LWS13: Komplexes Bauernleben

Landwirtschaftssimulator 2013 Test

Zwei Jahre mussten Fans auf die neue Ausgabe des erfolgreichen Landwirtschaftssimulators warten. Nun ist es soweit und die Entwickler haben sich einige Neuerungen einfallen lassen, um virtuelle Landwirte mit mehr Spieltiefe auf den Bauernhof zu locken. Ob sie dafür Lob oder Unverständnis von Gamern ernten, erfahrt ihr in unserem Test.
Tim Gross 28. Oktober 2012 - 13:21 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Bilder stammen von GamersGlobal.

Es ist schon verrückt. Jeder Computerspiel-Spieler, der etwas auf sich hält, rümpft automatisch die Nase, wenn er die unglaubliche Anzahl an "Berufssimulatoren" nur im Laden stehen sieht oder über sie liest. Zu nennen sind beispielsweise der Bus-Simulator, der Spezialtransporte-Simulator, der Werksfeuerwehr-Simulator oder gar der Reeperbahn-Simulator. Das Lesen der Titel alleine klingt mehr nach Arbeit als Spielspaß, was wiederum die zugehörigen Spiele sehr gut beschreibt. Der berühmteste aller Simulatoren ist allerdings ohne Zweifel der Landwirtschaftssimulator von Giants Software, der auch dieses Jahr wieder an der Spitze der Amazon-Verkaufscharts steht - noch vor Assassin’s Creed 3 oder FIFA 13. Ob die Verkaufserfolge zu recht gefeiert werden, muss jeder für sich entscheiden, doch in unserem großen Test von LWS11 (GG-Test: 6.0) des virtuellen Bauernhofs waren wir überrascht, welche Faszination die Casual-Simulation stellenweise entfaltet. Für die aktuelle Version haben sich die Entwickler einige Neuerungen einfallen lassen, um für mehr Spieltiefe zu sorgen. Dazu zählen unter anderem eine Verdreifachung der Nutztiere auf... drei, ein neues Wirtschaftssystem, ständig anfallende Unterhaltskosten für die eigene Traktorflotte und platzierbare Gebäude. Ob die Simulation dadurch zu einem Schwergewicht wird und auch die “echten” Spieler einen Blick riskieren dürfen, war unser Hauptinteresse beim Testen.

Bauer ohne Charakter
Neues seit LWS 2011
Die Entwickler ruhen sich nicht auf ihren abgeernteten Gewinnen aus, sondern bauen ihren Simulator mit konkreten Verbesserungen aus:
  • Deutlich größere Spielwelt
  • Platzierbare Gebäude
  • Neues Wirtschaftssystem mit stärker schwankenden Preisen
  • Verbesserte Grafik und Physik
  • Neue Komfortfunktionen wie das Zurücksetzen einzelner Fahrzeuge
  • Zwei neue Tierarten und zwei neue Feldfrüchte
  • Kaufen beim Händler übersichtlicher
  • Zusätzliche Wachstumsstadien auf den Feldern
  • Minimal verbesserte KI
Am grundlegenden Konzept des LWS 2013 hat sich nichts verändert. Wie in vergangenen Versionen wird das Geschehen auf einem virtuellen Bauernhof simuliert, den ihr als namenloser Bauer ohne irgendwelche Charaktereigenschaften bewirtschaftet; ihr könnt nicht mal bestimmen, wie der arbeitswütige Mann aussieht oder ihn gar als weibliche Variante spielen. Mit technischen Gerätschaften wie Traktoren oder Mähdreschern bearbeitet ihr Felder, auf denen ihr allerlei Zeugs anbaut und später erntet, darunter Weizen, Raps, Mais, Gerste sowie neuerdings Zuckerrüben und Kartoffeln. Zusätzlich kümmert ihr euch um drei Arten von Nutztieren, nämlich Kühe, Hühner und Schafe. Nach der Ernte beziehungsweise dem Melken oder Scheren verkauft ihr eure mühevoll produzierten Nahrungsgüter möglichst gewinnbringend und setzt das verdiente Geld ein, um eure Gerätschaften zu aktualisieren, Arbeitsabläufe zu optimieren oder Hilfsarbeiter einzustellen (quasi eine KI-Komfortfunktion). Nach und nach baut ihr so euren Bauernhof aus und werdet mit jeder Spielstunde ein bisschen reicher und ein bisschen effektiver. All das motiviert zum Weiterspielen, schließlich gibt es immer etwas zu tun.

Hin und her, das ist nicht schwer
Im LWS 2013 erwarten euch erneut riesige Felder, die ihr zumindest zu Spielbeginn in Fleißarbeit abfahren müsst.
Langeweile kann beizeiten dennoch aufkommen. Nach wie vor sind quasi alle Abläufe im Spiel abwechslungsarm, was schlicht daran liegt, dass ihr, wie auf einem Bauernhof zu erwarten, echte Arbeit verrichtet. Ihr verbringt den Großteil eurer Zeit auf eurem Traktoren und fahrt riesige Felder ab, um diese zunächst zu pflügen, im Anschluss zu besäen, zu düngen und schließlich abzuernten. Danach beginnt das Spielchen wieder von vorne, natürlich erst, nachdem ihr die Erde gegrubbert habt.

Das ständige Hin- und Herfahren ist in etwa so spaßig, wie Gras beim Wachsen zu beobachten. Letzteres kommt in abgeschwächter Form ebenfalls im LWS 2013 vor, denn von der Aussaat bis zur Ernte vergeht doch einige Zeit. Glücklicherweise beschleunigt ihr das Ganze mit der Zeitskalierung beziehungsweise nutzt die Wachstumszeit, um euch um andere Felder zu kümmern – womit das stumpfe Abfahren von Neuem losgeht. Obwohl die Abläufe stets gleich sind, gibt es Abwechslung in Form der Gerätschaften, die ihr für die unterschiedlichen Feldfrüchte benötigt. Wollt ihr beispielsweise Kartoffeln anbauen, braucht es zunächst eine spezielle Legemaschine und zum Ernten einen sogenannten Selbstfahrer. All diese Geräte müssen aber zunächst gekauft werden und kosten jede Menge Geld, das durch viel Fleißarbeit (das angesprochene Hin- und Herfahren) erst verdient werden will. Wer sich die besten Maschinen oder gar ein Gebäude wie die Windkraftanlage, die euch regelmäßig Geld einbringt, leisten möchte, ist mehrere Echtwelt-Wochen beschäftigt – selbst wenn ihr euch ein wenig Geld bei der Bank leiht. Schneller scheffelt ihr Geld im Mehrspieler-Modus (dazu später mehr) oder mit unlauteren Mitteln; dabei spielt eine Datei in eurem Savegame eine wichtige Rolle. Hust. Ob wir zu diesem Trick gegriffen haben? Moment, wir haben einen Hustenanfall. Was war noch mal die Frage?

Glücklicherweise gibt es "Hilfsarbeiter", die euch lästige Arbeiten abnehmen – eine erstaunlich chauvinistische Bezeichnung für Mitarbeiter. Gegen ein geringes Entgelt könnt ihr auf jedem eurer Felder während einem bestimmten Arbeitsschritt festlegen, dass ein KI-Bauer eure aktuelle Tätigkeit übernimmt und zu Ende bringt. In der Zwischenzeit kümmert ihr euch um andere Felder oder eure Finanzen. Allerdings ist die künstliche Intelligenz im Gegensatz zum LWS11 zwar verbessert, aber immer noch nicht sehr ausgereift. Es ist uns während des Tests mehrmals passiert, dass ein Helfer mit unserem Mähdrescher an einem Baum hängen blieb und nicht imstande war, sich selbst aus der verzwickten Situation zu befreien. Seinen unverdienten Lohn hat der Blödian selbstverständlich trotzdem eingesackt. Haben es die Helfer oder ihr es irgendwann geschafft, das Feld abzuernten, muss das ganze Getreide noch in Bares umgewandelt werden. Dazu verfrachtet ihr Weizen und Co. mit einem Kipplader durch die halbe Welt zu eine der Abladestellen auf der Karte, um vor Ort eure Ernte zu verkaufen. Dieser Arbeitsschritt lässt sich nicht mit einem Helfer automatisieren und wird schnell zur lästigen Pflicht – eben noch mehr Hin- und Herfahren. Die Helfer können übrigens auch nicht mehrere Arbeitsschritte (erst pflügen, dann säen) autmatisch hintereinander durchfühen. Das neue Wirtschaftssystem reagiert dabei besser als im Vorgänger und sorgt für stärker schwankende Preise. Wenn ihr also ständig nur Raps verkauft, werdet ihr für diesen bald längst nicht mehr so viel Geld erhalten, wie noch zu Beginn eurer Karriere.
Die KI-Helfer nehmen euch viel Arbeit ab. Wer sich geschickt anstellt, kann sogar mit dem Computer zusammenarbeiten und beispielsweise mit dem Kipplader neben dem Mähdrescher herfahren, um dessen Kornspeicher freizuhalten.

Vier Mägen für ein HallelujaDrei Tierarten helfen euch im LWS 2013 dabei, euren Ertrag zu steigern: Kühe, Schafe und Hühner. Zu Spielbeginn solltet ihr euch aber nicht allzu sehr auf die klassischen Tiere aus "Old McDonald has a Farm" freuen, denn Haltung und Nutzung der Tiere ist recht kostenintensiv. Gehen wir zunächst auf die Milchproduktion ein, wozu ihr ganz klassisch Kühe benötigt und nicht etwa Ziegen oder Sojabohnen. Habt ihr einige Muh-Muhs (wir legen Wert auf das h!) beim örtlichen Händler erstanden, werden sie automatisch auf eure von Beginn an vorhandene Kuhweide transportiert. Kleiner Tipp: Ihr könnt beliebig viele Kühe kaufen, die zur Milchproduktion beitragen. Also nicht verwirren lassen, wenn die Weide trotz kräftiger Zukäufe nicht besiedelter wirkt: Massentierhaltung ist möglich, aus Engine-Entlastungsgründen wird einfach nur eine maximale Zahl wirklich dargestellt. Die guten Tierchen mit vier Mägen geben nur dann effektiv Milch, wenn ihr sie ausreichend mit Heu sowie Mais-Häckselgut füttert, und zwar am besten in Kombination. Bekommen die Kühe ausschließlich Heu, sind sie nur halb so produktiv. Auf der Weide kümmert sich ein Melkroboter um das Wichtigste, wobei die superschlauen Wiederkäuer tatsächlich von allein zur Maschine laufen, um die Milch abpu
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mpen zu lassen. Noch komfortabler: Der Milchwagen der Molkerei holt täglich die vorhandene Milch automatisch ab! Unsere Kühe produzieren neben dem feinen weißen Getränk auch Gülle. Diese könnt ihr mit einem separaten Güllewagen als Dünger verwenden, der sogar ein wenig effektiver ist als der kaufbare Industriedünger.

Die Kühe gab es allerdings schon im Vorgänger, wie sieht es mit den beiden neuen Nutztieren aus? Deren "Simulation" ist langweilig. Die Schafe liefern euch Wolle, und aber nicht nur analog zu den Kühen (je mehr, desto besser die Futtermischung), sondern die Herdengröße gibt noch einen zusätzlichen Bonus. Zehn Schafe produzieren also mehr als zehnmal soviel Wolle wie ein Schaf. Eigentlich würden die peniblen Faktenchecker von GamersGlobal vermuten, dass größere Schafsherden pro Schaf weniger Wolle produzieren, weil sich die Viecher doch so schön zusammenballen können und sich gegenseitig wärmen. Unser größter Wunsch ist, dass ein echter Landwirt per Comment für Aufklärung in diesem Punkt sorgen möge! Bei den Hühnern gilt dasselbe Prinzip, hier müsst ihr aber ab und zu vorbeischauen, um die herumliegenden Eier einzusammeln.
Wieder mit von der Partie sind die Kühe. Die produzieren nicht nur Milch, sondern auch Gülle, die ihr wiederum zum Düngen eurer Felder nutzen könnt.
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