Test: MMO in den Kinderschuhen

Lego Universe Test

“Lego” ist die dänische Verkürzung von “Leg godt”, was auf Deutsch so viel heißt wie “Spiel gut”. Ist damit auch das Fazit gezogen für die einzigartige Kombination aus Baukasten und MMO von Lego Universe? Wir sind für euch durch den Klötzchen-Dschungel gezogen, haben uns mit Plastik-Piraten und Co. angelegt, um das herauszufinden.
Jörg Langer 22. Dezember 2010 - 0:19 — vor 8 Jahren aktualisiert
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Viele viele bunte Steinchen! Was haben wir nicht schon alles für Abenteuer erlebt als Lego-Held: Als Indiana Jones vermöbelten wir böse Nazi-Männchen, als Han Solo zerlegten wir fiese Sturmtrüppchen in ihre Einzelsteine. Und als Harry Potter im Duell mit ihr-wisst-schon-wem sind wir als Sieger hervor gegangen. Doch die meist sehr gelungenen Lego-Actionspiele von Traveller's Tales beziehungsweise Activision haben euch nie die Freiheit gegeben, für die Lego eigentlich steht. Das soll mit Lego Universe von NetDevil anders werden. Das für Familien gedachte MMO bietet euch und gegebenenfalls euren Kindern eine frei erkundbare Welt komplett aus Lego -- mit Themen wie Piraten, Raumpiloten und Ninjas. Dort könnt ihr eurem Ideenreichtum freien Lauf lassen und basteln, bis das letzte Klötzchen verbaut ist. Ob aber mit Minecraft-Faszination oder eher altem Plastik ähnelnd, das verrät euch unser Test.

In der Piratenbucht auf dem Asteroid "Knorriger Wald" können wir Kanonen abfeuern und vergrabene Schätze heben.

Überschaubar und niedlich
 
Lego Universe sieht zwar auf den ersten Blick aus wie ein waschechtes MMO, im Vergleich zu anderen aktuellen Vertretern des Genres, allen voran World of Warcraft, ist es aber sehr klein und überschaubar. Das kommt der eigentlichen Zielgruppe zugute, die eher bei Kindern zwischen 6 und 12 Jahren sowie deren Eltern liegen dürfte als beim typischen MMO-Spieler. Doch auch eingedenk dessen ist das Lego-Universum doch sehr überschaubar gehalten: Gerade mal sechs einzigartige Gebiete erwarten euch im Moment, keines davon ist besonders groß. Im Vergleich zu den detailverliebten Levels der bisherigen Computerspiele mit "Lego"-Marke wirken die Schauplätze zudem fast klinisch rein. Immerhin: Zu jedem Gebiet steht ein zusätzlicher Bereich zur Verfügung, den ihr als euer Grundstück in Besitz nehmen dürft -- um euch darauf später im freien Baumodus mit den von euch gesammelten Lego-Steinchen auszutoben.
Warum ihr in der Welt von Lego unterwegs seid, ist schnell erklärt: Durch den Größenwahn des Industriemagnaten Baron Typhonus verwandelt sich die Energiequelle des Universums in einen dunklen Mahlstrom, der den Planeten Crux in mehrere Teile zerreißt. In der Folge bedroht der Mahlstrom das gesamte Lego-Universum und sondert schattenhafte Kreaturen ab, die ihr als Mitglied einer von vier der Nexus-Fraktionen bekämpfen müsst.

Die einzelnen Gebiete von Lego Universe sind dementsprechend Planetenbruchstücke, zwischen denen ihr per selbstgebastelter Rakete hin- und herjetten könnt. Dabei dürfen die typischen Umgebungen wie ein düsterer Wald, eine Piratenbucht, ein Dschungel mit fiesen Gorillas oder ein japanisch angehauchtes Tal samt Ninjas und Samurai nicht fehlen. Durch eure Bau-Aktionen auf eurer eigenen Insel sowie den Kampf gegen düstere Kreaturen entreißt ihr dem Baron nach und nach die Welt wieder.
 
Hochleveln? Blöcke tauschen!
 
Wer bei MMO automatisch an Charakterattribute und Levelaufstiege denkt, wird sich bei Lego Universe wundern: Gelevelt wird nicht. Und die Rolle eures Charakters -- etwa Haudrauf, Fernkämpfer oder Bauarbeiter -- verändert ihr schlicht mit eurem Aussehen. Die Auswahl ist groß: Vom Weltraumdieb bis zur Prinzessin ist alles vorhanden, was sich der geneeigte Lego-Spieler wünschen mag. Wer gerade kein Rüstungsset hat, setzt sich aus mehreren Einzelteilen seine individuelle Kleidung zusammen - verzichtet dabei aber auf die begehrten Set-Boni. Erfreulich: Ähnlich wie bei Herr der Ringe Online stehen euch meist mehrere Kleidungsstücke des selben Typs in verschiedenen Ausprägungen als Questbelohnung zur Auswahl. Spezielle Fähigkeiten erhaltet ihr ausschließlich durch das Überstülpen bestimmter Gegenstände. Nachteil dieser durchaus originellen Charakterentwicklung: Ein großer Teil der Motivation normaler MMOs, die auf dem stetigen Hochleveln besteht, fällt weg. Den jüngeren Spielern mag das nicht so sehr auffallen, uns hat der stetig wachsende Erfahrungsbalken jedoch gefehlt.

Euren Sammeltrieb könnt ihr im Lego-Universum dennoch ausleben. Zum einen wären da Münzen und Fraktionsmarken, mit denen ihr Ausrüstung, Nahrung und natürlich Legosteine bei diversen Händlern kauft. Außerdem gilt es, Lebens-, Verteidigungs- und Phantasiepunkte anzuhäufen und Dutzende Achievements zu verdienen. Phantasiepunkte sind besonders wichtig, um damit bestimmte Gegenstände in der Spielwelt konstruieren zu können. Wollt ihr beispielsweise einen Abgrund überqueren, machen euch ein paar hüpfende Bausteine an dessen Rand darauf aufmerksam, dass dort eine Brücke möglich ist. Diese baut ihr dann wie aus den anderen Lego-Spielen gewohnt durch das simple Festhalten einer bestimmten Taste. Leider zerfällt der erbaute Steg nach kurzer Zeit wieder in seine Einzelteile, sodass man ihn beim Rückweg erneut zusammensetzen muss.

Da einige Quests ein dauerndes Hin- und Herlaufen zwischen verschiedenen Bereichen erfordern, kann dieser Bastelzwang mitunter nerven. Ohnehin bewegt sich euer Legomännlein nicht gerade flott durch die Welt; Reittiere haben die Entwickler nicht vorgesehen. Zwischen den einzelnen Hauptgebieten wechselt ihr mit einer selbstgebastelten Rakete, die ihr euch bereits im Tutorial erspielt. Dummerweise könnt ihr nicht von überall, sondern nur von den in der Welt verstreuten Startrampen aus losdüsen. Außerdem fliegt ihr immer nur von Asteroid A nach Asteroid B und dann nach C, statt direkt von A nach C. Die Folge sind langatmige Laufwege -- als hätten die Designer versucht, die kleine Welt künstlich größer wirken zu lassen.
 
Ab und zu regnet oder schneit es auch mal. Rechts oben seht ihr die zoombare Minimap mit Missionszielen.
 
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