Test: Neues Werk der DotA-Macher

League of Legends Test

Die Warcraft-3-Modifkation Defense of the Ancients ist enorm erfolgreich und sehr beliebt. League of Legends besitzt dasselbe Spielprinzip und will auch sehr erfolgreich werden - ob das funktioniert? Und ist es nur eine Neuauflage, die Free-2-Play ist und keine neuen nennenswerten Features bietet? Erfahrt mehr in unserem Test.
Jörg Langer 25. Dezember 2009 - 18:20 — vor 10 Jahren aktualisiert
PC
von Sören Wetterau

Was macht man, wenn man die vielleicht beste Modifikation für ein weltberühmtes Spiel entwickelt und dann ein anderes Team weiterarbeiten dran lässt? Genau, man werkelt am nächsten, komplett eigenen Titel und baut dabei auf der erfolgreichen Mod auf. So ungefähr ist Riot Games vorgegangen, ein von den geistigen Vätern der beliebtesten Warcraft-3-Modifkation Defense of the Ancients gegründetes Studio. Die haben nun League of Legends veröffentlicht, das ohne WC3 lauffähig ist. League of Legends basiert auf den Spielprinzip von DotA und wirkt daher anfangs wie eine Kopie, die sich aber nach nur wenigen Minuten als durchaus eigenständige Fortentwicklung mit sinnvollen neuen Features herrausstellt.

THQ vertreibt  eine Collector's Edition des Spiels, ihr könnt den Client aber kostenlos downloaden. In letzterem Fall lasst ihr aber, so das Kalkül des Herstellers, dennoch Geld, wenn ihr euch zum Beispiel zusätzliche Champions oder Verbesserungen kauft -- wobei sich alles prinzipiell auch erspielen lässt.

Hier beginnt jedes Match. Übrigens können wir auch hier unsere Mana- und Lebenspunkte innerhalb kürzester Zeit auffüllen - praktisch beim Rückzug.

Aller Anfang ist leicht

Was ist eigentlich DotA?
Defense of the Ancients ist eine von Fans erstellte Map für Blizzards Strategiespiel Warcraft 3. Das Spielprinzip beruht auf der Map "Aeon of Strife" von Starcraft. Jeweils zwei Teams aus fünf Spielern versuchen, den gegnerischen "Ancient" zu zerstören, das zentrale Gebäude beider Seiten. Anders als in WarCraft 3 übernimmt jeder Spieler nur einen Helden, den er vor dem Match auswählt. Außerdem wird er von "Creeps", computergesteuerten Einheiten, unterstützt.
Die Pfade zum Ancient werden von Türmen geschützt,  die sofort feuern, wenn sich ein Held ihnen nähert.

Wie schon im Hauptspiel können die Helden in DotA leveln, die Maximalstufe ist 25. Um das innerhalb einer Partie zu schaffen, muss man aber schon sehr viele feindliche Creeps und mehrere Helden besiegen. In einem In-Map-Shop kann man sich während der Partie bessere Items kaufen. DotA bezieht seinen Reiz aus dem immer wieder neuen Zusammenspiel der diversen Heldenklassen. Die populärste Variante (der ursprüngliche Erfinder entfernte den Modifikationsschutz von seiner Map) ist aktuell DotA Allstars.
League of Legends macht es Neueinsteigern einfach. Sobald ihr euch eingeloggt habt, wird euch das Tutorial angeboten. Wer nun beherzt zustimmt, findet sich nach kurzer Ladezeit im Spiel wieder. Unsere einzige Einheit, die wir steuern, ist eine Bogenschützin namens Ashe. Eine wohlklingende weibliche Stimme erklärt uns langsam, aber präzise, die wichtigsten Elemente in League of Legends. Nachdem wir die Grundzüge kennen gelernt haben, müssen wir ein Tutorialmatch gegen einen NPC-Gegner bestehen. Hier erfahren wir unter anderem, dass das Ziel eines jeden Matches ist, den gegnerischen Nexus (ein kristallähnlichesGebäude) zu zerstören. Was so simpel klingt, ist aufgrund zahlreicher Hindernisse komplizierter, als gedacht.

So müssen wir an mindestens drei Geschütztürmen vorbei, um den einzigen Gang von unserem Startpunkt zum Ziel zu schaffen. Die Tutorial-Map entspricht übrigens nicht der "echten", denn die bietet drei Wege zwischen den beiden Basen.

Aber zurück zum Geschützturm: Der verursacht viel Schaden, und würde uns innerhalb von Sekunden töten. Genau deshalb existieren im Spiel NPC-gesteuerte Einheiten, die in regelmäßigen Abständen immer wieder neu spawnen -- die Vassallen. Diese halten zwar weniger aus als wir und machen weniger Schaden, aber sie sind wohlfeiles Kanonenfutter, um den Turm abzulenken, während wir ihn angreifen. Klingt einfach? Dummerweise gibt es noch die gegnerischen Champions, die ihrerseits an unseren Türmen vorbei wollen. Also gibt es an diversen Stellen der Karte Kämpfe, und nur wer Verteidigung und Angriff richtig orchestriert, hat später im echten Spiel eine Chance.

Der Champion: Unser Mann vor Ort

Bei der Heldenauswahl stehen zwischen 11 und 42 Champions bereits, jeder mit eigenen Stärken.
Bevor wir ein richtiges Match starten, müssen wir uns für einen der 42 Champions entscheiden und stehen somit vor der Qual der Wahl. Nehmen wir diesmal die Hexe Morgana oder doch lieber den Werwolf Warwick? Am besten, wir entscheiden uns für unsere Frostbogenschützin Ashe, die wir ja nun schon kennen. Ohne Zukaufen habt ihr zu Beginn 11 Helden zur Auswahl, 31 weitere lassen sich dazukaufen. Und zwar entweder durch Einflusspunkte (die verdient ihr durch normales Spielen), oder aber durch Combat-Punkte (gibt's gegen echtes Geld).

Selbstverständlich unterscheiden sich die Champions teils beträchtlich, und zwar in ihren vier Fähigkeiten und den (erst im Spiel erworbenen) Items. Die Fähigkeiten werden erst durch Hochleveln innerhalb eines Matches freigeschaltet; 18 Levels gibt es maximal. Anders als in DotA erreicht man den höchsten Level in längeren Partien eigentlich immer. Pro Levelaufstieg dürft ihr einen Punkt in eine der vier Fähigkeiten investieren. gibt es einen Punkt, den Ihr in eine der vier Fähigkeiten investieren könnt, den ersten direkt nach Spielstart. Erst ab Level 6 dürft ihr in die vierte, die stärkste Fähigkeit investieren. Der Einsatz eurer Fähigkeiten geschieht blitzschnell, weil ihre Hotkeys um die WASD-Tasten herum verteilt sind. 

Die zweite Individualisierung eurer Helden läuft über die Items, die ihr in einem Shop ersteht. Mana- und Heiltränke, Waffen, Halsketten oder Schuhe, es gibt fast alles, was euer Herz begehrt -- sofern ihr dafür zahlen könnt. Gold verdient ihr, indem ihr Vasallen tötet, Türme zerstört oder gegnerische Champions besiegt.  Während die schwächeren Items für ein paar Hundert Goldstücke erhältlich sind, können die besten 2.000 und mehr kosten. Maximal könnt ihr sechs Items tragen, sodass ihr gut planen solltet. Eine tolle Idee hatte Riot Games mit der Vorschlagsleiste: Die zeigt euch im Shop sofort Gegenstände, die zu eurem Helden passen würden -- das spart Zeit, schließlich könnt ihr nicht minutenlang shoppen, während draußen euer Team überrannt wird.

Indirekt gibt es noch eine dritte Individualisierung: Die Fähigkeiten des Beschwörers, quasi die "Spezialaktionen". Zwei davon sucht ihr vor jedem Match aus, sie müssen nicht innerhalb der Partie freigeschaltet oder hochgelevelt werden, haben aber eine lange Abklingzeit. Beispiele sind Heilung oder Teleportation. Außerdem steht jedem Beschwörer noch der "Rückruf" zur Verfügung, der euren Helden zurück in die Basis versetzt und so manches Mal noch aus einer brenzligen Situation rettet. Aber wie, "Beschwörer", gibt es etwa noch eine zweite Figur, die ihr steuert? Nein, das seid sozusagen ihr, der Spieler, der im Laufe der Matches erfahrener wird und neue "Meisterschaften" erlangt. Mehr dazu später.

5 Beispiel-Champions
Der Tank Allistair ist ein Minotaurus und teilt nicht sonderlich viel aus, steckt aber eine Menge ein. Zudem kann er seine Verbündeten mit einem Schrei stärken und Gegner betäuben. Besonders seine Fähigkeit Pulverisieren ist gefürchtet, die Gegner in die Luft wirft und beim Aufprall betäubt.

Die Mumie Amumu hält viel aus und kann zaubern -- dementsprechend spielt man sie entweder als Tank oder Magier. Amumum betäubt Gegner und zieht ihnen solange jede Sekunde Lebenspunkte ab.

Anivia ist ein Eisphönix, der starke magische Attacken beherrscht. Kompliziert zu spielen, da seine Frostfähigkeiten wie "Gletschersturm" (verlangsamt Gegner und schädigt sie stark) quasi perfekt eingesetzt werden müssen.

Annie ist ein, nun ja, Kind, das mit Feuermagie kräftig austeilen kann. Ihr Zauber "Auflösung" gleicht einem Feuerball, doch stirbt das Opfer dadurch, erhält sie das dafür verwendete Mana sofort wieder zurück.

Frostbogenschützin Ashe ist nicht sehr widerstandskräftig, das braucht sie, richtig gespielt, aber auch nicht zu sein. Aus der Ferne setzt sie Gegnern und Türmen zu, wobei insbesondere ihre Fähigkeit "Salve" praktisch ist: Damit verschießt sie 9 Pfeile fächerförmig und kann gleich mehrere Feinde treffen.


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