Test: WiiU-Weckruf?

Legend of Zelda - Wind Waker HD Test

HD-Remakes von bekannten Spieleklassikern sind schwer in Mode, nun trifft es auch eine der populärsten Spielserien aller Zeiten: The Legend of Zelda. In The Wind Waker sticht der Held im grünen Gewand in See und bricht auf, nicht nur die Prinzessin, sondern den ganzen Kontinent zu retten. Doch lohnt sich das WiiU-Spiel zum Vollpreis?
Florian Pfeffer 21. September 2013 - 16:28 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal.

Wer sich für eine ausführliche und ausgesprochen interessante Darstellung der Geschichte und der Hintergründe der Zelda-Serie interessiert, dem können wir unseren Report aus der Reihe „Kult-Klassiker“ nur wärmstens ans Herz legen. Dort ist auch zu lesen, dass Zeldas Schöpfer, Nintendos berühmtester Spieldesigner Shigeru Miyamoto, die Welt der Zelda-Spiele im Gegensatz zu den sehr linearen Super Mario-Titeln immer offen gestalten wollte. Wie wir später noch sehen werden, ist diese Vision bei The Wind Waker HD (WWHD) auf gelungene Art und Weise umgesetzt. Was jetzt aber auch nicht das größte Wunder ist: Bis auf einige kleinere und wenige mittelgroße Ergänzungen (und natürlich die hübschere Grafik) bekommt ihr im Prinzip das alte Spiel erneut, wie es schon auf dem Gamecube 2003 viele Fans begeisterte.

Nach dem offiziellen Zelda-Kanon (der in Fankreisen durchaus umstritten ist) teilt sich die Zeitlinie, auf der sich die nunmehr fast 20 Serienteile aufreihen lassen, nach den Ereignissen in Ocarina of Time (GG-Test der 3DS-Version 9.0) in drei separate Stränge auf. Falls der Held am Ende des Spiels erfolgreich ist, den bösen Oberschurken Ganon aufhalten kann und dieser verbannt wird, ergibt sich eine Zeitlinie, in der als chronologisch erster Titel The Wind Waker spielt. Das Königreich Hyrule ist zu Beginn des Spiels von einer riesigen Wasserfläche bedeckt, lediglich die Bergspitzen ragen als Inseln hervor. Diese Sintflut wurde von den Göttinnen ausgelöst, um Ganon zu bannen und die Welt von Hyrule zu versiegeln. Wie sich herausstellt, ist Ganon nur jedoch vermeintlich gebannt und zieht im Hintergrund schon wieder an diversen Strängen.

Die Heldenreise beginnt
Die Cel-Shading-Grafik wurde dezent überarbeitet und Links Mimik bringt uns immer noch zum Schmunzeln.
Ihr beginnt euer Abenteuer auf einer kleinen und äußerst gemütlichen Insel namens Präludien. Derlei „geistreiche“ Übersetzungen finden sich übrigens zahlreich im Spiel (so heißt etwa ein großer Handelsstützpunkt „Port Monee“) – man kann das witzig finden oder auch nicht. Wir jedenfalls hätten uns manchmal eine etwas weniger gezwungen-lustige Übersetzung der Originalnamen gewünscht. Jedenfalls übernehmt ihr auf Präludien zunächst harmlose Mini-Aufträge wie Rasen mähen, mit der Großmutter plaudern oder entlaufene Schweinchen wieder einfangen. Doch die Handlung spitzt sich zu, als ein Piratenschiff eintrifft und eure Schwester von einem riesigen Vogel entführt wird. Eigentlich hatte der Vogel die Oberpiratin Tetra im Visier, doch nun muss unser Held natürlich eingreifen, sich sein altbekanntes grünes Zipfelmützenkostüm überwerfen und mit Schwert und Schild gegen Hyrules Schurken in den Kampf ziehen.

Im Handlungsverlauf von Wind Waker HD wird der Hauptcharakter Link vom Normalo, der zunächst ein paar belanglose Aufgaben in einem relativ überschaubaren Umfeld erledigen muss, schließlich bis zum mächtigsten Helden und Retter der Welt geführt. Dieser Verlauf, auch Heldenreise genannt, findet sich in zahllosen Filmen und Videospielen und funktioniert auch hier wieder bestens und erzeugt eine Menge Spannung und Motivation, weiterzuspielen. Die meiste Zeit seid ihr in WWHD auf dem Meer unterwegs, was mit Hilfe eines kleinen sprechenden Segelbootes, dem roten Leuenkönig, geschieht. Dieser birgt auch, wie diverse andere Charaktere, noch ein großes Geheimnis, das im Laufe der Handlung enthüllt wird. Das große Meer ist eine der flächenmäßig umfangreichsten Oberwelten, die überhaupt in der Zelda-Reihe zu bereisen sind, allerdings muss man fairerweise sagen, dass sie zum größten Teil leer ist und nur einige Inselchen tatsächlich angesteuert werden können. Um die Reisezeit zu verkürzen, ist im Gegensatz zum Original ein zweiter, schnellerer Segelmodus dazugekommen.

Der Erwecker des Windes
Das Spiel lebt stark von seinen Jump-and-run-Einlagen, wie hier das Schwingen von Seil zu Seil im Piratenschiff.
Bei der Steuerung des roten Leuenkönigs kommt derjenige Gegenstand zum Einsatz, der Link zum „Wind Waker“, also zum „Erwecker des Windes“, macht: der Taktstock des Windes. Mit ihm könnt ihr die Windrichtung beliebig festlegen, in die ihr segeln wollt, indem ihr ihn drei bestimmte Noten spielen lasst. In der Praxis aktiviert ihr dazu den Taktstock und bewegt den rechten Stick in vordefinierte Richtungen. Um effizient die langen Strecken zwischen den einzelnen Inseln zurücklegen zu können, werdet ihr oftmals auf diese Fähigkeit zurückgreifen müssen. Aber auch innerhalb von Dungeons braucht ihr den Taktstock, um mit Melodien  Rätsel zu lösen, etwa um Barrieren im Tempel der Erde und im Tempel des Windes zu entfernen. Außerdem könnt ihr durch das Dirigieren eine rudimentäre Schnellreisefunktion nutzen oder die Zeit schneller vergehen lassen, sodass die Nacht zum Tag wird oder umgekehrt. Um den Stab zu benutzen, müsst ihr euch pro Lied eine Folge von drei bis sechs Noten (Richtungen) merken und wiederholen.

Die Seefahrten zwischen den Inseln von Hyrule können sich trotz "Schnellsegeln" in die Länge ziehen und sind nicht gerade der spielerische Höhepunkt des Remakes, obwohl sich Nintendo alle Mühe gibt, sie zumindest ein bisschen abwechslungsreich zu gestalten. Es gilt an diversen Stellen vers
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unkene Schätze zu heben, Fahnen-Parcours zu bewältigen, Zyklonen auszuweichen oder versteckte Inselchen zu finden. Dennoch kann sich eine Fahrt von einem Punkt der Karte zum anderen über viele ziemlich langweilige Minuten hinziehen.

Im Gegensatz hierzu stehen die Passagen an Land, die von zahlreichen Hüpf- und Kampfeinlagen geprägt sind. In den abwechslungsreichen Dungeons, von denen fünf größere und viele mittlere und kleinere zur Verfügung stehen, klettert, hüpft, lauft und kämpft ihr, was das Zeug hält. Auch einige kleinere Rätsel müsst ihr lösen, deren Schwierigkeitsgrad sich zwischen dem Merken eines Passwortes auf der einen und dem komplizierten, genau getimten Umlegen von Schaltern auf der anderen Seite der Skala bewegt. Die Rätsel sind allerdings immer fair und die Lösung meist gut ersichtlich. Alternative Lösungswege sucht ihr in den allermeisten Fällen genauso vergeblich wie eine Hilfe, sollte die Situation einmal vollkommen vertrackt sein. Lediglich über einen Kristall, den Link stets bei sich trägt, nimmt gelegentlich die Piratenchefin Tetra mit ihm Kontakt auf und gibt Tipps ab, die meistens aber nicht sonderlich hilfreich sind.
So prächtig kann das versunkene Hyrule sein: Wir sind auf einer kleinen Insel angekommen, wo wir einen Edelstein in einen Götzen einsetzen sollen. Im Hintergrund eines der harmlosen, aber doch nervigen Propeller-Fisch-Biester.
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