießen. Dennoch habe ich mich beim Spielen mehr als einmal darüber geärgert, dass meine Raketen nicht im Ziel einschlugen oder mein Held abgestürzt ist, statt über den Abgrund zu springen, weil das Programm den Knopfdruck zu spät registriert hat – trotz konstant hoher Framerate. Hoffen wir, dass die Macher von Ratloop Games Canada auch diesbezüglich per Update Abhilfe schaffen – verdient hätte es das ansonsten gelungene Lemnis Gate jedenfalls.

Autor: Rüdiger Steidle, Redaktion: Hagen Gehritz (GamersGlobal)
 

Meinung: Rüdiger Steidle

Lemnis Gate könnte der Überraschungs-Hit des Jahres und einer der besten Shooter 2021 sein, wäre da nicht die träge Steuerung am PC. Die stört mich persönlich so sehr, dass ich einen vollen Notenpunkt von der Gesamtwertung abziehe. Damit wird aus dem potentiellen „Sehr gut“ nur ein „Gut“. Trotzdem möchte ich wie schon weiter oben im Artikel jedem Action-Fan raten, Lemnis Gate eine Chance zu geben. Denn die innovative Spielmechanik funktioniert wesentlich besser und sorgt für spannendere Begegnungen, als die umständliche Beschreibung des Spielablaufs vermitteln kann.

Weil jede neue Runde eine Partie völlig drehen kann, bleibt fast jedes Match bis zur letzten Sekunde spannend. Ich kenne keinen anderen Shooter, der taktisches Zusammenspiel und strategische Planung so stark fordert wie Lemnis Gate. Dass sich das Schießspektakel an anderen Stellen wie beim Leveldesign oder bei den Heldenklassen weniger eigenständig zeigt als beim Gameplay – geschenkt!

Deshalb: Wenn ihr das Genre mögt und von den immer gleichen Neuauflagen uralter Konzepte gelangweilt seid, dann probiert Lemnis Gate unbedingt aus! Bei dem günstigen Kaufpreis macht ihr nichts falsch und das Game kann zusätzliche Spieler gut gebrauchen – denn leider sinkt die Anzahl der Partien bereits eine Woche nach dem Release. (Noch gibt es aber keine Warteschlangen.)
 
LEMNIS GATE PC
Einstieg/Bedienung
  • Gut gemachtes Tutorial
  • Bot-Training und freie Karten-Erkundung
  • Standard-Shooter-Steuerung
  • Viele Einstellungsmöglichkeiten für Interface und Darstellung
  • Etwas zu träge Steuerung mindert den Spaß in getesteter PC-Fassung
  • Nur eine Karte mit Bots spielbar
Spieltiefe/Balance
  • Sieben Helden mit deutlichen Unterschieden
  • Jede Klasse hat eigene Waffen/Fähigkeiten 
  • Zwölf weitgehend gut ausbalancierte Maps
  • Vier klassische Wettkampftypen und sechs Spielmodi (je drei für einen oder zwei Spieler pro Team)
  • Innovative Zeitschleifenmechanik
  • Beobachtungsmodus hilft bei der Planung
  • Ranglistensystem und Matchmaker
  • Belohnungspunkte für Helden-Outfits und Emotes
  • Auf einigen Maps hat Team auf einer Seite klar Vorteile (Seiten wechseln aber)
  • Keine Solokampagne
  • Hintergrundgeschichte nicht erwähnenswert
Grafik/Technik
  • Gemäßigte Systemanforderungen
  • Umfangreiche Grafikoptionen
  • Detaillierte Levels und Spielfiguren
  • Nette Beleuchtungs- und Spezialeffekte
  • Generisches Art Design
  • Seltene Abstürze
  • Gewöhnungsbedürftige Weichzeichnereffekte nicht komplett abschaltbar
Sound/Sprache
  • Musik und Sprachausgabe im positiven Sinne unauffällig
 
Multiplayer
  • Fordert nicht nur Fingerfertigkeit, sondern auch Gedankenakrobatik
  • Fördert Teamplay und taktische Planung
  • Kurze, aber intensive und spannende Begegnungen
  • Abwechselndes Offline-Spiel an der gleichen Maschine möglich
  • Kein eingebauter Zuschauermodus
7.0
Userwertung0.0
Mikrotransaktionen
Hardware-Info
Minimum: Win 7, i5-4590/FX-8350, 8 GB RAM, GTX 970/RX 480, 35 GB HDD
Maximum: Win 10, i7-4790/Ryzen 5 1400, 16 GB RAM, GTX 1070/RX Vega 56, 35 GB HDD
 
Eingabegeräte
  • Maus/Tastatur
  • Gamepad
  • Lenkrad
  • Anderes
Virtual Reality
  • Oculus Rift
  • HTC Vive
  • Playstation VR
  • Anderes
Kopierschutz
  • Steam
  • Kopierschutzlose GoG-Version
  • Epic Games Store
  • uPlay
  • Origin
  • Hersteller-Kontoanbindung
  • Ständige Internetverbindung
  • Internetverbindung beim Start
 
Hagen Gehritz 7. Oktober 2021 - 13:31 — vor 7 Wochen aktualisiert
Hagen Gehritz Redakteur - P - 77538 - 7. Oktober 2021 - 13:31 #

Viel Spaß mit Rüdigers Test!

Doktorjoe 18 Doppel-Voter - - 9412 - 7. Oktober 2021 - 14:04 #

Erstmal Death Loop durchspielen :)

Rüdiger Steidle Freier Redakteur - P - 12566 - 7. Oktober 2021 - 14:09 #

Aber nicht mehrfach! ;-)

Doktorjoe 18 Doppel-Voter - - 9412 - 7. Oktober 2021 - 14:15 #

Bei mir würde das Spiel daran scheitern, dass ich niemanden habe, mit dem ich das kooperativ spielen kann. Und an Spaß mit Zufallspartnern glaube ich dabei nicht (für mich).

Faerwynn 19 Megatalent - - 15763 - 7. Oktober 2021 - 14:22 #

Also für den Preis schaue ich mir das auf jeden Fall an.

Shake_s_beer 15 Kenner - - 3006 - 7. Oktober 2021 - 14:33 #

Vielen Dank für den aufschlussreichen Test!

Das klingt wirklich interessant. Zugegeben, trotz Rüdigers Mühe, das Prinzip in Textform zu beschreiben, habe ich es noch nicht so ganz geschnallt. Wie im Text auch steht, muss man es wahrscheinlich einfach mal gesehen haben. Spannend und erfrischend anders klingt es aber auf jeden Fall. Wenn ich jemanden finde, mit dem ich spielen kann, werde ich sicher mal reinschauen. :)

Rüdiger Steidle Freier Redakteur - P - 12566 - 7. Oktober 2021 - 14:58 #

Das Gamersglobal-Video von der Preview könnte einen Blick wert sein, es zeigt das Spiel zumindest in Bewegung. Bei mehr Interesse vielleicht mal einen Twitch-Stream suchen?

Shake_s_beer 15 Kenner - - 3006 - 7. Oktober 2021 - 16:29 #

Danke, den Link auf Deine Preview hatte ich im Test gelesen vorhin. Jetzt konnte ich es mir auch mal anschauen. Mit Videounterstützung habe ich es soweit verstanden, denke ich. Ist schon ein wirklich interessanter Ansatz für einen Shooter. Denke ich werde es via GamePass die Tage einfach mal ausprobieren. :)

Zille 20 Gold-Gamer - - 23374 - 7. Oktober 2021 - 14:46 #

Das Spiel ist auch im Gamepass, glaube ich.

Jamison Wolf 18 Doppel-Voter - P - 12372 - 7. Oktober 2021 - 14:48 #

Glaubste richtig. ;)

Old Lion 27 Spiele-Experte - P - 77678 - 7. Oktober 2021 - 16:41 #

Nach knapp 50 Partien bin ich doch etwas zwiegespalten. Die Idee ist, ohne Frage, sehr erfrischend und mal was Neuse. Zugleich auch faszinierend, weil dauernd Dinge geschehen, die man nur schwer vorhersehen könnt. Das Spiel will aber rundenstrategisch gespielt werden und dafür ist es mir zu arcadig. Rush ist in meinen Augen overpowered. Einige Charaktere nimmt man fast, andere fast nur. Ich denke, es fehlt dem Spiel noch ein bisschen an Balance.

Rüdiger Steidle Freier Redakteur - P - 12566 - 7. Oktober 2021 - 17:31 #

Übers Balancing traue ich mir nach den wenigen Spielstunden (Richtung 10 oder so) kaum ein Urteil zu, dass Rush aber der beliebteste "Ausputzer" zu sein scheint, ist mir auch schon aufgefallen. Irgendwie eine Kopie von Tracer, oder?

Old Lion 27 Spiele-Experte - P - 77678 - 7. Oktober 2021 - 17:54 #

Ja, möglich. Vor allem super schnell, zu schnell fast, um den mal eben zu stoppen oder in seiner Bewegung zu unterbrechen. Dadurch, dass ja 25 Sekunden recht fix rum sind, muss man dann den genauen Zeitpunkt für eine Mine oder Granate abpassen. Denn einen zweiten Versuch gibt es nicht.

EddieDean 16 Übertalent - P - 4457 - 7. Oktober 2021 - 16:46 #

Respekt für denjenigen, der dieses Spielprinzip beim Pitch gegenüber Investoren beschrieben und genehmigt bekommen hat

rammmses 21 Motivator - - 27101 - 7. Oktober 2021 - 17:56 #

Ja und wenig Respekt für den, der es durchgewinkt hat. Das wird nie und nimmer ein Hit.

Alain 19 Megatalent - P - 16943 - 7. Oktober 2021 - 21:22 #

Es kribbelt mir sehr in den Fingern das in die Finger zu bekommen...

Die Idee klingt einfach genial und ich muss es mal Anspielen - mag sein dass ich es dann nicht mögen werde, aber hey.

Klingt wenigstens mal innovativ.

Rüdiger Steidle Freier Redakteur - P - 12566 - 8. Oktober 2021 - 9:12 #

Wie im Test geschrieben: Für 17 Euro kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Sollte es nicht gefallen, kann man wenigstens von sich behaupten, mal einen Shooter der "etwas anderen Art" gespielt zu haben. Ich habe den Verdacht, Lemnis Gate könnte in 10 Jahren in der einen oder anderen Top Ten der 20er Jahre landen - und sei es nur in den "Oddball Games" oder so. :)

rofen 14 Komm-Experte - P - 2322 - 7. Oktober 2021 - 21:25 #

Also das Spielprinzip finde ich schon sehr faszinierend. Wenn ich mehr Zeit hätte würde ich das ausprobieren. Vielleicht kann es ja eine SDK dazu geben. 25 Sekunden pro Runde, das macht 2 pro Minute, das macht 120 pro Stunde ... :-)

MachineryJoe 18 Doppel-Voter - P - 9120 - 8. Oktober 2021 - 8:06 #

Das wird vermutlich nicht funktionieren. Die Lernkurve ist steil. Die erste Stunde verbringt man eher in den spielbaren Tutorials, wo man die einzelnen Charakter-Klassen und das Spielprinzip kennenlernt.

Rüdiger Steidle Freier Redakteur - P - 12566 - 8. Oktober 2021 - 9:13 #

Das ist richtig. Man kann sich natürlich gleich ins erste Gefecht stürzen, dann hat man aber keine Ahnung, wie das Spielprinzip funktioniert oder was die unterschiedlichen Klassen machen. Mindestens eine halbe Stunde würde ich für die ersten Gehversuche auf jeden Fall veranschlagen.